Die Ozeane sind in Krise. Doch wie wird diese komplexe Umweltkatastrophe der Öffentlichkeit vermittelt? Diese Masterarbeit untersucht, wie Museen und Ausstellungen das Thema Meeresschutz visuell inszenieren – am Beispiel der wegweisenden Ausstellung „Planet Ozean". In einer Zeit, in der Klimaangst und Umweltbewusstsein kulturelle Phänomene sind, spielen Ausstellungen eine zentrale Rolle in der öffentlichen Vermittlung von Umweltzerstörung. Sie sind nicht nur informativ, sondern auch emotional wirksam – sie formen, wie wir die Krise verstehen und erleben. Diese Arbeit dekonstruiert die visuellen Strategien, kuratorischen Entscheidungen und Narrativen der Ausstellung „Planet Ozean" und fragt: Wie wird Umweltzerstörung gezeigt? Welche Bilder werden gewählt, welche ausgelassen? Welche Gefühle sollen ausgelöst werden? Durch eine detaillierte Analyse von Ausstellungsdesign, Fotografie, Videoinhalten, Objektplatzierung und Beschriftungen werden die subtilen Mechanismen der visuellen Persuasion offengelegt. Die Arbeit untersucht, wie Ausstellungen zwischen wissenschaftlicher Vermittlung und emotionalem Appell navigieren – und wo diese Balance gelingt oder scheitert. Sie hinterfragt auch kritisch: Wem nutzt diese Darstellung? Werden Lösungen angeboten oder nur Angst erzeugt? Diese Studie ist unverzichtbar für Kuratoren, Museumsfachleute, Umweltpädagogen und alle, die verstehen möchten, wie visuelle Kultur Umweltbewusstsein formt. Sie bietet konkrete Einblicke in die Macht der Ausstellung als Medium und zeigt, wie Institutionen Verantwortung in der Klimakrise tragen. Die „bedrohten Meere" sind nicht nur ein wissenschaftliches Problem – sie sind eine ästhetische und kulturelle Herausforderung. Diese Arbeit offenbart, wie wir sie sehen lernen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klimakommunikation
2.1. Visuelle Klimakommunikation als spezifisches Feld
2.2. Umwelt- und Dokumentarfotografie
2.3. Typische Bildmotive, Narrative und Strategien
2.4. Problematiken und Herausforderungen
3. Immersion
3.1. Immersive Ausstellungstheorie
3.2. Immersion und (Klima)Kommunikation
4. Planet Ozean
5. Aktueller Forschungsstand
6. Methodik
6.1. Bildanalyse nach Astheimer
6.1.1. Auswahl und Begründung der Methode
6.1.2. Kriterien der Bildauswahl
6.2. Dispositivanalyse nach Foucault
6.2.1. Auswahl und Begründung der Methode
7. Bildanalysen ausgewählter Fotografien
7.1. Umstrittene Delikatesse von Paul Hilton
7.2. Massensterben von Audun Rikardsen
7.3. Life in Plastic – not fantastic! von George Steinmetz
7.4. Tod durch Plastik von Audun Rikardsen
7.5. Rettendes Schaumbad von Cheryl-Samantha Owen
7.6. Ölpest im Paradies von Arun Roisri
7.7. Nach uns die Sintflut? von Kadir van Lohuizen
7.8. Medicane – Tropensturm im Mittelmeer von Olivier Leclercq
8. Diskussion
9. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht am Beispiel der Ausstellung „Planet Ozean“ im Gasometer Oberhausen, wie durch die Kombination großformatiger Umweltfotografien und immersiver Inszenierungen die maritime Klimakrise im Rahmen visuell-ökologischer Kommunikationsstrategien vermittelt wird.
- Visuelle Klimakommunikation und die Rolle von Umwelt- und Dokumentarfotografie
- Theorie der Immersion als multisensorische und erlebnisorientierte Vermittlungsform in Museen
- Detaillierte Bild- und Dispositivanalyse ausgewählter Ausstellungsfotografien
- Untersuchung von Bildmotiven, Narrativen und potenziellen psychologischen Rezeptionswirkungen
- Diskussion der Chancen, Grenzen und Herausforderungen emotionalisierter Klimakommunikation
Auszug aus dem Buch
2. Klimakommunikation
Klimakommunikation stellt ein weit gefasstes Forschungsfeld dar, das eine Vielzahl an Aspekten und Dimensionen umfasst. Zur systematischen Annäherung an dieses Themengebiet werden in diesem Kapitel die grundlegenden Funktionsweisen klimabezogener Kommunikation sowie die zentralen Kommunikationsstrategien dargestellt und deren potenzielle Wirkmechanismen erörtert. Grundsätzlich basiert das Wissen, das viele Menschen über den Klimawandel besitzen, nicht primär auf unmittelbaren Erfahrungen, sondern ist vorrangig medial vermittelt und entsteht durch kommunikative Prozesse innerhalb der Massenmedien (vgl. Neverla & Schäfer 2012, 17), was zugleich die Relevanz des Themas für die Medienwissenschaft unterstreicht, und die Wahl des Untersuchungsgegenstands begründet.
Eine zentrale Instanz in der Klimakommunikation stellt der Weltklimarat Intergovernmental Panel on Climate Change dar, dessen regelmäßig erscheinende Berichte eine wesentliche Grundlage für die öffentliche und politische Auseinandersetzung mit dem Klimawandel bilden (vgl. IPCC o. J.) und der breiten Öffentlichkeit zugänglich sind, um sich über klimabezogene Themen zu informieren. In der Fachliteratur lassen sich grundsätzlich drei Formen der Klimakommunikation unterscheiden: Kommunikation für den Klimawandel, Kommunikation des Klimawandels sowie Kommunikation über den Klimawandel, wobei letztere für meine Forschung am gewichtigsten erscheint. Alle diese Formen verfolgen jedoch das Ziel, konkretes Handeln anzuregen. Eine bloße Vermittlung von Informationen erweist sich in diesem Zusammenhang in der Regel als unzureichend, um Verhaltensänderungen zu bewirken (vgl. Schuck-Zöller et al. 2023, 493), was meine Untersuchungen, zu einer affektiven Kommunikation im musealen Kontext stützt.
In der Diskussion um den Klimawandel zeigt sich eine Allgegenwärtigkeit des Begriffs der Unsichtbarkeit. Die physiologische Wahrnehmung klimawandelbezogener Phänomene ist insofern erschwert, da Ursachen und Folgen zeitlich und räumlich voneinander getrennt auftreten. Dadurch wird eine direkte, erfahrungsbasierte Erfassung kausaler Zusammenhänge weitgehend verhindert. Die daraus resultierende eingeschränkte Wahrnehmbarkeit des Klimawandels stellt ein zentrales gesellschaftliches Problem dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage, der Motivation sowie der Zielsetzung bezüglich der visuellen und kuratorischen Darstellung der maritimen Klimakrise in der Ausstellung Planet Ozean.
2. Klimakommunikation: Erläuterung grundlegender Funktionsweisen, Formen und Herausforderungen der Klimakommunikation mit Fokus auf visuelle Medien, Fotografie und psychologische Barrieren.
3. Immersion: Definition und historische Herleitung von Immersion sowie deren Wirkung und Bedeutung als multisensorischer Ansatz in der musealen Informationsvermittlung.
4. Planet Ozean: Detaillierte Beschreibung des Untersuchungsobjekts, des Ausstellungskonzepts im Gasometer Oberhausen und der räumlichen Strukturierung.
5. Aktueller Forschungsstand: Einordnung der Arbeit in den wissenschaftlichen Diskurs der visuellen Klimakommunikation und der Erforschung immersiver Medien.
6. Methodik: Vorstellung der kombinierten methodischen Werkzeuge, bestehend aus der Bildanalyse nach Astheimer und der Dispositivanalyse nach Foucault.
7. Bildanalysen ausgewählter Fotografien: Praktische Anwendung der Methodenkombination auf acht exemplarische Fotografien der Ausstellung unter Berücksichtigung von Raum, Licht und Sound.
8. Diskussion: Kritische Zusammenführung und Reflexion der Analyseergebnisse im Hinblick auf Potenziale, Grenzen und strategische Implikationen der Klimakommunikation.
9. Fazit: Abschließende Beantwortung der Forschungsfragen, Resümee der Ausstellungswirkung sowie Ausblick auf weiterführende Forschungsperspektiven.
Schlüsselwörter
Klimakommunikation, visuelle Kommunikation, Dokumentarfotografie, Immersion, Planet Ozean, Gasometer Oberhausen, Bildanalyse, Dispositivanalyse, Meeresverschmutzung, Klimawandel, Museumsdramaturgie, Umweltkrise, Empathie, Ausstellungstheorie, Anthropozän
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht, wie die Ausstellung "Planet Ozean" im Gasometer Oberhausen mithilfe großformatiger Fotografien und immersiver Raumelemente die maritime Klimakrise vermittelt und welche kommunikativen Effekte dadurch bei den Besuchenden erzeugt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die visuelle Klimakommunikation, Theorien zur dokumentarischen Fotografie, die immersive Ausstellungsgestaltung sowie methodische Ansätze der Bild- und Dispositivanalyse.
Welche primäre Forschungsfrage oder Zielsetzung verfolgt die Studie?
Es wird analysiert, wie durch die Kombination eindrucksvoller Fotografien und immersiver Inszenierungen ein wirkungsvoller Zugang zur Vermittlung von Klimabotschaften geschaffen wird und welche intendierten sowie unbeabsichtigten Botschaften dabei entstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit angewendet?
Die Autorin stützt sich auf eine Kombination aus der struktural-hermeneutischen Bildanalyse nach Jörg Astheimer zur Untersuchung der Fotografien und der Dispositivanalyse nach Michel Foucault für die Einbettung der Bilder in den kuratorischen und räumlichen Kontext.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der theoretischen Fundierung zu Klimakommunikation, Immersion und dem Ausstellungsgegenstand sowie der detaillierten praktischen Analyse von acht ausgewählten Fotografien und deren inszenatorischem Umfeld.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Publikation charakterisieren?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Klimakommunikation, visuelle Kommunikation, Dokumentarfotografie, Immersion, Planet Ozean, Bildanalyse, Dispositivanalyse und Umweltverschmutzung.
Welche Rolle spielen immersive Elemente in der Ausstellung "Planet Ozean"?
Immersive Elemente wie Soundinstallationen, Lichtkonzepte und Raumarchitektur unterstützen die visuelle Wirkung der Fotografien, indem sie eine emotionale und atmosphärische Rahmung erzeugen, die das Eintauchen der Besuchenden in die Thematik vertieft.
Welche kritischen Defizite werden im Rahmen der Diskussion aufgedeckt?
Kritisiert wird vor allem, dass die Ausstellung zwar stark emotionalisiert und Betroffenheit erzeugt, jedoch oft konkrete Handlungsoptionen und lokal verortete Bezüge vermissen lässt, wodurch die Gefahr von Ohnmachtsgefühlen oder einer reinen Ästhetisierung der Krise entsteht.
Auf welche konkreten Bildmotive wird im analytischen Hauptteil eingegangen?
Analysiert werden unter anderem Fotografien zu den Themen Shark-Finning, Massensterben von Fischen durch Überfischung, Plastikmüll und soziale Ungleichheit in Manila, verendete Vögel mit Mikroplastik, Ölunfälle sowie extreme Wetterphänomene wie Medicanes.
Welches Fazit zieht die Autorin bezüglich des Erfolgs der Ausstellung?
Die Ausstellung wird als gelungene Vorreiterin bewertet, die durch ihre emotional dichte Inszenierung erfolgreich Aufmerksamkeit und Empathie generiert, für eine nachhaltige Verhaltensänderung jedoch stärker mit konkreten Handlungsimpulsen verknüpft werden müsste.
- Arbeit zitieren
- Luana Lardong (Autor:in), 2025, Bedrohte Meere. Visuelle und kuratorische Analyse der Darstellung von Umweltzerstörung in der Ausstellung Planet Ozean, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1775101