Adipositas - Epidemie oder Hysterie


Seminararbeit, 2011
20 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

INHALT

1.) Eine Einführung in diese Arbeit
1.1) Vorwort
1.2) Die Strukturierung und Intention

2.) Die Dickmacher – Eine Einführung
2.1) Thesen und Argumente des Kapitels „Ein gewichtiges Problem“
2.2) Thesen und Argumente des Kapitels „Einstürzende Pyramiden“

3.) Irrtum Übergewicht – Eine Einführung
3.1) Thesen und Argumente des Kapitels „ Wir werden zu Dicken gemacht“
3.2) Thesen und Argumente des Kapitels „ Was wir brauchen“

4.) Ein zusammenfassender analytischer Vergleich
4.1) kontrastäre Betrachtungsweisen
4.2)übereinstimmende Berührungspunkte mit Bildung einer Synthese
4.3) eine kritische Haltung gegenüber den Inhalten
4.4) meine persönliche Sichtweise

1.) Eine Einführung in diese Arbeit

1.1) Vorwort

In dieser Ausarbeitung werden Auszüge des Buches „Die Dickmacher – Warum die Deutschen immer fetter werden und was wir dagegen tun müssen“ von Renate Künast mit Hajo Schuhmacher, das 2004 im Riemann Verlag erschienen ist, sowie zwei Kapitel des Buches „Irrtum Übergewicht“ von Johannes Hebebrand und Claus Peter Simon, welches erst 2009 durch den Zabert Sandmann Verlag veröffentlicht wurde, besprochen und anschließend miteinander verglichen. Dabei sind die Werke so gewählt worden, dass zwei Extrempositionen in der Debatte um die Rolle des Übergewichts in unserer Gesellschaft dargestellt werden, die somit Anlass zu einer Diskussion geben.

1.2) Die Strukturierung und Intention

Um die verschiedenen Ansichten bezüglich der Frage „Adipositas heute – Epidemie oder Hysterie“ zu erschließen, verfolgt diese Arbeit eine Strukturierung, die es ermöglichen soll, anhand der beiden exemplarischen Texte, eine Diskussion zu eröffnen. Diese relativ kurze Abhandlung hat also nicht zum Ziel auf die oben genannte Frage eine endgültige Antwort zu finden, was zum einen den Rahmen erheblich sprengen würde, zum anderen mir zur Zeit aber auch gar nicht möglich zu sein scheint. Stattdessen sollen verschiedene Positionen offen gelegt und eigene kritische Fragen aufgeworfen werden.

Zu diesem Zweck werden zuerst die Thesen und Argumente Künasts herausgearbeitet, sodass die Position, Übergewicht sei eine Volkskrankheit und zugleich Epidemie, nachvollzogen werden kann (vgl. Künast 2004: 14 und 28). Die Gegenposition, Übergewicht sei meistens ein ästhetisches Phänomen und mit zu viel Hysterie verbunden, erschließt sich dem Leser dann durch die Herausarbeitung der Thesen und Argumente aus den Auszügen des Buches „Irrtum Übergewicht“ von Hebebrand und Simon. Im finalen Abschnitt findet dann ein Vergleich der Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Positionen statt, an den sich die Darlegung einiger kritischer Fragen und meiner eigenen Stellungnahme anschließt.

2.) Die Dickmacher – Eine Einführung

„Die Dickmacher – Warum die Deutschen immer fetter werden und was wir dagegen tun müssen“ hat Renate Künast zu ihrer Zeit als Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft geschrieben, was somit auch das in dem Werk geforderte höhere politische Eingreifen erklärt. Nach einem Interview der „Welt“ mit Frau Künast ging es ihr bei der Veröffentlichung des hier besprochenen Buches hauptsächlich darum „über ein Thema zu schreiben, das immer mehr an Brisanz gewinnt“ (Westphal, 2004) und auf das sie einwirken möchte.

2.1) Thesen und Argumente des Kapitels „Ein gewichtiges Problem“

Das Kapitel „Ein gewichtiges Problem oder wenn ein Lebensstil zum Politikum wird“ stellt die Einführung in die Thematik des Buches dar und spricht nahezu alle anderen Aspekte des Buches bereits mehr als einführend an. Im Folgenden werden, allerdings neu strukturiert und in anderer Reihenfolge, die wichtigsten Thesen und Argumente Künasts dargelegt, sodass diese in Kapitel 4 in angemessener Weise mit den Meinungen Hebebrands und Simons verglichen werden können.

Interessant ist dabei vor allem der geschichtliche Ansatz, der aufzeigt, dass „Hunger als historischer Katalysator“ (Künast 2004: 18) anzusehen ist, was sie durch zahlreiche Beispiele belegt. Die meisten Werkzeuge wurden demnach für das Jagen, Zerlegen und Zubereiten von Lebensmitteln entwickelt, wobei ewig das Bestreben im Vordergrund stand noch effektiver vorgehen zu können, da natürlicherweise ein Mangel an Nahrung bestand und sich nur die Anpassungsfähigsten durchsetzen konnten (vgl. Künast, 2004: 18 und 19).

Schon früh wird in dem Text der Genuss des Essens und die Glücksgefühle, die durch es ausgelöst werden können, beschrieben. Dabei steht jedoch nicht nur der Genuss im Vordergrund, sondern auch die Erinnerungen, die mit bestimmtem Essen in Verbindung stehen und die Sozialisation, die durch das gemeinschaftliche Mahl unterstützt wird. Für sie selbst beispielsweise stelle „es eine Zumutung [dar] allein essen zu müssen“ (Künast, 2004: 20 und 21), da für den Menschen die Gemeinschaft und das Gefühl von Heimat am Esstisch als soziales Wesen praktisch essentiell sei. Heute hingegen seien die Hauptfunktionen der Nahrungsaufnahme stark in den Hintergrund getreten und würden von der Lustbefriedigung verdrängt. Laut Künast werden Lebensmittel somit „kaum noch als das wahrgenommen, was sie sind“ (Künast, 2004: 21), nämlich lebensnotwendige Stoffe, die dem Körper zugeführt werden müssen. Zudem haben die Nahrungsaufnahme und der soziale Akt des Essens nach Einschätzung der damaligen Bundesministerin heute nicht mehr viele Berührungspunkte, sodass bei vielen Familien das strukturierende Merkmal der gemeinsamen Mahlzeiten fehlt (vgl. Künast, 2004: 20-22).

Aber auch der ursprüngliche Stellenwert der Bewegung spielt natürlich eine Rolle bei Diskussionen um Übergewicht und Adipositas, wenn man das Verhalten heute analysieren und vergleichen möchte. In ihrer Kindheit sei es beispielsweise üblich gewesen nach der Schule den Tag unabhängig von Wind und Wetter draußen mit ihren Freunden zu verbringen und sich nur zum Essen, dem Akt der Gemeinschaft am Esstisch, inaktiv im Haus zu befinden. „Wir bewegen uns zu wenig“ (Künast, 2004: 22) klagt Künast, die dafür allerdings keine empirischen Daten liefert, sondern sich auf ihre eigenen Erfahrungen beruft. Vor allem bei Kindern sei es heute üblich, dass sie sich entweder nach der Schule direkt in eine virtuelle Welt aus PC und Fernsehen begeben oder ihr Terminkalender so strukturiert ist, wie der eines Erwachsenen (vgl. Künast, 2004: 11,12 und 22).

Doch um zu zeigen wie schlimm es um die Weltbevölkerung in Sachen Übergewicht und Adipositas wirklich steht, zieht Renate Künast dann auch noch einige Statistiken, Fakten und Meinungen zu Rate, um so ihre Intention, den Kampf gegen diese Entwicklung sofort zu starten, durchzusetzen. So weist sie beispielsweise ausdrücklich darauf hin, dass die WHO bei der aktuellen Entwicklung bereits von einer Epidemie spricht, was angesichts der Zahlen, die sie für Deutschland angibt, auch nicht ganz unverständlich ist. Demnach seien nämlich angeblich 50% der Deutschen übergewichtig, wobei sogar schon jeder Fünfte als adipös bezeichnet werden müsste. Bei den Kindern scheinen die Zahlen noch alarmierender zu sein, denn während im Jahre 1984 nur 12% aller Kinder und Jugendlichen übergewichtig gewesen wären, seien es 20 Jahre später bereits 20%, wobei sogar 8% bereits als adipös definiert sind. Nach Hochrechnungen soll bereits 2030 jedes zweite Kind fettleibig sein und nur noch jeder Vierte normalgewichtig, sodass es, nach Meinung Künasts, dann die Normalgewichtigen sein werden, die Diskriminierungen erfahren werden. In Amerika soll die Diagnose Übergewicht bald an erster Stelle der Todesursachenstatistik stehen (momentan bereits 280 000 Tote), aber auch für untragbare Kosten sorgen, unter die nicht nur Behandlungskosten, sondern auch indirekte Kosten, verursacht durch Produktivitätsausfall und Folgekrankheiten, fallen. Die große Gefahr, die Künast in den Zahlen dieser Entwicklung aber sieht, ist, dass sie unterschätzt werden, da das Übergewicht in unserer Gesellschaft schleichend Einzug gehalten habe und wir uns so schon zu sehr an den Hüftspeck gewöhnt hätten, auch wenn sie in einem anderen Absatz dazu zu bedenken gibt, dass es bei ihren Diskussionen nicht um die gehe, denen nur wenige Kilo zur Idealfigur fehlen würden (vgl. Künast, 2004: 12–17).

Die Hauptursachen dieser laut ihr alarmierenden Entwicklung sieht sie im Wandel des Verhältnisses zu Lebensmitteln in einer Überflusssituation und der Veränderung des Bewegungsverhaltens, also kurzum dem Wandel der Gesellschaft. Es gibt jedoch weitere Faktoren, die sie zu bedenken gibt, die einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung des Körpergewichts haben. So seien beispielsweise Kinder niederer sozioökonomischer Herkunft oder mit Migrationshintergrund in der Regel übergewichtiger, sodass für sie Übergewicht „zu einem Zeichen von Armut geworden (Künast, 2004: 27) ist, worunter sie später durchaus auch die Bildungsarmut fasst (vgl. Künast, 2004: 21, 22, 27 und 29).

In ihrem einführenden Kapitel schlägt sie aber auch schon den Bogen zu den vielfältigen Lösungsmöglichkeiten, wenngleich sie auch zu bedenken gibt, dass der Kampf gegen das Übergewicht schwer ist und die bisherigen Lösungsvorschläge keinen Erfolg erzielen konnten. Wichtig sei es aber vor allem schnell zu handeln, da man am Beispiel des Demografischen Wandels feststellen könne, was passiert, wenn man die Existenz eines Problems verdrängt, so Künast. Einer Debatte über den Einfluss des Einzelnen weicht sie dabei jedoch bewusst aus, um, wie sie sagt, dem Populismus Einhalt zu gebieten. Wichtig sei es nämlich vor allem das Übergewicht nicht als Individualproblem, sondern „als Bedrohung für das Gemeinwesen“ (Künast, 2004: 28) zu sehen, um so die richtigen Wege der Problemlösung einzuschlagen, da es mehr zu bedenken gibt, als das Problem der Energiebilanz, die von jedem aber natürlich auch analysiert werden sollte (vgl. Künast, 2004: 17, 18, 27 und 28).

Im gesamtgesellschaftlichem Umfeld betont Künast eindringlich die Bedeutung der frühzeitigen Heranführung an gesundes Essen und Bewegung, die bestenfalls bereits in Kindergärten erfolgen sollte, sodass Diäten nicht mehr notwendig würden. Zudem müssten die Therapiemöglichkeiten für adipöse Kinder deutlich verbessert werden, da diese, einer Studie der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter zufolge, momentan qualitativ und quantitativ zu schlecht seien, um einen wirklichen Erfolg zu erreichen (vgl. Künast, 2004: 23 und 24).

Letztendlich leitet Künast dann über zur Frage, inwieweit die Politik beim Problem Übergewicht einschreiten sollte. Laut Künast sei es die Aufgabe der Politik bei grundlegenden Veränderungen des Lebensstils Debatten um Folgen und Kosten für die Gemeinschaft führen, um so besser aufzuklären und vor Gefahren zu warnen. Wichtig sei es zudem, dass die Fachminister nicht nur Probleme lösen, sondern diese auch voraussehen und präventiv tätig werden. Auch wenn man es als die Aufgabe des Staates empfände Gerechtigkeit herzustellen, sollte der politische Einfluss hoch ausfallen, um unseren Kindern gleiche Lebenschancen zu bieten. Insgesamt sieht Frau Künast allerdings die Zukunft beim politischen Eingreifen positiv, da bereits andere Präventionskampagnen große Erfolge erzielt hätten und man im Bereich der Gesundheit eine Vorreiterrolle, wie Finnland bei der Pisa Studie, übernehmen könnte (vgl. Künast, 2004: 26-31).

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Adipositas - Epidemie oder Hysterie
Hochschule
Universität Bremen  (Institut für Public Health und Pflegeforschung)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V177563
ISBN (eBook)
9783640992942
ISBN (Buch)
9783640993192
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eine schriftliche Auseinandersetzung mit Auszügen der Bücher „Die Dickmacher – Warum die Deutschen immer fetter werden und was wir dagegen tun müssen“ von Renate Künast und „Irrtum Übergewicht“ von Johannes Hebebrand und Claus Peter Simon sowie deren Theorien
Schlagworte
Künast, Hebebrand, Übergewicht, Bedrohung, ästhetisches Phänomen, Übergewicht nimmt zu, Body Maß Index, BMI, Adipositas, Hysterie, Bundesministerium für Gesundheit und Statistik, Epidemie
Arbeit zitieren
Andres Luque Ramos (Autor), 2011, Adipositas - Epidemie oder Hysterie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177563

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