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Wilhelm Raabes „Chronik der Sperlingsgasse“ – eine Erzählung der großen Stadt

Title: Wilhelm  Raabes „Chronik der Sperlingsgasse“ – eine Erzählung der großen Stadt

Term Paper , 2011 , 19 Pages

Autor:in: Heiko Gerdes-Janssen (Author)

Didactics for the subject German - Literature, Works
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Die Rezeption von Wilhelm Raabes "Chronik der Sperlingsgasse" kommt hinsichtlich der Frage, ob es sich dabei um einen Stadtroman handelt, zu höchst unterschiedlichen Bewertungen. Besonders das Schlagwort von der "Stadtflucht nach innen" (V. Klotz: Die erzählte Stadt, Reinbek bei Hamburg 1987, S.193) wie das von der "Domestizierung" der Stadt hat lange dazu beigetragen, "Die Chronik der Sperlingsgasse" lediglich als die Geschichte einer kleinen Straße und deren Bewohner und kleinbürgerlichem Milieu anzusehen. Neuere AutorInnen wie S. Becker: Chronist der städtischen Moderne-Wilhelm Raabes 'Chronik der Sperlingsgasse' in S.Thielking (Hrsg.): Raabe-Rapporte, Wiesbaden 2002, S. 81-104 sehen in der "Chronik der Sperlingsgasse" vielmehr ein "Modell erzählender Stadtliteratur" (ebenda, S. 93). Dieser neuen Bewertung schließt sich der Verfasser der Hausarbeit an.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Gassengeschichte oder Stadtroman - Die Chronik der Sperlingsgasse zwischen Beschränktheit und Beschränkung

2. „Ich schreibe keinen Roman“

3. Der Chronist als Ich-Erzähler

4. Die Chronik der Sperlingsgasse als „Experimentierraum“ des Erzählens

5. Die Chronik der Sperlingsgasse als zeitgemässe Erzählung

6. Die Erzählung der großen Stadt

7. Der Blick aus dem Fenster

8. Die Gasse: pars pro toto oder parvum totum contra totum immensum?

9. Urbane Lebenswelten: Begegnungen in der großen Stadt

10. Die Überforderung des Autors als seine Befreiuung

11. Die Chronik der Sperlingsgasse-ein moderner Stadtroman

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Hausarbeit untersucht, inwiefern Wilhelm Raabes Werk "Die Chronik der Sperlingsgasse" trotz seiner vermeintlichen kleinbürgerlichen Beschränktheit als ein innovativer, moderner Stadtroman zu verstehen ist, der die Komplexität der Großstadt durch spezifische Erzähltechniken und fragmentarische Perspektiven einfängt.

  • Analyse der Erzähltechnik und der Rolle des Chronisten
  • Untersuchung des Verhältnisses von Stadt und Individuum
  • Diskussion der "Domestikation" der Stadt gegenüber der urbanen Realität
  • Einordnung des Werks in den Kontext des bürgerlichen Realismus und der Moderne
  • Betrachtung des fragmentarischen Erzählens als adäquate Form für großstädtische Erfahrungen

Auszug aus dem Buch

4. Die Chronik der Sperlingsgasse als „Experimentierraum“ des Erzählens

Der homodiegetische Erzähler Wachholder nun verbindet auf zwei Zeitebenen, der Zeit des Erzählens und der erzählten Zeit, drei Ebenen. Die Rahmenhandlung, das Erzählen, liegt auf einer ersten, der extradiegetischen Ebene. Sie bezeichnet die Erzählgegenwart, aus der heraus Wachholder rückblickend und erinnernd erzählt. Das Erzählte, die Ereignisse, von denen Wachholder berichtet, liegen auf einer zweiten, der intradiegetischen Ebene. So wird in Episoden die Geschichte der Familien Ralff, Seeburg und Berg erzählt. Und einzelne Erzählungen innerhalb des Erzählten, wie etwa die des Franz Raff über seine Herkunft im Eintrag der Chronik vom 10. Dezember (Raabe 2009: 33ff) liegen auf einer dritten, der metadiegetischen Ebene (zu den Ebenen des Erzählens s. Martinez und Scheffel 2009: 75ff sowie Walter: 5ff). Erzählgegenwart und Erzähltes werden durch deiktische Wendungen miteinander verklammert, die sich allerdings nicht an den Leser, sondern an den Erzähler selbst richten (s.Klotz 1987: 180).

Innerhalb der Fokalisierungstypen nach Genette (s. Becker, Hummel u. Sander 2006: 142ff ) ist die Chronik dem Typus der internen Fokalisierung zuzuordnen, die auch im Wesentlichen fixiert ist, sieht man von der Strobeliana (Raabe 2009: 145ff) ab, da hierin aus der Perspektive Strobels erzählt wird. Fasst man mit Martinez und Scheffel (Martinez und Scheffel 2009: 94f) die Merkmale zusammen, so ergibt sich eine homodiegetische Stellung des Erzählers bei einer aktorialen internen Fokalisierung der Erzählung auf extradiegetischer, intradiegetischer und metadiegetischer Ebene auf zwei Zeitebenen. Wir blicken also bei der Chronik auf eine Erzähltechnik, die flexibel und gekonnt mit unterschiedlichen Ebenen der Zeit und des Erzählens umgeht. „Raabe komponiert, was er seinen Erzähler nur bunt und wirr vermitteln läßt “ (Klotz 1987: 171).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Gassengeschichte oder Stadtroman - Die Chronik der Sperlingsgasse zwischen Beschränktheit und Beschränkung: Das Kapitel hinterfragt die kritische Sichtweise, die Raabes Werk lediglich als Idylle und Negierung der städtischen Realität interpretiert.

2. „Ich schreibe keinen Roman“: Es wird die verlegerische und literarische Skepsis gegenüber dem Werk beleuchtet, das sich bewusst von den zeitgenössischen Bildungsromanen absetzt.

3. Der Chronist als Ich-Erzähler: Dieses Kapitel erörtert die Rolle von Wachholder als Erzähler und die Debatte über autobiographische Bezüge zu Wilhelm Raabe.

4. Die Chronik der Sperlingsgasse als „Experimentierraum“ des Erzählens: Der Fokus liegt hier auf der komplexen Erzählstruktur mit ihren verschiedenen Ebenen, die Raabe als poetisches Experiment nutzt.

5. Die Chronik der Sperlingsgasse als zeitgemässe Erzählung: Hier wird der historische Kontext der 1850er Jahre und der Umgang des Autors mit politischen Umbrüchen diskutiert.

6. Die Erzählung der großen Stadt: Das Kapitel thematisiert die Wahrnehmung Berlins als Großstadt und die literarische Herausforderung, diese Komplexität abzubilden.

7. Der Blick aus dem Fenster: Das Motiv des Fensterblicks wird als zentrales Element für die Rahmenschau und die Wahrnehmung des städtischen Lebens analysiert.

8. Die Gasse: pars pro toto oder parvum totum contra totum immensum?: Es wird das Raummotiv der Gasse und der umstrittene Prozess der "Domestikation" der Stadt untersucht.

9. Urbane Lebenswelten: Begegnungen in der großen Stadt: Der Autor betrachtet, wie die Begegnungen des Chronisten mit anderen Menschen ein Bild der städtischen Gesellschaft entwerfen.

10. Die Überforderung des Autors als seine Befreiuung: Dieses Kapitel zeigt auf, wie die Überforderung durch die Großstadt letztlich zu neuen, fragmentarischen Erzählformen führt.

11. Die Chronik der Sperlingsgasse-ein moderner Stadtroman: Das abschließende Kapitel kommt zu dem Fazit, dass das Werk aufgrund seiner modernen Erzählweise als Stadtroman zu klassifizieren ist.

Schlüsselwörter

Wilhelm Raabe, Chronik der Sperlingsgasse, Stadtroman, Großstadt, Erzähltechnik, Biedermeier, Realismus, Urbanisierung, Ich-Erzähler, Fragmentarisches Erzählen, Domestikation, Moderne Literatur, Berlin, Narratologie, Stadtliteratur

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Wilhelm Raabes Roman "Die Chronik der Sperlingsgasse" im Hinblick auf seine Gattungszugehörigkeit als Stadtroman und analysiert, wie der Autor die Komplexität der Großstadt Berlin literarisch bewältigt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Erzähltechnik, das Verhältnis zwischen privater Idylle und urbanem Raum, der Einfluss der Industrialisierung sowie die literarische Gestaltung der Stadt als fragmentarische Erfahrung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die wissenschaftliche Diskussion um die Einordnung des Werkes aufzugreifen und zu zeigen, dass die "Chronik" durch ihre spezifische, moderne Erzählhaltung der Komplexität des Sujets "Großstadt" gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse, die den Primärtext mit zeitgenössischen Forschungspositionen (etwa von Klotz, Becker und Pongs) in Bezug setzt und narratologische Konzepte anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Erzählstruktur, die Rolle des Ich-Erzählers Wachholder, zentrale Raummotive wie das Fenster und die Gasse sowie die politischen und gesellschaftlichen Einflüsse der Entstehungszeit.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Stadtroman, Großstadt, Erzähltechnik, Experimentierraum, Realismus, Urbanisierung und Fragmentarisierung.

Wie unterscheidet sich die Sichtweise des Autors von der von Volker Klotz?

Während Klotz die "Chronik" als reine Negierung städtischer Realität und Rückzug in die Idylle betrachtet, ordnet die vorliegende Arbeit das Werk als ein modellhaftes und wegweisendes Beispiel moderner Stadtliteratur ein.

Warum wird die "Überforderung" des Autors als "Befreiung" bezeichnet?

Die Arbeit argumentiert, dass die Unmöglichkeit, die Großstadt als Ganzes zu erfassen, Raabe dazu zwang, von traditionellen geschlossenen Romanformen abzuweichen und neue, fragmentarische Erzählweisen zu entwickeln, die dem modernen Städtethema adäquater sind.

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Details

Title
Wilhelm Raabes „Chronik der Sperlingsgasse“ – eine Erzählung der großen Stadt
Author
Heiko Gerdes-Janssen (Author)
Publication Year
2011
Pages
19
Catalog Number
V177240
ISBN (eBook)
9783640991563
ISBN (Book)
9783640991983
Language
German
Tags
Wilhelm Raabe
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Heiko Gerdes-Janssen (Author), 2011, Wilhelm Raabes „Chronik der Sperlingsgasse“ – eine Erzählung der großen Stadt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177240
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