Exklusion im Blickpunkt auf die Gewerkschaften und die Gewerkschaftsschulen mit Schwerpunkt MigrantInnen


Seminararbeit, 2010

24 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

1. Was sind Gewerkschaften?
1.1. Geschichte der Gewerkschaften in Österreich

2. Gewerkschaftliche Bildungsarbeit
2.1. Gewerkschaftsschule
2.2. Betriebsräteakademie (BRAK)
2.3. Die Sozialakademie (SOZAK)
2.4. Die Zukunftsakademie (ZAK)
2.5. Seminare

3. Demographische Situation in Österreich

4. Teilgewerkschaften und MigrantInnen
4.1. ÖGB-OÖ
4.2. GPA-djp

5. Schlusswort

6. Literaturliste

Einführung:

Gewerkschaften in Österreich und ImmigrantInnen; ihre gewerkschaftlichen Aktivitäten wie Bildungsarbeit, Interessensgemeinschaften und Partizipation. Wie werden sie bei den ImmigrantInnen aufgenommen, sind diese Maßnahmen ein Grund für Inklusion, Exklusion oder doch Exklusion durch Inklusion. Um diese Frage Beantworten zu können, haben wir uns die Gewerkschaften in Österreich seit ihrer Wiedererstehung nach dem zweiten Weltkrieg, die Bildungsarbeiten und die Aktivitäten für die MigrantInnen genauer angeschaut.

Die Analyse dieser Aktivitäten konnte uns nicht genug Aufschluss über das Befinden der betroffenen Gruppen geben, aus diesem Grund fanden wir es für notwendig die betroffenen MigrantInnen zu Wort komme zu lassen. Dies passierte in Form von einigen Interviews. Um möglichst viel über die Meinung der ImmigrantInnen erfahren zu können war es angebracht offene Interviews zu führen, aus diesen wir versucht haben einige Ableitungen, um über die jetzige Lage in den Gewerkschaften eine Meinung haben zu können, durchzuführen.

Dabei haben wir uns als Beispiele die Interessensgemeinschaft work@migration der Gewerkschaft der Privatangestellten Druck Journalismus und Papier, Forum Migration vom ÖGB- Oberösterreich und einige Beispiele vom Österreichischen Gewerkschaftsbund (ÖGB) ausgesucht. Nähere Informationen über die Interessengemeinschaften und im speziellen über die IG work@migration sind im Weiteren Teil enthalten.

1) Was sind Gewerkschaften?

Die Entstehung und der Aufstieg der Gewerkschaftsbewegung volzog sich aus dem Bedürfnis, die unumschränkte Verfügungsgewalt der Kapitalseigner und Produktionsmittelbesitzer über den Menschen einzuschränken.

Demnach sind Gewerkschaften Vereinigungen von Arbeitnehmern zur Durchsetzung ihrer Interessen.

Das Prinzip der Gewerkschaften ist die Organisation vieler Menschen, also das Organisieren der Masse. Hierbei vereinigen die Gewerkschaften zwei Gedanken:

- Solidarität und
- Effektive Interessenwahrung

Das Hauptziel der gewerkschaftlichen Aktivitäten ist die Hebung des Lebensstandarts aller ArbeitnehmerInnen. Um dies zu erreichen, obliegen Gewerkschaften folgende Funktionen:

- Gestaltungsfunktion
- Gegenmacht
- Schutzfunktion

In über 150 Jahren gingen die Gewerkschaften einen weiten Weg. Von der Illegalität bis zur Staatstragenden Kraft. Heute ist die Gewerkschaftsbewegung eine Interessensvertretung, deren Notwendigkeit und Nützlichkeit grundsätzlich allgemein anerkannt ist – auch von der Organisation der früher „bekämpften“ Arbeitgeber, der Bevölkerung und allen politischen Parteien.

1.1. Geschichte der Gewerkschaften in Österreich

Noch während der „Kampf um Wien“ tobte, trafen sich in der Wohnung des späteren Vorsitzendenstellvertreters der Gewerkschaft der Bau- und Holzarbeiter, Josef Battisti, einige Vertrauens-Männer der ehemaligen Freien Gewerkschaften und besprachen die Gründung einer neuen Gewerkschaftsbewegung.

Bei Battisti kamen damals die Kollegen Böhm, Gottlieb, Pfeffer und Vitzhum zusammen. Diese Kollegen waren sich darüber einig, dass die neue gewerkschaftliche Organisation sofort in Angriff genommen und ein möglichst großer Kreis ehemaliger Gewerkschafter dafür gewonnen werden müssen.

Bei der – ebenfalls in Battistis Wohnung abgehaltenen – Zusammenkunft am 13. April (dem Tag der endgültigen Befreiung Wiens von der nationalsozialistischen Herrschaft) waren dann auch schon 17 ehemalige Vertrauensleute anwesend; am nächsten Tag wurden es noch mehr. Sowohl von Seiten der Kommunistischen wie der ehemaligen Christlichsozialen Partei (die ÖVP wurde erst am 17. April gegründet) wurde der Wunsch ausgesprochen, an den Besprechungen teilzunehmen. Dem Wunsch wurde entsprochen, und so waren bereits bei dieser ersten beschlussfassenden Sitzung Ge­werkschafter der beiden politischen Richtungen anwesend.

Josef Battisti erinnerte sich später an die ersten Schritte zur Gründung des ÖGB: „Wir saßen im Hauskeller, als am 7. April die Nachricht kam: ,Die Russen sind da!‘ In den nächsten Tagen gab es über unsere Köpfe hinweg ein Artillerieduell zwischen den Russen am Gürtel und der SS am Donaukanal. Wir haben es unversehrt überstanden. Am 11. April klopfte es an meiner Wohnungstür; Johann Böhm war gekommen, um sich nach unserem Schicksal zu erkundigen. Stunden später kamen auch die Kollegen Anton Vitzhum und Franz Pfeffer zu mir ... Böhm entwickelte vor uns sofort seine Pläne, die Gewerkschaftsbewegung neu aufzubauen. ... Es gelang uns, ehemalige Vertrauensmänner auch anderer Berufsgruppen zu verständigen. Bei der Zusammenkunft am 1. April kamen 17 Kollegen zu mir, darunter auch Franz Haider, ein Vertreter der christlichen Arbeiter, beim Treffen am 14. April nahm auch der kommunistische Lederarbeiter Gottlieb Fiala teil. Haider und Fiala erklärten, dass ihre Gruppen an einem einheitlichen Österreichischen Gewerkschaftsbund mitarbeiten wollten.“

Auf Vorschlag von Johann Böhm wurde ein Ausschuss eingesetzt, der einen Statutentwurf ausarbeiten sollte und sofort mit seiner Tätigkeit begann.

Der vorbereitende Ausschuss setzte sich aus folgenden Kollegen zusammen: Johann Böhm (Bauarbeiter) / Johann Smeykal (Eisenbahner) / Andreas Götel (Bauarbeiter) / Gottlieb Fiala (Lederarbeiter) / Wilhelm Janisch (Eisenbahner) / Adolf Weigelt (Buchdrucker) / Robert Pipelka (Chemiearbeiter) / Julius Uhlirs (Land­ und Forstarbeiter) / Anton Gottlieb (Kaufmännischer Angestellter) / Robert Hunna (Eisenbahner, für die KPÖ) / Franz Haider (Eisenbahner, für die ehemalige Christlichsoziale Partei). Gleichzeitig mit den Beratungen um die Errichtung einer zentralen Organisation setzten die Bemühungen zur Errichtung gewerkschaftlicher Fachgruppen ein, sodass der Statutentwurf dann schon Vertretern aller späteren Gewerkschaften vorgelegt werden konnte. Rasch nacheinander folgten in den nächsten Tagen Sitzungen und Konferenzen, auf denen die Voraussetzungen für die Gründung des ÖGB geschaffen wurden.

Am 15. April 1945 fand dann im Wiener Direktionsgebäude der Westbahn jene Konferenz der Gewerkschaftsvertrauensleute statt, in der die Gründung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes offiziell beschlossen wurde.

Auf der Konferenz vom 1. April wurde auch die erste Fassung der ÖGB Statuten angenommen. Sie sah noch die Erfassung der Mitglieder in 14 Gewerkschaften vor. Mitglieder des ÖGB konnten alle Berufstätig sein,

soweit sie unselbstständig waren ohne Unterschied der Parteirichtung, ausgenommen ehemalige nationalsozialistische Funktionäre.

Die provisorische Leitung setzte sich aus je einem Vertreter der Industriegruppen (also der sich bildenden Gewerkschaften) zusammen. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Johann Böhm gewählt, zu seinen Stellvertretern Alois Weinberger (aus dem ehemaligen christlichsozialen Lager) und Gottlieb Fiala (aus den Reihen der KPÖ). Die laufenden Geschäfte sollte einstweilen ein Aktionsausschuss besorgen.

Mit der Entscheidung vom 1. April war die Gründungsphase des ÖGB aber noch keineswegs abgeschlossen. Einerseits galt es, die Sonderinteressen und die damit verbundenen Wünsche der politischen Richtungen und der Berufsgruppen aufeinander abzustimmen, andererseits konnte die Gründung des „Vereins Österreichischer Gewerkschaftsbund“ erst mit der Genehmigung durch die sowjetische Besatzungsmacht rechtskräftig werden.

Am 30. April sprach eine aus Böhm, Fiala, Weinberger und dem damaligen Vorsitzenden der Gewerkschaft der Eisenbahner, Smeykal, bestehende Deputation bei der sowjetischen Militärkommandatur vor, um die Genehmigung zur Gründung des Österreichischen Gewerkschaftsbundes einzuholen. Noch am 30. April 1945 erteilte die sowjetische Militärkommandatur die Genehmigung zur Gründung des ÖGB. Damit wurde der Beschluss vom 15. April rechtskräftig.

Gleichfalls am 30. April fand eine Sitzung der provisorischen Leitung statt, in der Böhm über die Genehmigung berichtete und mitteilte, dass die Verhandlungen mit den Vertretern der Österreichischen Volkspartei und der Kommunistischen Partei zu einer Einigung geführt hatte. Die dargestellte Entwicklung zeigt, dass der Aufbau des Gewerkschaftsbundes keineswegs reibungslos vor sich ging. Die speziellen Wünsche der einzelnen Berufsgruppen und das Bestreben der politischen Richtungen, sich einen möglichst großen Einfluss zu sichern, machten trotz des grundsätzlichen Willens zur Zusammenarbeit eine Einigung schwierig. Manche Vereinbarungen, die in der ersten Zeit getroffen wurden, mussten später revidiert werden. Aber letzten Endes erwiesen sich Vernunft und Solidarität doch als stärker.

Um die von den alliierten Siegern über das „Dritte Reich“ kontrollierte Großindustrie für den Wiederaufbau zu sichern, setzte sich der ÖGB für ihre Verstaatlichung ein. Er befürwortete auch die Beteiligung Österreichs am Marshall-Plan. Auf sozialpolitischem Gebiet hatte Karl Meisel, ein Metallarbeiter, als Sozialminister besondere Bedeutung bei der Installierung der gesetzlichen Absicherung der Alterspension für ArbeiterInnen. Weitere Soziale Verbesserungen aus dieser Zeit waren wie das Kollektivvertrags- Gesetz aus dem Jahr 1947. Somit fixierte das Recht dem ÖGB und seinen Gewerkschaften verbindliche Verträge abschließen zu können.

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Exklusion im Blickpunkt auf die Gewerkschaften und die Gewerkschaftsschulen mit Schwerpunkt MigrantInnen
Autoren
Jahr
2010
Seiten
24
Katalognummer
V177467
ISBN (eBook)
9783640991693
ISBN (Buch)
9783640991860
Dateigröße
470 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inklusion/Exklusion, Gewerkschaft, Gewerkschaftsschulen, MigrantInnen, MigrantInnen-Gewerkschaften
Arbeit zitieren
Mehmet Soytürk (Autor)Ramazan Bingül (Autor), 2010, Exklusion im Blickpunkt auf die Gewerkschaften und die Gewerkschaftsschulen mit Schwerpunkt MigrantInnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177467

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