F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby" und die Perversion des "American Dream"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Der American Dream

III. Hauptcharaktere
1) Tom Buchanan
2) Daisy Buchanan
3) Jordan Baker
4) Myrtle Wilson
5) Jay Gatsby

IV. Die Symbole des Romans
1) Valley of ashes
2) Die Augen des Dr. T. J. Eckleburg
3) Das grüne Licht

V. Schluss

I. Einleitung

Wann immer sich Interessierte näher mit dem Auftauchen, der Ausgestaltung und dem Porträt des amerikanischen Traumes in der Literatur der USA befassen, wird mit offenbarer Zwangsläufigkeit F. Scott Fitzgeralds berühmtester Roman aus dem Jahre 1925 genannt. Dies sollte keine große Verwunderung hervorrufen, angesichts der Tatsache, dass wir es hier mit einem Protagonisten zu tun haben, der das, was heutzutage landläufig unter dem American Dream verstanden wird, die sprichwörtliche Karriere vom Tellerwäscher zum Millionär nämlich, scheinbar idealtypisch verkörpert. Aber so wie es zu kurz greift, den Great Gatsby einfach als rags-to-riches story zu sehen[1], so wird auch ein Betrachten des American Dreams unter einzig diesem Aspekt der Komplexität des Begriffes nicht gerecht. Der amerikanische Traum ist nicht abschließend definiert und vereinigt in sich eine Vielzahl verschiedener Ideen in unklarer Gewichtung. Diese Arbeit wird sich daher zunächst dem Versuch widmen, ein klareres Bild dieses das amerikanische Selbstverständnis wie seine Außenwahrnehmung prägenden Konzeptes zu zeichnen, um sich dann der Geschichte selbst zuzuwenden, denn

[…] it is in The Great Gatsbythat Fitzgerald makes his most probing analysis of the subject, and perhaps the most suggestive and artistically satisfying treatment of the American dream in all of American fiction.[2]

Der Roman selbst wird häufig als Geschichte über die Korrumpierung der Werte des American Dreams in den von Materialismus, Gier und Oberflächlichkeit zerfressenen 1920er Jahren gelesen. In dieser Arbeit soll diese Sichtweise durchaus zu ihrem Recht kommen als wesentlicher Gesichtspunkt in der Analyse der Bedeutung des amerikanischen Traums für den Roman. Im Mittelteil dieser Betrachtung werden dabei die wichtigsten Personen, die Gatsby umgeben, einer Analyse unterzogen, bei der die angesprochene Interpretationslinie sich förmlich aufdrängt. Unterstützt wird eine Sicht auf den Great Gatsby aus diesem Blickwinkel dann auch noch partiell durch die Charakterisierung Jay Gatsbys selbst, wobei hier allerdings ein qualitativer Umsprung in der vorliegenden Arbeit erfolgen wird, denn es soll nicht bei der wenig kontroversen, klassischen Betrachtung, deren innerster Kern ein kulturkonservatives „Früher war Alles besser!“ zu sein scheint, verharrt werden. Vielmehr soll die generelle Frage gestellt werden, inwiefern es sich beim Narrativ des American Dream, in welcher Ausprägung auch immer, um ein ideologisches Konstrukt handelt, dass sich zwangsläufig an der Wirklichkeit blamieren muss und durch seine inhärente Funktion zwangsläufig zum Unglück der Figuren führt, die ihre Hoffnung darauf gründen. Es soll also gezeigt werden, dass Fitzgerald in seinem Roman eine weitaus grundlegendere Beobachtung und Beschreibung der menschlichen Existenz und der conditio humana unternimmt,als es oftmals gewürdigt wird, dass das Buch über eine „[…] wider, even metaphysical relevance“[3] verfügt, wie sie laut Matterson zumindest von Teilen der Kritik erkannt worden ist:

The view that The Great Gatsby is about the ‘withering of the American dream’ also depends on a juxtaposition of past and present. The dream was once uncorrupted, and it is only in contemporary society that is has become ‘withered’. An alternative view is that Fitzgerald criticizes the American dream as it has always existed, since it is an illusion that humans could never have fulfilled.[4]

Zur Unterstützung und weiteren Herausarbeitung der thematisierten Interpretationsansätze soll sich daraufhin noch eine Betrachtung und Analyse des Symbolgehalts des Romans anschließen, woraufhin dann mit einem Fazit geschlossen wird.

II. Der American Dream

Eine Definition des amerikanischen Traumes stellt sich als relativ schwieriges Unterfangen dar, da das hinter diesem Begriff stehende Konzept zum einen sehr disparat ist, zum anderen über die Jahre außerdem Verschiebungen und Veränderungen unterworfen war.[5] Wahrscheinlich hat, beziehungsweise hatte jeder Amerikaner zu jeder Zeit seine ganz persönliche Vorstellung des American Dream, doch letztendlich lassen sich einige Gemeinsamkeiten destillieren.Verbinden auch heute viele Menschen mit dem Begriff vor allem exzessiven Reichtum als Ergebnis einer Karriere „vom Tellerwäscher zum Millionär“, so muss doch festgehalten werden, dass dies den ursprünglichen amerikanischen Traum nicht zu fassen vermag, bei dem es im Kern um die Freiheit des Individuums geht, um die Entfaltung des Selbst jenseits willkürlicher staatlicher Schranken, um als natürliche und harmonische Persönlichkeit undeformiert leben zu können, wie Hearn herausstellt:

Put simply, the American dream is the ideal of opportunity for all, of advancement in a career or society without regard to one’s origin. The ideal was embodied in Jefferson’s ‘Declaration of Independence’ as ‘Life, Liberty, and the Pursuit of Happiness’. Jefferson was specifically reacting against the ‘closed’ European societies, where power and wealth were seen to be in the hands of an aristocratic governing elite.[6]

Die freieHerausbildung der in einemselbstangelegtenPersönlichkeitstellt also das herausragende Ziel des American Dream dar,

[…]that dream of a land in which life should be better and richer and fuller for every man, with opportunity for each according to his ability or achievement. (...) It is not a dream of motor cars and high wages merely, but a dream of a social order in which each man and each woman shall be able to attain to the fullest stature of which they are innately capable, and be recognized by others for what they are, regardless of the fortuitous circumstances of birth or position.[7]

III. Hauptcharaktere

1) Tom Buchanan

Tom Buchanan vereint in sich all die schlechten Seiten seiner Klasse. Einer alteingesessenen, schwerreichen Familie entstammend und geformt an der Elituniversität von Yale ist er Teil jener quasi aristokratischen Elite, die inzwischen den amerikanischen Kontinent beherrscht:

From this perspective, Fitzgerald examines the way in which the American dream of equality and opportunity is contradicted by the rise of a leisure class who, with their estates, butlers and polo playing, ape the European aristocracy.[8]

Seine Herkunft und die Gewissheit und Überzeugung, berechtigterweise auf der „Sonnenseite“ des Lebens geboren zu sein, statten ihn mit einem unerschütterlichen Selbstbewusstsein aus, dass die Grenze zur Arroganz längst überschritten hat. Moralisch ist Tom Buchanan gänzlich verkommen, im ganzen Buch findet sich nicht eine Stelle, an der er so etwas wie Güte, Mitgefühl oder Menschlichkeit erkennen lassen würde. Hingegen ist die Liste seiner Verfehlungen lang. Ohne das geringste Zeichen eines schlechten Gewissens hintergeht er seine Frau Daisy, indem er eine Affäre mit Myrtle Wilson beginnt, die ihm wiederrum nicht das Geringste bedeutet. Auch Skrupel hinsichtlich der Tatsache, dass seine Geliebte ebenfalls verheiratet ist, beschleichen ihn nicht. Schließlich entpuppt er sich auch noch als Heuchler und Sexist, denn auch wenn er für sich selbst keine Probleme in einer außerehelichen Vergnügung sieht, so bricht er angesichts Daisys Verbindung zu Jay Gatsby doch in Wut aus.

Die dem ehemaligen Footballer innewohnende Brutalität ist immer präsent, auch wenn sie sich nur einmal physisch manifestiert, als er seine Geliebte schlägt:

Not even the effeminate swank of his riding clothes could hide the enormous power of that body- he seemed to fillthose glistening boots until he strained the top lacing, and you could see a great pack of muscle shifting when his shoulder moved under his thin coat. It was a body capable of enormous leverage- a cruel body.[9]

[...]


[1] cf. Berman, Ronald. “The Great Gatsby and the twenties.” The Cambridge Companion to F. Scott Fitzgerald. Ed. Ruth Prigozy. Cambridge: Cambridge University Press, 2002.p. 79.

[2] Hearn, Charles R. The American Dream in the Great Depression. Westport: Greenwood Press, 1977.p. 43.

[3] Matterson, Stephen. The Great Gatsby.London:Macmillan, 1990.p. 27.

[4] Matterson, 1990, p. 31.

[5] cf. Akin, William E. Technocracy and The American Dream. The technocrat movement, 1900-1941. Berkeley: University of California Press, 1977.p. 1.

[6] Hearn, 1977, p. 26.

[7] Adams, James Truslow. The Epic of America.Garden City: Later, 1941.p.404.

[8] Matterson, 1990, p. 28-29.

[9] Fitzgerald, F. Scott. The Great Gatsby. New York: Charles Scribner’s Sons, 1953. p.7.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby" und die Perversion des "American Dream"
Hochschule
Universität Trier  (Fachbereich Anglistik)
Veranstaltung
The Functions of Narratives in Cultural Studies- A Survey of Theories
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V177224
ISBN (eBook)
9783640987283
ISBN (Buch)
9783640987313
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
F. Scott Fitzgerald, Gatsby, Adorno, Amerikanischer Traum, American Dream, Illusion, Mythos, Jazz Age, Roaring Twenties, 20er, Symbol, Metapher, Korruption, Sehnsucht
Arbeit zitieren
Christoph Dähling (Autor), 2011, F. Scott Fitzgeralds "The Great Gatsby" und die Perversion des "American Dream", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177224

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