Sowohl die Gewinnung als auch die Aufrechterhaltung des Interesses und der Aufmerksamkeit von Lernern ist einer der Hauptaspekte des Unterrichtens. So wie bei jeder Wissensaneignung, beginnen auch Fremdsprachenerwerbsprozesse mit Wahrnehmungen, die vor allem das Interesse der Hörer wecken sollen. Denn "nur was wir mit den Augen fixieren oder mit den Ohren fokussieren, hat eine Chance konzeptuell und bewusst zu Wissen verarbeitet zu werden. Mit dem Aufmerken beginnt das Merken" (ASSMANN, zit. n. BALLSTAEDT 2004: 625).
Damit die Aufmerksamkeit bestehen bleibt, sich authentische Sprechanlässe entwickeln und die Lerner sich etwas merken können, ist es wichtig, möglichst „ungewöhnliche und/ oder mit dem eigenen Leben verknüpfte Inhalte zu zeigen“ (SASS 2007: 6). Den Lehrpersonen stehen dabei mannigfaltige Möglichkeiten zur Verfügung, visuell-auditive Medien im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht einzubauen, da kurze Filmsequenzen oder ganze Filme zahlreicher Genres heutzutage ohne großen technischen und finanziellen Aufwand gezeigt werden können.
Filme beziehungsweise audiovisuelle Dokumente sind aus unserer heutigen medialisierten Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Kulturweit werden sie jeden Tag über das Fernsehen, Kino, Internet oder mittels geliehener beziehungsweise gekaufter DVDs konsumiert. Worte können, aber müssen dabei keine allzu wichtige Rolle spielen, denn Filme erzielen ihre Wirkung vorrangig mithilfe von Bildern respektive durch ein Zusammenspiel von Bild und Ton. Neben zahlreichen anderen Lernzielen kann mittels der Verwendung des Mediums Film diese Wirkung im schulischen beziehungsweise universitären Rahmen auf analytischer Ebene untersucht werden.
Wie das Medium im Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden kann und sollte, welche Vorteile sich daraus ergeben, was das Besondere an audiovisuellen Medien ist, wie man die Unterrichtsarbeit gestalten kann und was man dabei beachten muss, soll Gegenstand dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Medium „Film“ im Fremdsprachenunterricht
3. Bedeutung des audiovisuellen Mediums und fremdsprachliche Zielkompetenzen
4. Methoden und Aufgaben für den Fremdsprachenunterricht – illustriert am Film „Jenseits der Stille“ von Caroline Link
4.1. Zur Arbeit mit dem Film
4.2. Filmdidaktik
4.2.1. Vor dem Sehen
4.2.2. Während des Sehens
4.2.3. Nach dem Sehen
5. Schlusswort
6. Literatur-/ Medienverzeichnis
7. Anhang
7.1. Filmbilder
7.2. Interview mit Niki Reiser (gekürzte Fassung)
7.3. Kurzbeschreibungen/ Inhaltsangaben zu „Jenseits der Stille“
7.3.1. Fernsehzeitung (Online)
7.3.2. DVD-Hülle
7.4. Filmtechnisch-ästhetische Aspekte
7.4.1. „Ton: Musik, Sprache, Geräusche“
7.4.2. „Wichtige Begriffe rund um das Kino“
7.4.3. „Die Kamera als Erzählerin“
7.5. Taubstummen-Verständigungssystem
7.5.1. Deutsches Fingeralphabet und Beispiele
7.5.2. Arbeitsanregungen für den Unterricht
7.6. Filmkritiken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das didaktische Potenzial des Einsatzes von Spielfilmen im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht. Anhand des konkreten Beispiels „Jenseits der Stille“ von Caroline Link werden methodische Ansätze entwickelt, um Filme über den bloßen Konsum hinaus als komplexes Medium zur Förderung sprachlicher und interkultureller Kompetenzen zu nutzen.
- Didaktische Integration audiovisueller Medien im Fremdsprachenunterricht
- Methodischer Dreischritt der Filmarbeit: Vor, während und nach dem Sehen
- Förderung rezeptiver und produktiver Fertigkeiten durch Filmanalyse
- Interkulturelles Lernen und Sensibilisierung für nonverbale Kommunikation
- Analyse und Didaktisierung des Spielfilms „Jenseits der Stille“
Auszug aus dem Buch
4.2. Filmdidaktik
Im Fremdsprachenunterricht einen „Film einzusetzen, um an ihm hauptsächlich Wort-für-Wort-Verstehen zu trainieren, wäre ein Verschenken wichtiger Potentiale […]“ (SCHWERDTFEGER 1993: 48). Audiovisuelle Medien bieten zahlreiche Ansatzpunkte für die Förderung aller fremdsprachlichen Fertigkeiten. Dabei kann – wie auch bei der Arbeit mit Lese- oder Hörtexten – im klassischen Dreierschritt vorgegangen werden, indem Aufgaben vor dem Sehen, während des Sehens und nach dem Sehen (vgl. BRANDI 2000: 15 ff.; BURWITZ-MELZER/ QUETZ 2002: 175 ff.; LEITZKE-UNGERER 2009: 20; SASS 2007: 9 ff.) erteilt werden.
In der „pre-viewing-Phase“ (LEITZKE-UNGERER 2009: 20; Hervorh. im Orig.) werden Erwartungshaltungen aufgebaut sowie filmbezogenes, sprachliches und/ oder kulturelles Vorwissen aktiviert (vgl. ebd.). Die „while-viewing-Phase“ (ebd.) dient der „analytische[n] und kreativ-produktive[n] Auseinandersetzung mit dem Film“ (ebd.), thematischen Inhalten und der künstlerischen Umsetzung (vgl. ebd.). In der abschließenden „post-viewing-Phase“ (ebd.) sollte der Schwerpunkt auf einer Gesamtdeutung des filmischen Werkes liegen (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Relevanz des Mediums Film als motivierendes und didaktisch wertvolles Werkzeug im Fremdsprachenerwerb, welches gezielt eingesetzt werden sollte.
2. Das Medium „Film“ im Fremdsprachenunterricht: Dieses Kapitel erörtert die notwendige methodische Einbettung von Filmen, um passiven Konsum zu vermeiden und eine kritische Auseinandersetzung der Lernenden zu fördern.
3. Bedeutung des audiovisuellen Mediums und fremdsprachliche Zielkompetenzen: Hier werden die Vorteile für den Spracherwerb hervorgehoben, insbesondere die Förderung von Seh-Verstehen, interkultureller Kompetenz und affektivem Identifikationspotenzial.
4. Methoden und Aufgaben für den Fremdsprachenunterricht – illustriert am Film „Jenseits der Stille“ von Caroline Link: Dieses Hauptkapitel bietet eine detaillierte, methodisch strukturierte Anleitung zur Filmarbeit, unterteilt in Phasen vor, während und nach dem Sehen.
4.1. Zur Arbeit mit dem Film: Vorstellung des Films „Jenseits der Stille“ sowie thematischer Schwerpunkte für den Unterricht, wie Familie, Behinderung und Selbstfindung.
4.2. Filmdidaktik: Theoretische und praktische Konkretisierung der Arbeit mit audiovisuellen Medien im Dreischritt der Unterrichtsgestaltung.
4.2.1. Vor dem Sehen: Strategien zur Aktivierung von Vorwissen und Interesse der Lernenden durch Hypothesenbildung und thematische Einstiege.
4.2.2. Während des Sehens: Vorschläge für die aktive Arbeit mit dem Filmmaterial, inklusive Techniken zur Trennung von Bild- und Tonebene zur gezielten Kompetenzförderung.
4.2.3. Nach dem Sehen: Methoden zur vertiefenden Verarbeitung, Reflexion und kreativen Weiterarbeit am filmischen Inhalt.
5. Schlusswort: Zusammenfassung der Ergebnisse, die den hohen didaktischen Wert von Filmen als zentrales Medium des modernen Fremdsprachenunterrichts bekräftigt.
6. Literatur-/ Medienverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen, Filmbeiträge und elektronischen Ressourcen.
7. Anhang: Bereitstellung praktischer Materialien, wie Filmbilder, Interviews, Hintergrundinformationen zu Fachbegriffen und Gebärdensprache, zur direkten Verwendung im Unterricht.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, Filmdidaktik, Audiovisuelle Medien, Seh-Verstehen, Filmanalyse, Jenseits der Stille, Interkulturelles Lernen, Medienkompetenz, Fremdsprachenunterricht, Methodik, Sprachförderung, Gebärdensprache, Filmanalyse, Filmkompetenz, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Nutzung von Spielfilmen im Deutsch-als-Fremdsprache-Unterricht, um das Lernpotenzial audiovisueller Medien methodisch fundiert auszuschöpfen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Fokus stehen die Filmdidaktik, die Schulung von Seh- und Hörverstehen, interkulturelle Aspekte, die Einbettung in den Unterrichtsprozess sowie die konkrete Analyse von Filmmusik und Filmtechnik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer Spielfilme nicht nur als Unterhaltung, sondern als komplexes didaktisches Instrument einsetzen können, das rezeptive und produktive Fertigkeiten gleichermaßen fördert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller fremdsprachendidaktischer Ansätze zur Mediennutzung, die auf den konkreten Fall des Films „Jenseits der Stille“ angewandt und methodisch konkretisiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine didaktische Einordnung von Filmen sowie eine spezifische, phasengestützte Methodik für den Unterricht (vor, während und nach dem Sehen) am Beispiel des Werks von Caroline Link.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Filmdidaktik, DaF (Deutsch als Fremdsprache), Seh-Verstehen, Medienkompetenz und interkulturelles Lernen maßgeblich charakterisiert.
Warum ist gerade „Jenseits der Stille“ für den DaF-Unterricht geeignet?
Der Film bietet durch die Themen Familie, Identitätssuche, Musik und Kommunikation (einschließlich Gebärdensprache) ein hohes Identifikationspotenzial und vielfältige Anknüpfungspunkte für Jugendliche und Erwachsene.
Wie kann das Seh-Verstehen im Unterricht konkret gefördert werden?
Durch Methoden wie das gezielte Ausblenden von Bild oder Ton oder durch analytische Beobachtungsaufgaben zur Kameraperspektive und Bildsprache werden die Lernenden zur bewussten Auseinandersetzung mit dem Medium angeleitet.
- Arbeit zitieren
- Susann Rabe (Autor:in), 2011, Deutsch als Fremdsprache: Der Einsatz von Filmen im DaF-Unterricht am Beispiel von 'Jenseits der Stille', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177159