Kilikien in der Frühbronzezeit


Seminararbeit, 2011

45 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I.TARSUS

1.1 Tarsus in der Frühbronzezeit I (ca. 3000-2700 v. Chr.)
1.1.1 Architektur.
1.1.2 Keramik
1.1.2.1 red gritty ware
1.1.2.2 light-slipped chaff-faced ware
1.1.3 Fazit der Frühbronzezeit I von Tarsus

I.2 Tars us in der Frühbronzezeit II (ca. 2700-2400 v. Chr.)
1.2.1 Architektur.
1.2.2 Keramik
1.2.2.1 red gritty ware
1.2.2.2 light slipped chaff-faced ware
1.2.2.3 light clay ware
1.2.2.4 Importwaren der Frühbronzezeit II
I.2.2.4 a) Importe aus dem Taurusgebirge und dem angrenzenden Plateau
I.2.2.4 b) Importe aus der Region über den Amanus
I.2.2.4 c) Importe aus der Amuq-Ebene
I.2.2.4 d) Importe aus dem oberen Euphrat-Gebiet
I.2.2.4 e) Importe aus Zypern
1.2.3 Fazit der Frühbronzezeit II

1.3 Tars us in der Frühbronzezeit III (ca. 2400-2100 v. Chr.)
1.3.1 Architektur.
1.3.2 Keramik
1.3.2.1 Westanatolische Bezüge
1.3.2.2 Bezüge zur zentralanatolischen Ebene
1.3.2.3 Syrische Verbindungen
I.3.2.3 a) Metallische Ware
I.3.2.3 b) buff wheelmade wares
I.3.3 Fazit der Frühbronzezeit III

II. MERSIN
II. 1 Mersin in der „Frühen Kupferzeit“ (2900-2500 v. Chr.)
11.1.1 Frühbronzezeitl.
11.1.1.1 (grey-)black burnished ware
11.2 Mersin in der „Späten Kupferzeit“ (ca. 2500-2000 v. Chr.)
11.2.1 FrühbronzezeitlI
11.2.1.1 red gritty ware
11.2.1.2 Importe aus dem Taurusgebirge und dem angrenzenden Plateau
11.2.2 Frühbronzezeit III
II.2.1 Westanatolische Bezüge
11.3 Fazit der Keramikbefunde von Mersin

III. SCHLUSSBETRACHTUNG

IV. ANHANG
IV.1 Abbildungsnachweis
IV.2 Abbildungen
IV.3 Literaturverzeichnis

Einleitung

Die antike Landschaft Kilikien liegt im Süd-Osten der Türkei und wird allgemeinhin in einen westlichen Teil, das relativ unwirtliche, von Gebirgen überzogene und wenig bewohnte „Raue Kilikien“, und einen östlichen Teil, das flussreiche, fruchtbare und aus diesem Grunde wesentlich dichter besiedelte „Ebene Kilikien“ gegliedert (Abb. 1).

Trotz der auf den Ersten Blick durch die Gebirge Taurus und Amanus isolierten Lage des Gebietsraums stellte Kilikien insbesondere aufgrund leicht zu passierender Pässe[1] in vielen zeitlichen Abschnitten ein Durchgangsgebiet zwischen Nordsyrien und Zentralanatolien dar, und war somit Teil eines weitreichenden Handelsnetzes.[2]

Im folgenden werden vorrangig die Bezüge Kilikiens zu umliegenden Regionen in der Frühbronzezeit genauer beleuchtet. Verwertbare Schriftquellen, die ergänzend hinzugezogen werden könnten, sind aus dieser Epoche leider nicht vorhanden. Als Quellenmaterial können daher allein archäologische Befunde angeführt werden, die sich - neben architektonischen Strukturen - insbesondere in Form von Keramik niederschlagen. Aus Gründen der Übersichtlichkeit werden in dieser Arbeit nur deren wichtigste Gruppen aufgeführt.

Diese stammen ferner aus zwei im Ebenen Kilikien gelegenen Orten: Tarsus und Mersin (Abb. 1).

I. TARSUS

Am südwestlichen Rand des modernen Ortes Tarsus befindet sich der antike Siedlungshügel Gözlükule. Dieser wurde Mitte und Ende der 1930er Jahre, gefolgt von einer Unterbrechung durch den 2. Weltkrieg, sowie Ende der 1940er Jahre unter Leitung von Hetty Goldman erforscht. Hierzu wurden zwei Schnitte angelegt, die mit Schnitt A und B betitelt wurden (Abb. 2). Jedoch ist Schnitt B nicht tief genug ergraben; sämtliche hier aufgeführten, frühbronzezeitlichen Befunde stammen ausschließlich aus Schnitt A.[3]

I.1 TarsusinderFrühbronzezeitI (ca. 3000-2700v. Chr.)

1.1.1 Architektur

Da die Architektur der Frühbronzezeit I in Tarsus sehr schlecht erhalten ist, lassen sich nur äußerst wenige Beobachtungen hierzu anstellen. Im Allgemeinen scheint es sichjedoch um relativ monumentale Strukturen gehandelt zu haben. Vorherrschend war die Bauweise eines Steinfundaments oder -sockels mit Lehmaufbau. Für letzteren wurde im Tarsus der Frühbronzezeit I Stampflehm, auch "Pisee" genannt, verwendet, der i.d.R. mit Hilfe einer Verschalung in Form gebracht wird. Die Steinstruktur am südlichen Rand des Schnitts könnte eventuell ein Eingangssystem dargestellt haben, die daran anschließende Freifläche eine Straße oder einen Platz (Abb. 3).[4]

Über die genaue Funktion der Strukturen dieser Periode lässt sich allerdings aufgrund mangelnder Befunde keinerlei konkrete Aussage treffen.

1.1.2 Keramik

1.1.2.1 red gritty ware

Die red gritty ware, die ihren Namen aufgrund ihrer rötlichen Farbe und starken Kiesmagerung trägt, war vor der Frühbronzezeit I nicht im Keramikrepertoire von Tarsus vorhanden und taucht erst in dieser Periode plötzlich, sowie in hoher Anzahl auf. Diese macht nun ein Drittel der gesamten Keramik von Tarsus aus.[5] [6]

Es handelt sich um handgemachte Ware, die vor allem in Form der charakteristisch anatolischen Schnabelkanne (Abb. 4 a) auftritt. Bei einem Vergleich zeigt sich, daß diese Ware für Zentralanatolien, im speziellen für die nördliche Taurus-Ebene, typisch ist. In der Frühbronzezeit I ist diese Ware tendenziell eher unverziert. Eine bedauerlicherweise nur in Form von Fragmenten überlieferte Variante, die sich durch farblich intensiveres, rötliches Material auszeichnet, ist die red gritty pithos ware. Diese Pithoi - große, bauchige Vorratsgefäße - tauchen in hoher Zahl auf. Ihrer handwerklichen Ausführung nach zu urteilen wurden sie offenbar von professionellen Töpfern hergestellt. Ein unverkennbares Detail dieser Variante ist die Blattverzierung an der Basis, die durch einen Abdruck erzielt wurde (Abb. 4 b).[7]

1.1.2.2 light-slipped chaff-faced -ware

Diese auf einer einfachen Drehscheibe hergestellte, helle Ware zeichnet sich durch eine Schlämmung, also einen zusätzlichen, verwässerten Tonauftrag auf der Oberfläche, sowie eine recht grobe, nach außen hin sichtbare Häckselmagerung aus (Abb. 5). Im Gegensatz zur red gritty ware tritt sie nicht neu in Erscheinung, sondern zeugt mit einer Verbreitung in der vorhergehenden, chalkolithischen Periode von einer langen Tradition. Ebenfalls in Kontrast zu ihrem roten, handgemachten, anatolischen Konkurrenten zeigt die light-slipped chaff-faced ware in ihrem Erscheinungsbild in hellem Ton, sowie der Fertigung auf der Drehscheibe deutlich syro-mesopotamische Affinitäten.[8]

Allerdings ist zu beobachten, daß zu Beginn der Frühbronzezeit f zwar noch ein hoher Anteil der light-slipped chaff-faced ware auftaucht, der sichjedoch schrittweise von 40 % auf 20 % der Haushaltswaren reduziert.[9]

1.1.3 Fazit der Frühbronzezeit I von Tarsus

Zusammenfassend lässt sich für die Keramik der Frühbronzezeit f von Tarsus also feststellen, daß ein neues Kulturelement in Form der red gritty ware erscheint. Dieses ersetzt aber seinen Vorgänger, die light-slipped chaff-faced ware nicht völlig. Die zwei Hauptkeramikgattungen, helle und rote Waren, bereits bekannte syrische und neu auftretende anatolische, die aufgrund ihrer hohen Anzahl mit Sicherheit beide lokal hergestellt und nicht importiert wurden, existieren hier nebeneinander.[10]

1.2 Tarsus in der Frühbronzezeit II (ca. 2700-2400 v. Chr.)

I.2.1 Architektur

fm Vergleich zur vorangegangenen Periode sind in der Frühbronzezeit ff reichlich architektonische Strukturen zu finden, die in einer Abfolge von insgesamt sieben Bauschichten, Abis G, vorliegen. An dieser Stelle sollenjedoch nur diejenigen aufgeführt werden, die größere Veränderungen aufweisen. Die Schichten D, F und G werden daher nicht berücksichtigt. Des Weiteren ist anzumerken, daß sämtliche Bauschichten bei Goldman chronologisch leider nicht genauer definiert sind.

Bei den Schichten A und B (Abb. 6) handelt es sich zwar um verschiedene Niveaus, da sich im Vergleich aber keine grundlegenden Neuerungen ergeben, werden diese zusammengenommen betrachtet. Sie zeichnen sich durch zusammenhängende Häuser aus, bei deren Bau nun kein Stampflehm mehr verwendet wurde, sondern einzeln geformte Lehmziegel.[11]

Der Aufbau der Häuser, die entlang eines ostwestlichen Straßenverlaufs angelegt wurden, gliedert sich grundsätzlich in einen Hauptraum, sowie eine kleinere, rückwärtige Struktur, jedoch mit weiteren Untergliederungen, wie Fluren und Zwischenmauern ohne erkennbare Regelmäßigkeit.[12]

Die Räume sind mit Wandpfeilern ausgestattet, wobei von der Ausgräberin vermutet wurde, daß es sich hierbei möglicherweise um Balkenauflager für ein zweites Stockwerk oder eine Art Empore gehandelt haben könnte. Zwar könnte die erhaltene Mauerhöhe von bis zu vier Metern auf den ersten Blick dafür sprechen, dennoch sollte beachtet werden, daß von der Ausgräberin mehrere, im Lauf der Zeit angewachsene Fußbodenniveaus festgestellt wurden.[13] Daher ist davon auszugehen, daß die Häuser sicher nicht in einer solch enormen Höhe für sich alleine anstanden.

Innerhalb der Räume befinden sich permanente Möblierungen in Form von Bänken und Herden (Abb. 7). Letztere erscheinen in zwei verschiedenen Formen: Einerseits ist in Raum 98 ein freistehender, rechteckiger Herd mit Plattform festzustellen (Abb. 7, rechts), andererseits halbrunde, polsterartige Herde, die unmittelbar an die Wand angefügt sind (Abb. 6, Raum 114, 115 , 117 & 117 a). Ob diese beiden Herdformen sich tatsächlich in ihrer Funktion in größere Werkstatt-Herde und schlichte Haus-Herde unterscheiden lassen, wie von der Ausgräberin vorgeschlagen wird,[14] muß aufgrund mangelnder Befunde zur konkreten Nutzung aber offenbleiben.

Nach einem schweren Brand am Ende von Schicht B erfolgte ein Wiederaufbau in Form von Bauschicht C (Abb. 8). Die allgemeine Siedlungsstruktur, wie die Gliederung der Häuser, änderte sich nicht grundlegend. Nach diesem Brand bestand jedoch offenbar ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, wie die Errichtung einer Stadtmauer aus Lehmziegeln, „Befestigung I“ genannt, anzeigt. Hierzu wurden die Gebäude südlich der Straße allerdings aufgegeben und die Befestigung über alte Strukturen hinweg in mehreren Sektionen anstatt fortlaufend erbaut. Umliegende Bereiche wurden nicht bereinigt, sondern lediglich wallartig mit Schutt und Erde verfällt, was sicherlich auf einen gewissen Zeitdruck bei der Konstruktion der Befestigung hinweist.[15]

Die nächste Bauschicht mit größeren architektonischen Veränderungen, Schicht E (Abb. 9), lässt sich in zwei Phasen, A und B, unterteilen. In Phase A wurde die frühere Befestigung teilweise eingerissen und durch einen konventionelleren Typ in Form einer gestaffelten Mauer, betitelt als „Befestigung II“ ersetzt, die aufgrund ihrer charakteristischen Form als Sägezahnmauer bezeichnet wird. Die alte Befestigung diente hierbei größtenteils als Fundament. Es wurde ein Tor angelegt, das aus zwei rechteckigen Türmen, sogenannten Pylonen, bestand, wobei der westliche Pylon auf dem vorliegenden Plan teilweise von nachfolgenden Bauten bedeckt ist:[16]

In Phase B wurden schließlich beide Pylone abgerissen und der vorhergehende westliche Pylon durch eine L-förmige Struktur ersetzt. Somit erfolgte der Zugang nun indirekt über Eck.[17]

Im Verlauf der Zeit von Phase B erfolgte aber eine komplette Schließung des Tors (Abb. 10), der Zugang wurde ersetzt durch Raumstrukturen mit Treppe. Schlussendlich fand jedoch auch die Architektur der Bauschicht E ihr Ende in einem erneuten Brand.[18]

1.2.2 Keramik

1.2.2.1 red gritty ware

Die anatolische rote Ware ist - wie in der Frühbronzezeit I - auch im folgenden zeitlichen Abschnitt vorherrschend, befindet sich nun aber erst in ihrem vollem Produktionsstadium. Mit einem Gesamtanteil von 20 bis 25 % stellt sie die Hauptgebrauchsware dar. Eine stark vertretene Form sind auch hier Kannen (Abb. 11), die einerseits noch unverziert in Erscheinung treten (Abb. 11 a), jetztjedoch vermehrt mit Verzierungen aufkommen (Abb. 11b). Auch Pithoi werden nach wie vor auf dieselbe Weise wie in der Frühbronzezeit I hergestellt, wozu auch die Blattverzierung an der Basis zählt. Die Gefäße sind in dieser Periode mit Stumpfbasis ausgestattet, sowie mit zwei zwischen Hals und Schulter sitzenden Henkeln versehen (Abb. 12 a). Gelegentlich finden sich auch Ritzzeichen an den Rändern, die wohl Verwaltungszwecken dienten (Abb. 12 b).[19]

1.2.2.2 light slipped chaff-faced -ware

Die bereits im Kontext der Frühbronzezeit I aufgeführte light slipped chaff-faced ware mit syrischem Bezug (Vgl. Abb. 5) tritt zu Beginn der Frühbronzezeit II mit einem Anteil von 20 % immernoch häufig auf, bleibt auch vorerst beliebt, verringert sich aber gegen Ende der Periode merklich.[20]

1.2.2.3 light clay ware

Diese neu hinzukommende, helle Ware stellt nach der red gritty ware die größte Gruppe dar. Sehr typisch für die Frühbronzezeit II sind Schalen dieser Ware, sogenannte light clay bowls (Abb. 13), die Anfangs einen Anteil von 20 % der Haushaltswaren bilden. Sie werden auf der langsam drehenden Drehscheibe hergestellt und haben eine relativ feine, wenig sichtbare Magerung.[21]

Ebenfalls zur light clay ware zählen Kannen und Krüge. Diese weisen zum Teil die sogenannte „reserved slip“-Technik auf (Abb. 14), eine Oberflächenbehandlung, bei der eine leichte Schlämmung aufgetragen und partiell wieder abgenommen wird, wodurch charakteristische, horizontale Streifen entstehen.[22]

Die gesamte Gruppe scheint aufgrund mangelnder Bezüge zu östlichen Gefäßformen indigen zu sein, setzt aber grundsätzlich von ihrem Erscheinungsbild in heller Ware und ihrer Herstellungsweise auf der langsam rotierenden Drehscheibe syrische Traditionen fort.[23]

1.2.2.4 Importwaren der Frühbronzezeit II

1.2.2.4 a) Importe aus dem Taurusgebirge und dem angrenzenden Plateau Eine Importware aus dem Taurusgebirge und dem daran anschließenden, zentralanatolischen Plateau (Vgl. Abb. 1) aus der Region um die heutigen Provinzen Konya und Nigde stellt eine Variante der sehr hart gebrannten, und daher aufgrund ihres Klangs „metallische Ware“ genannten Keramikart dar. In vorliegendem Fall handelt es sich um handgemachte, gelblich-sandfarbene Ware, die sich insbesondere durch eine Bemalung mit purpurner Farbe, sowie Zierhenkel auszeichnet (Abb. 15).[24]

1.2.2.4 b) Importe aus der Region über den Amanus

Aus dem näheren Umfeld über das Amanus-Gebirge (Vgl. Abb. 1) in östlicher Richtung, vor allem aus Zincirli (Abb. 16), stammt die „incised brickred ware“, eine ziegelrote Ware, die durch Ritzverzierungen in Form von Kreuzschraffuren, Rauten, Wellenlinien und Dreiecken in sauberen Bändern charakterisiert ist (Abb. 17).[25]

1.2.2.4 c) Importe aus der Amuq-Ebene

Auch aus dem Gebiet über den südlichen Amanus (Vgl. Abb. 1), der Amuq-Ebene, wurde eine kleinere Anzahl an heller, scheibengedrehter Waren importiert. Eine sehr bezeichnende Variante sind konische Schalen in „Blumentopf‘-Form (Abb. 18).[26]

I.2.2.4 d) Importe aus dem oberen Euphrat-Gebiet

Darüberhinaus lässt sich ebenfalls eine Verbindung zu Nordsyrien beobachten. Diese erfolgt, wenn auch nur durch wenige fragmentarische Exemplare, anhand von ebenfalls zur metallischen Ware[27] gehörigen Keramiken. Im Gegensatz zu der unter Punkt I.2.2.4 a) aufgeführten, anatolischen, metallischen Ware ist die syrische jedoch scheibengedreht. Unter deren Gefäßformen finden sich Krüge und Flaschen, deren Hauptverbreitungsgebiet sich im oberen Euphratraum (Vgl. Abb. 16) ansiedelt. Diese zeichnen sich neben ihrer klassischen Eigenschaft, sehr hart gebrannt zu sein, durch eine spiralförmige Polierung aus (Abb. 19).[28]

I.2.2.4 e) Importe aus Zypern

Schlussendlich sind durch Fragmente der sogenannten „Erimi-Ware“ mit roter Bemalung auf weißer Schlämmung (Abb. 20), sowie Gefäße mit rot-schwarzer Streifenpolierung (Abb. 21), die offenbar der sogenannten „Black-Slip-and-Combed ware“ zugehörig sind, sogar Kontakte nach Zypern gegeben. Anzunehmen ist hierbei eine Verbreitung von einem Hafen am Mittelmeer aus über den Fluss Tarsus (Abb. 1).[29]

I.2.3 Fazit der Frühbronzezeit II

Architektonisch gesehen ist die Siedlung der Frühbronzezeit II von Tarsus mit ihren zusammenhängenden Wohnhäusern im Vergleich zu den späteren, wie noch deutlich werden wird, relativ eigentümlich.[30] Anhand zahlreicher Bauphasen - wenn auch mehrere Zerstörungshorizonte berücksichtigt werden müssen - mit Befestigungen von monumentalem Charakter lässt sich diese Periode als eine Art Blütezeit betrachten. Auch das nun deutlich vielfältigere Keramikrepertoire spricht hierfür.[31] Zwar sind nach wie vor zwei Hauptlinien im Keramikrepertoire erkennbar, wobei die red gritty ware mit anatolischem Bezug, deren bisweilen mit Ritzzeichen versehene Pithoi im übrigen ebenfalls auf eine straffere Organisation des Siedlungswesens hinweisen könnten, immernoch die Hauptware darstellt. Auch die bereits bekannte chaff-faced ware mit syrischer Affinität erscheint zu Beginn noch sehr häufig, wird jedoch im weiteren Verlauf von der light clay ware abgelöst, die als neues, lokales Element, jedoch ebenfalls mit einem gewissen syrischen Erscheinungsbild auftritt. Dennoch ist durch diese ein Abnehmen syrischer Einflussnahme auf lokale Waren gegeben.

Letztendlich zeigen aber die aufgeführten Importwaren rege Handelsverbindungen in verschiedenste Richtungen, und somit ein Aufblühen des Ortes in der Frühbronzezeit II.

I.3 Tarsus in derFrühbronzezeit III (ca. 2400-2100 v. Chr.)

1.3.1 Architektur

Die Architektur der Frühbronzezeit III von Tarsus lässt sich in drei verschiedene Bauperioden gliedern. Da Phase Ajedoch nur in Fragmenten erhalten ist, soll diese hier nicht genauer ausgeführt werden.

Phase B zeigt schließlich deutliche Veränderungen im Vergleich zu den Strukturen der Frühbronzezeit II. So handelt es sich nicht mehr um zusammenhängende Strukturen, sondern tendenziell um Gebäude mit eigenständigen Mauern (Abb. 22).[32] Die Räume 70 und 73 könnten eventuell ein Megaron darstellen,[33] einem Haustyp mit rechteckigem Grundriss, der sich in Hauptraum und Vorhalle gliedert (Abb. 23).

In Bauphase CI (Abb. 24) sind die Häuser nun deutlicher megaroid gestaltet,[34] sind hier jedoch wieder als zusammenhängend angelegt.[35]

Im Verlauf der Phasen CII bis CIV entwickeln sich allerdings mehrräumige Häuser (Abb. 25), die die ursprüngliche megaron-artige Struktur überwachsen, und schließlich in Komplexen mit großer, zentraler Raumeinheit enden (Abb. 26).[36]

In der Architektur der Übergangsphase von der Frühbronzezeit III zur Mittleren Bronzezeit verschwinden auffälligerweise alle Spuren regulärer Behausungen (Abb. 27). So wurden weite Teile des Gebiets abgerissen und mit Schutt verfällt. Ob die Strukturen dieser Übergangszeit Oberbauten trugen, ist in Anbetracht der vorliegenden, recht schwachen Fundamente fraglich. Vielmehr scheint es sich um eine Art Gruben oder Lagerplätze gehandelt zu haben.[37]

1.3.2 Keramik

In der Frühbronzezeit III findet ein sehr bezeichnender Wandel im Keramikrepertoire statt. Viele vorherige Waren, wie die chaff-faced Ware oder die Schalen und „reserved-slip“- Krüge der light clay ware verschwinden allmählich, jedoch tauchen neue Gefäßformen sehr plötzlich auf.[38]

Zwar ist nach wie vor die rote Ware vorherrschend. So sind die Kannen der red gritty ware immernoch häufig, bekommen nun aber für diesen zeitlichen Abschnitt charakteristische Merkmale. Ihre Form wird modernisiert und weist jetzt einen wesentlich höher ausgebildeten Ausguss auf (Abb. 28). Auch die nach alter Tradition hergestellte Pithos- Variante existiert noch, zeigt nun aber eine breitere Basis und tiefer sitzende Henkel (Abb. 29). Ebenfalls auffällig ist das Auftreten eines recht hohen, in den Anfangsphasen der Frühbronzezeit III zwischen 10 und 20 % liegenden Anteils an Schalen innerhalb der red gritty ware,[39] eine Gefäßform, die vor dieser Zeit im Allgemeinen spärlicher vertreten war. Diese zeichnen sich des Weiteren durch einen leichten Umbruch aus, der unter den Schalenformen neu in Erscheinung tritt (Abb. 30). In den späteren Phasen der Frühbronzezeit III tauchen zusätzlich auch einhenkelige Schalen als neue Form auf (Abb. 31). Darüberhinaus werden Kompositgefäße nun sehr beliebt (Abb. 32).[40] Gerade letztere beiden Gefäßformen beschränken sichjedoch nicht nur auf die red gritty ware (Abb. 31 a), und tauchen - bis zu deren Verschwinden - häufiger auch in der light clay ware auf (Abb. 31 b).[41]

Ohnehin ist es in diesem zeitlichen Abschnitt grundsätzlich schwierig, die Keramik nach Tonart zu gruppieren, da nun nicht mehr das Material die Formen vorgibt, wie es in den vorangegangenen Perioden der Fall war. Ganz im Gegenteil treten Gefäß formen nun in verschiedensten Warengruppen auf, weshalb die weitere Gliederung der Keramik nicht nach Materialart, sondern nach ihren formalen Bezügen zu anderen Regionen erfolgen soll:

1.3.2.1 Westanatolische Bezüge

Als neuartiges Gefäß tritt darüberhinaus Trinkgeschirr in Form zweihenkeliger Tassen auf (Abb. 33). Diese sind am besten und in etwa zeitgleich aus Troja (Abb. 16) bekannt. Bis auf wenige, fragmentarisch vorliegende Scherben sind die meisten der Tassen aus Tarsus jedoch nicht importiert, sondern lokal hergestellt, was sich neben ihrem hohen Aufkommen unter anderem durch eine Weiterentwicklung der Gefäßfom feststellen lässt: diese geht im mittleren Abschnitt der Frühbronzezeit III von der der ursprünglich bauchigen Form (Abb. 33) hin zu geraderen Wänden, schmaleren Basen und tiefer sitzenden Henkeln (Abb. 34, links und Mitte). Im Endstadium der Periode bekommen die Gefäße schließlich einen profilierten Standfuß (Abb. 34, rechts), auf dessen Zustandekommen - da nicht auf westanatolische Formen zurückzuführen - in Kapitel 1.3.2.3 genauer eingegangen wird.[42]

1.3.2.2 Bezüge zur zentralanatolischen Ebene

Auch in hiesiger Phase lassen sich Verbindungen zum bereits im Kontext der vorangegangenen Periode genannten, zentralanatolischen Plateau beobachten. So taucht in Tarsus die im Vergleich zu anderen vorherrschenden Waren auffällig schlicht wirkende, und zentralanatolischen Waren der Frühbronzezeit II nahestehende "Kupferzeit Ware" (copper age ware) auf. Diese handgemachte, bei niedriger Temperatur gebrannte Gruppe zeichnet sich durch grobes Material mit Kies-, Sand-, und etwas Häckselmagerung, sowie eine dick aufgetragene, rote Schlämmung mit abschließender Polierung aus. Deren typischste Form, die zu Beginn der Frühbronzezeit III zum Teil in hoher Zahl vorkommt und daher ebenfalls auf lokale Herstellung hinweisen dürfte, ist die Kelle (Abb. 35).[43]

[...]


[1] Darunter die Amanische und die Syrische Pforte über den Amanus, sowie die Kilikische Pforte über den Taurus.

[2] Informationen aus der Einführungsveranstaltung des Mittelseminars „Kilikien - Archäologie einer Kulturlandschaft“ bei PD Dr. Mirko Novák im Sommersemester 2009 am Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

[3] GOLDMAN 1956, S. 3.

[4] GOLDMAN 1956, S. 9.

[5] Aufgrund häufig international besetzter Grabungen sollen die englischen Bezeichnungen der Waren hier beibehalten werden.

[6] MELLINK 1989, S. 320.

[7] Ebd.

[8] MELLINK 1989, S. 320.

[9] Ebd.

[10] Ebd.

[11] GOLDMAN 1956, S. 11-14.

[12] NAUMANN 1971, S. 355.

[13] GOLDMAN 1956, S. 14.

[14] Ebd.

[15] GOLDMAN 1956, S. 20.

[16] Ebd., S.21 f.

[17] Ebd., S. 22.

[18] Ebd., S. 24 f.

[19] MELLINK 1989, S. 321.

[20] MELLINK 1989, S. 321.

[21] Ebd.

[22] Ebd.

[23] Ebd.

[24] ÖZTEN 1989, S. 407 f.

[25] MELLINK 1989, S. 322.

[26] Ebd.

[27] In Abgrenzung zur anatolischen Ware wird die syrische häufiger auch als „stone ware“ bezeichnet.

[28] MELLINK 1989, S. 322 f.

[29] Ebd., S. 323.

[30] Einzig Naumann verweist auf strukturelle Gemeinsamkeiten zu den etwa zeitgleichen Häusern im westanatolischen Beycesultan (NAUMANN 1971, S. 355).

[31] MELLINK 1989, S. 320 f.

[32] Ebd., S. 324.

[33] Ebd.

[34] Ebd.

[35] GOLDMAN 1956, S. 34 f.

[36] GOLDMAN 1956, S. 34-39.

[37] Ebd., S. 39.

[38] MELLINK 1989, S. 324.

[39] Sowie auch in weiteren Tonvarianten(GOLDMAN 1956, S. 132).

[40] MELLINK 1989, S. 324 f.

[41] GOLDMAN 1956, S. 106

[42] MELLINK 1989, S. 325.

[43] Ebd., S. 326.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Kilikien in der Frühbronzezeit
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Institut für Ur- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie)
Veranstaltung
Mittelseminar: Kilikien - Archäologie einer Kulturlandschaft
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
45
Katalognummer
V176841
ISBN (eBook)
9783640982950
ISBN (Buch)
9783640982868
Dateigröße
7739 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kilikien, frühbronzezeit
Arbeit zitieren
Anna Gosslar (Autor:in), 2011, Kilikien in der Frühbronzezeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176841

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