Wirtschaftliche Autarkie und Kooperation in Hesiods "Werken und Tagen"


Hausarbeit, 2011
38 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hesiod und die „Werke und Tage“
2.1 Personenbeschreibung
2.2 sozialer Status
2.3 Inhalt und Struktur der Erga

3. Erscheinungsformen wirtschaftlicher Eigenständigkeit und Zusammenarbeit
3.1 Oikos-Wirtschaft
3.2 Subsistenzwirtschaft
3.3 Nachbarschaftliche Konkurrenz
3.4 Nachbarschaftliche Solidarität
3.5 Wechselseitiges Geben und Nehmen

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„The Greeks of the ninth and eight century were hardly in a ‘state of nature’, but they do give us a chance to see, from almost the very beginnings, the development of a political society and of a cultural identity.”[1] Mit dieser Aussage verweist Osborne auf einen nachhaltigen Wandel, den die griechische Zivilisation im Verlauf der Archaischen Epoche durchlaufen hat.[2] Waren die Hellenen im 8. Jahrhundert noch ein „ziemlich weit zurückgebliebenes Volk am Rande der Kulturwelt“[3], entwickelten sie sich in kultureller, politischer, wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht zum Ende des 6. Jahrhunderts zur fortgeschrittensten Zivilisation jener Zeit.[4] Dieser Aufstieg ging seit dem Ende des 8. Jahrhunderts mit einem gewaltigen wirtschaftlichen Aufschwung einher.[5]

Osborne‘s Hinweis auf die Möglichkeit, die Strukturen dieser Entwicklung zu ergründen, resultiert aus der einsetzenden literarischen Schriftlichkeit.[6] Die Historiker können mit Beginn des 8. Jh. erstmals neben archäologischen Befunden auch auf literarische Quellen zur Erforschung der griechischen Kultur zurückgreifen.[7] Aus diesem Zeitraum sind die großen Epen von Homer (Illias/Odyssee) und Hesiod (Theogonie/Werke und Tage[8] ) überliefert.[9] Beide Autoren tragen zu einem vielfältigen Bild der zeitgenössischen griechischen Gesellschaft bei, gleichwohl gewichtige Unterschiede zwischen den Dichtern bestehen.[10] Vordergründig gilt zu beachten, dass Hesiod die Zustände einer realen Gesellschaft schildert, während das homerische Gesellschaftsbild auf einer künstlichen Wirklichkeit im vorausgegangenen Heroenzeitalter basiert.[11] Die Unterschiede in der Historizität der Darstellungen gehen mit verschiedenen inhaltlichen Perspektiven einher. Grundsätzlich schildert Homer die Gesellschaft aus Sichtweise der aristokratischen Elite, während Hesiod das Leben der arbeitenden Bauernschaft beschreibt.[12]

Obwohl beide Dichter Einblicke in wirtschaftliche Strukturen[13] geben, soll sich im Folgenden auf die Schilderungen in Hesiods Erga konzentriert werden. Insofern steht vor allem seine Beschreibung zur bäuerlichen Existenz in einer agrarischen Wirtschaftsstruktur im Mittelpunkt der Betrachtung.[14] Zielstellung dieser Arbeit ist es, die ökonomischen Sachverhalte in der Erga hinsichtlich eines Schwerpunktes zu untersuchen: Es soll die Frage geklärt werden, inwiefern der einzelne Bauer bei Hesiod eigenständig wirtschaftete beziehungsweise wie abhängig er diesbezüglich von Anderen war. Hieraus können Schlussfolgerung zum Verhältnis von wirtschaftlicher Autarkie und Kooperation bei den hesiodischen Bauern gezogen werden.

In einem ersten Schritt werden zunächst relevante Hintergrundinformationen zum Dichter und seiner Erga gegeben. Neben der inhaltlichen Ausrichtung der Erga steht hierbei die Frage im Mittelpunkt, wer Hesiod war und aus welcher gesellschaftlichen Perspektive er die Handlung beschreibt. Diese Aspekte tragen zu dem besseren Verständnis der ökonomischen Textinhalte bei.

In einem zweiten Schritt sollen wirtschaftliche Aspekte in der Erga hinsichtlich des Untersuchungsschwerpunktes herausgearbeitet werden. Wesentliche Einblicke in die Eigenständigkeit der Bauern liefern Hesiods Schilderungen zur Oikos –und Subsistenzwirtschaft. Die anschließenden Ausführungen zur nachbarschaftlichen Konkurrenz erweitern auf der einen Seite das Bild einer individualisierten Wirtschaftsweise. Auf der anderen Seite werden jedoch auch Abhängigkeiten zwischen den einzelnen Oikoi sichtbar und die Perspektive auf die Oikos-Außenwelt gelenkt. In den letzten beiden Gliederungspunkten soll der Charakter der nachbarschaftlichen Beziehungen untersucht werden. Anhand der Aussagen Hesiods zum nachbarschaftlichen Verhältnis werden Formen der dörflichen Solidarität und deren Auswirkungen für die die wirtschaftliche Zusammenarbeit beschrieben.

Im abschließenden Fazit wird schließlich das Verhältnis zwischen wirtschaftlicher Autarkie und Kooperation bei Hesiod zusammengefasst.

2. Hesiod und die „Werke und Tage“

2.1 Personenbeschreibung

Um die Person des Hesiod und sein Leben ranken sich zahlreiche Legenden und Geschichten.[15] Dieser Umstand ist vor allem der wenigen authentischen Belege geschuldet, die im Zusammenhang mit der Vita des historischen Hesiod aufzufinden sind.[16] So hinterließ er in seinen Epen Hinweise auf bestimmte historische Landschaften und Ereignisse, die eine geografische und zeitliche Verortung Hesiods ermöglichen.[17] Ferner lässt Hesiod auch biographische Angaben[18] in seinen Werken einfließen, über deren Authentizität die Historiker jedoch streiten.[19] Hierbei ist es für das Verständnis der Textinhalte weniger wichtig zu ergründen, ob der historische und literarische Hesiod identisch ist.[20] Bedeutend bleibt vielmehr, dass die Interpretation der hesiodischen Epen durch sein biographisches Element stark beeinflusst wird, selbst wenn hierbei literarische Elemente einfließen sollten.[21] Nisbet bringt diesen Sachverhalt folgendermaßen auf den Punkt: „…the autobiographical trimmings of Works and Days are ‚true or anyway true enough’”.[22] Insofern scheint eine knappe Darstellung seiner biographischen Einarbeitungen sinnvoll.

Im Proömium der „Theogonie“ schildert Hesiod, wie ihn die Musen zum Dichter berufen haben. Diese hätten ihm die schönen Gesänge einst gelehrt, während er am Fuße des heiligen Berges Helikon Lämmer hütete.[23] Für den Untersuchungszusammenhang dieser Arbeit ist es relevant, dass sich Hesiod in seiner Jugendzeit als Schafhirte ausweist. Somit ordnet er sich „einem mit äußerster Geringschätzung bedachten Berufsstand zu. […] Das Moment des Autobiographischen leitet schon hier ganz unmittelbar zu dem der sozialen Determinante und des Werksinhalts über.“[24] Schmidt hebt hierbei einen Perspektivwechsel hervor, den Hesiod im Vergleich zu Homer durch seine Bezugnahme zu den ärmlichen Bevölkerungskreisen unternimmt.[25]

Darüber hinaus enthält die Erga Informationen über die Familienverhältnisse von Hesiod. Vom Vater erfährt man, dass er aus dem aiolischen Kyme im Westen Kleinasiens stammte.[26] Wegen der „ bitteren Armut[27] habe er Kyme verlassen und dann in Askra eine neue Existenz aufgebaut. Einst soll es der Vater als Seehändler in Kyme verfehlt haben, für seinen Lebensunterhalt zu sorgen.[28] In Askra brachte er es als Bauer jedoch zu einigem Vermögen[29], welches er nach seinem Tod den zwei Söhnen - Hesiod und Perses - hinterließ.[30] Zwischen den Brüdern entwickelt sich in der Folge ein Rechtsstreit über die Besitzaufteilung des väterlichen Erbes. An dieser Stelle setzt die eigentliche Handlung der Erga an.[31]

Schmidt schlussfolgert aus dem Verweis auf den Besitz landwirtschaftlichen Bodens bei Hesiod: „Der Hirt, als den sich Hesiod in der ‚Theogonie‘ eingeführt hat, erweist sich genauer als Grundeigentümer, als Bauer.“[32] In der Tat legen die autobiographischen Angaben nahe, Hesiod im bäuerlichen Milieu anzusiedeln.[33] Es ist jedoch vom großen Erkenntnisinteresse zu ergründen, ob diese Zuschreibung zutreffend ist. Osborne verdeutlicht die Relevanz nach der Frage, welcher sozialen Schicht der Dichter angehört und wer[34] somit von ihm angesprochen werden sollte: „The concern of Works and Days with morality in action could only be effective if the action in question was set in social, economic, and political circumstances familiar to Hesiod’s audience. This makes the poem particularly important for the historian.“[35] Folglich wird die Interpretation der hesiodischen Aussagen maßgeblich von seiner gesellschaftlichen Stellung beeinflusst. Insofern erscheint eine ausführlichere Darstellung diesbezüglicher Forschungsmeinungen sinnvoll.

2.2 sozialer Status

Lange Zeit blieb die Vorstellung, dass Hesiod als ein Bauer die bäuerliche Gesellschaft von Askra beschreibt, von jedem Zweifel erhaben. Zur Begründung wurde eine typisch bäuerliche Beschränktheit angeführt, die sich in seiner Wortwahl und der generellen Lebensauffassung niederschlagen würde. Daneben nahm Hesiod eine Schlüsselrolle für die vergleichende Untersuchung von antiken und modernen griechischen Bauern ein.[36]

Diese traditionelle Auffassung über Hesiods Herkunft veränderte sich in den 1970er Jahren nachhaltig. Mele und Bravo stellten die frühere Ansicht grundlegend in Frage und sahen Hesiod als einen verarmten Aristokraten, der für eine adelige Zuhörerschaft spricht, die sich in wirtschaftlicher Not befindet. Unter anderem begründet sich deren Annahme in einer Textzeile, die Perses – und somit auch den Blutsverwandten Bruder – als hochgeboren[37] ausweist. Die Zuweisung einer höheren Geburt führt nach Bravo zum Status eines Adeligen, weil in den homerischen Epen nur Göttern und Heroen eine solche Geburt vorbehalten gewesen sei. Von diesem Standpunkt schlussfolgert Bravo, dass Hesiods adeliger Vater aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten verarmte und deshalb nach Askra übersiedelte. Insofern verfolge Hesiods Erga den Zweck, dass sich die verarmten Aristokraten ihrem Schicksal fügen und das Beste aus ihrer schwierigen Lage machen sollten. Des Weiteren deutet Bravo die Unerfahrenheit des Perses als Zeichen dafür, dass er nicht aus dem bäuerlichen Milieu stammen könne, weil er sonst nicht zu bäuerlichen Idealen belehrt werden müsste. So hätte man einem wahren Bauern nicht erklären müssen, dass es in der Landwirtschaft harter Arbeit bedarf.[38]

Millet liefert meines Erachtens eine plausible Widerlegung der aristokratischen Herkunftstheorie. Zum einen verweist er auf die Möglichkeit, dass die Erga die Niederschrift eines mündlichen Gedichtes[39] sei, indem hochgeboren ursprünglich eine abgeschwächte Bedeutung gehabt haben könnte. Daneben müssten die hesiodischen Instruktionen zur bäuerlichen Tätigkeit nicht unmittelbarer Ausdruck einer neuen sozialen Positionierung bei Perses sein. Denn selbst in der Illias zeige Achilles anderen Aristokraten, wie man sich zu verhalten habe. Ferner führt er die zahlreichen Passagen an, in denen eine feindliche Grundstimmung[40] gegenüber den Aristokraten auszumachen sei.[41] Schlussfolgernd stellt er fest: „I find it difficult to see Hesiod as a supporter of the aristocracy, and impossible to see him as an aristocrat himself.“[42] Dieser eindeutigen Stellungnahme schließt sich Stein-Hölkeskamp an. Sie erweitert die Kritik an der aristokratischen Abstammungsthese sogar, indem sie schwere körperliche Arbeit als soziales Differenzierungsmerkmal anzweifelt.[43] Insofern ist es falsch anzunehmen, dass Perses nur deswegen eine schlechte Arbeitsmoral besaß, weil er als Adeliger die Prinzipien harter Arbeit nicht kennen gelernt hat.[44]

Auch Starr zweifelte die bäuerliche Herkunft von Bauern an. Er ordnete ihn stattdessen einer Gruppe zu, die er mit dem Ausdruck „semi-aristocrats“ umschrieb. Demnach entstamme Hesiod aus einer sozialen Mittelschicht, die zwar mit den Aristokraten verglichen werden könne, deren Mitglieder jedoch weniger gut gestellt und hochgeboren seien. Zur Begründung dieser Annahme hebt Starr die Vielzahl unabhängiger Landeigner bei Hesiod hervor, die reich genug gewesen seien, Sklaven und Ochsen zu halten, Tagelöhner anzustellen und teuren Wein zu importieren. Dementsprechend könne Hesiod kein Bauer gewesen sein, weil er dafür zu wohlhabend gewesen wäre.[45]

Millet kritisiert diese Gleichsetzung von Bäuerlichkeit und Armut. Er verweist hierbei auf Studien zu bäuerlichen Gesellschaften, die eine ungleiche Verteilung der Besitzverhältnisse innerhalb der Bauernschaft als gewöhnlichen Zustand ausweisen. Demnach hätten auch in der Antike sowohl arme als auch reiche Bauern nebeneinander existiert. Bäuerlichkeit und Wohlstand stünden also nicht im Widerspruch zueinander.[46]

Insbesondere verteidigt Millet die bäuerliche Herkunft des Hesiod, weil bestimmte Inhalte in der Erga nur unter der Prämisse einer bäuerlichen Perspektive Sinn ergeben würden: „The Works and Days … presents a coherent system of values and institutions only if it is assumed that Hesiod ist describing a peasent community.“[47] Folgerichtig führt für Millet kein Weg daran vorbei, Hesiod als Bauer aufzufassen, der eine bäuerliche Gesellschaft beschreibt.[48]

[...]


[1] Osborne, R.: Greece in the making. 1200 – 479 BC, London 1996, S. 3.

[2] Der Zeitraum der Archaischen Epoche soll der Periodisierung der griechischen Geschichte bei Stahl folgen: 8. Jh. v. Chr. (Homer) bis ca. 500 v. Chr. Vgl. Stahl, M.: Gesellschaft und Staat bei den Griechen. Archaische Zeit, Paderborn 2003, S. 11.

[3] Gschnitzer, F.: Griechische Sozialgeschichte. Von der mykenischen bis zum Ausgang der klassischen Zeit, Wiesbaden 1981, S. 48.

[4] Vgl. Ebd., S. 49.

[5] Hasebroeck, J.: Staat und Handel im alten Griechenland. Untersuchungen zur antiken Wirtschaftsgeschichte, Hildesheim 1966, S. 45.

[6] Vgl. Osborne 1996, S. 3.

[7] Vgl. Murray, O.: Das frühe Griechenland. Übers. aus dem Engl. von Kai Brodersen, 4. Aufl. München 1991, S. 45.

[8] Das hesiodische Epos „Werke und Tage“ wird in dieser Arbeit in Hinblick auf die griechischen Originalbezeichnung mit „Erga“ abgekürzt.

[9] Neben diesen Hauptwerken werden beiden Autoren weitere Werke zugeschrieben, deren rechtmäßige Zuweisung jedoch kontrovers diskutiert wird. Die exakte Datierung der Werke von Homer und Hesiod ist ebenfalls Bestandteil der Forschungsdiskussion. Vgl. Arighetti, G.: Der Neue Pauly. Enzyklopädie der Antike. Bd. 5, Stuttgart/Weimar 1998, s. v. Hesiodos; Latacz, J.: DNP 5 (1998), s. v. Homerus. Einen Überblick zur „homerischen Frage“, die neben der Datierung auch Fragestellungen zur Urheberschaft und Einheitlichkeit der Werke Homers beinhaltet, bietet Schadewaldt, W.: Von Homers Welt und Werk. Aufsätze u. Auslegungen zur homerischen Frage, Stuttgart 1965. Für diese Arbeit bleibt die Feststellung ausreichend, dass die homerischen Werke zeitlich vor Hesiod anzusiedeln sind. Vgl. Arighetti 1998, Sp. 506. Zu den Informationen zum Werk und Vita von Hesiod vgl. S. 6 f. dieser Arbeit.

[10] Sowohl Homer als auch Hesiod können als Quelle für das Gesellschaftsbild des ausgehenden Dunklen Zeitalters zu Rate gezogen werden. Vgl. Murray 1991, S. 48. Zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Homer und Hesiod vgl. Gehrke, H.-J. [Hrsg.]: Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, 2. Aufl. Stuttgart/Weimar 2006, S. 77-88; Marsilio, M. S.: Farming and Poetry in Hesiod’s Works and Days, Lanham 2000, S. XVII f.; Schmidt, E. G.: Einführung. In: Hesiod: Theogonie. Werke und Tage. Griechisch und deutsch. Hrsg. u. übers. von Albert von Schirnding, München 1991, S. 155.

[11] Vgl. Murray, S. 45 ff. Insbesondere sind Rückschlüsse auf die hesiodische Gegenwart aus der Erga zu ziehen. Vgl. Millet, P.: Hesiod and his world. In: Proceedings of the Cambridge Philological Society 210 (1984), S. 85 f. Zu den Gründen, warum homerische Gesellschaft und homerische Gegenwart unterschieden werden müssen vgl. Raaflaub, K. A.: Homeric Society. In: Morris I./Powell B. B. [Hrsg.]: A New Companion to Homer, Leiden/New York/Köln 1997, S. 624-628. R. betont, dass die Beschreibungen Homers dennoch historische Aussagen zulassen, da die politischen, wirtschaftlichen, sozialen und religiösen Erscheinungsformen trotz ihrer Fiktion einen realen historischen Ursprung haben müssen. Vgl. ebd., S. 624 ff.

[12] Vgl. Murray 1991, S. 47 f.

[13] Zum wirtschaftshistorischen Wert der Epen von Homer und Hesiod vgl. Audring, G. [Hrsg.]: Oikonomika. Quellen zur Wirtschaftstheorie der griechischen Antike, Darmstadt 2008, S. 11 ff.

[14] Hierbei ist zu betonen, dass antike Gesellschaften vordergründig Agrargesellschaften waren, in denen mehr als zwei Drittel der Bevölkerung auf dem Lande arbeiteten. Vgl. Alonso - Núñez, J.-M.: DNP 12/2 (2003), Sp. 531, s. v. Wirtschaft. Hesiods Zeichnung der bäuerlichen Lebensweise ist somit für weite Bevölkerungskreise relevant. Vgl. Osborne 1996, S. 143. Es sei darauf hingewiesen, dass auch Homer Einblicke in die Agrarwirtschaft gibt, jedoch aus adeliger Perspektive. Vgl. Gehrke 2006, S. 81 ff. Der methodische Ansatz dieser Arbeit ist aber nicht, Hesiod und Homer vergleichend zu betrachten, sondern sich auf die bäuerliche, nichtadelige Perspektive der hesiodischen Schilderungen zu konzentrieren.

[15] Vgl. Erler, M. [Hrsg.]: Die griechische Biographie in hellenistischer Zeit: Akten des internationalen Kongresses vom 26.-29. Juli 2006, Berlin [u.a.] 2007, S. 88. Zum Überblick antiker Quellen mit biographischen Inhalten zu Hesiod vgl. Nagy, G.: Hesiod and the ancient biographical traditions. In: Montanari, F. [Hrsg.]: Brill‘s companion to Hesiod, Leiden [u.a.] 2009, S. 271-312.

[16] Vgl. Arighetti 1998, Sp. 506.

[17] Hesiods Geburt wird auf ca. 750-720 v. Chr. datiert, als Geburts –und Sterbeort die Siedlung Askra in Böotien angenommen. Dort findet auch die Szenerie der Erga statt. Vgl. West, M.: Hesiod. Works & Days. Edited with Prologomena and Commentary by M. L. West, Oxford 1996, S. 30 ff.; Die Erga entstand mit großer Wahrscheinlichkeit um 700 v. Chr. Vgl. Spahn, P.: Oikos und Polis. Beobachtungen zum Prozess der Polisbildung bei Hesiod, Solon und Aischylos. In: Historische Zeitschrift 231 (1980), S. 533.; Schönberger, O.: Nachwort. In: Hesiod: Werke und Tage. Griechisch/Deutsch. Übers. u. hrsg. von Otto Schönberger, Stuttgart 2007, S. 99.

[18] Hesiod spricht an mehreren Stellen seiner Gedichte von sich selbst. Damit ist er der erste Dichter der Antike, der seine eigene Person in die literarische Produktion integriert. Vgl. Erler 2007, S. 88.

[19] Auf die Diskussion über den Wert seiner biographischen Angaben als reale Darstellung oder literarische Fiktion soll in dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden. Für einen Überblick zum Forschungsstand über die Authentizität seiner biographischen Elemente vgl. Nagy 2009, S. 272 ff.; Marsilio 2000, S. 63 f.

[20] Ich beziehe mich auf die Ausrichtung bei Marsilio: „In fact, our ability to recover the virtutes and truths of Theogony and Works and Days is not affected by the mystery of ‚Hesiod’. For it is the Hesiod who is presented in these poems and the poems themselves that matter most. Therefore, it should be assumed that when I speak of ‚Hesiod’, I refer to the ‚Hesiod’ who emerges from the poems.” Marsilio 2000, S. XIII.

[21] Vgl. Erler 2007, S. 88. Vgl. Hierzu S. 13 dieser Arbeit.

[22] Nisbet, G.: Hesiod, Works and Days: A didaxis of deconstruction? In: Greece and Rome 51 (2004), S. 148.

[23] Vgl. Hes. Theog. 22-23. In: Hesiod: Theogonie. Werke und Tage. Griechisch und deutsch. Hrsg. u. übers. von Albert von Schirnding, München 1991.

[24] Schmidt 1991, S. 160 f.

[25] Vgl. ebd.

[26] Vgl. ebd., S. 162; Hes. Erg. 636. In: Hesiod 1991.

[27] Ebd. 637.

[28] Vgl. ebd. 630-637; Marsilio 2000, S. XIV.

[29] Bei der väterlichen Hinterlassenschaft handelte es sich offenbar um beachtlichen Landbesitz. Vgl. Schmidt 1991, S. 161. Hierfür spricht meines Erachtens auch die Tatsache, dass Hesiod selbst nach der Erbteilung über ein gutes wirtschaftliches Auskommen verfügt. Vgl. hierzu S. 11, 15 dieser Arbeit.

[30] Vgl. Schönberger 2007, S. 99.

[31] Vgl. Schmidt 1991, S. 161.

[32] Ebd.

[33] Vgl. Austin, M. M./Vidal-Naquet, P.: Gesellschaft und Wirtschaft im alten Griechenland, München 1984, S. 47 f .

[34] Zur Frage des Adressatenkreises der Erga vgl. Bartlett, R. C.: An Introduction to Hesiod’s Works and Days. In: The Review of Politics 68 (2006), S. 178 f.

[35] Osborne 1996, S. 144.

[36] Vgl. Millet 1984, S. 86. Millet gibt in seinem Aufsatz eine Zusammenfassung der Forschungsmeinungen zur Frage des sozialen Status bei Hesiod. Hierbei führt er verschiedene Historiker an, die im Rahmen dieser Arbeit nicht in aller Vollständigkeit und mit allen Werken Erwähnung finden können. Die innerhalb dieses Kapitels verwendeten indirekten Zitierungen sind demnach - wenn nicht anders gekennzeichnet - Millets Zusammenfassung entnommen. Vgl. ebd., S. 86-90.

[37] „Arbeite, hochgeborener Perses“. Hes. Erg. 298. In: Hesiod 1991.

[38] Vgl. Millet 1984, S. 87 f.

[39] Das Forschungsfeld der „oral poetry“ beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern die epische Diktion von Homer und Hesiod einer vorhandenen mündlichen Tradition unterliegt. Forscher sehen die Erga von Hesiod als ein solches Bindeglied zwischen mündlicher und schriftlicher Dichtung. Dadurch sind Tradierungen von Begriffsbedeutungen denkbar. Vgl. Gehrke 2006, S: 78; Schmitz, W.: Nachbarschaft und Dorfgemeinschaft im archaischen und klassischen Griechenland, Berlin 2004, S. 48; Marsilio 2000, S. XVII f.

[40] Generell sind negative Konnotationen gegenüber den Aristokraten und ihrer Käuflichkeit in der Erga auszumachen. Millet weist darauf hin, dass Hesiod die Adeligen einer krummen Rechtssprechung bezichtigt. Vgl. Hes. Erg. 247-273. In: Hesiod 1991. Daneben werden sie auch als „ gabengierig “ (ebd. 263) bezeichnet. Eine andere Übersetzungsmöglichkeit lautet hierbei „ Geschenkefresser “.

[41] Vgl. Millet 1984, S. 88.

[42] Ebd.

[43] Vgl. Stein-Hölkeskamp, E.: Adelskultur und Polisgesellschaft. Studien zum griechischen Adel in archaischer und klassischer Zeit, Stuttgart 1989, S. 57.

[44] Spahn betont sogar, dass es keine strukturellen Unterschiede zwischen dem Oikos eines Bauern und dem eines Adeligen gab. Demnach unterschieden sie sich nur in quantitativer Hinsicht (Grundbesitz, Personal), nicht aber in der eigentlichen Arbeits- und Wirtschaftsweise. Vgl. Spahn 1980, S. 534. Dem hält Schmitz entgegen, dass ein Aristokrat jederzeit den Oikos verlassen und ausreichend Bedienstete arbeiten lassen konnte, während die Arbeitskraft des Bauern als unentbehrlich galt. Vgl. Schmitz 2004, S. 33. Die Verteilung von Arbeit bedeutet aber meines Erachtens nicht, dass ein Adliger nicht auch die Prinzipien harter Agrararbeit auf dem Oikos kennen müsste.

[45] Millet 1984, S. 88 f.

[46] Vgl. Millet 1984, S. 89.

[47] Ebd., S. 92 f.

[48] Vgl. ebd., S. 89 ff.

Ende der Leseprobe aus 38 Seiten

Details

Titel
Wirtschaftliche Autarkie und Kooperation in Hesiods "Werken und Tagen"
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
38
Katalognummer
V177480
ISBN (eBook)
9783640991761
ISBN (Buch)
9783640991938
Dateigröße
764 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hesiod, Werke und Tage, Erga, Antike, Wirtschaft, Homer, oikos, Subsistenz, Nachbarschaft, Theogonie, primitivistisch, Modernisten, Autarkie, Kooperation, Eigenständigkeit, Zusammenarbeit, Geben und Nehmen, Schenken, Konkurrenz, Solidarität, reziprok
Arbeit zitieren
Erik Neumann (Autor), 2011, Wirtschaftliche Autarkie und Kooperation in Hesiods "Werken und Tagen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177480

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