In dieser Masterarbeit wird das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lk 18,9-14) exegetisch analysiert und darauf aufbauend eine Unterrichtseinheit für die Primarstufe (4. Klasse) erstellt vor dem Hintergrund des Förderschwerpunktes ESE.
Die Erzählung aus Lk 18, 9-14 vom Pharisäer und Zöllner wirkt auf den ersten Blick weit entfernt von der Lebensrealität von Kindern und Jugendlichen heute. Der Tempel als Schauplatz, das Gebet und die Figuren des Pharisäers und des Zöllners sind den Schülerinnen und Schülern (SuS) einer Grundschulklasse zunächst einmal fremd. Den Kern der Erzählung bildet allerdings die Frage der Rechtfertigung, die Frage danach, auf welche Weise die Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen gelebt werden soll und welche Werte, Verhaltensweisen und Einstellungen wirklich zählen. Dieser Kern drückt sich in dem Gegensatz der Rechtfertigung durch Taten, die vom Pharisäer vertreten wird, zu der Rechtfertigung durch Gottes Gnade, die vom Zöllner in Demut angenommen wird, aus. Damit wird ein zentraler Aspekt des Christentums für die SuS erfahrbar.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bedingungsanalyse
3 Exegesetext Lk 18, 9-14: Der Pharisäer und der Zöllner
4 Analyse des Textes
4.1 Abgrenzung und Kontext
4.2 Ausformulierte Gliederung des Textes
4.3 Abgrenzung von Tradition und Redaktion
4.4 Gattungsbestimmung der ursprünglichen Überlieferung
4.5 Religionsgeschichtliche Analyse
5 Interpretation
5.1 Interpretation der vorlukanischen Überlieferung
5.2 Interpretation des lukanischen Textes
5.2.1 Interpretation des Textes an sich
5.2.1.1 Narratologische Analyse
5.2.1.2 Sozialgeschichtliche Hintergründe
5.2.1.3 Gesamtinterpretation
5.2.2 Interpretation des Textes im theologischen Gesamtrahmen des Lk
6 Zusammenfassung und Bündelung
7 Tabelle einer Unterrichtseinheit
8 Didaktischer Kommentar zur Unterrichtseinheit
9 Tabelle einer Unterrichtsstunde
10 Didaktisch-Methodischer Kommentar zur Unterrichtsstunde
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, den biblischen Text über den Pharisäer und den Zöllner (Lk 18,9-14) exegetisch zu analysieren und auf dieser Grundlage eine didaktisch fundierte Unterrichtseinheit für den evangelischen Religionsunterricht in der Grundschule zu entwickeln, die den Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung berücksichtigt.
- Exegetische Detailanalyse und strukturelle Gliederung des Perikope Lk 18,9-14
- Untersuchung von Tradition und lukanischer Redaktion sowie gattungsspezifische Einordnung
- Religions- und sozialgeschichtliche Hintergründe zu den Figuren des Pharisäer und Zöllners zur Zeit Jesu
- Theologische Verortung im Rahmen der lukanischen Theologie und der paulinischen Rechtfertigungslehre
- Konzeption und didaktische Begründung einer Unterrichtseinheit und -stunde für die Grundschule (inklusive der Methode des Standbilds)
Auszug aus dem Buch
4.4 Gattungsbestimmung der ursprünglichen Überlieferung
Der Text vom Pharisäer und vom Zöllner soll im Folgenden einer Gattung zugeordnet werden. Bei der Textstelle vom Pharisäer und Zöllner, werden Worte Jesu wiedergegeben und damit in den Kontext des Evangeliums eingebettet. In der Textstelle selbst heißt es in Vers 9: „Er sagte [...] dies Gleichnis“. Daher liegt eine Einordnung der Textstelle als Gleichnis oder Parabel nahe. Sowohl Gleichnisse als auch Parabeln schildern keine historischen Ereignisse, sondern nutzen nicht reelle Situationen, die aber realitätsnah sind, um mit diesen auf metaphorische Art und Weise einen anderen Sachverhalt darzustellen. Sie bringen damit ein schwer vorstellbares Thema in einen Kontext, den die Zuhörer aufgrund eigener Erfahrungen verstehen können.
Während Gleichnisse und Parabeln, die sogenannten parabolischen Gattungen, dadurch gekennzeichnet sind, dass der Wortlaut des Textes ein Bild darstellt, welches auf die reelle Welt zu übertragen ist, ist dies bei der Geschichte vom Pharisäer und Zöllner weniger direkt der Fall as bei anderen Gleichnissen. Betrachtet man beispielsweise das Gleichnis vom Sämann, so werden dort verschiedene Aspekte der Geschichte auf reelle Situationen, Menschen oder Gegebenheiten übertragen. Nämlich der Same als das Wort Gottes, die die auf den Weg fallen, als die nicht hörenden, die Vögel, welche die Samen picken, als der Teufel, usw. (vgl. Lk 8, 11-15). Eine solche symbolische Interpretation ist bei vielen Gleichnissen möglich, auch wenn sie nicht wie beim Sämann im Text selbst von Jesus erklärt wird.
Bei der hier betrachteten Textstelle vom Pharisäer und Zöllner liegt eine so deutliche symbolische Bedeutung allerdings nicht vor. Stattdessen liest sich die Geschichte eher wie eine Beispielsituation, die so hätte stattfinden können und deren Bedeutung dann auch ohne eine symbolische Übertragung auf reelle Gegebenheiten offenbar wird, gerade auch deshalb, weil die Bedeutung von Jesus selbst in Vers 14 explizit ausgedrückt wird. Es gibt also keine spezifischen Symbole, die einer Übertragung bedürfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz der Erzählung für Kinder ein und skizziert die Verbindung zwischen dem biblischen Text und der Unterrichtsgestaltung unter Berücksichtigung des Förderschwerpunkts ESE.
2 Bedingungsanalyse: Es werden die institutionellen und entwicklungspsychologischen Voraussetzungen der vierten Schulklasse sowie konkrete sonderpädagogische Herausforderungen analysiert.
3 Exegesetext Lk 18, 9-14: Der Pharisäer und der Zöllner: Dieser Abschnitt dokumentiert den zugrunde gelegten Bibeltext nach der Lutherübersetzung von 2017.
4 Analyse des Textes: Hier erfolgt eine tiefgehende wissenschaftliche Untersuchung bezüglich des literarischen Kontextes, der Textgliederung, der Unterscheidung von Tradition und Redaktion, der Gattung sowie der religionsgeschichtlichen Hintergründe.
5 Interpretation: Die Exegese wird durch die getrennte Betrachtung der vorlukanischen Überlieferung, des lukanischen Textes, narratologischer Merkmale und einer theologischen Gesamtausrichtung vertieft.
6 Zusammenfassung und Bündelung: Die zentralen theologischen und pädagogischen Erkenntnisse der Arbeit werden synthetisiert und für die Praxis sowie das heutige Verständnis rückgebunden.
7 Tabelle einer Unterrichtseinheit: Der makrodidaktische Aufbau der gesamten Unterrichtseinheit wird in einer strukturierten Übersicht über vier Einheiten dargestellt.
8 Didaktischer Kommentar zur Unterrichtseinheit: Die Planung wird theoretisch anhand des Konzepts der Elementarisierung, der Lehrplangestattung und inklusiver Aspekte begründet.
9 Tabelle einer Unterrichtsstunde: Eine konkrete, phasengenaue Verlaufsplanung für eine Doppelstunde (90 Minuten) zum Kennenlernen der Figuren wird tabellarisch aufgeschlüsselt.
10 Didaktisch-Methodischer Kommentar zur Unterrichtsstunde: Es werden methodische Entscheidungen wie die Methode des Standbilds sowie Maßnahmen zur Prävention im Bereich der emotional-sozialen Entwicklung reflektiert.
Schlüsselwörter
Lk 18,9-14, Pharisäer und Zöllner, Exegese, Lukasevangelium, Rechtfertigung durch Gnade, Werksgerechtigkeit, Religionspädagogik, Grundschule, Elementarisierung, Standbild, Emotionale und Soziale Entwicklung, Inklusion, Demut, Stolz, Gleichnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit widmet sich einer exegetischen und religionspädagogischen Untersuchung des Gleichnisses vom Pharisäer und Zöllner aus dem Lukasevangelium (Lk 18,9-14) und verbindet die textanalytischen Ergebnisse direkt mit der praktischen Unterrichtsplanung für die Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Im Zentrum stehen die biblische Textanalyse, die sozialgeschichtlichen Verhältnisse im antiken Judentum, die lukanische Theologie, die Rechtfertigungslehre sowie die didaktische Vermittlung biblischer Inhalte im inklusiven Religionsunterricht der Primarstufe.
Welches primäre Ziel oder welche Forschungsfrage wird verfolgt?
Das Hauptziel ist es aufzuzeigen, wie theologische Kernkonzepte wie die unverdiente Gnade Gottes und die Kritik an Werksgerechtigkeit durch strukturierte exegetische Arbeit erschlossen und für Kinder im Grundschulalter methodisch erfahrbar gemacht werden können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit angewendet?
Es werden historisch-kritische Methoden der Bibelexegese (Redaktions- und Traditionskritik), literaturwissenschaftliche bzw. narratologische Analysen sowie didaktische Ansätze wie das Konzept der Elementarisierung nach Nipkow und Schweitzer eingesetzt.
Was wird im umfangreichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine detaillierte Vers-für-Vers-Analyse, die Abgrenzung von Vorlage und redaktioneller Bearbeitung durch Lukas, eine Untersuchung der Gattung als Beispielerzählung sowie eine umfassende Betrachtung der historischen Hintergründe von Pharisäern und Zöllnern.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Exegese, Lk 18,9-14, Pharisäer und Zöllner, Rechtfertigungslehre, Gnade, Religionspädagogik, Elementarisierung, Standbild und Inklusion im Förderschwerpunkt emotionale und soziale Entwicklung.
Wie wird die Methode des Standbilds in der Unterrichtsstunde eingesetzt?
Das Standbild dient als handlungsorientierte und niedrigschwellige Methode, bei der Schülerinnen und Schüler physische Gesten und Haltungen der biblischen Figuren nachstellen, um deren innere emotionale Verfassung ohne komplexe verbale Interaktionen körperlich nachempfinden zu können.
Welche Bedeutung hat der Förderschwerpunkt Emotionale und Soziale Entwicklung (ESE) für das Konzept?
Der Förderschwerpunkt erfordert eine klar strukturierte Lernumgebung, feste Rituale, transparente Verhaltenserwartungen sowie Methoden, die den Schülern Sicherheit geben und gleichzeitig eine emotionale Teilhabe an den Unterrichtsinhalten ermöglichen.
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- Joscha Brinkmann (Author), 2026, Exegese und Unterrichtseinheit zu Lk 18, 9-14 "Der Pharisäer und der Zöllner" vor dem Hintergrund des Förderschwerpunktes Emotionale und Soziale Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1775674