Das unterdrückte Geschlecht

Analyse der Entstehung der Unterdrückung von Frauen


Seminararbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Vom Ursprung der Unterdrückung von Frauen
1.1 Zwei Hypothesen
1.2 Wichtige Merkmale des Status von Frauen in Stammesgesellschaften
1.3 Eigene kritische Gedanken

2. Simone de Beauvoirs Bild von Frauen
2.1 Historische Einführung
2.2 Die moderne, unabhängige Frau
2.3 Eigene kritische Reflexionen

Resumé

Literaturverzeichnis

Einleitung

In dieser Arbeit soll es vor allem darum gehen dem Ursprung der Unterdrückung von Frauen auf den Grund zu gehen. Wieso werden Frauen seit Jahrtausenden von Männern unterdrückt? Wie kam es überhaupt zu einer Unterdrückung von Frauen? Welche Faktoren haben dabei eine Rolle gespielt und in wie fern hat sich die Situation von Frauen vor allem durch die Globalisierung verändert? Auf genau diesen Fragen wird der Fokus dieser Arbeit liegen. Mein Hauptaugenmerk wird dabei auf dem Text von Nicole Chevillard und Sébastien Leconte liegen, der den Namen „The Dawn of Lineage Societies. The Origins of Women´s Oppression.“[1] trägt. In diesem Text werden mögliche Antworten auf die Frage, warum es zu einer Unterdrückung der Frauen durch Männer kam, gegeben. Ebenfalls werden die Lebensumstände unter denen Frauen leben müssen beschrieben und erklärt. Der Fokus dieses Textes liegt vor allem auf der Zeit der Entstehung der Diskriminierung von Frauen, also die Zeit der Stammesgesellschaften, die es bereits seit ca. 12 000 Jahren gibt. Nach Meinung der Autorinnen ist es genau diese Zeitepoche, die man betrachten muss, wenn man erfahren will, woher die Unterdrückung der Frau kommt. Als zweiten Text möchte ich das Buch „Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau“[2] von Simone de Beauvoir heranziehen. Ihre Ausführungen sollen mir dabei helfen zu zeigen, was sich im Laufe der Jahre an der Situation der Frau verändert hat, ob es Verbesserungen oder Verschlechterungen gegeben hat und wie sich das Zeitalter der Globalisierung auf die gesellschaftliche Rolle von Frauen ausgewirkt hat. Das Ziel, das ich mir für diese Seminararbeit gesteckt habe wäre erfüllt, wenn man Ende Klarheit darüber besteht, welche möglichen Erklärungsversuche Chevillard und Leconte vorstellen, welche Schwachstellen ihre Erklärungsversuche haben und welche Erklärung die wahrscheinlichste zu sein scheint. Ebenfalls soll am Ende die Position von Simone de Beauvoir klar dargestellt sein und einige kritische Anregungen an ihren Überlegungen formuliert werden. Das Ziel ist also eine genaue Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Unterdrückung von Frauen in der Vergangenheit, als auch eine Darstellung der Situation von Frauen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts.

1. Vom Ursprung der Unterdrückung von Frauen

Seit dem Beginn der Menschheit, leben die Menschen in kleinen Gruppen zusammen. Nach dem Ende der letzen Eiszeit waren es vor allem Jäger und Sammlergemeinschaften, in denen bis zu 50 Personen gemeinsam lebten. Diese Gemeinschaften haben jedoch egalitäre Strukturen, was bedeutet, dass man in diesen Gruppen weder eine Dominanz der Männer, noch eine Dominanz der Frauen feststellen konnte. Sowohl Männer als auch Frauen waren an der Jagd und am Sammeln von Früchten und Getreide beteiligt, um ihren Lebensunterhalt zu sichern.[3]

Die so genannten Stammesgesellschaften weisen aber bereits feste Strukturen auf. In ihnen lassen sich strenge Regeln bezüglich Heirat, Nachfolge und Erbe und Verbündungen mit anderen Sippen feststellen. Stammesgesellschaften sind daher keine egalitären Gesellschaften. Durch sie erhält man den Beweis dafür, dass die Unterdrückung von Frauen die älteste Form der Unterdrückung überhaupt ist. Als Beispiel für diese Unterdrückung und Ausbeutung kann Schwarzafrika genannt werden. Dort sind es die Frauen, die das Land bestellen, die Nahrung produzieren, den Haushalt führen, ihre Kinder und ihren Mann versorgen und ihre hergestellten Produkte am Markt verkaufen. Kurz gesagt: „Agriculture is women´s work.“[4] Nicht die Männer gehen zur Arbeit und bringen das Geld nach Hause, sondern die Frauen tragen die Verantwortung für das Wohl der ganzen Familie, dennoch besitzen sie selbst nichts. Sie arbeiten auf einem Grund und mit Werkzeugen, die ihnen nicht gehören. Die Männer gehen praktisch keiner routinemäßigen Arbeit nach. Sie stellen Waffen her und vertreiben ihre Langeweile mit den Vorbereitungen für Zeremonien. Dies ist nur ein kleiner Einblick in das Leben von vielen Frauen in Schwarzafrika. Wie es dazu kam soll im Folgenden geklärt werden.[5]

Zwei Hypothesen

Um der Frage nach dem Ursprung der Unterdrückung von Frauen auf den Grund zu gehen, stellen die beiden Autorinnen zwei Hypothesen auf, die ich nun näher beschreiben möchte.

Die erste Hypothese besagt, dass biologische Faktoren dafür verantwortlich sind, dass Frauen den Männern untergestellt sind. Es wird angenommen, dass Frauen durch die Mutterschaft weniger mobil seien als Männer. Sie blieben bei den Kindern, während die Männer auf die Jagd gingen. Daher wandten sich die Frauen dem Sammeln von Nahrungsmitteln zu, wodurch es zur Erfindung der Landwirtschaft kam. Die Männer lernten, dass umso mehr Druck sie auf die Frauen ausübten, desto mehr wurde von den Frauen produziert. So seien die Stammesgesellschaften und die Unterdrückung von Frauen durch Männer entstanden. Die Arbeitsteilung aufgrund des Geschlechts sei daher den rein biologischen Eigenschaften von Männern und Frauen zuzuschreiben und eine rein natürliche Entwicklung. Diese Hypothese bleibt jedoch nicht ohne Widerspruch. Ein erster Einwand könnte lauten, dass es schlicht keinen Beweis dafür gibt, dass Frauen eher eine Neigung zu einem sesshaften Lebensstil aufweisen als Männer. Tatsächlich gibt es viele Gegenbeweise: Frauen müssen, um ihre Felder zu bewirtschaften und ihre Produkte auf den Märkten zu verkaufen, oft weite Strecken zurücklegen. Außerdem verlassen sie bei ihrer Hochzeit Eltern und die eigene Sippe, um zur Sippe des Mannes zu ziehen. Kommt es zu einer Scheidung haben Frauen kein Recht darauf, ihre Kinder mit zu ihrer alten Sippe zu nehmen, was beweist, dass die Bindung zwischen Mutter und Kind nicht so stark ist, wie oft vermutet wird. Kurz gesagt: Frauen sind vor allem durch ihre enorme Mobilität charakterisiert. Die Annahme, dass Frauen durch Umstände wie die Mutterschaft weniger mobil sind und es deswegen zu einer Arbeitsteilung zum Nachteil der Frauen gekommen sei, ist schlichtweg falsch. Zweitens gibt es keinen Beweis dafür, dass Frauen tatsächlich einen größeren Hang zum Sammeln als zum Jagen haben, noch gibt es einen Beweis dafür, dass dem Jagen ein sozialer Wert anhaftet, der es den Männern erlaubte sich von den Frauen weg zu entwickeln und eine stabile Gruppe zu formen. Das Gegenteil ist der Fall: Frauen haben sehr wohl auch aktiv am Jagen teilgenommen. In der kollektiven Erinnerung werden die historischen Beweise, dass auch Frauen gut mit Waffen umgehen konnten oft versteckt oder eliminiert. Außerdem sind Gesellschaften, die sich nur dem Jagen und nicht auch dem Sammeln widmen nicht stabil, sondern gerade besonders instabil. Alles in allem zeigt sich, dass diese erste Hypothese keine passende Antwort auf die Frage nach dem Ursprung der Unterdrückung von Frauen bietet.[6]

Die zweite Hypothese vermutet, dass es einen plötzlichen Umbruch von einer matrilinearen (Abstammung und Religion wird von der Mutter an die Nachkommen weitergegeben) zu einer patrilinearen (Abstammung, Religion, Riten und Traditionen werden vom Vater an die Nachkommen weitergegeben) Gesellschaft stattgefunden hat. Frauen müssen mittels Gewalt dazu gebracht werden, ihren unterlegenen und schlechten Status gegenüber den Männern zu akzeptieren. Die Unterlegenheit von Frauen, so die Vermutung, wurde nicht vollzogen bis es zum Einsatz von bewaffneter Gewalt gegen Frauen gekommen ist. Daher ist es Frauen auch verboten Waffen zu besitzen oder zu verwenden. Dabei wird die Unterscheidung zwischen Männern und Frauen sehr wichtig. Einen wichtigen Einblick geben die Initiationsriten. Sie haben stets dasselbe Ziel: Männer sollen von den Frauen unterschieden werden. Die Jungen sollen von ihren Schwestern getrennt werden und in eine höherrangige Gruppe aufgenommen werden. Selbst die Beschneidung von Mädchen und Buben dient dem Zweck der Trennung der Geschlechter. „Circumcision defeminizes men while excision devirilizes women“[7]. Die Beschneidung soll damit die Dominanz der Männer über die Frauen bestärken, denn die Frauen werden bei der Beschneidung „entmannt“ während den Männern bei der Beschneidung alles Weibliche genommen werden soll. Die Frauen dürfen an den Initiationsriten ihrer Söhne nicht teilnehmen. Sie müssen das Dorf während der Zeremonien verlassen. Wenn der „neugeborene“ Sohn als Mann in die Gruppe zurückkehrt, singt er von seinem neu gewonnen Status und seiner Überlegenheit. In einigen Stämmen wird die Aufnahme der Jungen in den Bund der Männer sogar mit einem Brauch gefeiert, der „ritus of the beating of the sisters“ genannt wird. Die Schwestern und sogar die eigene Mutter des jungen Mannes werden bei diesem Ritus geschlagen, um die Überlegenheit der Männer über die Frauen zu demonstrieren. Ein System der Unterdrückung und Ausgrenzung kann daher nur aufrechterhalten werden, wenn Gewalt gegen die unterdrückte Gruppe eingesetzt wird. Diese Hypothese zeigt auch, dass an der Unterdrückung von Frauen nichts Natürliches ist. Frauen wollen ihren schlechten Status nicht ohne Widerstand hinnehmen. Sie versuchen sich zu wehren und werden nur durch Gewalt dazu gebracht sich zu fügen. Es scheint, als seien die Männer von einer andauernden Angst eines möglichen Aufstands der Frauen begleitet. Deswegen dürfen Frauen auch keine Waffen besitzen. Männer verbieten den Frauen den Gebrauch von Waffen weil ihr wichtigstes Ziel die Bewahrung eines sozialen Konstrukts ist, welches auf der Ausgrenzung und Ausbeutung von Frauen beruht.[8]

[...]


[1] Vgl. CHEVILLARD, N., LECONTE, S., „The Dawn of Lineage Societies. The Origins of Women´s Oppression.“, in: Women´s Work: Men´s Property: The Origins of Gender and Class, 1986, Hrsg.: COONTZ, S., HENDERSON, P., Thetford Press, Thetford, S. 76-108.

[2] Vgl. BEAUVOIR, S., 2009, Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, Rowohlt, Hamburg.

[3] Vgl. GRABNER-HAIDER, A., „Ethos und Kultur“ in: Ethos der Weltkulturen. Religion und Ethik, 2006, Hrsg.: GRABNER-HAIDER, A., Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, S. 17-37.

[4] Vgl. CHEVILLARD, LECONTE, 1986, „The Dawn of lineage societies“, S. 77.

[5] Ebd. S. 76 ff.

[6] Ebd. S. 87 f.

[7] Ebd. S. 89.

[8] Ebd. S. 89 ff.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das unterdrückte Geschlecht
Untertitel
Analyse der Entstehung der Unterdrückung von Frauen
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V176945
ISBN (eBook)
9783640983605
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterdrückung von Frauen, Simone de Beauvoir
Arbeit zitieren
Eva Eckhard (Autor), 2010, Das unterdrückte Geschlecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176945

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