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Spitzensport, Doping und Religion

Theoretische Überlegungen zum Einfluss von Religiosität auf das Dopingverhalten

Title: Spitzensport, Doping und Religion

Term Paper (Advanced seminar) , 2010 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Bachelor of Arts André Matthias Müller (Author)

Sport - Sport Sociology
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Einleitung
Es ist keine Entwicklung der heutigen Leistungsgesellschaft, dass Menschen unentwegt versuchen sich weiterzuentfalten, um aus einer Masse von Individuen hervorzuragen. Jene evolutionsgeschichtliche Notwendigkeit, welche Charles Darwin mit dem Selektionsprozess begründete, ist in der modernen Zivilisation lediglich nicht mehr ein überlebenswichtiges Kriterium. Trotzdessen kann das „Streben nach dem Bessersein […]“ (Figura, 2008, S. 43) als ein zentrales Leitmotiv menschlichen Handelns verstanden werden. Jener Sachverhalt ist, in stark überdimensionierter Form, im Gesellschaftsbereich des Spitzensports beobachtbar. Die sporteigene Binärcodierung in Sieg und Niederlage sorgt in diesem Zusammenhang für die Legitimation jeglichen regelkonformen Interagierens. Laut Bette (2010, S. 90) führt dieser Siegescode zur Exklusion vieler zugunsten weniger, da prinzipiell nur ein Sieg zu vergeben ist. Die immer wieder notwendige Aktualisierung des Gewinnerstatus und der damit verbundenen Erträge, wie Selbstbestätigung, Ansehen und auch Existenzsicherung bringen die Aktiven in nicht wenigen Fällen dazu den gegebenen physischen und psychischen Begrenzungen mit devianten Maßnahmen zu begegnen.
Das Problem des Dopings im Leistungssport ist allen Involvierten wohl bekannt und ließ zahlreiche Möglichkeiten seiner Bekämpfung emporkommen. Die nur sehr partiell erfolgreichen Ansätze reichten dabei von pädagogischen Maßnahmen bis zu Kontrollintensivierungen durch die entsprechenden Institutionen (vgl. Bette & Schimank, 2006, S. 317ff.). Es hat folglich den Anschein, als sei das Dopingdilemma eines mit geringen Chancen hinsichtlich einer adäquaten Lösung.
Religiosität als eine „potent social force“ (McCullough & Willoughby, 2009), die sowohl Verhalten steuert als auch Wege zur Zielerreichung gebietet bzw. verbietet, soll in diesem Hinblick auf ihren Einfluss überprüft werden. Es lassen sich hierzu in der aktuellen Literatur (z.B. Cavar et al., 2010; Francis & Mullen, 1993) Hinweise finden, dass religiöse Anbindung ein Prädiktor für Drogen- und auch Dopingverhalten sein kann. Die Frage der vorliegenden Arbeit soll demnach lauten: Weist das Religionssystem strukturelle Merkmale auf, die bei gläubigen Topathleten eine geringere Tendenz hinsichtlich einer Dopingdevianz zur Folge haben können?

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Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der moderne Sport

2.1 Die Vergänglichkeit des Sieges und die Konsequenzen

2.2 Die wechselseitige Dependenz von Sport und Umwelt

2.3 Die unendliche Anspruchsinflation

3 Doping als Struktureffekt

3.1 Dopingverbot! Warum?

3.2 Lösungsstrategien

4 Das Religionssystem

4.1 Auswirkungen auf das Verhalten

4.1.1 Selbstkontrolle und Selbstmonitoring

4.1.2 Religiöse Selbstkontrolle

4.2 Religiöse Sozialisation

5 Die Synthese

5.1 Religionscode versus Sportcode und Dopinglogik

5.2 Gesundheit und Fairness

5.3 Religiöse Selbstkontrolle versus sportliche Anspruchsinflation

5.4 Religiöse Sozialisation versus Sozialisation im Spitzensport

6 Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, ob das Religionssystem als gesellschaftliches Teilsystem strukturelle Merkmale aufweist, die bei gläubigen Topathleten eine geringere Tendenz zur Dopingdevianz bewirken können. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern religiöse Anbindung und die damit verbundenen Normen und Kontrollmechanismen als Prädiktor für dopingfreies Verhalten fungieren können.

  • Analyse der Strukturen des modernen Leistungssports als Auslöser für Dopingverhalten.
  • Untersuchung des Religionssystems hinsichtlich seiner Codierung und Verhaltenssteuerung.
  • Betrachtung von Selbstkontrolle und Sozialisationsprozessen im religiösen Kontext.
  • Synthese der Interaktion zwischen Sportcode, Dopinglogik und religiösen Wertesystemen.

Auszug aus dem Buch

3 Doping als Struktureffekt

Wie gezeigt wurde, ist der Spitzensport ein Hochleistungssystem, in dem der Erfolg, mehrdimensional, den absoluten Gegenstand darstellt (vgl. Lenk, 2007, S. 13). Wenn dieser jedoch immer diffiziler zu erreichen ist und sich zudem unmöglich sicher einstellt, müssen Strategien eruiert werden, die zum steigenden Anforderungsniveau auch ein höheres Können gestatten. Neben Innovationen im Trainingsbetrieb, die kaum mehr ausreichen, entwickelte sich, mit wissenschaftlicher Unterstützung ein Verhalten, welches unter der Bezeichnung Dopingdevianz dem Sport ein verändertes Gesicht gab. Laut der World Anti-Doping Agency (WADA) kann Doping wie folgt beschrieben werden:

“Doping is defined as the occurrence of one or more anti-doping code violations, mostly observed by the use of prohibited substances and the consequent presence of the prohibited substance and/or its metabolites or markers in the athletes‘specimens“ (zitiert nach Cavar et al., 2010).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Leistungsgesellschaft und die Verknüpfung von Spitzensport, Siegesdruck und der daraus resultierenden Dopingproblematik.

2 Der moderne Sport: Darstellung des Sports als System, das durch eine binäre Codierung von Sieg und Niederlage und einen permanenten Zwang zur Leistungssteigerung geprägt ist.

3 Doping als Struktureffekt: Analyse von Doping als rationale, logische Folge innerhalb des Spitzensports und die Unzulänglichkeit bisheriger Bekämpfungsstrategien.

4 Das Religionssystem: Untersuchung religiöser Strukturen, insbesondere der Codierung von Transzendenz und Immanenz sowie deren Einfluss auf Selbstkontrolle und Sozialisation.

5 Die Synthese: Theoretische Zusammenführung von Religions- und Sportsystem, um den hemmenden Einfluss religiöser Normen auf das Dopingverhalten zu erörtern.

6 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit zur Arbeit und Diskussion künftiger Forschungsbedarfe hinsichtlich des Einflusses verschiedener Konfessionen und Professionalisierungsgrade.

Schlüsselwörter

Spitzensport, Doping, Religion, Religiosität, Selbstkontrolle, Selbstmonitoring, Sozialisation, Sportcode, Leistungsgesellschaft, Devianz, Transzendenz, Immanenz, Fairness, Gesundheit, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der systemimmanenten Dopinglogik des Spitzensports und den moralisch-normativen Einflüssen des Religionssystems auf das Verhalten von Athleten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die systemtheoretische Analyse des modernen Hochleistungssports, die Strukturmerkmale von Religionen sowie die Prozesse der Verhaltenssteuerung durch Selbstkontrolle und Sozialisation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, ob gläubige Sportler aufgrund ihrer religiösen Anbindung eine geringere Tendenz zu Dopingdevianz aufweisen und ob das Religionssystem als Gegenpol zur sportlichen Dopinglogik wirken kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die auf systemtheoretischen Ansätzen und aktuellen sozialwissenschaftlichen Untersuchungen basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sportlichen Leistungsstrukturen, die Darlegung der Wirkungsweise religiöser Systeme auf das menschliche Verhalten und die abschließende Synthese beider Bereiche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen neben Doping und Spitzensport vor allem Religiosität, Selbstkontrolle, Sozialisation und der systemtheoretische Begriff der Codierung.

Inwiefern beeinflusst das Alter des Athleten die Wirksamkeit der religiösen Sozialisation?

Da religiöse Sozialisation meist in der frühesten Kindheit durch die Familie erfolgt, sind diese Werte tief in der Person verankert und bieten eine stabilere Referenzbasis als die erst später einsetzende sportliche Sozialisation.

Warum wird Doping bei religiösen Athleten als unwahrscheinlicher eingeschätzt?

Religiöse Athleten nehmen sich durch ihre Glaubenspraxis als ständig beobachtet von einer transzendenten Instanz wahr, was ihre Selbstkontrollmechanismen stärkt und eine Abweichung von Normen wie Gesunderhaltung erschwert.

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Details

Title
Spitzensport, Doping und Religion
Subtitle
Theoretische Überlegungen zum Einfluss von Religiosität auf das Dopingverhalten
College
Otto-von-Guericke-University Magdeburg  (Sportwissenschaft)
Course
Soziologische Aspekte des Sports
Grade
1,0
Author
Bachelor of Arts André Matthias Müller (Author)
Publication Year
2010
Pages
23
Catalog Number
V177264
ISBN (eBook)
9783640988433
ISBN (Book)
9783640988341
Language
German
Tags
Siegescode Doping Religion
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Bachelor of Arts André Matthias Müller (Author), 2010, Spitzensport, Doping und Religion, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177264
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