Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen

Modularbeit LER Psychologie


Hausarbeit, 2011

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Beispiel eines Abschiedsbriefes aus dem Buch „Ich möchte jetzt schließen; Briefe vor dem Freitod“

2. Einleitung

3. Phänomenologie
1. Definition des Begriffes Suizid
2. Auftretenshäufigkeit - allgemein
3. Kurzer Exkurs in den christlichen Glauben
4. Probleme bei der Alterseinordnung und Auftretenshäufigkeit bei Kindern und Jugendlichen
5. Suizidmethoden
6. Mögliche Ursachen für den Suizid/-versuch
7. Symptome

4. Prävention
1. allgemein
2. In der Schule
1. Makroebene
2. Mesoebene
3. Mikroebene

5. Fazit

6. Quellen

7. Anhang

1. Beispiel eines Abschiedsbriefes aus dem Buch „Ich möchte jetzt schließen“

Irgend etwas macht mich zum Tier, ihm gehorchend, danach handelnd, etwas entmenscht mich trieblos, vergeßlich, entmutigend, ohne seinen Namen zu nennen. Ich fühle mich niederträchtig, ich bin verloren, ich fühle mich so, warum weißich nicht. Ich sehne mich nach dem Ende, dem Ende der Quälerei. Ein s üß es Ende. Ich sehne mich danach, ich hasse das Leben, ich hasse alles, ich bin vollkommen verloren, ich bin ein menschliches Wrack, bilde ich es mir ein, es ist so -, ich weißes nicht, ich bin ihm hilflos ausgeliefert, ich bin verloren für mein ganzes Leben, warum weißich nicht, ich besitze so ein seltsames Gefühl.

Sagt allen Menschen, die mich kennen, einen lieben Grußvon mir, einen freundschaftlichen, allen Menschen, allen Menschen, die mich kennen und helft allen Menschen die zu Euch kommen, Euch fragen.

Der Mensch V. S.

Eineübertriebene, objektiv nicht gerechtfertigte hohe Meinung von sich selbst, innere Leere und krankhaftes Suchen nach dem Sinn des Lebens, der Verlust von innerem Halt infolge des Zusammenbruchs wirksamer Beziehungen zu anderen Menschen und endlose Zweifel, Schwankungen und Qualen, fehlendes Pflichtbewußtsein, so daßgleichsam alles erlaubt ist, das Fehlen großer Ziele, echter innerer Anreiz und einer gesunden Entschlossenheit. [ … ]

Ich möchte gestehen, daßich mich in den letzten Wochen in einen Zustand selbst hineingesteigert habe, aus dem ich keinen Ausweg finde.

Ein wahnsinniges Gefühl, bestehend aus unzähligen unverdauten Eindrücken und Erlebnissen aus allen nur erdenkbaren Bereichen des Lebens, welches auf mich einkommt. Ein eigentlich ganz normaler Vorgang, aber zu einem Auswerten, zu einem Aussprechen mit anderen Menschen ist es nie gekommen, da ich in den letzten Jahren, einen für mich krankhaften Abbau aller wirksamen Beziehungen zu anderen Menschen durchgeführt habe. Die Ü berzeugung, daßdiese Tatsache als krankhaft zu bezeichnen ist, gibt mir den Mut zu sagen, daßich nicht verantwortungslos gehandelt habe. Ich bitte Euch meinen Tod nicht allzu tragisch zu nehmen, denn für mich war dieser kommende Tag lang ersehnt. [1]

2. Einleitung

In diesem Semester habe ich, durch die Empfehlung einer Freundin, lange versucht folgendes Buch zu bekommen. „Ich möchte jetzt schließen, Briefe vor dem Freitod“ herausgegeben von Udo Grashoff. Allein die Tatsache, dass ich zwei Wochen in Buchhandlungen und im Internet danach suchen musste, hat mich sehr irritiert. Nachdem ich es drei Monate später zugeschickt bekam, war ich bereits nach der Einleitung und den ersten beiden Briefen sehr betroffen, zumal ich selber bereits vor einigen Jahren einen Brief dieser Art verfasste, der diesen sehr ähnelte. Unlösbar erscheinende Probleme, sich auflösende soziale Kontakte und „endlose Zweifel“, wie sie der 17jährige im vorangegangenen Abschiedsbrief beschreibt, stellten auch mich vor eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Er schreibt, dass das Leben eine Qual wäre, die er mit einem „süße[n] Ende“ abschließen möchte. An dieser Stelle musste ich, als Germanistikstudentin, zudem nicht nur an meinen Brief, sondern auch an die Geschichte Johann Wolfgang von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ denken. Ich studiere Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde und Deutsch für die Klassen eins bis zehn. Dabei versuche ich mich für meine zukünftige Tätigkeit nicht nur fachlich ausreichend vorzubereiten, sondern auch auf die möglichen auf mich zukommenden Probleme, Grenzsituationen und Konflikte. Zum L-E-R-Studium gehören vier sehr wichtige Kurse: Werte und Ziele, Emotionen, Grenzsituationen und Konflikte, Kommunikation und Konfliktlösung.

Im letzten Semester habe ich den Kurs der Grenzsituationen besucht und war schockiert, mit welchen elementaren und scheinbar ausweglosen Problemen die Kinder und Jugendlichen zu kämpfen haben. Bei fast allen beschriebenen Problemen, habe ich nun eine Ahnung, wie ich als Lehrerin helfen kann. Doch ein Umstand ist für mich immer noch nicht klar,

Wie erkenne ich als Lehrer die Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen und vor allem wie kann ich sinnvoll Prävention betreiben und Betroffenen helfen?

Ich hoffe durch die genaue Auseinandersetzung und diese Ausarbeitung meiner Fragen, eine Möglichkeit zu finden, mich auch auf diese Eventualität vorzubereiten. Vorab werde ich wichtige Fakten und Eckdaten näher erläutern, wie zum Beispiel die Phänomenologie, wie häufig der Suizid von Kindern/ Jugendlichen verübt wird und welche Methoden vorgenommen und welche Symptome gezeigt werden, damit ich vorab ein genaues Bild dieses eher doch abstrakten Krankheitsbildes erhalten kann. Der wohl wichtigste Punkt folgt darauf, die Prävention. Dabei werde ich einmal in allgemein und in der Schule, meinem zukünftigen Arbeitsplatz, unterscheiden. Die Schule unterteile ich zudem in Makro-, Meso- und Mikroebene und möchte mit der wenigen praktischen Erfahrung, die ich bis jetzt sammeln durfte, meine Ideen beschreiben. Anschließend werde ich für mich ein Fazit ziehen, dass hoffentlich eine Art „Leitfaden“ oder zumindest wichtige „Eckpfeiler“ für ein Vorgehen hergeben wird. Ich werde versuchen, sehr objektiv an dieses Krankheitsbild und seine Betroffenen heran zu gehen.

An dieser Stelle möchte noch kurz etwas zu dem Jugendlichen sagen, dessen Abschiedsbrief auf der ersten Seite dieser Arbeit zu finden ist. Man findet im Buch[2] zuerst den Brief und anschließend die vorhandenen Fakten zum Schreiber vor. Nach diesem poetischen und sehr philosophischen Brief habe ich eher als Urheber einen älteren Mann oder eine ältere Frau erwartet, da meiner Meinung nach, doch sehr viel Lebenserfahrung enthalten sein musste. Als ich jedoch las, „verfasst von einem knapp 17-jährigen Oberschüler“, wusste ich nicht, was ich dazu sagen oder denken sollte. Zunächst habe ich mich erinnert, was für Problem ich mit 17 Jahren hatte. Ich stelle fest, dass auch ich soziale Kontakte abbaute und mich zurück zog. Problem erschienen für mich ausweglos und das Aussprechen mit anderen fiel mir ebenfalls sehr schwer bis unmöglich. Meine Probleme waren für mich so tragisch und übermächtig, dass ich diesen, oft angedrohten und überlegten Weg, einmal versuchte zu verwirklichen, aber glücklicherweise an der Umsetzung scheiterte. Ich dachte damals immer, ich sei die Einzige, die über Selbstmord nachdachte, doch im Kurs der Grenzsituationen wurde geschildert, dass 1998 rund 10,2 Prozent der Jugendlichen recht häufig Suizidgedanken hat. Doch dazu genaueres im nächsten Abschnitt.

3. Phänomenologie

1. Definition des Begriffs Suizid

Der Suizid beschreibt zunächst einen Fachbegriff, welcher die Selbsttötung eines Menschen darstellt. Es handelt sich um einen im Bewusstsein des letalen Ausgangs eingeleiteten und zum Tod, zu verstehen als unabänderliche Größe, führenden Vorgang[3]. Man muss zudem zwischen Suizid und Suizidversuch unterscheiden, da letzteres, auch als parasuizidale Handlung verstanden, laut WHO „eine Handlung mit nichttödlichem Ausgang, bei der ein Individuum absichtlich ein nicht-habituelles Verhalten beginnt, das ohne Interventionen von dritter Seite eine Selbstschädigung bewirken würde“[4]. Dazu zählt auch das absichtliche Einnehmen einer substanziellen Dosis, die weit über zum Beispiel die ärztlich verschriebene hinausgeht. Damit soll erreicht werden, aktuelle oder erwartbare Konsequenzen verändert werden. Es ist also ein vorsätzlicher Tod[5], der vom Individuum selbst herbeigeführt wird. Dieses unternimmt dabei einen geplanten, schonungslosen und gezielten Versuch seinem Leben ein Ende zu bereiten. Dafür gibt es zahlreiche Auslöser auf die ich noch zu sprechen komme. Edwin Shneidman unterscheidete 2005 vier Arten von Menschen die absichtliche den Tod herbeiführen wollen, Todesinitiatoren, Todessuchende, Todesherausforderer und Todesverächter [6]. Dies sollte jedoch an anderer Stelle noch einmal genauer betrachtet und analysiert werden.

Man unterscheidet also zwischen Suizid und Suizidversuch. Umgangssprachlich wird oft von Selbstmord gesprochen, wie zum Beispiel diese Schlagzeilen der Schweriner Volkszeitung und Der Zeit zeigen: „Verdächtiger begeht Selbstmord […] Alles deute auf einen Selbstmord des 49-Jährigen hin, so die Sprecherin.“ SVZ vom 01. Juli 2010[7]. „Wir haben euch alle sehr lieb. Moni und Micha, Ein Ehepaar begeht Selbstmord“ vom 19. Mai 2005[8]. Es gibt zwar mehrere Synonyme für den Suizid, aber der Selbstmord ist seit Martin Luthers Übersetzung der Bibel am weitesten verbreitet. Wohingegen sich Presse, Medien und Gesellschaft zunehmend des Fachbegriffes bedient, um möglichst objektiv zu berichten. Der „Selbstmord“ resultiert, wie beschrieben, aus der Lutherschen Übersetzung „sein selbs mörder“. Damit obliegt dem Begriff eine gewisse Verurteilung im moralischen Sinne. Und ist damit, zumindest sprachhistorisch, tief verankert. Einige Philosophen sprechen vom „Freitod“ und verweisen explizit auf die bewusste Vernunft und die menschliche Handlungsfreiheit, wie beispielsweise Seneca. Da das Bewusstsein eine wichtige Rolle spielt, wurde auch in die medizinische Definition übernommen. Denn kein Mensch der durch einen Sekundenschlaf gegen einen Baum fährt, will sich selbst umbringen, sondern unterschätzt vielmehr die biologischen Begebenheiten, wie ich leider im eigenen Freundeskreis erfahren musste. Die Medizin war also bei der Begriffsbildung im Zwiespalt und es wurde eine Art Kunstwort festgelegt - der Suizid. Dieser entstammt dem Lateinischen und geht auf das neutrale Wort „Selbsttötung“ zurück, der auch im juristischen Bereich Anwendung findet. Man mag es nennen, wie man möchte, doch letztendlich zeigen die Statistikzahlen ein und dasselbe ernstzunehmende Ausmaß. Darauf möchte ich nun zu sprechen kommen.

2. Auftretenshäufigkeit des Suizides- allgemeinen

In diesem Abschnitt werden einige Werte folgen, dessen Relation ich zunächst erklären möchte. Es wird zum Beispiel gesagt „fünf je 100'000“, damit ist gemeint, dass von 100'000 Einwohnern oder Mitglieder einer Gruppe (bei den Altersgruppen der Kinder und Jugendlichen) jährlich fünf Personen durch einen Suizid starben. Im Vergleich der Suizidraten gibt es relativ große Unterschiede in den Ländern. Laut Humprey 2006 besitzt Deutschland ebenso wie China, Russland, Finnland, Dänemark und Japan eine übermäßig hohe Rate mit über 20 Personen je 100'000 hat. Canada und die USA werden mit 12 und England mit 9 Personen datiert. Im Bezug auf diese Zahlen halten sich die Suizidraten von Mexiko, Griechenland, Spanien und Ägypten relativ gering mit weniger als 5 Menschen. Dabei ist jedoch nicht zu vergessen, dass es sich jeweils immer um ein Menschenleben handelt. Diese Unterscheide resultieren zum Großteil aus der religiösen Einstellung und Überzeugung der dort Lebenden, vgl. dazu ausführlich Brown 2002. Durch die fromme christliche, jiddische oder muslimische Einstellung, die den Suizid verachtet und mit Strafen ahndet, begehen wenig Menschen diesen Schritt. Im Christentum ist der Selbstmord, in diesem Sinne wörtlich gemeint, ein Mord an dem Gott gegebenen Leben.

3. Kurzer Exkurs in den christlichen Glauben

In der Bibel sind viele Stellen über Selbsttötung und seine Folgen zu finden. Aber auch eine Erklärung, warum es für Christen sinnlos wäre und verachtet ist, sich selber zu töten. An dieser Stelle möchte ich kurz einige Stellen anführen, die ausschlaggebend sind.

In Genesis 1,26-27[9], also bereits am Anfang der Bibel findet man die erste Stelle, da Gott den Mensch nach seinen Ebenbild schuf - also göttlich und über alles erhaben. Er allein wisse, was er mit den Menschen noch vorhabe. In Jeremias begründet er wieso: Er würde Frieden schenken, inneren und äußeren, und von jeweiligen Leid befreien. Zudem gebe er den Menschen die Hoffnung wieder und sichere damit ihre Zukunft. Denen die nicht auf Gott hörten, werden ihre Strafe durch zum Beispiel Pest, Schwert oder Hunger zu spüren bekommen.[10] Die Strafe für eine Sünde wird mit dem Tod beschrieben, da Jesu mit seinem Tod bereits alle Sünden bis dahin übernommen hatte. Dabei wird betont, dass nicht nur der geistliche Tod, im spirituellen Sinne gemeint, sondern auch der körperliche die Folge von der Missachtung Gottes sind. Gott schenkt ewiges Leben und Jesu habe die Menschen insofern erlöst, dass sie dort auch Einlass gewährt bekommen.[11] Dem Satan obliegt die Gewalt, die Zerstörung und der Tod. Besitzt er einen Menschen, begeht dieser Sünden und eine Sünde wird dann als schwerwiegend, beziehungsweise als Todsünde, bezeichnet, wenn sie in vollem Bewusstsein verübt; gegen die zehn Gebote verstößt, unter anderem auch „Du sollst nicht töten!“[12] ; und mit bedachter Zustimmung, also aus freiem Willen begangen wird. Auch Jesu zweifelte bei Gethsemani, aber vertraute letztendlich doch auf Gott.[13]

[...]


[1] Udo Grashoff, „Ich möchte jetzt schließen, Briefe vor dem Freitod“, S.76f

[2] Udo Grashoff, „Ich möchte jetzt schließen, Briefe vor dem Freitod“

[3] Günther Esser (Hg), „Lehrbuch der Klinischen Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters“, S.277

[4] Ebd, S.277f

[5] Ronald J. Comer, „Klinische Psychologie“, S.270

[6] Edwin S. Shneidman, „Suicide notes reconsidered“, S.36 und S.379ff

[7] Zu finden unter: http://www.svz.de/nachrichten/home/top-thema/article/111/anne-verdaechtiger- begeht-selbstmord-1.html

[8] Zu finden unter: http://www.zeit.de/2005/21/Selbstm_9arder_21

[9] 1. Buch Moses

[10] Jeremias 29, 11-20

[11] Der Brief an die Römer, 6, 23

[12] 2. Buch Moses 20, 13 - V Gebot

[13] Matthäus 26, 41-42

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen
Untertitel
Modularbeit LER Psychologie
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Psychologie)
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V177039
ISBN (eBook)
9783640996148
ISBN (Buch)
9783640996568
Dateigröße
595 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Es handelt sich hier um meine Modularbeit in Psychologie. Dies ist ein Teilbereich meines Studiengangs L-E-R.
Schlagworte
Suizid, Selbstmor, Selbsttötung, Freitod
Arbeit zitieren
Claudia Brenning (Autor:in), 2011, Suizidalität bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177039

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