1 Einleitung
Barock- und Rokokoaltäre unterscheiden sich in verschiedener Art und Weise voneinander. Wirken Barockaltäre häufig noch wie in den Chor eingestellte ‚Möbelstücke’, so verbinden sich Altäre des Rokoko mit der Architektur und lassen kaum einen Unterschied erkennen, wo die Architektur des Chores aufhört und der Altar beginnt. Sie gelten als Gesamtkunstwerke, indem sie Skulptur, Malerei und Architektur, aber auch das Licht, miteinander verbinden. Dies ist ein weit verbreitetes Konzept in der Kunst des Rokoko. Seine erste Hochzeit hatte es aber schon im Barock. Ein wichtiger Vorläufer aus dem italienischen Barock ist Gianlorenzo Bernini. Ein Beispiel von ihm, das als Gesamtkunstwerk zu nennen ist, ist die „Verzückung der Heiligen Teresa von Avila“ in der Conaro-Kapelle in Santa Maria della Vitoria in Rom. Ein Werk, dass unter seinen Zeitgenossen als Berninis Schönstes angesehen wurde und von dem man sicherlich auch in Süddeutschland gehört hatte.
Die folgende Arbeit behandelt das Thema der Hochaltäre im Spätbarock und Rokoko anhand zweier süddeutsche Hochaltäre, die aufgrund ihrer Ausführung dem einen oder dem anderen Stil zugeordnet werden können, obwohl sie innerhalb eines Zeitraumes von 15 Jahren entstanden sind. Als erstes Beispiel wird der Altar der Wieskirche in Steingaden, der zwischen 1745 und 1747 entstanden ist, angeführt. Der Altar der Wallfahrtskirche in Steinhausen von ca. 1732, dient dem Vergleich. Ferner stehen beide Altäre in Kirchen, die von Dominikus Zimmermann entworfen und gebaut worden sind. Die Gesamtkonzeption der Altäre ist ebenfalls auf ihn zurückzuführen, wenn auch die Ausführung bei anderen Künstlern lag. Die zu den Altären gehörenden Deckenfresken sind von seinem Bruder, Johann Baptist Zimmermann, gemalt worden. Infolge der stilistischen Einordnung gehört der Steinhausener Altar zum Spätbarock, während der Altar der Wieskirche dem Rokoko zuzuordnen ist. In der vorliegenden Ausarbeitung sollen nun die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der beiden Altäre näher betrachtet und eine mögliche Entwicklung aufgezeigt werden. Außerdem wird das Thema des Gesamtkunstwerkes in Bezug auf den Hochaltar und Chorraum der Wieskirche vertieft dargestellt.
Zunächst wird die Baugeschichte der Wieskirche betrachtet. Daraufhin werden einzelne Teilbereiche des Chores und des Altars näher beschrieben...
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Wieskirche zu Steingaden
2. 1. Baugeschichte
2.1.1 Der Chor
2.1.2 Der Altar
2.1.2.1 Das Altarbild
2.1.2.2 Die Skulpturen
2.1.2.3 Das Deckenfresko
3 Wallfahrtskirche Steinhausen
3. 1. Baugeschichte
3.1.1 Der Chor
3.1.2 Der Altar
3.1.2.1 Die Skulpturen
3.1.2.2 Das Chorfresko und seine Rahmung
4 Vergleich
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung und Gestaltung von Hochaltären im Spätbarock und Rokoko anhand eines direkten Vergleichs der Wieskirche in Steingaden und der Wallfahrtskirche in Steinhausen, um Gemeinsamkeiten, Unterschiede und das Konzept des Gesamtkunstwerks herauszuarbeiten.
- Analyse der Baugeschichte und architektonischen Einbettung der Altäre.
- Untersuchung der stilistischen Einordnung (Spätbarock vs. Rokoko).
- Betrachtung der Rolle von Skulptur, Malerei und Licht in der Gesamtinszenierung.
- Vergleich der räumlichen Integration des Altars in den Chorraum.
- Darstellung der Entwicklungslinien vom Möbelstück zur architektonischen Einheit.
Auszug aus dem Buch
2.1.2.1 Das Altarbild
Das Altarretabel in Öl wurde 1753/54 von Balthasar Augustin Albrecht, einem Münchener Hofmaler, gemalt. Es ist das einzige Werk in der gesamten Kirche, das nicht vor Ort entstand, sondern im Atelier des Künstlers. Dies kann man am Werk selbst erkennen, da die Farben viel dunkler und intensiver erscheinen als alle anderen im gesamten Kirchenraum.
Es zeigt Jesus im Kreis seiner Familie und anderer wichtiger Figuren seines Lebens, die im Zusammenhang mit seiner Kindheit und der Kreuzigung stehen, vor dem Grab Davids. Dies soll die Herkunft Christi vom Geschlecht Davids symbolisieren. Das Jesuskind befindet sich im Zentrum des Bildes. Die anderen Personen sind versetzt in einem Halbkreis um ihn, vor dem Grabmal Davids, angeordnet. Mit seinen wie zu einem Kreuz ausgebreiteten Armen steht es auf dem Schoß der sitzenden Maria, die sich vom Zentrum etwas nach rechts dreht. Jesus blickt zu Josef, der rechts von ihm steht und ihm die Hand küsst und hält seinen linken Arm angewinkelt nach oben. Maria blickt zu dem Knaben Johannes, der mit einem Lamm im Arm von seiner Mutter Elisabeth gestützt vor Maria und Jesus steht. Sowohl das Lamm als auch Johannes blicken zu Jesus. Hinter der auf Stufen knienden Elisabeth steht ein Engel, der Früchte auf einem Tablett anreicht. Auf der rechten Bildseite hinter diesem Engel sieht man Joachim, den Vater von Maria, stehen, der in den Himmel zu einem Engel schaut, welcher einen roten Mantel, den Königsmantel Jesu’, über dieser Szenerie schweben lässt. Hinter Marias’ rechter Schulter steht Anna, ihre Mutter, mit einem Buch in der Hand. Auch sie blickt zu dem Engel am Himmel. Im linken Bildhintergrund befindet sich Zacharias, der Vater von Johannes: Dieser stützt seinen rechten Arm auf eine Steinplatte.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in das Konzept des Gesamtkunstwerks im Barock und Rokoko sowie Zielsetzung des Vergleichs zweier süddeutscher Hochaltäre.
2 Die Wieskirche zu Steingaden: Detailreiche Untersuchung der Baugeschichte und der einzelnen Ausstattungskomponenten des Hochaltars in der Wieskirche.
3 Wallfahrtskirche Steinhausen: Analyse der Baugeschichte sowie der Struktur und des Altarprogramms der spätbarocken Wallfahrtskirche Steinhausen.
4 Vergleich: Systematische Gegenüberstellung der beiden Altäre hinsichtlich ihrer räumlichen Wirkung, stilistischen Merkmale und ihrer Integration in das jeweilige Kirchenkonzept.
5 Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Unterschiede und Entwicklungen, die den Altar der Wieskirche als vollendetes Gesamtkunstwerk des Rokoko ausweisen.
Schlüsselwörter
Wieskirche, Steinhausen, Hochaltar, Spätbarock, Rokoko, Gesamtkunstwerk, Dominikus Zimmermann, Stuckmarmor, Skulpturenprogramm, Deckenfresko, Altarretabel, Architektur, Lichtführung, Heilsgeschehen, Wallfahrtskirche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Entwicklung und künstlerische Ausgestaltung von Hochaltären im 18. Jahrhundert unter Berücksichtigung des Übergangs vom Spätbarock zum Rokoko.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen der architektonische Kirchenbau, die Ausstattung mit Altären und Skulpturen sowie das Konzept des Gesamtkunstwerks in süddeutschen Wallfahrtskirchen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen dem Altar der Wieskirche und dem Altar in Steinhausen aufzuzeigen und eine Entwicklungslinie innerhalb der 15 Jahre zwischen ihrer Entstehung zu definieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die Baugeschichten, stilistische Merkmale (Rocaille, Voluten) und das ikonographische Programm der Altäre vergleichend betrachtet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Beschreibung der Wieskirche und der Wallfahrtskirche Steinhausen, wobei jeweils der Chor, der Altar, das Altarbild und die Skulpturen sowie Fresken einzeln analysiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Wieskirche, Rokoko, Gesamtkunstwerk, Dominikus Zimmermann, Stuckmarmor und die ikonographische Darstellung des Heilsgeschehens.
Worin besteht laut der Autorin der größte Unterschied zwischen den beiden Altären?
Der Hauptunterschied liegt im Grad der Integration: Während der Steinhausener Altar eher wie ein "Möbelstück" vor der Wand wirkt, ist der Wieskirchener Altar architektonisch entmaterialisiert und fest in das Gesamtkunstwerk des Chores eingebunden.
Warum wird die Wieskirche als Rokoko-Beispiel und Steinhausen als Spätbarock-Beispiel eingestuft?
Die Einordnung basiert auf der Formgebung: Steinhausen nutzt wuchtigere spätbarocke Formen, während die Wieskirche durch ihre filigrane Dynamik, asymmetrische Rocaillen und eine stärkere Lichtinszenierung die typische Handschrift des ausgereiften Rokoko trägt.
- Quote paper
- M. A. Angela Ott (Author), 2005, Die Wieskirche - Chor und Hochaltar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177332