Das revolutionäre Schottland 1637-1641


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
31 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Ereignisse der Jahre 1637-1641
1.1 Der St. Giles' Riot und die Entwicklung bis zur General Assembly of the Kirk of Scotland
1.2 Vorbereitungen, die Bishops' Wars, und der Friedensschluss im Juni 1641
1.2.1 Militärische Vorbereitungen und der Erste Bishops' War.
1.2.2 Der Zweite Bishops' War und der Frieden 1641

2 Der National Covenant

3 Die diplomatischen Beziehungen der Covenanter
3.1 Spanien, die Niederlande und Schweden
3.2 Dänemark-Norwegen

Schluss

Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit der Entwicklung in Schottland im Vorfeld des Englischen Bürgerkrieges. Es handelt sich hierbei aber nicht um eine Einschätzung dieser Ereignisse in der Absicht, sie in den Ursachenkomplex des Bürgerkrieges einzuordnen. Stattdessen ist es Ziel der Darstellungen, die revolutionären Entwicklungen in Schottland als selbstständiges Themengebiet zu erfassen. Dabei soll auch ergründet werden, inwiefern das Adjektiv "revolutionär" zu gebrauchen ist.

Der zeitliche Rahmen ist auf die Jahre 1637 bis 1641 begrenzt. 1637 wurde ein neues Prayer Book in Schottland eingeführt. Die Unzufriedenheit mit diesem Prayer Book und einigen anderen kirchlichen Neuerungen der mittelbaren und unmittelbaren Vergangenheit führte am 23. Juli 1637 in der Edinburgher St. Giles Kathedrale zu Unruhen. Kurz darauf brachen weitere Unruhen aus, wobei sich die Geschehnisse von den Städten im zentralen Tiefland ausbreitetetn. Daraufhin wurde eine Entwicklung in Gang gesetzt, die zunächst eine Umformierung der schottischen Verfassung, dann sogar einen Krieg der schottischen Covenanter gegen ihren König Karl I. mit sich brachte. Im Juni 1641 befand sich Karl nach Beendigung der Kriege in Schottland, schloss einen Frieden und akzeptierte die vom schottischen Parlament erlassenen Gesetze.

Die Arbeit gliedert sich in eine Ereignisgeschichte der Jahre 1637 bis 1641, die Besprechung des Scottish National Covenant und danach eine Einordnung in die internationale europäische Entwicklung. Diese Kapitel dienen dazu, die oben aufgeführte Frage nach der Richtigkeit der Bewertung "revolutionär" in diesem Zusammenhang zu diskutieren.

Das erste Kapitel beschreibt den Gang der Ereignisse vom St. Giles' Riot in Edinburgh am 23. Juli 1637 über die Kriege der Jahre 1638 bis 1640 bis zum Friedensschluss im Juni 1641, der vorerst die Bishops' Wars genannten militärischen Auseinandersetzungen zwischen den schottischen Covenantern und König Karl I. beendete. Diese Zeit ist gekennzeichnet von mililtärischen Erfolgen der schottischen Covenanter, die Karl zur Annahme verschiedener Gesetze und Maßnahmen zwingen konnten. Dieser Abschnitt wird als Ereignisgeschichte gestaltet. Zugrunde liegen der Darstellung vor allem David Stevensons The Scottish Revolution[1], Mark Charles Fissels Monografie The Bishops' Wars[2] und Gordon Donaldsons James V -James VII[3] sowie Austin Woolrychs Monografie Britain in Revolution.[4]

Das zweite Kapitel beschäftigt sich eingehender mit dem Scottish National Covenant. Er wurde im Februar 1638 erarbeitet und beinhaltet einige auf den ersten Blick widersprüchliche Aussagen. Der revolutionäre Charakter und die englische und gesamtbritische Bedeutung des Covenant wird in der Forschung viel diskutiert.[5] Dieser Abschnitt geht an den Covenant heran, indem er untersucht, wie er die kirchlichen und staatlichen Strukturen in Schottland beeinflusste, wie in ihm der König seinen Platz fand und inwiefern auf dieser Basis von einem revolutionären Charakter des Covenant gesprochen werden kann. Dem Kapitel liegen in erster Linie die von John Morrill herausgegebene Aufsatzsammlung zum Covenant und Allan Macinnes Arbeit zur Entstehung des Covenant zugrunde.[6]

Das dritte Kapitel versucht die schottischen Entwicklungen in einen europäischen Kontext einzuordnen. Dazu werden als Beispiel die Beziehungen zur skandinavischen Welt betrachtet. Das soll bei der Einschätzung helfen, inwiefern sich die schottischen Untertanen Karls I. als eigener Machtfaktor auf der diplomatischen Bühne präsentierten und verhielten. Als Basis für diesen Abschnitt dienen zum einen Alexia Grosjeans Artikel zu den Covenantern und dem schwedischen Reichsrat[7], zum anderen Steve Murdochs Untersuchungen zu den Beziehungen zwischen dem Haus Stuart und Dänemark-Norwegen.[8]

1 Die Ereignisse der Jahre 1637-1641

Im Folgenden werden in zwei Abschnitten die Ereignisse der Jahre 1637 bis 1641 dargestellt. In einem ersten Teil werden die Entwicklungen von den ersten Unruhen im Sommer 1637 bis zum Ausbruch der Bishops' Wars nachvollzogen. Dabei geht die Arbeit auch kurz darauf ein, was zum St. Giles' Riot am 23. Juli 1637 führte. Der Covenant wird hier nicht näher diskutiert, da die Besprechung ein eigenes Kapitel verdient. Den Schlusspunkt dieses Abschnitts bildet die im Winter 1638in Glasgow zusammengetretene General Assembly of the Kirk of Scotland.

Der zweite Teil beschäftigt sich dann mit den beiden Kriegen zwischen Karl I. und den schottischen Covenantern 1639 und 1640 und den Vorbereitungen der Kontrahenten auf diese militärische Auseinandersetzung sowie die Zeit zwischen dem Zusammentreten der General Assembly und den Bishops' Wars. Zuletzt werdenkurz die Friedensverhandlungen 1640-41 nachvollzogen.

1.1 Der St. Giles' Riot und die Entwicklung bis zur General Assembly of the Kirk of Scotland

Am Tag des St. Giles' Riot[9] wurde in Edinburgh das neue Prayer Book zum ersten Mal im Gottesdienst benutzt. Dieses Prayer Book wurde 1637 zusammen mit einer neuen Liturgie und neuem Kirchenrecht für Schottland eingeführt Schon 1636 hatte Karl I. eine neue Kirchenordnung veröffentlicht. Sie nahm die Autorität der Bischöfe ohne Diskussion als selbstverständlich an, unterließ die Erwähnung von Presbyterien oder der General Assembly und ignorierte auf diese Weise zentrale Elemente der schottischen Kirchenverfassung. Zusätzlich wurde die Nutzung des noch in Arbeit befindlichen Scottish Book of Common Prayer verbindlich gemacht. Durch diese neue Kirchenverfassung wurden verschiedene, dem katholischen Ritus entnommene oder angelehnte Elemente in die schottische Kirche eingeführt:[10] Ein Teil der Apokryphen, die Begehung einiger Heiligenfeste, die Nutzung von Kommuniontischen.

Auch wenn die schottischen Bischöfe die Nutzung des Begriffes presbyter anstelle priest durchsetzen konnten und nicht alle Apokryphen und Heiligenfeste berücksichtigt wurden, war die neue Kirchenordnung dennoch für die streng presbyterianischen Schotten ein Affront.[11] Den größten Anstoß erregte aber, wie Karl die kirchlichen Neuerungen einführte. In Anbetracht der Tatsache, dass die General Assembly of the Kirk in der neuen Kirchenordnung keinen Eingang gefunden hatte, kann man fast schon von Konsequenz sprechen, wenn die Canons ohne Konsultation dieses Gremiums erarbeitet und eingeführt wurden. Karl beanspruchte stattdessen, dass die Einführung und Niederlegung dieser Dokumente allein königliche Prärogative sei. Dass er zudem auch noch anstelle der General Assembly lediglich die Bischöfe konsultierte, führte zu weiterer Unzufriedenheit mit dem Episkopat.[12]

Unsicher ist, inwiefern sich schon vor dem Ausbruch der Unruhen in Folge der ersten Nutzung des Prayer Book am 23. Juli 1637 eine Opposition ausgeformt hatte. Organisiert hatten sich Oppositionellejedenfalls schon und die Planer der Unruhe hatten Kontakte innerhalb des Adels und Bürgertums. Der schottische Rat, in dem auch die schottischen Bischöfe vertreten waren, setzte am 29. Juli sowohl den neuen als auch das alte Prayer Book aus. Ein Bericht an den König sollte in Erfahrung bringen, was als nächstes geschehen sollte. Der Bericht spiegelte die Realität insofern nicht wider, als er die Schwere der Ausschreitungen vom 23. Juli nicht wahrheitsgemäß darstellte. Die Antwort Karls auf den Bericht gebot den Bischöfen wie dem Rat die Neuerungen durchzusetzen.[13] Karl schätzte die Lage falsch ein. Dazu trug sicher bei, dass der Bericht an ihn untertrieben war, aber der König wollte nicht glauben, dass der Widerstand gegen das Prayer Book genuin theologischen Ursprungs war.[14]

Kurz nach den Unruhen formierte sich in Edinburgh und im näheren Umland eine gefestigtere Opposition. Bis zum 20. September erhielt der schottische Rat 68 Petitionen gegen die neue Kirchenordnung. Die Petitionen waren von lokalen Pastoren verfasst worden, sie wurden aber von bürgerlichen Laien in ihren Anstrengungen unterstützt, die sich in Edinburgh versammelten. Hinzu kam ein von lokalem Adel und Klerus unterzeichnetes Bittgesuch. Es sollte die Essenz der Petitionen in einem Schriftstück zusammenfassen. Das Bittgesuch stellte fest, dass die Einführung des Prayer Book nicht althergebrachten Normen entsprochen habe und zudem mit der schottischen Kirk unvereinbare Elemente mit sich gebracht hätte.

Adel, niederer Klerus und bürgerliches Laientum gaben ihrem Protest auf diese Weise eine oppositionelle Stimme gegen die zuletzt eingeführten Neuerungen. Der schottische Rat leitete das Bittgesuch weiter an Karl. Seine Antwort war ganz und gar ablehnend. Das Prayer Book müsse unter allen Umständen eingeführt werden, einem Treffen zwischen Vertretern der Petitionssteller und dem König verwehrte sich Karl.[15]

Nachdem Karl diese Proklamation herausgegeben hatte, konnte die Oppositionsbewegung einen großen Bedeutungszuwachs verzeichnen: Die Stadt Edinburgh, die der Privy Council, der Rat und der Court of Session auf Befehl des Königs im Oktober verlassen sollten, schlug sich auf die Seite der Petenten, stellte eine eigene Petition gegen das Prayer Book und wurde zum Beispiel für fast alle schottischen Städte. Lediglich Aberdeen, dessen episkopale Verwaltung in den Jahren zuvor vorsichtig vorgegangen war und sich als schottisches Zentrum der Anhängerschaft einer Bischofskirche etabliert hatte, schloss sich nicht den Petenten an. In den folgenden Kriegen wurde Aberdeen zu einem Zentrum des Widerstandes gegen die Covenanter.

Die führenden Oppositionellen in Edinburgh machten es sich jetzt zur Aufgabe, zum einen die Bewegung in Schottland zu verbreiten, zum anderen sich effektiv zu organisieren. Sie ließen ein Rundschreiben verfassen, das an alle Presbyterien Schottlands versandt wurde. Im Laufe dieser Entwicklung stellte sich mehr und mehr heraus, dass aus dem St. Giles' Riot eine ständische Oppositionsbewegung geworden war, dass die Stände die Opposition verkörperten. Der nächste Schritt auf diesem Weg, der noch im Februar 1638 zum Scottish National Covenant führte, war die sogenannte national Supplication.

Ihr vorausgegangen war ein zweiter Aufruhr in Edinburgh. Er war entstanden, nachdem Karl die Petenten aufgefordert hatte, die schottische Hauptstadt zu verlassen. Die Stadtbevölkerung revoltierte in diesem Aufstand gegen diese Aufforderung, die durch den schottischen Rat verlesen worden war. Der Rat suchte daraufhin Schutz bei den führenden Petenten, die ihn nach Hollyrood House brachten. Edinburgh war damit fest in den Händen der Opposition.[16]

Das am 18. Oktober 1637 unterzeichnete Bittgesuch verlangte, dass die Bischöfe "be notsuffered to sitt anie more as our judges vntill this caus be tryed and decided According to justice". Sie seien schlechte Berater eines sonst "so gude a King"}[17] Zu den zahlreichen Unterzeichnern aus Adel, Bürgertum und Klerus gesellten sich die wichtigen Städte mit Ausnahme Aberdeens, St Andrews' und Inverness'.[18] [19]

Die Zusammensetzung der ursprünglichen Unterzeichner deutet ebenfalls darauf hin, dass sich die Opposition mehr und mehr als Vertreter der Stände ansah: Es waren Vertreter von einzelnen Städten, aus einer Gruppe von Pastoren gewählte commissioners oder Vertreter lokalen Adels. Im November etablierten sich schließlich in Form der Tables[19] regelrechte ständische Vertretungen, gebildet aus den in Edinburgh vertretenen Petenten als Vertreter ihrer Heimatstädte, Gemeinden oder lokaler Adelsgruppen. Die Zusammensetzung wurde so geregelt, dass alle Regionen Schottlands, jede Gemeinde, jede Stadt und der Adel vertreten war. Bürger, Grundbesitzer, Klerus und hoher Adel wurden als Delegierte ausgewählt.[20]

Dass hinter dieser Entscheidung nicht nur der politische Wille stand, sich effektiv und dauerhaft mit einem Gremiun zu institutionalisieren, sondern dass die einzelnen Petenten auch auf ihre Güter oder ihre Heimatstädte zurückkehren mussten, liegt auf der Hand, zumal Mitte November der Winter nahte. Jeder der Stände, estates, bildete einen Table. Zusammen mit einem weiteren Table, der sich aus den aktivsten Mitgliedern des ersten Table, dem der Adligen, sowie Vertretern aus den drei Gremien der Bürger, der gentry und des Klerus zusammensetzte, wurden fünf Tables gebildet. Im Dezember verlangten sie vom schottischen Rat, als Vertreter der Stände anerkannt zu werden, was beispielsweise das schottische Parlament nie so gewesen war, wie man es von seinem englischen Gegenpart behaupten konnte. Sie wiederholten ihre Forderung, der König müsse das Bittgesuch gegen das Prayer Book entgegennehmen und nahmen schließlich am 21. Dezember 1637 ein weiteres Bittgesuch gegen die Bischöfe an. Dieses veranlasste die Bischöfe, sich auf eigene Inititiative aus dem Rat zu verabschieden. Als der Privy Council das neue Bittgesuch annahm und der Earl of Traquair, seit 1636 Lord Treasurer[21], zu Karl aufbrach, um ihm die Situation zu schildern, entschieden sich die Ständevertreter in den Tables, diese für den Winter aufzulösen und sich in ihre Heimat aufzumachen.[22] Bedenkt man, das während der Mission des Earls of Traquair ohnehin nicht viel mehr verblieb, als die Antwort des Königs abzuwarten, war diese Entscheidung auch sinnvoll, hatte man doch in Schottland mittlerweile breite Unterstützung gesammelt, die Hauptstadt fest im Griff und die Bischöfe zum Austritt aus dem königlich-schottischen Rat bewegen können. Als die erneut ablehnende Antwort Karls I. in Edinburgh Anfang Februar 1638 bekannt wurde, wurden die Tables enreut zusammengerufen. Karl gab darin bekannt, er werde auf keinen Fall am Prayer Book Änderungen vornehmen,[23] übernahm die volle Verantwortung für alle Inhalte des Buches und drohte mit Bestrafung für alle, die sich ohne seine Erlaubnis als Petenten versammelt hatten. Sie sollten heimkehren, dann würde er ihre Fehler übersehen. Ignorierten sie aber diesen Aufruf, so würde er das als Akt des Verrates ansehen.[24]

Auf diese "virtually] [...] declaration of war"[25] reagierten die wieder zusammengetretenen Tables in zweifacher Weise. Zum einen mit der Etablierung des fünten Table als etwas wie eine provisorische Regierung[26], zum anderen mit dem Scottish National Covenant, im Grunde ein Dokument der gegenseitigen Solidarität unter den Covenantern, aber mit weiterreichenden Implikationen.[27]

Hier wie in anderen Fällen zeigte sich, wie sehr Karl die Situation falsch einschätzte. Auch zum Einfluss des Charakters Karls auf seine Entscheidungen sowie die extrem schwierigen Umstände der Erbschaft Karls gibt es einige Forschungen. Sie verweisen auf Vorurteile der Engländer gegen die Schotten, der Schotten gegen die Engländer und die konkreten Probleme, die die versuchte Angleichung der beiden Kirchen verursachten. Zentral ist dabei die These, dass das Eigenbild Karls von sich selbst es ihm nicht möglich machte, das in der Bevölkerung gängige Fremdbild seiner Person zu verstehen. Für ihn sinnvolle Entscheidungen, von deren Richtigkeit er überzeugt war, konnten auf diese Weise bei seinen Untertanen auf völliges Unverständnis stoßen.[28] Dass Karl mit einer solchen Deklaration einen massiven Fehler machte, kann nicht bestritten werden.

Wie weiter oben erwähnt, wird der Covenant an dieser Stelle nicht besprochen. Es soll in diesem ereignisgeschichtlichen Kapitel genügen, einige Grundlagen zu seiner Verbreitung zu nennen.

Am 28. Februar 1638 unterschrieben zunächst Adlige und Grundbesitzer in der St. Giles Kathedrale das Dokument. Am darauffolgenden Tag unterzeichneten Pastoren und Vertreter der Städte, burghs, den Covenant. Einen Tag später wurde er dann der Bevölkerung Edinburghs vorgelegt und danach wurden Kopien des Texts im Land verteilt. Es sollte hier auch erwähnt werden, dass auch Frauen zu den Unterzeichnern gehörten.[29] Der Covenant genoss also durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch und sowohl in den Städten als auch den shires eine breite Unterstützung. Er sollte die gesamte Nation repräsentieren.[30]

Auf den offenen Affront, den der Covenant, wie noch zu sehen sein wird, trotz aller Loylitätsbekundungen zur Krone darstellte, musste Karl schnell reagieren, wenn er verhindern wollte, dass sich Schottland ganz und gar aus seiner Reichweite entfernte. Er ernannte zu diesem Zweck den schottischen Marquis of Hamilton, seinen eigenen Cousin, zu seinem Gesandten[31], der im Mai 1638 nach Norden aufbrach. Auch wenn Karl jetzt endlich auf Kommunikation setzte, war er der Entwicklung schon hinterher. Denn die Covenanter hatten alles andere im Sinn, aber keine Diskussion über den Covenant.[32] Die Rücknahme des Covenant auf der Grundlage, dass er die effektive Regierung Karls in Schottland verhinderte und ein vollkommen ungesetzmäßiges Dokument sei, war die zentrale Forderung Karls an seine schottischen Untertanen. Diese forderten nun aber eine jährliche Einberufung der General Assembly, die Abschaffung der High Commission und der sogenannten Articles of Perth, die eine ganze Reihe religiöser Neuerungen enthielten und noch aus der Zeit von Karls Vater Jakob I. stammten, sowie eine Einschränkung bischöflichen Einflusses und wollten von einer Abkehr vom Covenant schlichtweg nichts wissen[33]. Bevor Hamilton in Schottland angekommen war, hatte Karl nun auch schon einige am seinen englischen Hof befindliche schottische Adlige nach Norden entsandt, um in Schottland selbst die royalistischen Kräfte zu sammeln. Zum einen zeigt das, dass Karl schon auf militärische Auseinandersetzungen spekulierte zum anderen führte es zur Unterminierung der Position Hamiltons noch vor seiner Ankunft in Edinburgh am 08. Juni 1638.[34]

Hamilton war schnell klar, dass die Schotten auf keinen Fall ihre Forderungen aufgeben würden. Zwar hatte Karl ihm Proklamationen mitgegeben, die darauf hinausliefen, dass Karl den Covenantern Pardon gewähren würde, wenn sie den Covenant aufgaben, und dass das Kirchenrecht

[...]


[1] Stevenson, David: The Scottish Revolution, 1637-1644, Newton Abbot 1973.

[2] Fissel, Mark Charles: The Bishops' Wars. Charles I's Campaigns against Scotland, 1638-1640, Cambridge 1994.

[3] Donaldson, Gordon: Scotland: James V - James VII (=The Edinburgh History of Scotland Vol. III, hg. von ders., Edinburgh 1978).

[4] Woolrych, Austin: Birtain in Revolution. 1625-1660, Oxford 2002.

[5] Woolrych: Britain in Revolution , S. 103; Scott, David: Politics and War in the Three Stuart Kingdoms, 1637-49, Houndmills undNew York 2004, S. 16; Morrill, John: The National Covenant in its British Context, in: Ders. (Hg.): The ScottishNational Covenant in its British Context, Edinburgh 1990, S. 1-30, S. 1f.; Macinnes, Allan: The Scottish Constitiution, 1638-1651: The Rise and Fall of Oligarchic Centralism, in: Morril, John (Hg.): The Scottish National Covenant in its British Context, Edinburgh 1990, S. 106-133, S. 106; Macinnes, Allan: Charles I and the Making of the Covenanting Movement. 1625-1641, Edinburgh 1991, S. 173.

[6] Morrill: The National Covenant; Macinnes: Making of the Covenanting Movement.

[7] Grosjean, Alexia: General Alexander Leslie, the Scottish Covenanters and the Riksrad Debates, 1638-1640, in: Macinnes, Allan / Riis, Thomas / Pedersen, Frederik (Hgg.): Ships, Guns and Bibles in the North Sea and Baltic States, EastLinton2000, c.1350-c.1700, S. 115-138.

[8] Murdoch, Steve: Britain, Denmark-Norway and the House of Stuart, 1603-1660, East Linton 2003.

[9] Bennett, Martyn: The Civil Wars in Britain and Ireland. 1638-1651, Oxford 1997, S. 3-5.

[10] Davies, Godfrey: The Early Stuarts. 1603-1660, Oxford 1952, S. 85.

[11] Woolrych: Britain in Revolution, S. 92; Doanldson: James V - James VII, S. 308-310.

[12] Woolrych: Britain in Revolution, S. 93; Donaldson: James V - James VII, S. 310. Sicher auch von Bedeutung für die weitere Entwicklung in Hinblick auf die Beziehungen der drei Stuartkönigreiche war, dass es der schottischen Bevölkerung durchaus so scheinen konnte, als sei die enge Anlehnung des Scottish Book of Common Prayer an die englische Version von 1549 ein weiterer Schritt der Unterordnung Schottlands unter England, siehe dazu: Woolrych: Britain in Revolution, S. 93; Russell, Conrad: The Fall ofthe British Monarchies. 1637-1642, Oxford 1991, S. 46. Zum generellen Problem der Regierung dreier einzelner Königreiche siehe: Ebd., S. 28-43. Der Autor schildert hier, dass es eine enorm komplizierte Aufgabe war, England, Irland und Schottland gemeinsam zu regieren und aneinaner anzugleichen. Hierfür siehe ebenfalls Kishlansky, Mark: Charles I. A Case of Mistaken Identity, Past and Present 189 (2005), S. 41-80.

[13] Woolrych: Britain in Revolution, S. 94f.; Stevenson: Revolution, S. 62-64.

[14] Bennett: Civil Wars, S. 27.

[15] Donaldson: James V- James VII, S. 311; Woolrych: Britain in Revolution, S. 95

[16] Woolrych: Birtain inRevolution, S. 96; Stevenson: Revolution, S. 74.

[17] The Preamble and Text of the National Petition, October 18, 1637, and Some of the Signatures, abgedruckt in: Unbekannt: The National Petition to the Scottish Privy Council, October 18, 1637, SHR 22/88 (1925), S. 245.

[18] Woolrych: Britain in Revolution, S. 96; Macinnes: Making ofthe Covenanting Movement, S.164-166; Stevenson: Revolution, S. 72f.

[19] Macinnes: Making ofthe Covenanting Movement, S. 166-168; Stevenson: Revolution, S. 76.

[20] Donaldson: James V- James VII, S. 312.

[21] Woolrych: Britain in Revolution, S. 88f, siehe ebd. sowie S. 93f. für einige Informationen zum Earl of Traquair.

[22] Ebd, S. 98f

[23] Bennett: Civil Wars, S. 30.

[24] Woolrych: Britain in Revolution, S. 99.

[25] Gardiner, Samuel R.: History of England from the Accession of James I to the Outbreak of the Civil War, Vol. VIII 1635-1639, London, New YorkundBombay 1896, S. 327f.

[26] Macinnes: Making ofthe Covenanting Movement, S. 172.

[27] Woolrych: Britain in Revolution, S. 99; Donaldson: James V - James VII, S. 313; Russell: Fall, S. 46-52; Davies: Early Stuarts, S.86; Bennett: Civil Wars, S.31.

[28] Siehe dazu Kishlansky: Mistaken Identity, S. 46, 49f.

[29] Russell: Fall, S. 52f.; Woolrych: Britain in Revolution, S. 99-104; Macinnes, Allan: The 'Scottish Moment', 1638­1645, in: Adamson, John (Hg.): The English Civil War. Conflict and Contexts, 1640-49, Houndmills 2009, S. 126­128.

[30] Donald, Peter: The ScottishNational Covenant and British Politics, 1638-1640, in: Morril, John (Hg.): The Scottish National Covenant in its British Context, Edinburgh 1990, S. 91.

[31] Stevenson:Revolution,S.90.

[32] Donadlson: James V - James VII, S. 317; Bennett: Civil Wars, S. 33

[33] Bennett: Civil Wars, S. 33.

[34] Woolrych: Britain in Revolution, S. 105; Russell: Fall, S. 55f.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Das revolutionäre Schottland 1637-1641
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Der englische Bürgerkrieg
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
31
Katalognummer
V176821
ISBN (eBook)
9783640982912
ISBN (Buch)
9783640982813
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
schottland
Arbeit zitieren
Liam Fitzgerald (Autor), 2011, Das revolutionäre Schottland 1637-1641, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176821

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