Kinder und Glücksspiel

Wenn der Fernseher zum einarmigen Banditen wird


Seminararbeit, 2010

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1.Einleitung

2. Glücksspielaktivität fördernde Einflüsse des Fernsehens auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen

3. Formen und Darbietungen von Glücksspielen im Fernsehen
3.1 Quizsendungen und Quizanteile in TV-Formaten
3.2 Teilnahme an Votings und Abstimmungen
3.3 Übertragung von Lotterien
3.4 Gewinnspiele

4. Glücksspielabhängigkeit

5. Suchtprävention

6. Literaturverzeichnis

Kinder und Glücksspiel

Wenn der Fernseher zum einarmigen Banditen wird

1. Einleitung

Bei der kürzlich angestiegenen Mediennutzung von durchschnittlich 8 Stunden täglich,1 ist es sicher nicht übertrieben von dem Fernseher als dritten Elternteil zu sprechen. Ein Großteil der heutigen Jugendlichen und Kinder verbringen viele Stunden ihrer Freizeit mit dem Konsum von visuellen Medien, die sie meist ungefiltert und ohne Erklärung oder zuvor getroffener Auswahl der Eltern auf Knopfdruck präsentiert bekommen. Dass hierbei nicht ausschließlich Sender mit altersgerechten Formaten aufgerufen werden, ist selbstverständliche Realität, wie auch mittlerweile die teilweise überaus aggressiven interaktiven Spiele mit aleatorischer (Glücksspiel) Ausrichtung. Diese Formate sind jedem Menschen unabhängig der Altersstufe frei zugänglich und somit ebenfalls Kindern, die – ohne Vorerfahrungen auf diesem Gebiet - leichtgläubig den Tücken und Verschleierungen der zumeist privaten Fernsehsender ausgeliefert werden, welche wissentlich auch aus dieser Klientel ihre Profite ziehen.

In dieser Semesterarbeit werde ich zunächst auf die verschiedenen Einflüsse des Fernsehens auf die kindliche Psyche eingehen, die eine Teilnahme am Glücksspiel begünstigen. Anschließend werde ich verschiedene im Fernsehen präsente Glücksspiele und deren Gefahr erläutern, um schließlich Glücksspielabhängigkeit auf Kinder zu beziehen und deren Prävention einzugehen.

2. Glücksspielaktivität fördernde Einflüsse des Fernsehens auf das Verhalten von Kindern und Jugendlichen

Nahezu jeder urbane Haushalt verfügt heutzutage über ein oder mehrere Fernsehgeräte 2, daher scheint es nicht verwunderlich, wenn ein Großteil des kindlichen Spielens im Haus entweder allein durch den Fernseher bestritten oder von diesem begleitet wird. Da in vielen Haushalten Kinder über ein eigenes Empfangsgerät verfügen, sinkt zusätzlich der elterliche Einfluss auf den Fernsehkonsum. Viele Kinder sind somit außerhalb einer Kontrollinstanz oft sich selbst überlassen und können das Programm ungefiltert, unabhängig von altersgerechten Formaten, allein nach eigenen Interessen verfolgen. Von der Gefährdung der Kinder durch nicht jugendfreie Formate einmal abgesehen, haben die oft subtilen Kniffe und Strategien der Fernsehsender im allgemeinen bereits Auswirkungen auf die kindliche Psyche und beeinflussen nachhaltig das Verhalten bzw. die Verhaltensmuster eines Kindes3.

Diese Auswirkungen sind sehr breit gefächert. Ich allerdings möchte an dieser Stelle allein auf diejenigen verhaltensbeeinflussenden Maßnahmen eingehen, die direkte Konsequenzen auf das Bild gegenüber Glücksspielen haben.

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass „bas elterliche Fernsehverhalten (...) von gesicherter Vorbilbwirkrng für Jrgenbliche z r sein“4 scheint. Davon ausgehend, ist anzunehmen, dass nicht allein die Dauer des Fernsehkonsums, sondern auch bei den Eltern gesehene Formate für das eigene Fernsehen übernommen werden. Unbeachtet bleibt dabei jedoch oft, dass Kindern die Deutungsmuster (Skipts) für bestimmte Sendungen schlicht fehlen. Die Einhaltung des unausgesprochene „Vertrags“ zwischen Zuschauer und Sender, die Fictionformate als reine Unterhaltung zu nehmen, auch wenn diese oftmals in einem anderem Gewand auftreten, kann so nicht immer gewährleistet werden. Tritt dies tatsächlich ein, so kann keine Unterscheidung von „Direktrealität“ und „Medienrealität“5 mehr stattfinden, was eine undifferenziert Sicht auf die gezeigten Inhalte begünstigt.

Neben diesem Effekt können Fernsehsendungen, deren Zweck der Konsum ihrer Zuschauer ist (Teleshopping, Glücksspiele), ein fröhliches, sorgenfreies Weltbild transportieren. Es ist erklärtes Ziel eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich der Rezipient wohl fühlt und ungehemmt gerne sein Geld ausgibt. Wird dieses Weltbild für Realität genommen, also unreflektiert konsumiert, kann es dazu animieren vom Zuschauer zum Teilnehmer zu werden. Ohne Aufklärungsgespräche seitens der Eltern, ist die Gefahr für Kinder und Jugendliche höher dieser trügerischen Atmosphäre zu erliegen.

Weiterhin lernen Kinder durch das „Zapping“ Sendungen allein nach dem Lustprinzip auszuwählen, also sich einen Sender zu suchen, der ihnen akut kurzweilige Unterhaltung verspricht. Bunte, aufsehenerregende und spannende, interaktive Glücksspiel-Shows sprechen (vor allem Kinder) beim wahrlosen Zappen, aufgrund ihres visuell auffälligen Charakters sofort an und binden durch die Instrumentalisierung des Lustprinzips den Rezipienten an die Sendung.

Ebenfalls können Gameshows, da hier eine starke Ausblendung von realen Problemen stattfindet, auch zur Realitätsflucht missbraucht werden. Sie bieten so zusagen eine Ersatzwelt, die von der realen als unabhängig wahrgenommen wird. Dies kann soweit führen, dass das Deutungsmuster des Rezipienten es nicht mehr zulässt, dass Ereignisse der einen Welt, Auswirkungen auf die andere Realitätsebene haben könnten 6. Daher werden Gewinne, wie Verluste als irreal empfunden und das Risiko glücksspielabhängig zu werden steigt enorm an. Dies geschieht allerdings nur in Fällen, in denen die Realität als derart unerträglich wahrgenommen wird, dass eine Flucht aus dieser (und sei es auch nur eine temporäre) unausweichlich erscheint.

[...]


1 vgl. „Spielen und Fernsehen“ S:108 (vollständige Literaturangabe siehe Literaturverzeichnis)

2 vgl. ebd.

3 vgl. „Das Spiel der Kinder und Jugendlichen“

4 „Spiel und Fernsehen“. S.117

5 Ebd.. S. 134

6 vgl. „Spielen und Fernsehen“

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Kinder und Glücksspiel
Untertitel
Wenn der Fernseher zum einarmigen Banditen wird
Hochschule
Universität Bremen
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
14
Katalognummer
V177200
ISBN (eBook)
9783640987160
ISBN (Buch)
9783640986965
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinder, Glücksspiel, Fernsehen, Alea, Glücksspielsucht, pathologisches Spielen
Arbeit zitieren
Marvin Seeger (Autor), 2010, Kinder und Glücksspiel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177200

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