Religiöse Erfahrung aus Sicht des Pragmatismus


Hausarbeit, 2010

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Pragmatismus
2.1 Historischer Hintergrund
2.2 Allgemeine und philosophische Sichtweise(n)
2.3 William James
2.4 John Dewey

3. Religiöse Erfahrung und Glaube aus Sicht des Pragmatismus
3.1 Religiöser Glaube und die Wahrheit der Religion (James)
3.2 Der gemeinsame (religiöse) Glaube der Menschheit (Dewey)
3.3 Zwei Denkrichtungen - Gegenüberstellung

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Es ist unmöglich, dass ein Mensch ohne Religion seines Lebens froh werde“.[1] Das Zitat von Immanuel Kant spiegelt lakonisch, durch eine laterale Denkweise des Lesers begünstigt, partiell die Ansicht des Pragmatismus von der Religion wider, welche es gilt, zu überprüfen.

In der vorliegenden Arbeit soll die Religion und der ihr zugrunde liegende religiöse Glaube aus Sicht des Pragmatismus erläutert und dargestellt werden. Der Pragmatismus, eine Denkrichtung der Philosophie, versteht das Verhalten des Menschen nicht nur als opportunistisches Handeln, sondern ebenfalls als Verzicht auf theoretische Begründung. Hinzu kommt der individuelle und parteiliche Nutzen, der für die Auswahl von Gegebenheiten verantwortlich ist, an denen man sich orientiert.[2] Der entscheidende Standpunkt bzw. die für diese Ausführung zugleich interessante Perspektive des Pragmatismus liegt jedoch in der Tatsache begründet, dass der Pragmatismus die Religion als Träger religiöser Erfahrung sieht, welche es bei aller Kritik der traditionellen Religionen zu erhalten gilt, und sich infolgedessen als Versuch versteht, die religiöse Qualität der Erfahrung zu retten. Dies ist nur möglich, wenn das Element der religiösen Erfahrung aus der Vorstellungswelt der institutionalisierten Religionen befreit wird.[3]

Gerade die Religionen üben enorme Anziehungskräfte aus, weshalb eine wissenschaftliche Debatte über die Verhaltensauswirkungen dieser dem Glauben zugrunde liegenden Phänomene auf den Menschen interessant erscheint. Unterschiedliche Vertreter und Begründer des Pragmatismus haben sich mit der Thematik der Religion auseinandergesetzt. So auch William James, der die religiöse Neigung des Menschen in verschiedenen Ausführungen untersucht und diese ins Licht des pragmatischen Verständnisses stellt (vgl. James, W. 1901/ 1902, S. 14). John Dewey, ebenfalls ein angesehener Vertreter der pragmatischen Theorien, hat sich mit dem Gegenstand befasst und der Religion mit Hilfe des Pragmatismus eine neue, eine andere Bedeutung zugesprochen.

Bevor nun aber genauer auf die jeweiligen Denkrichtungen der erwähnten Persönlichkeiten eingegangen wird, soll der Aufbau der Arbeit kurz skizziert werden.

Der historische sowie der theoretische Hintergrund werden im zweiten Kapitel beschrieben. Hier erhält der Leser einen kurzen Einblick in die pragmatische Lehre und Angaben zur allgemeinen Entstehungsgeschichte. Der Leser erhält zudem Informationen zu den Biografien von James und Dewey sowie zu deren Positionen im Pragmatismus.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit der Religion bzw. mit der religiösen Erfahrung aus Sicht des Pragmatismus. Hierzu werden nochmals die beiden mitunter bekanntesten Vertreter des Pragmatismus (James, Dewey) und ihre jeweiligen Anschauungen sowie Thesen, diesmal allerdings speziell zur Thematik der Religion, aufgeführt. Interessant erscheint dabei die Gegenüberstellung der beiden Positionen in Abschnitt 3.3, in dem die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dem Leser abermalig deutlich gemacht werden.

Das Fazit in Kapitel vier schließt die Arbeit ab und überprüft das eingangs erwähnte Zitat auf dessen Aussageinhalt für die Thematik dieser Ausführung. Dennoch setzt sich die vorliegende Arbeit nicht das Ziel, Neues und Unbekanntes hervorzubringen. Sie besitzt daher einen deskriptiven Charakter.

2. Der Pragmatismus

Im Grunde erkennt der Pragmatismus das Wesen des Menschen in seinem Handeln (vgl. Abels, H. 2004, S. 128). Eine einfache Definition, die reichlich Freiraum für Interpretationen zulässt. Will man die Grundzüge, die Ideengeschichte und das nötige Hintergrundwissen des Pragmatismus vermitteln, so braucht es mehr als der hier zur Verfügung stehende Umfang.

Trotzdem soll im Folgenden die Begründung des modernen Pragmatismus grob skizziert, auf die allgemeinen Denkmuster eingegangen und James sowie Dewey als Hauptvertreter des amerikanischen Pragmatismus dargestellt werden. Dadurch erhält der Leser einen Überblick und findet sich in der Thematik besser zurecht.

2.1 Historischer Hintergrund

Begründer der pragmatischen Philosophie ist Charles Sanders Peirce, der die ersten Diskussionen um 1870 vorangetrieben hat. Der Pragmatismus enthält viele Sichtweisen einzelner Denker und ihrer Strömungen. So ist zum Beispiel der Wahrheitsbegriff von Goethe als philosophisches Muster des Pragmatismus zu erklären. Weitere Denkrichtungen, wie der britische Empirismus, der Individualismus oder der Utilitarismus, Teile der Kant´schen Philosophie, der Deutsche Idealismus und andere philosophische Bewegungen waren für den Pragmatismus von großer Bedeutung (vgl. Schreier, H. 1986, S. 22).

Dessen ungeachtet verbirgt sich im Kern des Pragmatismus eine Philosophie, welche vor allem von Charles Sanders Peirce, William James, George Herbert Mead und John Dewey geformt wurde (vgl. Schreier, H. 1986, S. 23). Die vier Persönlichkeiten gelten schlechthin als Repräsentanten des eigentlichen Pragmatismus. Daneben gibt es kulturgeographische Phänomene, die zur Begründung des Pragmatismus als Denkmethode beigetragen haben, auf die in dieser Arbeit jedoch nicht weiter eingegangen wird. Die pragmatischen Ideen wurden zuerst in einem Debattierklub, dem auch Peirce und James angehörten, an der amerikanischen Ostküste gegen Ende des 19. Jahrhunderts diskutiert (vgl. Schreier, H. 1986, S. 23).

Die vollständige Erfassung und Erläuterung des Pragmatismus mit ihren genannten vier amerikanischen Vertretern ist in diesem Kontext nicht möglich. Vielmehr sollen die typischen Inhalte der pragmatischen Grundauffassung hervorgehoben werden, welche im nächsten Abschnitt dargelegt sind.

2.2 Allgemeine und philosophische Sichtweise(n)

Zur Erklärung der pragmatischen Idee muss bei der Ursprungssituation, der Schaffung der Welt, begonnen werden. Der Pragmatismus sieht die Schaffung der Welt als einen gegenwärtigen, immer noch andauernden und nicht endenden Prozess. Hauptthema der Philosophie, der Nachweis des Unveränderlichen, ist nicht mehr länger Gegenstand des Pragmatismus. Vielmehr konzentriert sich der Pragmatismus auf den Prozesscharakter der Wirklichkeit und damit zugleich auf die Veränderlichkeit des Unveränderlichen (vgl. Schreier, H. 1986, S. 25-26).

Die Wirklichkeitsauffassung der Pragmatisten unterscheidet sich im Vergleich zu den Anhängern des Realismus oder des Idealismus. Die Wirklichkeit existiert weder unabhängig vom Bewusstsein des Menschen noch in Abhängigkeit. Sie ist eher eine Situation, welche beides miteinander verbindet. Außerdem wird der Wirklichkeitsbegriff im Pragmatismus nicht verwendet. Stattdessen wird das Konstrukt mit „Erfahrung“ umschrieben. Besonders im Deutschen entsteht durch diese Wortverwendung ein hoher Grad an Plastizität, weil durch die Endung „-ung“ die Prozessgestalt der Sache ausgedrückt wird und es nunmehr kein Konstitutivum, wie es der Begriff Wirklichkeit demonstriert, sondern ein Konstituendum ist (constituendum: Gerundium des Verbs costituere = aufstellen)[4] (vgl. Schreier, H. 1986, S. 26). Meint also, dass Wirklichkeit kein Zustand ist, sondern eine Festsetzung des Menschen, die veränderbar ist. Man betrachte nur die lateinische Übersetzung. Mit „constitutio“ sind die „Beschaffenheit“ und der „Zustand“ gemeint. Schon diese Deutung beweist, dass das Wort keinen Prozesscharakter besitzt (vgl. PONS Wörterbuch, 2003, S. 188). Der Erfahrungsbegriff trägt demzufolge nach Dewey etwas Unendliches in sich und hat damit eine Erwartung an die Zukunft.[5]

Die vier genannten Pragmatisten teilen eine gemeinsame Grundauffassung in Bezug auf den kenntlich gemachten Prozess der Wirklichkeit bzw. der Erfahrung. „Denken“ ist demnach ein Mittel, das zur Lösung von Problemen (Hindernisse, die dem glatten Verlauf des Lebens im Wege stehen) genutzt wird. Scheint das Problem beseitigt, hat der „Denkakt“ seine Erfüllung erreicht. Das menschliche Handeln orientiert sich deshalb am Akt der Problemlösung oder ist gerade aus diesem Grund zur Problemlösung konzipiert. Das Denken ist selbst als Mittel aufgehängt und wird somit zum Instrument der aus dem Prozess hervortretenden Zwecke (vgl. Schreier, H. 1986, S. 32). Mit anderen Worten ist damit gemeint, dass der Mensch durch Bedürfnisse bestimmt und bewegt ist und für ihn das wahr scheint, was er zu brauchen gedenkt (vgl. Schreier, H. 1986, S. 41). Kurz gesagt, Denken ist Mittel zum Zweck.

Des Weiteren hat der Mensch im Umgang mit seiner Umwelt, also im Prozess der Handlung, die Eigenschaft, seine Umwelt mit dem Erzeugen und der Bildung von Begriffen zu erklären. Die Bildung von Begriffen stellt aber keinen Teil der Wirklichkeit dar, weil sie durch Menschen produziert ist. James erkennt in der Begriffsbildung eine Kombination mit der Wahrnehmung. Begriffe, die wiederum aus Zeichen bestehen (Buchstaben), besitzen deshalb einen instrumentalen Wert und haben die Eigenschaft von Übersichtskarten. Sie selbst erfüllen den Zweck zur Ordnung der bereits diskutierten Erfahrung. Die Lebenswelt ist nach Peirce nicht die Wirklichkeit der Dinge, sondern eine durch Zeichen erschlossene, gedeutete und geprägte Welt. Mit der Beziehung zwischen Zeichen und Realität ist eine wesentliche Struktur der menschlichen Existenz angesprochen. Die Zeichen haben nach Ansichten des Pragmatismus immer eine praktische Konsequenz für den Menschen (vgl. Oehler, K. 2000, S. 5). Deshalb besitzt der Pragmatismus auch eine semiotische Ader.

Verbindet man diese Grundansichten bzw. Ideen des Pragmatismus miteinander, so ergibt sich folgendes Bild des pragmatischen Kerns. Die Intention des Pragmatismus liegt im Versuch, die Bedeutung von Zeichen (durch ihren Handlungsbezug) unter Einschluss des Experimentes, auch des Gedankenexperiments zu bestimmen. Demnach hat der Begriff seine Bedeutung (wahrnehmbar oder denkbar) durch seinen Handlungsbezug (vgl. Oehler, K. 2000, S. 6). Der Mensch kann die Wahrheit durch sein Tun und Handeln nicht finden. Vielmehr muss er bestrebt sein, das Handeln mit dem Denken zusammenzufügen und somit durch Erkennen und Entdecken ein kontrolliertes Machen zu erschaffen. Das kontrollierte Machen versteht sich in diesem Zusammenhang als ein Übereinstimmen mit der Wirklichkeit, das wiederum als „Geführt-Werden“ zu begreifen ist. Der Mensch wird nach Ansichten des Pragmatismus durch wahre Ideen geführt. Wahre Ideen führen uns zu Worten, Begriffen und Zeichen, zum Denken und zur Handlung.[6] „Sie führen uns zur Konsequenz, zur Stabilität, zu ununterbrochenem menschlichen Verkehr. Sie führen weg von Exzentrizität und Vereinzelung, weg von verfehltem und unfruchtbarem Denken“.[7] Diese Übereinstimmung mit der Wirklichkeit meint nach Ansichten des Pragmatismus einen Vorgang, mit dem man von einer gegenwärtigen Vorstellung zu einem zukünftigen Ereignis gelenkt wird. Jedoch muss dieser Prozess des „Zur-Übereinstimmung-Kommens“ durch eine sinnliche und anschauliche Verifikation bestätigt werden.[8]

[...]


[1] Kant, I. (o. J.): Religion. Immanuel Kant (1724.1804). [online] URL: http://www.zitate.de/db/ergebnisse.php?stichwort=religion&x=0&y=0 [Stand: 02.07.2010].

[2] Vgl. Pape, H. (2010): Pragmatismus Falsche Freunde. S. 6. In: Schwerpunktthema Pragmatismus. fiph Journal. [online] URL: http://www.fiph.de/veroeffentlichungen/journale/Fiph-Journal-2010-Fruehjahr.pdf [Stand: 02.07.2010].

[3] Vgl. Müller, K. P. (2006): Rationalität und Erfahrung. Bemerkungen zur pragmatischen Methode. S. 13. PDF-Datei. [online] URL: http://www.sicetnon.org/content/pdf/rationalitaet_erfahrung_mueller.pdf [Stand: 02.07.2010].

[4] Vgl. Lateinwörterbuch (o. J.): Lateinwörterbuch. constituere. [online] URL: http://www.frag-caesar.de/lateinwoerterbuch/constituendi,%20%28ad%29%20-um,%20-o-uebersetzung.html [Stand: 02.07.2010].

[5] Vgl. Müller, K. P. (2006): Rationalität und Erfahrung. Bemerkungen zur pragmatischen Methode. S. 3. PDF-Datei. [online] URL: http://www.sicetnon.org/content/pdf/rationalitaet_erfahrung_mueller.pdf [Stand: 02.07.2010].

[6] Vgl. Müller, K. P. (2006): Rationalität und Erfahrung. Bemerkungen zur pragmatischen Methode. S. 10. PDF-Datei. [online] URL: http://www.sicetnon.org/content/pdf/rationalitaet_erfahrung_mueller.pdf [Stand: 02.07.2010].

[7] Müller, K. P. (2006): Rationalität und Erfahrung. Bemerkungen zur pragmatischen Methode. S. 10. PDF-Datei. [online] URL: http://www.sicetnon.org/content/pdf/rationalitaet_erfahrung_mueller.pdf [Stand: 02.07.2010].

[8] Vgl. Müller, K. P. (2006): Rationalität und Erfahrung. Bemerkungen zur pragmatischen Methode. S. 10-11. PDF-Datei. [online] URL: http://www.sicetnon.org/content/pdf/rationalitaet_erfahrung_mueller.pdf [Stand: 02.07.2010].

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Religiöse Erfahrung aus Sicht des Pragmatismus
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
20
Katalognummer
V177010
ISBN (eBook)
9783640984442
ISBN (Buch)
9783640984565
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
religiöse, erfahrung, sicht, pragmatismus
Arbeit zitieren
Johannes Keller (Autor), 2010, Religiöse Erfahrung aus Sicht des Pragmatismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177010

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