Bildung im Film "Der Club der toten Dichter"


Hausarbeit, 2001
27 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Inhaltsangabe des Films "Club der toten Dichter"

Werte

Der Bildungsbegriff

Die neue Lernkultur

Selbstmanagement - Lernmotivation

Die Dimensionen und Formen des Lernens

Bildungsvoraussetzungen

Fazit

Literatur, Quellenangaben

Einleitung

Im Rahmen der Vorlesung "Zeiten und Räume zum Lernen und Leben" haben wir uns mit den strukturellen Rahmenbedingungen, sowie dem theoretischen Hintergrund des Themas Lernen, besonders in unterschiedlichen Lebensphasen und Lebensbereichen, beschäftigt.

In dieser Arbeit versuchen wir, das in der Vorlesung gelernte anhand des Films "Club der toten Dichter" zu veranschaulichen und zu verdeutlichen.

Wir haben uns dazu entschieden keine bis ins letzte Detail ausgeführte, in sich geschlossene Inhaltsangabe des Films anzufertigen. Stattessen werden wir so oft als möglich versuchen, den Film als konkretes Beispiel anzuführen, wann immer ein in der Vorlesung behandeltes Thema dort ersichtlich wird bzw. behandelt wird. Hierbei handelt es sich unter anderem um Lern/Lehrkonzepte und - methoden, strukturelle Bedingungen, den stets voranschreitenden Wertewandel und Erwartungsdruck, aber auch Motivation, Selbstorganisation und Kompetenzentwicklung, um nur einige Beispiele zu nennen.

Dennoch halten wir es für wichtig, eine Kurzübersicht des Films zu geben, vor allem um dem zeitlichen Verlauf desselben folgen zu können und einen Eindruck von den im Film auftauchenden Figuren zu erhalten.

Inhaltsangabe des Films "Club der toten Dichter"

Der Film "Club der toten Dichter" spielt im Jahr 1959 auf der "Welton Academy", einer Internatsschule im US-Bundesstaat Vermont.

Die Schule beansprucht für sich die folgenden vier Werte, Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung und ist als erzkonservativ sowie stark Wertegebunden. Die Schüler kommen aus gutem Haus, ihre Eltern sind vermögend, andernfalls könnten sie sich den Schulbesuch auch gar nicht leisten.

Von Anfang an ist der Alltag der Knaben strengen Regeln unterworfen, Freizeit gibt es so gut wie keine.

Strenge Verhaltensrichtlinien garantieren Gehorsam und Disziplin.

Dies ist nach Sicht der Schule notwendig, da das Ziel besteht, die Schüler nach einem erfolgreichen Abschluss an die angesehensten Universitäten des Landes weiterzuvermitteln.

Der Unterricht findet in althergebrachter Form statt, frontal, wie man es von alteingesessenen Lehrern meist auch erwartet.

Im beginnenden Schuljahr gibt es zwei Neunankömmlinge. Todd Anderson, dessen Bruder die "Welton Academy" als einer der Besten bereits abgeschlossen hat und Mr. John Keating, der neue Englischlehrer, welcher einst selbst Schüler im Internat war.

Todd findet schnell Anschluss in einer Lerngruppe, bestehend aus seinem Mitbewohner Neil Perry, Charles Dalton, Knox Overstreet, James Cameron und Steven Meeks. Trotz ihrer Unterschiede bilden diese Junge eine eingeschworene Gemeinschaft.

Diese Jungen sind auch allesamt Mitglieder des von ihnen erneut ins Leben gerufenen "Club der toten Dichter", welcher seinerzeit auch durch John Keating unterstützt wurde. Dieser sorgt seit Beginn des Schuljahres an der Academy für einiges Aufsehen mit seinen ungewöhnlichen Lehrmethoden, sowohl bei den anderen Lehrern als auch den Schülern.

Während er vom Lehrkörper kritisch beobachtet wird, erfährt er von den Schülern schnell Bewunderung für seine freundliche, mitreißende und individuelle Art.

Neben dem eigentlichen Lernstoff vermittelt ihnen Keating die Liebe zur Literatur, Selbstständigkeit und das wichtigste, Selbstvertrauen.

Sein Leitsatz "Carpe Diem - Nutze den Tag" beflügelt ihn und die Schüler gleichermaßen.

Im Lauf des Films entdeckt Neil seine Liebe zum Theater, zum Ärger seines Vaters. Knox verliebt sich in ein Mädchen, Chris, für welches er auch bereit ist, einige Risiken einzugehen um sich ihre Aufmerksamkeit zu sichern.

Charlie veröffentlicht nach einiger Zeit einen Artikel in der Schülerzeitung, durch den die Existenz des "Club der toten Dichter", welche geschworen wurde geheim zu halten, enthüllt wird.

Ab hier nimmt der Film eine tragische Wendung. Neil besteht darauf seiner Liebe zum Theater Ausdruck zu verleihen und bewirbt sich für eine Rolle in einem Stück. Sein Vater erfährt davon und droht damit, ihn auf eine Militärakademie zu schicken, sollte dieses Verhalten nicht sofort ein Ende finden.

Dies tut es, jedoch auf gänzlich unerwartete Weise. Von Verzweiflung und Schuldgefühlen getrieben beschließt Neil, sich mit einer Waffe im Arbeitszimmer seines Vaters das Leben zu nehmen.

Dafür verantwortlich gemacht wird Mr. Keating. Er habe den Jungen derart viele Flausen in den Kopf gesetzt, der Selbstmord des Schülers wird ihm angelastet.

Die Mitglieder des "Club der toten Dichter" werden dazu gezwungen ein belastendes Dokument zu unterzeichnen. Charlie weigert sich vehement und wird der Schule verwiesen.

Todd, welcher ebenfalls unter keinen Umständen unterschreiben wollte, wird am Ende von seinen Eltern dazu gezwungen.

Das Resultat ist der Rauswurf von Mr. Keating.

Als dieser ein letztes Mal die Klasse betritt um seine Habseligkeiten abzuholen, erweisen ihm die Jungen ihren Respekt indem sie, initiiert von Todd, einer nach dem anderen auf die Tische steigen, eine Szene die wir bereits vom Beginn des Films kennen, und ihn mit den Worten "O Captain, mein Captain", der von Keating bevorzugten Anrede, verabschieden. Dies alles geschieht im Beisein des fassungslosen Direktors, welcher ohnmächtig durch die Tischreihen läuft und versucht, die Schüler zur Raison zu bringen. Es zeigt auch eine Solidarisierung der Schüler mit Keating und seiner Einstellung.

Werte

Wie bereits erwähnt, beansprucht die "Welton Academy" für sich auf vier Grundpfeiler aufgebaut zu sein, welche die folgenden vier Werte repräsentieren.

- Tradition - Ehre

- Disziplin - Leistung

Anzumerken ist, dass im englischsprachigen Original für den vierten Wert, Leistung, der Ausdruck "excellence" gebraucht wird. Je nach Art der deutschen Übersetzung findet der Leser anstelle von Leistung auch die Wörter Exzellenz oder Qualität.

Im Lauf des Film entwickeln die Jugendlichen ein bis dato nicht gekanntes Selbstbewusstsein, inspiriert durch den neuen Lehrer Mr. Keating.

Von Seiten der Schule wird dies bereits als eine Art Verrat der vier Grundwerte gesehen, was uns zum Thema Wertewandel führt.

"Seit dem Beginn der 1970er Jahre wird in Zusammenhang mit einem allgemeinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel ein Wertewandel in Richtung Selbstentfaltung, Autonomie und Gleichberechtigung konstatiert." (Spannring 2007)

Die im Film durch die Eltern und die Welton Academy dargestellte bzw. auch den Schülern vorgegebene Gesellschaft ist stark Wertegebunden.

Den Schülern direkt zu unterstellen, sie hätten all die vorgelebten Werte verraten, indem sie sich und ihre Bedürfnisse ein wenig mehr in den Vordergrund rücken und die Möglichkeiten, welche Autonomie, Gleichberechtigung und Selbstentfaltung mit sich bringen, ausschöpfen, erfüllt ein klassisches Klischee.

Veränderung ist immer schwer zu akzeptieren, für die Meisten zumindest. Hier sind es die Eltern und Lehrer, welche ihr Leben nach einer Tradition und Werten ausgerichtet haben, welche jetzt im Begriff sind sich zu wandeln. Auf der einen Seite fühlen sie sich von ihren Kindern verraten, da diese sich nicht verhalten wie erwartet, sich nicht verhalten wie es die Eltern im damaligen Alter zu tun hatten.

Auf der anderen Seite können sie sich nicht vorstellen, was aus ihren Kindern werden soll, wenn sie den altbekannten, bereits seit Jahrzehnten bewanderten und als bewährt bewiesenen Pfad der Wertegebundenheit verlassen und für sich einen anderen Weg einschlagen.

Angst um die Kinder, welchen sie nicht die Zukunft garantieren können, die sich sie für sie wünschen. Angst um sich selbst, da sie ihren Platz in der neuen Ordnung nicht vorhersehen können, und Angst um das miteinander, die Gesellschaft.

Bedauernswert ist, dass die vorangegangenen Generationen durch die Angst vor Veränderung derart geblendet sind, dass sie sich dagegen versperren hinzusehen, was die Jugend aus ihren Möglichkeiten macht.

Sie beharren weiterhin auf der Tradition und den "guten alten Werten". Unterstützer hierfür gibt es genug, man muss jedoch genau hinsehen, wer tatsächlich für das Wohl der Gesellschaft eintritt, und wer nur darauf bedacht ist, sich selbst dank der alten Strukturen an der Macht zu halten.

"Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangt ist." (Einstein 2005, S.16)

Ein gutes Beispiel hierfür wohl die Kirche, welche im Lauf der Jahrhunderte ein beinahe unüberschaubares Netzwerk aufgebaut hat, dessen Hauptaufgabe es ist, alles möglichst beim "status quo" zu halten.

So wie die Welton Academy diverse Werte für sich beansprucht, geschieht dies auch in der katholischen Kirche. Beide werden nicht müde, ständig auf die von ihnen in Beschlag genommenen Werte und deren Wichtigkeit für das Fortbestehen der Gesellschaft zu verweisen.

Doch wenn man genau hinsieht, sind beide Institutionen in keinster Weise glaubwürdig.

Wenn man sich betrachtet wie die Lehrer, mit Ausnahme von Mr. Keating, im Film dargestellt werden und auch das Auftreten der Academy selbst, bzw. auch vergleichbar mit der katholischen Kirche könnte man zu dem Schluss kommen, dass sich hier mit fremden Federn geschmückt wird.

Um dies nicht einfach so im Raum stehen zu lassen, bedarf es einer kurzen Erklärung.

Immer wieder beruft sich die Kirche auf die von ihr geschaffenen Werte, welche es laut eigenen Angaben ohne den Glauben nicht geben würde. Mittlerweile wurde diese Lüge bereits so oft wiederholt, dass sie ihren Platz in der Gesellschaft gefunden hat und nur noch selten angezweifelt wird.

Dass dies von Grund auf falsch ist und Werte wie Frauenrechte, Menschenrechte, Rechte für Schwule und Lesben, die Abschaffung von Sklaverei und Prügelstrafe, Pressefreiheit, Glaubensfreiheit, , Gleichwertigkeit von Mann und Frau, Tierrechte und vieles mehr noch bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts von Humanisten gegen die Kirche(n) erkämpft werden mussten taucht in den öffentlichen Verlautbarungen nicht auf. Weshalb auch. Es ist doch viel effektiver, sich nach einer "verlorenen Schlacht" mit dem Wind zu drehen und die Niederlage als Sieg zu verkaufen.

Diese Position nehmen im Film wie bereits angedeutet die Lehrer als Repräsentanten der Welton Academy ein. Ihr Verhalten gegenüber Mr. Keating und den Schülern ist kurz gesagt inakzeptabel.

Es begründet sich auf Werten, welche zwar den Schülern "vermittelt" von ihnen erwartet werden, die Lehrer selbst jedoch nicht zu befolgen brauchen, da sie "über dem Gesetzt" stehen, bzw. Richter und Henker in einer Person sind. Der Versuch der Schüler, sich ihr eigenes, an die neue Zeit angepasstes Wertekonstrukt zu erschaffe wird nicht akzeptiert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Bildung im Film "Der Club der toten Dichter"
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Erziehungswissenschaften)
Veranstaltung
Zeiten und Räume zum Lernen und Leben
Note
2
Autor
Jahr
2001
Seiten
27
Katalognummer
V176941
ISBN (eBook)
9783640985258
ISBN (Buch)
9783640985555
Dateigröße
937 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Club der toten Dichter, Lebenslauf, sozialer Wandel, lebenslanges Lernen, Der Club der toten Dichter, Bildungsbegriff, Lernkultur, Selbstmanagement, Motivation, Dimensionen und Formen des Lernens, Bildungsvoraussetzung
Arbeit zitieren
Thomas Lechleitner (Autor), 2001, Bildung im Film "Der Club der toten Dichter", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176941

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