Einleitung
Zum Beginn der 70er Jahre wurden im Bereich der Sexualität klassische Tabus durchbrochen. Dies wirkte sich schnell in der Kinder- und Jugendliteratur aus. Es erschienen Bücher, die sich mit Liebe, Selbstbefriedigung und Geschlechtsverkehr, ebenso auch mit Homosexualität, auseinander setzten.
„Mit der Darstellung von Sexualität, von sexuellen Handlungen, von Vorgängen, die mit der Geschlechtlichkeit des Menschen, mit Schwangerschaft und Geburt zu tun haben“, ... wurden „die Möglichkeiten dessen, was in der (erzählenden) KJL darstellbar wurde sowie die Bewertung des Sexuellen insgesamt (...) erheblich
erweitert.“(1)
In der vorliegenden Arbeit geht es um den modernen Adoleszenzroman, welcher eine spezielle Subgattung(2) des Adoleszenzroman ist.
Inge Wild(3) fasste die o.g. Kernverknüpfung von Sexualität und Adoleszenzroman treffend zusammen:
„Der aktuelle jugendliterarische Adoleszenzroman geht in der möglichst authentischen Abbildung von Jugendsprache und jugendlicher Alltags- und Gefühlswirklichkeit dicht an Jugendliche heran. Gegenüber der amerikanischen adolescent novel, die v.a. durch Salingers Catcher in the Rye erwachsenen- und jugendliterarisch stilbildend wurde, ist eine gewachsene Tendenz zur
Enttabuisierung, vorwiegend jugendlicher Sexualität in verschiedenartigsten Formen, zu beobachten.“
Anhand von verschiedenen Romanen, wird in dieser Arbeit der Umgang des Jugendlichen mit der erster Liebe und Sexualität im modernen Adoleszenzroman analysiert. Es wird sich zeigen, welchen Einfluss diese Faktoren auf die Identitätsfindung des Jugendlichen haben, den der Adoleszenzroman generell thematisiert.
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1 Dahrendorf: Liebe und Sexualität, S. 34.
2 Vgl. Gansel: Moderner Kinder- und Jugendliteratur, 1999. Gansel macht den Vorschlag, den
Adoleszenzroman nach seinen Merkmalen entsprechend in Subgattungen (klassischer-, moderner-,
postmoderner Adoleszenzroman) einzuteilen.
3 Wild: Neue Bilder weiblicher Adoleszenz, 1997.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der moderne Adoleszenzroman im Prozess von gesellschaftlicher Modernisierung
2.1 Zur Geschichte und Entwicklung des Adoleszenzromans
2.2 Themen, Abgrenzungen und Merkmale des Adoleszenzromans
2.3 Subgattungen des Adoleszenzromans im Rahmen der Modernisierungsphänomene
2.3.1 Klassischer Adoleszenzroman
2.3.2 Moderner Adoleszenzroman
2.3.3 Postmoderner Adoleszenzroman
2.4 Eine Untersuchung zum gegenwärtigen Angebot an Adoleszenzromanen
2.5 Zum Aspekt „Sexualität“ im Adoleszenzroman
3. Physiologische -, psychologische - und soziologische Grundlagen der Adoleszenz und der Aspekte „Liebe und Sexualität“
3.1 Adoleszenz. Die physiologische-, psychologische und soziologische Entwicklung
3.2 Aspekt „Liebe“
3.3 Aspekt „Sexualität“
3.3.1 Eine veränderte Sexualmoral
3.3.2 Sexuelle Reifung und –Verhaltensweisen
4. Zu den Darstellungsgegenständen „Liebe und Sexualität“ im modernen Adoleszenzroman
4.1 Zu den Erzählweisen im modernen Adoleszenzroman
4.1.1 Erzähltheoretische Grundvoraussetzungen
4.1.2 Analyse der Erzählweisen im modernen Adoleszenzroman
4.1.2.1 Marcus Rosenbloom und die Liebe
4.1.2.2 Adam und Lisa
4.2 Inhaltliche Aspekte im modernen Adoleszenzroman
4.2.1 Masturbation
4.2.2 Partnersuche/Der Druck der Jungfräulichkeit
4.2.3 Das erste Mal
4.2.4 Verhütung
4.2.5 Liebe und Sexualität in einer „Alltagsbeziehung“
4.2.6 Erotische Liebesbeziehung oder Freundschaft?
4.2.7 Liebe und soziale Unterschiede
4.2.8 Liebe und Rassismus
4.2.9 Homosexualität
4.2.10 Typische Minderwertigkeitsgefühle
5. Zusammenfassung und Ergebnisse
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende wissenschaftliche Arbeit untersucht den Umgang Jugendlicher mit ihrer ersten Liebe und Sexualität im Kontext des modernen Adoleszenzromans. Das primäre Ziel ist es, den Einfluss dieser Faktoren auf die Identitätsfindung der Protagonisten aufzuzeigen und zu analysieren, wie literarische Mittel eingesetzt werden, um die psychische Verfassung der Jugendlichen darzustellen.
- Historische Entwicklung und Subgattungen des Adoleszenzromans
- Physiologische, psychologische und soziologische Grundlagen der Adoleszenz
- Analyse erzähltheoretischer Grundvoraussetzungen und moderner Erzählweisen
- Untersuchung zentraler inhaltlicher Aspekte wie Masturbation, Partnersuche, das erste Mal und Homosexualität
- Rolle des modernen Adoleszenzromans als Reflexion gesellschaftlicher Modernisierungsprozesse
Auszug aus dem Buch
4.1.2.1 Marcus Rosenbloom und die Liebe
Der Roman ist in 27 Kapitel unterteilt. Das Erzählverhalten des Er-Erzählers ist personal. In dessen Bericht sind Dialoge, Beschreibungen, erlebte Rede, innerer Monolog, Notizzettel, ein Telefongespräch und Brief eingeschoben. Die Erzählzeit ist das Präteritum. Verknüpft mit der Thematik des Romans, nämlich der einer möglichen Problematik des Einstiegs in die Sexualität, bilden diese Merkmale einen charakteristischen modernen Adoleszenzroman.
Durch die Darstellungen mit dem Mittel „erlebten Rede“, ermöglicht der Erzähler einen Einblick in das Innenleben des Protagonisten. Der Leser kann somit seinen „stream-of-consciousness“ verfolgen und die psychologische Verfassung, seine bestehende Identitätskrise, erfassen.
Einige Abschnitte in der „erlebten Rede“:
Der Erzähler vermittelt in dieser Situation das Innenleben von Marcus und nutzt dafür die „erlebte Rede“:
„Es überkam ihn eine solche Welle von Neid, Verzweiflung und Ärger,...“ oder ähnliches „Seine Hände waren feucht. Er wollte, dass sie neben ihm auf dem Bett saß, ganz nah bei ihm.“
Erlebte Rede wird z.B. auch in der Darstellung einer Fantasie Marcus mit Karen genutzt. Der Leser erfährt damit eine sexuelle Wunschvorstellung Marcus. Mit der erlebten Rede wird es für den Er-Erzähler möglich, das Innere von Marcus darzustellen, obwohl Marcus nicht selbst spricht. „Er wählt die Optik der Figur“
„Marcus streckte sich aus. Er war George Webber. Und da war Karen, auf der Couch, sah zu ihm auf. Er kniete neben ihr (Marcus kniete neben der leeren Couch).“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung des Aufbrechens klassischer Sexualtabus in der Jugendliteratur seit den 70er Jahren und Einführung in den modernen Adoleszenzroman.
2. Der moderne Adoleszenzroman im Prozess von gesellschaftlicher Modernisierung: Überblick über die historische Entwicklung der Gattung und Abgrenzung verschiedener Subgattungen vor dem Hintergrund der Modernisierungstheorie.
3. Physiologische -, psychologische - und soziologische Grundlagen der Adoleszenz und der Aspekte „Liebe und Sexualität“: Erläuterung der Entwicklungsphasen während der Adoleszenz sowie der Begriffe Liebe und Sexualität als Teil des Integrationsprozesses.
4. Zu den Darstellungsgegenständen „Liebe und Sexualität“ im modernen Adoleszenzroman: Analyse literarischer Erzählweisen und Untersuchung inhaltlicher Problembereiche in ausgewählten Romanen.
5. Zusammenfassung und Ergebnisse: Synthese der Untersuchungsergebnisse hinsichtlich der identitätsstiftenden Bedeutung von Liebe und Sexualität im Adoleszenzroman.
Schlüsselwörter
Adoleszenzroman, Identitätsfindung, Sexualität, erste Liebe, Adoleszenz, Jugendsexualität, Masturbation, Modernisierung, psychologische Entwicklung, Erzählweisen, Erlebte Rede, Sozialisation, Identitätskrise, Literaturanalyse, Jugendliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Themen „Liebe und Sexualität“ in modernen Adoleszenzromanen dargestellt werden und welche Bedeutung diese Erfahrungen für die Identitätsbildung der jugendlichen Protagonisten haben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die körperliche und psychologische Entwicklung während der Adoleszenz, den Umgang mit erster Sexualität, Partnersuche, die Rolle der Peer-Groups und die Bedeutung von gesellschaftlichen Normen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit „Liebe und Sexualität“ als Katalysator für die Identitätsfindung fungieren und wie moderne literarische Techniken diesen Prozess im Roman abbilden.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es erfolgt eine strukturelle und inhaltliche Analyse der ausgewählten Adoleszenzromane unter Berücksichtigung erzähltheoretischer Grundlagen (z. B. Erzählperspektive, erlebte Rede, innerer Monolog) und modernisierungstheoretischer Aspekte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der soziologischen und psychologischen Grundlagen sowie die detaillierte Untersuchung inhaltlicher Aspekte wie Masturbation, das erste Mal, Verhütung, Liebe und soziale Unterschiede oder Homosexualität.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Adoleszenzroman als Gattungsbegriff stehen die Begriffe Identitätsfindung, sexuelle Liberalisierung, Enttabuisierung und die psychologische Darstellung des Innenlebens von Jugendlichen im Zentrum.
Wie wird das Phänomen der Masturbation in den Romanen bewertet?
Die Masturbation wird meist als natürlicher, wenn auch oft noch tabuisierter Teil der sexuellen Entwicklung dargestellt, wobei die Reaktion der Eltern als prägender Faktor für die Selbstwahrnehmung der Protagonisten dient.
Warum ist die „erlebte Rede“ in den Romanen so wichtig?
Die „erlebte Rede“ ermöglicht dem Leser einen direkten, authentischen Zugang zum Innenleben und den psychologischen Krisen der Figuren, was die Identifikation mit deren Identitätssuche verstärkt.
- Citar trabajo
- Juliane Kipp (Autor), 2000, Liebe und Sexualität als Darstellungsgegenstand im modernen Adoleszenzroman, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/176