Jean-Baptiste Bernadotte - Karl XIV. Johan

Ein französischer Bürger und Soldat wird schwedischer König


Seminararbeit, 2010

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Jean-Baptiste Bernadotte - französischer Bürger und Soldat
1.1. Der Weg zur königlichen französischen Armee
1.2. Aufstieg in der französischen Armee in der Zeit des Umsturzes
1.3. Als Gouverneur in Deutschland

2. Bernadottes Weg zum Kronprinzen von Schweden
2.1. Karl Johans Außenpolitik und der Krieg gegen Frankreich
2.2. Die Personal-Union zwischen Schweden und Norwegen
2.3. Konflikte in der inneren Politik unter Karl XIV. Johan
2.4. Reformen in Schweden

Schlussbetrachtung zu Persönlichkeit und Wirken Karl XIV. Johan

Literaturverzeichnis

Einleitung

In einer Zeit der europäischen Neuordnung und kriegerischen Auseinander- setzungen gelang es einem französischen Bürger zum König von Schweden und Norwegen gekrönt zu werden. Dieses einmalige Ereignis in der Geschichte war Jean-Baptiste Bernadotte vergönnt. Als französischer Soldat kämpfte er unter dem Befehl Napoleons in entscheidenden Schlachten. Seine militärischen Erfolge und seine geschickte politische Führung der ihm anvertrauten deutschen Städte ließen ihn bei den europäischen Monarchen zu einer geschätzten und bedeutenden Persönlichkeit werden.

Das schwedische Königreich hatte im Jahre 1809 an Größe und Einfluss in der europäischen Politik verloren. Nach Kriegen gegen Dänemark und Russland, und den daraus resultierenden Verlust Finnlands, befand sich Schweden in einer politischen und finanziellen Krise. Der Mord an König Gustav III., der das schwedische Gesellschaftssystem revolutionieren wollte, und die Absetzung des Königs Gustav IV. Adolf, der das schwedische Königreich durch Kriege in eine Krise führte, waren eine Warnung an zukünftige Könige. Zudem stellte sich die Frage nach der Thronfolge, da der amtierende König Karl XIII. August kinderlos war.

Diese Hausarbeit zeigt den Aufstieg Jean-Baptiste Bernadottes zum schwedisch- norwegischen König Karl XIV. Johan auf. Besonderes Augenmerk liegt auf der Betrachtung seines politischen Wirkens als Kronprinz und König. Dahingehend werde ich insbesondere auf die Personal-Union zwischen Schweden und Norwegen eingehen. Um das Verhaltensmuster Bernadottes und die Relevanz historischer Ereignisse einordnen zu können, stelle ich zuerst die militärische Laufbahn Jean- Baptiste Bernadottes dar.

1. Jean-Baptiste Bernadotte - französischer Bürger und Soldat

Die folgenden Abschnitte veranschaulichen Bernadottes Leben als französischer Bürger und seine Laufbahn in der französischen Armee.

1.1. Der Weg zur königlichen französischen Armee

Jean-Baptiste Bernadotte wurde als fünftes Kind von Henri Bernadotte und Jeanne de Saint Vincent am 26. Januar 1763 in der Stadt Pau in der Gascogne geboren. Sein Vater übte beim Seneschall-Gericht den Beruf eines Praticien[1] aus, welcher einem Anwalt gleichkommt. Später erhielt er den Titel Procureur au Sénéchal[2], der dem Beruf des Staatsanwalts entspricht. Im Alter von 15 Jahren gab der Vater seinen Sohn Jean-Baptiste in die Lehre zum Anwaltsgehilfen bei dem Seigneur de Batsalle. Jener war ebenfalls Procureur. Dort erlangte der junge Jean- Baptiste grundlegende Kenntnisse in den Bereichen der Justiz und der Verwaltung. Doch nach zwei Jahren wurde dieses Ausbildungsverhältnis im wechselseitigen Einvernehmen gekündigt. Henri Bernadotte war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Jean-Baptiste Bernadotte hielt nun nichts mehr zu Hause. Im Jahre 1780 trat er in das Royal-la-Marine Regiment[3] ein. Diese elitäre Einheit sollte in Übersee zum Einsatz kommen, was aber vorläufig nicht stattfand. Ab 1785 gelang Bernadotte ein rascher Aufstieg in der königlichen französischen Armee. Fünf Jahre später erhielt er den militärischen Grad des Adjudant-Major, der die höchste Position einer Unteroffizierslaufbahn darstellte.

1.2. Aufstieg in der französischen Armee in der Zeit des Umsturzes

Der Sturm auf die Bastille[4] vom 14. Juli 1789 kennzeichnete den Beginn der Französischen Revolution. Diese Situation eröffnete Bernadottes militärischer Lauf- bahn neue Perspektiven. Im Jahre 1791 waren die Standesvorrechte vollständig abgeschafft. Nun konnte auch Bernadotte den Grad eines Offiziers erreichen, der vorher den Adligen vorbehalten war. Am 20. April 1792 erklärte Frankreich Österreich den Krieg. Infolgedessen wurde Bernadotte an die Front versetzt. Er kämpfte in dem 36. Infanterieregiment der französischen Revolutionsarmee und in der legendären Heeresgruppe Sambre-et-Meuse[5], die das österreichische Belgien eroberte. Bei Fleurus kam es 1794 zur entscheidenden Schlacht gegen die Österreicher. In dieser führte Bernadotte zwei Regimenter sehr erfolgreich an. Daraufhin beförderte ihn der Chefgeneral Kléber zum Brigadegeneral. Nur wenige Monate später erhielt Bernadotte den höchsten Dienstgrad eines Offiziers - den des Divisionsgenerals. Mit der Armée du Rhin[6] zog er in das Rheinland. Dort nahm Bernadotte mit seiner Division „Kreuznach und Bingen, Zons und Neuss, Mainz und Speyer“[7] ein. Bei der Verwaltung der eroberten Territorien halfen ihm nun seine Kenntnisse aus seiner Lehre zum Anwaltsgehilfen. Die Versorgung und die Einquar- tierung der Division minimierte Bernadotte. Weiterhin bestrafte er Soldaten, die plünderten und sich an der Zivilbevölkerung vergriffen. Human zeigte Bernadotte sich gegenüber den Gefangenen und den Besiegten. Im Jahre 1797 wurde er dann zur Italien-Armee versetzt, die der Chefgeneral Napoleon Bonaparte befehligte. Im Italien-Feldzug zog Bernadotte erneut gegen die Österreicher in den Krieg. In diesem konnte er wiederum sein Führungstalent unter Beweis stellen. Er erhielt den Posten des Gouverneur von Friaul[8], und wurde großzügig an der Kriegsbeute beteiligt. Gegen Ende des Krieges befehligte Bernadotte drei Divisionen, und genoss ein hohes Ansehen bei seinem Chefgeneral Napoleon. Nachdem der Frieden von Campo Formio[9] am 17. Oktober 1797 geschlossen wurde, fielen Venetien und Friaul als Ersatz für Belgien an Österreich. Bernadotte verlor seinen Verwaltungsposten, und bat infolgedessen mit 34 Jahren um seine Pensionierung, die abgelehnt wurde. Der französische Außenminister Talleyrand bot ihm den Posten als Botschafter der Französischen Republik am österreichischen Kaiserhof in Wien an. Bernadotte nahm das Amt an. Aber dieses währte nur kurz, von Februar bis April 1798. Zu groß war die Antipathie gegen den Franzosen, der bis vor Kurzem gegen die Österreicher gekämpft hatte. Als dann die französische Botschaft vom Wiener Pöbel angegriffen wurde, kehrte Bernadotte eigenmächtig nach Paris zurück. Damit machte er sich Talleyrand zum Feind, der sich in seinen diplomatischen Plänen gestört fühlte. Durch das Direktorium ließ der Außenminister Bernadotte zunächst das Kommando einer elsässischen Division und daraufhin die Gesandtschaft bei der Batavischen Republik anbieten. Beide Posten lehnte er mit der Begründung ab, dass diese ihn degradieren würden. Für kurze Zeit zog sich Bernadotte aus dem Militärdienst zurück. Er war nun 35 Jahre alt und noch Junggeselle. Zunächst kümmerte er sich um seine gesellschaftliche Etablierung in Paris. Er lernte Napoleons Brüder Joseph und Lucien kennen, und freundete sich mit ihnen an. Im Hause Joseph Bonapartes begegnete Bernadotte dessen Schwägerin Désirée Clary, die aus einer der wohlhabendsten Familien Frankreichs stammte. Bereits im August 1798 heiratete er sie. Nun war Bernadotte ferner ein Teil der Familie Bonaparte. Ergänzend ist zu erwähnen, dass Désirée Clary einstmals mit Napoleon verlobt war. Ob diese Heirat Auswirkungen auf die Beziehung zwischen Bernadotte und Napoleon hatte, bleibt allerdings fraglich.

Bernadotte erhielt wieder den Posten des Verwaltungsgenerals bei der Mainzer Armee. Nach Ausbruch des zweiten Koalitionskrieges im Jahre 1799 wurde er zum Chefgeneral der Rheinischen Observationsarmee[10] ernannt. Noch in der Mitte desselben Jahres betraute das Direktorium Bernadotte mit dem Amt des Kriegsministers. Bei seinem Dienstantritt fand er chaotische Zustände vor. Seine Amtszeit war nur von kurzer Dauer. Das Direktorium enthob ihn mit sofortiger Wirkung seines Amtes. Doch in jenem Jahr gab es auch Anlass zur Freude für Bernadotte. Sein Sohn François-Joseph-Oskar wurde geboren.

Im November 1799 erfolgte erneut eine politische Wende in Frankreich. Mit dem Staatsstreich vom 18. Brumaire[11] riss Napoleon Bonaparte die Macht an sich. Als erster Konsul herrschte er faktisch allein. Im folgenden Jahr berief Napoleon Bernadotte zum Mitglied des Staatsrats. Schließlich erhielt er wieder den Posten des Chefgenerals der West-Armee. Als Bernadotte Partisanen, die Chouards[12], bekämp- fen sollte, legte er sein Kommando eigenmächtig nieder. Vermutlich hatte Bernadotte Verständnis für den Widerstand der einheimischen Bevölkerung gegen die Fremd- herrschaft, ereilte seine Heimat doch das gleiche Schicksal. Dieser Akt hatte zur Folge, dass Napoleon ihm sein Gehalt sperrte. Bis 1803 erhielt Bernadotte kein neues Kommando. Er widmete sich seiner Familie, und sträubte sich nicht im Salon der Napoleon-Feindin Madame de Staël zu verkehren.

Am 2. Dezember 1804 krönte sich Napoleon selbst zum Kaiser. Er restaurierte das Amt des Maréchal de France[13], welches umbenannt wurde in Maréchal d’Empire[14]. Dieser Titel wurde auch Bernadotte angetragen. Im selben Jahr beförderte Napoleon ihn zu einem der ersten Großoffiziere der Ehrenlegion, und ein Jahr später empfing Bernadotte die Auszeichnung des Großadlers.

1.3. Als Gouverneur in Deutschland

In den folgenden Jahren erhielt Bernadotte mehrere zivile Posten im Ausland. Im Jahre 1804 bekleidete er das Amt des Gouverneurs des Kurfürstentums Hannover[15]. Einer seiner ersten Amtshandlungen bestand darin, die frühere Verwaltung sowie die deutschen Minister und Staatsräte wieder einzusetzen. Er ließ den Handel mit englischen Waren zu, obwohl er sich damit Napoleons Befehl der Kontinentalsperre widersetzte. Weiterhin führte Bernadotte Abgaben für den Klerus und den Adel ein. Dagegen befreite er die Bedürftigen von der Steuer. Seine Reformen brachten ihm das Wohlwollen der Bevölkerung ein. Der erfolgreiche Ausbau der Beziehungen zu Preußen zahlte sich für Bernadotte aus. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. verlieh ihm den „Hohen Orden vom Schwarzen Adler“[16].

Bei Ausbruch des Dritten Koalitionskrieges im September 1805 wurde Bernadotte an die Front gerufen. Er führte das I. Korp der Grande Armée[17] an, und zeichnete sich in der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz[18] am 2. Dezember 1805 hervorragend aus. Dafür ernannte Napoleon Bernadotte zum Gouverneur von Ansbach[19]. Hier ließ er die preußische Verwaltung im Amt und führte wie in Hannover die Oberaufsicht. Ein Jahr nach der Schlacht bei Austerlitz erhielt Bernadotte für seine Verdienste das Fürstentum Pontecorvo[20]. Er hatte die Territorial- und die Staatsgewalt über das einheimische Volk. Aber es fehlte ihm das Recht auf eine eigene Armee und auf eigene Außenbeziehungen. Das Fürstentum besaß eine eigene Regierung, Ver- waltung und Rechtspflege, einschließlich der Polizei-, Zoll- und Steuerhoheit. Dort verwendete Bernadotte sein eigenes Kapital für die Entwicklung der Landwirtschaft und für den Straßen- und Brückenbau. Bedürftige erhielten mietfreie Wohnungen und zinsgünstige Kleingüter, damit sie sich eine eigene Existenz aufbauen konnten. Da er seinen Verpflichtungen als Gouverneur von Ansbach nachkommen musste, hatte der Fürst nur wenig Zeit sich persönlich mit den Angelegenheiten seines Fürstentums zu befassen. Bernadotte setzte einen Statthalter ein, erst seinen Adjutanten Gault, später den Signore de Nota. Dieser hatte die Aufgabe dem Fürsten explizite Berichte und Abrechnungen vom Fürstentum Pontecorvo vorzulegen. Bernadotte erteilte dann seine detaillierten Anweisungen aus der Ferne.

Am 14. Oktober 1806 nahm Bernadotte an der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt[21] teil. Bei der Verfolgung keilte er den preußischen Gegner ein und verhinderte dessen Rückzug nach Osten, woraufhin Preußen eine Niederlage erlitt. Nach dem Frieden von Tilsit[22] berief Napoleon Bernadotte zum Gouverneur der Hansestädte Lübeck, Hamburg und Bremen[23] im Juli 1807. Durch diese Ernennung erreichte Bernadotte den Höhepunkt seiner Administrationslaufbahn in Deutschland. In den Hansestädten war der Überseehandel durch die Kontinentalsperre zum Erliegen gekommen. Dies bedeutete den finanziellen Ruin der Städte, deren Haupteinnahme ausblieb. In einem geheimen Bündnis mit der Kaufmannschaft öffnete Bernadotte die See- und Schifffahrtswege. Erneut widersetzte er sich Napoleons Befehl der Kontinentalsperre. Seine Administration führte Bernadotte nach den gleichen Prinzipien wie in Hannover und Ansbach. Er setzte die heimische Verwaltung, bestehend aus Bürgermeister und Senatoren, wieder ein, sorgte für die Armen und erschloss neue Ressourcen. Für seine militärischen Gruppen galt die strengste Disziplin und Biwak statt Einquartierung. In den Hansestädten pflegte Bernadotte seine Kontakte zu schwedischen Kaufmännern und Gesandten.

Mittels des Tilsiter Frieden vom 7. bis 9. Juli 1807 verständigten sich Napoleon und der russische Zar Alexander I. über ihre territorialen Interessen. Der Zar sicherte dem französischen Kaiser die Teilnahme an der Kontinentalsperre zu. Im Jahre 1808 griff

[...]


[1] Vgl. Amelunxen, Clemens: Jean-Baptiste Bernadotte. Marschall Napoleons. König von Schweden. Köln, Berlin, Bonn, München 1991, S. 12.

[2] Vgl. S. 13.

[3] Vgl. Sir Dunbar Plunket Barton: The Amazing Career of Bernadotte 1763 to 1844. London 2004, S. 5.

[4] Vgl. Der grosse Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte. Freiburg im Breisgau 2008, S. 1008.

[9]

[5] Vgl. Amelunxen, Clemens: Jean-Baptiste Bernadotte, S. 20.

[6] ebd.

[7] Vgl. S. 23. Vgl. S. 27.

[8] Vgl. Der grosse Ploetz, S. 751.

[10] Vgl. Amelunxen, Clemens: Jean-Baptiste Bernadotte, S. 33.

[11] Vgl. Der grosse Ploetz, S. 1012.

[12] Vgl. Amelunxen, Clemens: Jean-Baptiste Bernadotte, S. 36.

[13] Vgl. Amelunxen, Clemens: Jean-Baptiste Bernadotte, S. 39.

[14] ebd.

[15] Vgl. S. 43.

[16] Vgl. S. 44.

[17] Vgl. S. 45.

[18] Vgl. Der grosse Ploetz, S. 752.

[19] Vgl. Amelunxen, Clemens: Jean-Baptiste Bernadotte, S. 45.

[20] Vgl. S. 49.

[21] Vgl. Der grosse Ploetz, S. 752.

[22] ebd.

[23] Vgl. Amelunxen, Clemens: Jean-Baptiste Bernadotte, S. 46.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Jean-Baptiste Bernadotte - Karl XIV. Johan
Untertitel
Ein französischer Bürger und Soldat wird schwedischer König
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Nordisches Institut)
Veranstaltung
Bedeutende Persönlichkeiten Skandinaviens im 19. Jh.
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V177349
ISBN (eBook)
9783640989294
ISBN (Buch)
9783640989423
Dateigröße
624 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
jean-baptiste, bernadotte, karl, johan, soldat, könig, Schweden, Napoleon
Arbeit zitieren
Sandra Schmelter (Autor), 2010, Jean-Baptiste Bernadotte - Karl XIV. Johan , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177349

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