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Theoretische und praktische Zugänge des Lerncoachings für Jugendliche im Kontext höherer Schulen in Österreich

Titel: Theoretische und praktische Zugänge des Lerncoachings für Jugendliche im Kontext höherer Schulen in Österreich

Diplomarbeit , 2021 , 33 Seiten

Autor:in: Helmut Prodinger (Autor:in)

Führung und Personal - Coaching
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit theoretischen und praktischen Zugängen des Lerncoachings für Jugendliche im Kontext höherer Schulen in Österreich. Ausgangspunkt sind Herausforderungen des schulischen Alltags, darunter Motivationsprobleme, Leistungs- und Notendruck, Schwierigkeiten bei der Selbstorganisation, mangelnde Lernstrategien und fehlende Zielorientierung. Lerncoaching wird als ergänzendes Unterstützungsangebot zum Fachunterricht betrachtet, das Jugendliche bei Lösungswegen begleiten kann.

Im theoretischen Teil wird der Begriff des Lern- und Bildungscoachings hinsichtlich seiner Zielsetzungen und Anlässe eingeordnet. Ein besonderer Fokus liegt auf Jugendlichen als Zielgruppe. Die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz sowie Anforderungen an Selbstständigkeit, Identitätsentwicklung und soziale Integration werden als wichtige Rahmenbedingungen für die Coachingarbeit in der Schule herausgearbeitet. Wertschätzung, Empathie, Vertrauen, Freiwilligkeit und die Wahrung der Autonomie bilden Voraussetzungen für einen gelingenden Coachingprozess.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Rollenverständnis. Übernehmen Lehrpersonen die Funktion eines Lerncoaches, können Spannungsfelder zwischen Wissensvermittlung, Beurteilung und Prozessbegleitung entstehen. Die Arbeit verdeutlicht die Bedeutung einer klaren Rollentrennung. Der Lerncoach soll nicht vorrangig Lösungen vorgeben, sondern Jugendliche dabei unterstützen, eigene Ressourcen wahrzunehmen, Perspektiven zu erweitern und selbstständig Lösungswege zu entwickeln.

Der praktische Teil widmet sich den Voraussetzungen und der Gestaltung von Lerncoaching an Schulen. Thematisiert werden räumliche und organisatorische Rahmenbedingungen, die Klärung von Rollen und Erwartungen sowie die Strukturierung von Coachinggesprächen. Darüber hinaus werden Gesprächsführungs- und Coachingelemente sowie das GROW-Modell und das Kieler Modell als mögliche Zugänge vorgestellt.

Zusammenfassend zeigt die Arbeit, dass Lerncoaching einen eigenständigen Beitrag zur Begleitung von Jugendlichen im schulischen Lernprozess leisten kann. Voraussetzung dafür sind professionelle Beziehungsgestaltung, ein klares Rollenverständnis, geeignete Rahmenbedingungen sowie die Orientierung an den Anliegen und Ressourcen der Lernenden. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. LERN- UND BILDUNGSCOACHING: THEORETISCHE DEFINITION UND ANLÄSSE

2.1. JUGENDLICHE ALS ZIELGRUPPE VON COACHINGGESPRÄCHEN

2.2. BEZIEHUNGSQUALITÄT: COACH UND COACHEE

2.3. ROLLENVERSTÄNDNIS UND ABGRENZUNG

2.4. GESPRÄCHSFÜHRUNG

3. LERNCOACHING IN DER PRAXIS

3.1. VORAUSSETZUNG FÜRS LERNCOACHING

3.2. STRUKTUR DES COACHINGGESPRÄCHS

3.3. DAS „GROW-MODELL“ IM LERNCOACHING

3.4. DAS „KIELER MODELL“ IM LERNCOACHING

4. FAZIT

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Lerncoaching als ressourcen- und lösungsorientiertes Förderformat für Jugendliche im Kontext höherer Schulen in Österreich. Im Fokus stehen die zentralen Fragestellungen, was Lerncoaching im theoretischen und praktischen Sinne auszeichnet, unter welchen organisatorischen und rollenspezifischen Voraussetzungen schuleigene Lehrkräfte interne Coachings durchführen können und welche praxisbewährten Modelle und Gesprächstechniken diesen Beratungsprozess unterstützen.

  • Theoretische Fundierung und Begriffsabgrenzung des Lerncoachings im Bildungsbereich
  • Entwicklungspsychologische Besonderheiten und Lebenswelten Jugendlicher in der Adoleszenz
  • Herausforderungen der Rollenabgrenzung zwischen Fachlehrkraft und Lerncoach
  • Pädagogisch-psychologische Gesprächsführung, Rapport, Pacing und Leading
  • Praktische Umsetzung anhand von Ablaufstrukturen sowie dem GROW- und dem Kieler Modell

Auszug aus dem Buch

2.3. Rollenverständnis und Abgrenzung

Wenn eine Lehrperson gleichzeitig Coach ist, wird ein genaueres Hinsehen in Bezug auf die Rollen entscheidend: „Aus den Anforderungen, die jede einzelne Rolle an die Person stellt, aber auch aus den, aus der Rollenvielfalt resultierenden, Konflikten entstehen Themen und Anlässe für ein Coaching.“ Generell wird zwischen Berufsrollen und Organisationsrollen unterschieden. Eine Berufsrolle sei primär durch berufs- bzw. durch fachspezifische Anforderungen geprägt. Organisationsrollen richten sich am System der Organisation aus (Referatsleitung, Projektleiter, Schulleiter, Führungskräfte). Diese Rollenvielfalt ist auch im Bildungskontext von Relevanz.

Zunächst gilt es, die Rollen Fachlehrer und Lerncoach in ihren Rollen voneinander abzugrenzen. Fachlehrer haben eine fachliche Kompetenz, wobei das Ziel der Wissensvermittlung im Vordergrund steht. Lerncoachs müssen über eine psychologische Beratungskompetenz im Sinne eines Lernprozessbegleiters verfügen. Vor allem im Schulkontext können diese Rollen in Personalunion vorkommen. Folgendes sollte dabei beachtet werden: „Nimmt ein Lehrer gleichzeitig die Rolle des Lerncoaches ein, sollte in dieser Beziehung kein Abhängigkeitsverhältnis (z.B. durch Notengebung) existieren.“

Als Lerncoach nimmt die Person eine „nicht wissende Haltung“ ein, die Lehrperson muss sich situativ von ihrer Rolle als wissenden und direktiven Fachexperten lösen können, um eine professionelle Rollentrennung gewährleisten zu können. Das sogenannte Kieler Modell empfiehlt eine personelle Rollentrennung zwischen Fachlehrer und Lerncoach, „wenngleich in bestimmten Unterrichtssituationen (z.B. in Phasen des kooperativen Lernens) ein Übergang von der Rolle des Wissensvermittlers in die Lernbegleiterrolle per se erfolgt und bewusst gestaltet werden kann.“

Wiethoff/Stolcis (2018) betonen in diesem Zusammenhang die Vor- und Nachteile externer versus interner Coachs, welche in der Literatur kontrovers diskutiert werden. Zahlreiche Aussagen jugendlicher Coachees sowie deren Coachs bestätigen, dass eigene Lehrpersonen nicht als geeignete Berater oder Coachs gesehen werden. Der Grund bestehe in der Anwesenheit des Drucks, dass die Schülerinnen und Schüler sich „irgendwie notenrelevant… verhalten“ müssen. Zudem sähen Lehrpersonen die Neutralität gefährdet, welche aus ihrer Perspektive mit ihrer Rolle einhergehe. Durch die Teilhabe an zu persönlichen Informationen über die Jugendlichen sei diese Neutralität beeinflusst, was ein Hindernis für die zusätzliche Funktion als Coachs darstelle. Dennoch könne Coaching durch Lehrpersonen möglich bzw. sinnvoll sein: Die Rollenkonfusion und -überlappung stelle zwar eine zentrale Herausforderung beim Coaching mit Schülerinnen und Schülern durch eine schuleigene Lehrperson dar. Es mache ein Coaching durch diesen Personenkreis aber nicht unmöglich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Führt in die schulischen Belastungsfaktoren von Schülerinnen und Schülern ein und umreißt die Zielsetzung der Arbeit, Lerncoaching als strukturierte Lösungsmaßnahme an höheren Schulen zu analysieren.

2. LERN- UND BILDUNGSCOACHING: THEORETISCHE DEFINITION UND ANLÄSSE: Klärt theoretische Grundlagen, beleuchtet die spezifischen Entwicklungsaufgaben adoleszenter Jugendlicher, erörtert die Beziehungsqualität zwischen Coach und Coachee, analysiert Rollenkonflikte von Lehrkräften und stellt Methoden professioneller Gesprächsführung vor.

3. LERNCOACHING IN DER PRAXIS: Beschreibt die organisatorischen Rahmenbedingungen und die Phasenstruktur von Coachinggesprächen und stellt praxisorientierte Interventionsmodelle wie das GROW-Modell und das Kieler Modell mit konkreten Methoden zur Motivations- und Lernförderung vor.

4. FAZIT: Fasst die Kernergebnisse der Untersuchung zusammen und betont die Bedeutung von klarer Rollentrennung, organisatorischen Rahmenbedingungen und methodischer Flexibilität für gelingendes Lerncoaching im Schulalltag.

Schlüsselwörter

Lerncoaching, Bildungscoaching, Schule, Adoleszenz, Rollenkonflikt, Rollensplitting, Gesprächsführung, Rapport, GROW-Modell, Kieler Modell, Lernmotivation, Selbstorganisation

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit den Grundlagen, Herausforderungen und praxisnahen Anwendungsmöglichkeiten von Lerncoaching an höheren Schulen in Österreich, insbesondere für Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Zu den thematischen Schwerpunkten zählen die Besonderheiten der Adoleszenz, die Beziehungsgestaltung im Beratungsprozess, die Trennung von Lehrer- und Coachrolle, Techniken der lösungsorientierten Gesprächsführung sowie etablierte Coaching-Modelle für die schulische Praxis.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel besteht darin darzulegen, wie schuleigene Lehrkräfte trotz potenzieller Rollenkonflikte als interne Lerncoaches qualifiziert agieren können und welche methodischen Instrumente ihnen für eine wirksame Lernprozessbegleitung zur Verfügung stehen.

Welche methodische Vorgehensweise liegt der Arbeit zugrunde?

Es handelt sich um eine theoriegeleitete Literatur- und Konzeptanalyse erziehungswissenschaftlicher und beratungspsychologischer Fachpublikationen, verbunden mit praxisbezogenen Reflexionen aus dem schulischen Alltag an einem Bundes-Oberstufenrealgymnasium.

Was wird im praktischen Hauptteil thematisiert?

Der Hauptteil behandelt die räumlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen an Schulen, den typischen Ablauf von Erst- und Folgegesprächen sowie die konkrete Durchführung anhand des GROW-Modells und des Kieler Modells für Lerncoaching.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Publikation?

Zentrale Begriffe sind Lerncoaching, Rollenbalance, Rollensplitting, Pacing und Leading, Klientenzentrierung, Zielformulierung, Selbstwirksamkeit und motivationale Diagnostik.

Wie können Lehrkräfte dem Dilemma zwischen Beurteilung und vertraulichem Coaching begegnen?

Die Arbeit skizziert zwei Hauptstrategien: das Personensplitting, bei dem Bewertungs- und Coachingaufgaben institutionell auf unterschiedliche Lehrkräfte aufgeteilt werden, und das bewusste Rollensplitting, bei dem die Lehrperson zu Gesprächsbeginn transparent definiert, in welcher Funktion sie agiert, um eine „nicht wissende“, bewertungsfreie Haltung einzunehmen.

Welche methodischen Werkzeuge bietet das Kieler Modell zur Förderung der Motivation?

Das Modell nutzt spezifische Visualisierungs- und Reflexionstools wie die Unterscheidung zwischen stabilen Motiven („BewegGRÜNDE“) und situativer Motivation („BEWEGgründe“), den tabellarischen Motivations-Check, die Lernfieberkurve sowie die Entscheidungswaage zur Bearbeitung von Ambivalenzen und Lernblockaden.

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Details

Titel
Theoretische und praktische Zugänge des Lerncoachings für Jugendliche im Kontext höherer Schulen in Österreich
Veranstaltung
Diplomlehrgang Systemischer Coach
Autor
Helmut Prodinger (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
33
Katalognummer
V1772349
ISBN (PDF)
9783389207383
ISBN (Buch)
9783389207390
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Coaching Schule Lerncoaching Jugendliche Kinder Lehrpersonen Coach Coachee Unterricht
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Helmut Prodinger (Autor:in), 2021, Theoretische und praktische Zugänge des Lerncoachings für Jugendliche im Kontext höherer Schulen in Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1772349
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Leseprobe aus  33  Seiten
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