Politische Regime und Wachstum von Entwicklungsländern

Wie wichtig ist die Stabilität eines politischen Regimes?


Hausarbeit, 2011
20 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Literaturüberblick

3. Theorie

4. Forschungsdesign

5. Analyse

6. Fazit

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Es sind Zahlen, von denen andere nur träumen können: Im Jahr 2010 erreicht Laos ein Wachstum von 7,9 Prozent[1], Vietnam ein Wachstum von 6,8 Prozent[2] und China ein Wachstum von 10,3 Prozent[3] bezogen auf das jeweilige Bruttoinlandsprodukt (BIP). Die Wachstumsstärke von den meisten ost- und südostasiatischen Volkswirtschaften in den letzten Jahren ist beeindruckend. Beachtenswert ist vor allem, dass die genannten Länder von autokratischen Regimen beherrscht werden. Diese empirische Beobachtung hat auch in der politischen Ökonomie zu der Frage geführt, ob autokratisch geführte Entwicklungsländer wirtschaftlich erfolgreicher sind als es demokratisch geführte Entwicklungsländer sind. So betrachtet Rodrik (1997) die Frage, ob Entwicklungsländer, die von autoritären Regimen geführt werden wirtschaftlich erfolgreicher sind, als dies demokratische Staaten sind. Auch Salhi & Bolle (2007) betrachten in ihrer Arbeit den Einfluss der beiden Regimetypen Demokratie und Autokratie auf das wirtschaftliche Wachstum. Der wissenschaftliche Diskurs der letzten Jahre soll in dieser Seminararbeit näher betrachtet werden und zum Anlass genommen werden sich die folgende Forschungsfrage zu stellen:

Sind autokratisch geführte Entwicklungsländer wirtschaftlich erfolgreicher als demokratische Entwicklungsländer?

Die folgende Arbeit baut sich wie folgt auf. Kapitel 2 gibt einen Literaturüberblick über verschiedene Aspekte und wissenschaftliche Arbeiten zum Themengebiet Wachstum und politische Regime. Im 3. Kapitel soll die Theorie zum Themengebiet dargestellt werden, bevor in Kapitel 4 das Forschungsdesign dargelegt wird. Im 5. Kapitel soll die Analyse für die zu untersuchenden Länder durchgeführt werden, bevor in Kapitel 6 das Fazit gezogen werden soll.

2. Literaturüberblick

Eine Vielzahl von wissenschaftlichen Arbeiten befasst sich aus den unterschiedlichsten Perspektiven mit dem Einfluss des Regimetyps auf das Wirtschaftswachstum eines Landes. Beispielhaft sollen hier einige Arbeiten vorgestellt werden.

In der Arbeit von Salhi & Bolle (2007) wird die Bedeutung des Wirtschaftswachstums eines Landes unter dem Aspekt betrachtet, dass sowohl die politischen Akteure autokratischer und demokratischer Regime daran interessiert sind ein wirtschaftliches Wachstum zu erreichen, um die Unzufriedenheit der Bevölkerung zu minimieren und damit ihr eigenes Interesse im Amt zu bleiben verfolgen. Ansonsten setzen sich die politischen Akteure im autokratischen und demokratischen System der Gefahr aus bei fehlendem wirtschaftlichem Erfolg ihre Macht durch Revolution, Putsch oder Wahl zu verlieren. Ein prinzipieller Unterschied zwischen den politischen Systemen auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes wird von Salhi & Bolle (2007) nicht festgestellt.

Comeua (2003) widmet sich in seiner Arbeit der Frage, welche politischen Faktoren einen positiven Einfluss auf das Wirtschaftswachstum eines Landes haben. Er kommt zu dem Ergebnis, dass die Erklärungskraft des betrachteten neoklassischen Wachstumsmodells durch Faktoren, wie Regimetyp, Grad der ökonomischen Freiheit, Bestand an Humankapital und geografische Lage eines Landes erhöht werden kann.

Quibria (2003) stellt in einer komparativen Arbeit die beiden Regionen Südasien und Ostasien gegenüber. Die Arbeit soll Einblicke geben, welche Policy[4] und Institutionen entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg von Entwicklungsländern sind. Quibiria (2003) stellt fest, dass autokratische Regime im asiatischen Raum augenscheinlich eine bessere wirtschaftliche Entwicklung nehmen, als sie durch demokratische Regime erreicht werden. Die Schlussfolgerung, dass autokratische Regime einem demokratischen Regime vorzuziehen sind, verneint er jedoch. Vielmehr ist ein gut funktionierendes demokratisches Regime genauso förderlich für die wirtschaftliche Entwicklung eines Entwicklungslandes. Zugleich sieht er keinen kausalen Zusammenhang zwischen einem autokratischen Regime und einer positiven Entwicklung eines Landes.

Acemoglu et al. (2005) stellen allgemein die Auswirkungen der ökonomischen Institutionen auf die Entwicklung einer Volkswirtschaft dar. Anhand von einzelnen Ländern und deren Historie werden unterschiedliche Entwicklungen von Ländern dargestellt. Die Ausgestaltung ökonomischer Institutionen wird als Ursache dafür angesehen, wie sich ein Land langfristig entwickelt, da sie die Anreizstrukturen und Restriktionen für die ökonomischen Akteure eines Landes bestimmen. Unter ökonomischen Institutionen versteht Acemoglu et al. (2005) die Struktur der Eigentumsrechte und das Vorhandensein von funktionierenden Märkten. Die Gestaltung von ökonomischen Institutionen hängt wiederum von der Konzeption der politischen Institutionen oder vielmehr von der Verteilung der politischen Macht ab. Während sich Acemoglu et al. (2005) den Auswirkungen von politischen und ökonomischen Institutionen widmen, betrachtet Barro (1996) die Auswirkung von Demokratie auf das Wachstum eines Landes. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Demokratie für ein Land mit einem niedrigen Grad an politischer Freiheit das Wachstum leicht positiv beeinflusst, während die Auswirkungen auf das Wachstum eines Landes mit einem hohen Grad an politischer Freiheit eher negativ sind. Somit folgert Barro (1996), dass Demokratie eine Art Luxusgut darstellt, das sich Staaten „leisten" können, die bereits einen hohen Lebensstandard erreicht haben und auf ein weiterhin hohes Wachstum verzichten können. Daraus wird für die Entwicklungsländer gefolgert, dass die Demokratisierung eines Entwicklungslandes nicht den entscheidenden Faktor für dessen wirtschaftliche Entwicklung darstellt. Vielmehr wird umgekehrt ein Schuh daraus. Zunächst müssen ökonomische Rahmenbedingungen gesetzt werden, die zu Wirtschaftswachstum führen, sodass sich ein Entwicklungsland mit zunehmender Prosperität mehr Demokratie leisten kann. Barro (1996) verweist hierzu auf europäische Länder, die zu Beginn ihrer wirtschaftlichen Entwicklung meist noch selbst autokratisch geführte Länder waren. Die Studie von Persson & Tabellini (2006) kommt zu einem stärkeren Effekt von Demokratie auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, als dies Barro (1996) festgestellt hat. Insbesondere bei einer autokratischen Transformation stellen sie einen negativen Effekt auf das Wachstum von zwei Prozentpunkten fest.

Unter dem Aspekt der Demokratisierung eines Landes fragen sich Papaioannou & Siourounis (2008) in ihrer Arbeit, welche Auswirkung diese auf das Wachstum eines Landes hat. Ein Ergebnis ist, dass das Wachstum in Demokratien, die sich in der Transformation ihres politischen Systems befinden, gering ausfällt. Nach einer gewissen Zeit und der Etablierung eines demokratischen Systems steigt jedoch das Wirtschaftswachstum an. Somit kommen sie zu dem selben Schluss wie Friedrich Hayek (1960), dass der wirtschaftliche Nutzen einer Demokratisierung erst langfristig sichtbar wird.

In der Arbeit von Nannicini & Ricciuti (2010) werden Länder und deren wirtschaftliche Entwicklung verglichen, die sich zu unterschiedlichen Zeiten in einer Transformation von einem demokratischen zu einem autokratischen System befanden. In ihrer Arbeit kommen sie zu dem Ergebnis, dass sich bei den betrachteten Ländern, die eine solche Transformation durchlaufen haben, nahezu gleich große Gruppen bilden, die einen insignifikanten, positiven oder negativen Effekt auf das Wirtschaftswachstum erfahren haben. Bei dem Auftreten von negativen Effekten kommt es mit der Zeit zu einer zunehmenden Verschlimmerung der Entwicklung. Gerade für afrikanische Staaten gilt, dass sie durch eine autokratische Transformation besonders negativ betroffen sind.

Die Studie von Nkurunziza & Bates (2003) betrachtet den Einfluss von Regimetyp, Stabilität und Gewalt auf das Wirtschaftswachstum afrikanischer Länder. Sie kommen zu dem interessanten Ergebnis, dass die politische Stabilität und der Regimetyp Einfluss auf das Wirtschaftswachstum haben.

Zu guter Letzt soll die Arbeit von Guillaumont et al. vorgestellt werden, die selbiges wie Nkurunziza & Bates (2003) untersuchen nur unter umgekehrten Vorzeichen. Daher stellen sie sich die Frage, wie Instabilität das Wachstum afrikanischer Länder beeinflusst. Sie kommen zu dem gleichen Schluss wie Nkurunziza & Bates (2003), dass die politische Instabilität das geringe Wachstum von afrikanischen Staaten zu einem Teil erklären kann. Eine weitere Arbeit zum Einfluss der Instabilität eines Regimes ist die von Alessina et al. (1992), sie kommen zu einem negativen Zusammenhang zwischen der Stabilität und dem Wachstum eines Landes.

Die hier vorgestellten Arbeiten sollen einen Überblick zu verschiedenen Arbeiten geben, die den Einfluss von Regimetypen und den damit verbundenen Faktoren auf das wirtschaftliche Wachstum eines Landes betrachten. Im folgenden Abschnitt soll sich der theoretischen Grundlage von Wachstum und der Auswirkung von verschiedenen Regimetypen und deren Stabilität zugewendet werden.

3. Theorie

Die theoretische Grundlage für die Seminararbeit ist allgemein im Bereich der politischen Ökonomie zu verorten. Hinzukommen Strömungen der allgemeinen Wachstumsökonomie, wie der Institutionenökonomie und der Entwicklungsökonomie. In der wissenschaftlichen Betrachtung wurde in den 50er und 60er Jahren die Kapitalakkumulation als wichtigste Determinante des Wachstums angesehen. In den 70er und 80er Jahren stand die Implementierung von verschiedenen Policies durch Regierungen im Fokus, die zu Wachstum führen sollen bevor der wissenschaftliche Fokus dazu überging die Gestaltung der Institutionen als eine wichtige Determinante anzusehen (Meier & Stiglitz 2000, S. 51 f.). Studien zu diesem Themengebiet (z.B. Przeworski & Limongi 1993, Helliwell 1994, Haan de 2007) betrachten als weiteren Einflussfaktor die Stabilität eines Regimes, dabei wird die politische Stabilität entweder nach der Häufigkeit von Regime- bzw. Regierungswechsel oder von gewaltsamen Ausschreitungen gewertet. Nach Obinger (2006, S.140) ist der gemeinsame Nenner der Studien, die sich mit der politischen Instabilität eines Landes befassen, „dass lediglich hochgradige politische Instabilität die ökonomische Entwicklung bremst". Gerade in Demokratien müssen häufige Regierungswechsel nicht unbedingt negative Auswirkungen auf die Entwicklung eines Landes haben. Die Studie von Bueno de Mesquita (2000) befasst sich mit den Auswirkungen von Regierungswechseln und versucht die oft widersprüchlichen empirischen Ergebnisse zu begründen.

Der Faktor der politischen Instabilität und deren Auswirkung auf das Wirtschaftswachstum eines Landes soll im Analyseteil der Seminararbeit anhand von empirischen Fallbeispielen betrachtet werden. Die Stabilität eines Landes soll anhand der Häufigkeit von Regierungswechseln oder von gewaltsamen Ausschreitungen beurteilt werden. Demnach soll die folgende Hypothese untersucht werden:

Je stabiler das Regierungsregime eines Entwicklungslandes ist, umso größer sind die Erfolgsaussichten für das jeweilige Entwicklungsland zu einem stärkeren Wirtschaftswachstum zu kommen.

Im nächsten Kapitel wird das Forschungsdesign der Seminararbeit dargestellt.

4. Forschungsdesign

Anhand von sieben Entwicklungs- bzw. Schwellenländern soll ein Vergleich in Gestalt einer Längsschnittstudie der jeweiligen wirtschaftlichen Performanz eines Landes und in Abhängigkeit von der Stabilität der Regimetypen Autokratie und Demokratie durchgeführt werden. Die wirtschaftliche Performanz soll in Form des BIP-Wachstums der einzelnen Länder gemessen werden, das argumentativ durch das Pro-Kopf-Einkommen unterstützt werden soll. Grundsätzlich wird zwischen den Regimetypen der Autokratie und der Demokratie unterschieden.

[...]


[1] ASEANContact, Ausgabe Juli 2011.

[2] ASEANContact, Ausgabe Juli 2011.

[3] http://de.statista.com/statistik/daten/studie/14560/umfrage/wachstum-des-bruttomlandsprodukts-m- china/.

[4] Policy im weiteren Sinne umfasst die Entscheidungsinhalte und die Vorgehensweise staatlicher und nicht­staatlicher Institutionen zum Beispiel die Wirtschaftspolitik einer Regierung und die Lohnpolitik von Gewerkschaften und Unternehmensverbändern (Schmidt 1995, S. 726).

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Politische Regime und Wachstum von Entwicklungsländern
Untertitel
Wie wichtig ist die Stabilität eines politischen Regimes?
Hochschule
Universität Mannheim
Veranstaltung
Proseminar Politische Ökonomie
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V177427
ISBN (eBook)
9783640990825
ISBN (Buch)
9783640990870
Dateigröße
680 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklungsländer
Arbeit zitieren
Tobias Kuhlmann (Autor), 2011, Politische Regime und Wachstum von Entwicklungsländern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177427

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Politische Regime und Wachstum von Entwicklungsländern


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden