Die Benachteiligtenförderung in der Bundesrepublik Deutschland ist seit etwa 1980 in einer Dauerkrise, denn „die milliardenteuren Kurse zur beruflichen Qualifizierung von Jugendlichen sind einer Studie zufolge oft nicht ihr Geld wert. Außerdem sei das Wirrwarr der zahllosen Angebote selbst für Fachleute kaum zu überblicken“ , heißt es in der Frankfurter Rundschau vom 13. Januar 2011.
So kann man auch die Ergebnisse einer Studie des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der Bertelsmann-Stiftung zum Stand beruflicher Qualifizierungs-maßnahmen zusammenfassen: Etwa 350.000 Jugendliche konnten in Deutschland nach ihrem Schulabschluss im Jahr 2009 eine Berufsausbildung nicht unmittelbar anschließen. Gelder und Personal für Übergangsmaßnahmen sollten optimierter eingesetzt werden, sind sich 89 Prozent der 500 befragten Berufsbildungsexperten einig.
Weiterhin ...
Die sozialen Folgen und Folgekosten sind unüberschaubar. Daraus lässt sich ableiten, dass die Qualifizierung auch schwächerer Jugendlicher in einer modernen Wissensgesellschaft auch aus finanziellen Gründen immer wichtiger wird. Für die Bundesrepublik Deutschland ist damit Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit verbunden. Für das Individuum bedeutet Berufsbildung die Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben. Qualifizierung und Bildung sind daher in vielfacher Sicht von großer Bedeutung. Dem steht jedoch entgegen, dass das Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland von einem selektiven Charakter geprägt ist und nicht allen Jugendlichen die gleichen Chancen vermittelt. Der Bildungserfolg von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist in hohem Maße von der sozialen und nationalen Herkunft des Einzelnen abhängig. Für die Heranwachsenden hat dies fehlende berufliche Perspektiven, ein erhöhtes Risiko für Ausbildungs- und Arbeitslosigkeit, schlechte Arbeitsbedingungen und somit ein geringeres Einkommen zur Folge. Die berufliche Bildung stellt aus diesem Grund eine zentrale Komponente der Bildungspolitik dar, wenn es um das Vorhaben der Bundesregierung geht, Deutschland zu einer Bildungsrepublik zu machen. Der demografische Wandel, wirtschaftliche Veränderungen, fortschreitende technologische Erkenntnisse, Fachkräftemangel, erhöhte Qualifikations-anforderungen und (Jugend-) Arbeitslosigkeit erfordern ein zeitgemäßes Umdenken im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung.
Wichtig auf der Reformagenda seien nach Meinung des BMBF „in den nächsten Jahren neben der Fachkräftesicherung ...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Benachteiligte Jugendliche
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Benachteiligung
2.1.2 Benachteiligtenförderung
2.2 Ursachen der Benachteiligung
2.2.1 Soziale Faktoren
2.2.2 Individuelle Faktoren
2.2.3 Marktbezogene Faktoren
2.3 Folgen für die Gesellschaft
3 Das Produktionsschulmodell
3.1 Historischer Rückblick
3.2 Vorbild Dänemark
3.2.1 Zielgruppe
3.2.2 Besonderheiten des Konzepts
3.3 Produktionsschulen in Deutschland
3.3.1 Rahmenbedingungen und Entwicklung
3.3.2 Definitionsversuch
3.4 Wann sind Produktionsschulen erfolgreich?
4 Produktionsschulen in Hamburg
4.1 Einführung und Entwicklung
4.2 Allgemeine Merkmale bestehender Einrichtungen
4.3 Produktionsschule Altona (PSA)
4.3.1 Besuch der Einrichtung
4.3.2 Konzeptionelle Merkmale
4.4 Kritik
5 Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Modell der Produktionsschulen als eine Maßnahme zur Unterstützung benachteiligter Jugendlicher beim Übergang von der Schule in den ersten Arbeitsmarkt, mit einem spezifischen Fokus auf die Entwicklungen und Rahmenbedingungen in Hamburg.
- Historische Herleitung des Produktionsschulmodells
- Vergleich der dänischen Vorbildstrukturen mit der deutschen Umsetzung
- Analyse der Benachteiligungsfaktoren junger Menschen
- Untersuchung der Hamburger Produktionsschullandschaft am Beispiel der Produktionsschule Altona
- Kritische Reflexion der Erfolgsfaktoren und bildungspolitischen Herausforderungen
Auszug aus dem Buch
3.2 Vorbild Dänemark
Der Anspruch, junge Menschen auf dem Weg in die Arbeitswelt zu unterstützen, ist in Dänemark als skandinavische Sozialstaatskonzeption besonders hoch. Hintergrund sind die Erfahrungen aus der Vergangenheit, in denen wirtschaftliche Einbrüche, hohe Jugendarbeitslosigkeit sowie Ausbildungsplatzmangel zu wesentlichen Problembereichen der Arbeitsmarktpolitik wurden. Mit Blick auf die Jugendarbeitslosenquote (Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahre) lässt sich festhalten, dass Dänemark in den Jahren 2004 und 2005 mit 8,2 Prozent bzw. 8,6 Prozent den geringsten Anteil arbeitsloser junger Menschen in der Europäischen Union zu verzeichnen hatte. Auch in den Folgejahren bis 2008 blieb die Arbeitslosenquote der Jugendlichen in Dänemark unter acht Prozent und wurde EU-weit lediglich von den Niederlanden übertroffen. Dies symbolisiert, dass die Problemfelder auf eine wirkungsvolle Weise angegangen wurden und motiviert zu weiteren Erfolgen.
Ein Instrument, das diese Bestrebungen aufgreift und unterstützen soll, ist die Institution Produktionsschule. Die dänischen Einrichtungen „sind ein Bildungsangebot für Jugendliche mit dem vordergründigen Ziel, jeden einzelnen Teilnehmer zu befähigen, Verantwortung für seinen eigenen Lebensweg zu übernehmen, seine persönliche Entwicklung zu fördern und seine Chancen im Bildungssystem oder auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die aktuelle Krise der Benachteiligtenförderung in Deutschland und leitet die Forschungsfrage sowie die Relevanz von Produktionsschulen ab.
2 Benachteiligte Jugendliche: Dieses Kapitel definiert Benachteiligung, analysiert ihre sozialen, individuellen und marktbezogenen Ursachen und beleuchtet die Folgen für die Gesellschaft.
3 Das Produktionsschulmodell: Es erfolgt eine historische Einordnung des Modells sowie eine detaillierte Betrachtung des dänischen Vorbilds und der spezifischen Situation in Deutschland.
4 Produktionsschulen in Hamburg: Dieses Kapitel fokussiert auf die Umsetzung der Produktionsschulidee in Hamburg, erläutert die Strukturen vor Ort und stellt die Produktionsschule Altona als Fallbeispiel vor.
5 Schlussbetrachtung und Ausblick: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die zukünftige bildungspolitische Bedeutung von Produktionsschulen im Kontext des demografischen Wandels diskutiert.
Schlüsselwörter
Produktionsschulen, Benachteiligte Jugendliche, Berufsvorbereitung, Übergangssystem, Hamburger Bildungsoffensive, Produktionsschule Altona, Arbeitsmarktintegration, Soziale Faktoren, Berufliche Qualifizierung, Jugendsozialarbeit, Ausbildungschancen, Praxislernen, Bildungsbiografie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept der Produktionsschulen als einen Ansatz zur Förderung benachteiligter Jugendlicher beim Übergang von der Schule in den Beruf.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit behandelt die Ursachen von Benachteiligung, die historische Genese von Produktionsschulen, das dänische Erfolgsmodell und dessen Übertragung auf deutsche Verhältnisse mit besonderem Fokus auf Hamburg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Autorin zielt darauf ab, zu klären, welche Auswirkungen Produktionsschulen in Hamburg auf benachteiligte Jugendliche haben und ob sie erfolgreicher arbeiten können als andere Förderinstrumente.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Untersuchung basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer empirischen Ergänzung durch ein Experteninterview mit dem Leiter der Produktionsschule Altona.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Darstellung der Produktionsschulmodelle (Dänemark vs. Deutschland) und eine detaillierte Analyse der Produktionsschullandschaft in Hamburg.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Produktionsschulen, soziale Benachteiligung, Übergangssystem, Berufsvorbereitung, Ausbildungschancen und Jugendsozialarbeit.
Warum wird im Besonderen auf Hamburg eingegangen?
Die Autorin hat eine starke persönliche Verbundenheit zur Stadt Hamburg und analysiert die dortigen Maßnahmen, da Hamburg ein spezifisches Modell der Produktionsschulen aufgebaut hat.
Was macht das Modell der Produktionsschule laut Autorin besonders?
Die Kombination aus einer authentischen Arbeitsatmosphäre unter realen Marktbedingungen und einer ganzheitlichen pädagogischen Betreuung wird als entscheidender Vorteil gegenüber anderen, oft simulierten Maßnahmen der Berufsvorbereitung hervorgehoben.
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- Janett Hemstedt (Autor), 2011, Produktionsschulen in Deutschland mit besonderem Blick auf Hamburg, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177221