Untersuchung (renaissance-)humanistischer Merkmale in Francisco Delicados "La Lozana Andaluza"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1 Ziel der Untersuchung

2 Inhalt, Begriffsklärung und Problematik der Interpretation
2.1 Kurze Inhaltsangabe des Werks
2.2 Erläuterung des Begriffs (Renaissance-)Humanismus
2.2.1 Renaissance
2.2.2 Humanismus
2.3 Interpretatorische Schwierigkeiten
2.3.1 Uneindeutigkeit
2.3.2 Metapher, Hyperbel, Ironie, Sarkasmus, Parodie und Karikatur

3 Untersuchung (renaissance-)humanistischer Merkmale in Francisco Delicados La Lozana Andaluza
3.1 Autor in der Wirklichkeit und im Werk
3.1.1 Wirklichkeitsabbildung und Geschichtliches
3.1.2 Bildung
3.1.3 Individualismus
3.1.4 Eigenständige Urteilsbildung und Selbstverantwortlichkeit bezüglich religiöser und gesellschaftlicher Fragen
3.2 Lozana
3.2.1 Individualismus und Selbstbewusstsein des Menschen als Gestalter seines Lebens
3.2.2 Bildung
3.2.3 Toleranz, Gewaltfreiheit, Frieden
3.2.4 Leistungsprinzip und Lozana als Geschäftsfrau
3.2.5 Moralische und religiöse Selbstbestimmung
3.3 Allgemein

4 Evaluation

Literatur

1 Ziel der Untersuchung

La Lozana Andaluza bzw. Retrato de la Lozana Andaluza wurde zwischen 1513 und 1524 geschrieben und erschien um das Jahr 1528 (Damiani 1974) oder 1530 (da Costa Fontes 2005) in Venedig. Zweifellos zählt dieses Buch zur erotischen Weltliteratur. Weniger klar ist dagegen, ob das Werk humanistische Merkmale aufweist und belehrenden, moralisierenden Charakter hat oder eher in die Richtung einer sarkastischen Parodie des (Renaissance-)Humanis-mus, dessen zeitgenössischer Gesellschaft und literarischer Werke geht. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nicht mit einer umfassenden Interpretation des Buchs, sondern möchte vor allem anhand ausgewählter Merkmale untersuchen, inwiefern dieses Werk Delicados auf der Inhaltsebene renaissance-humanistische Kennzeichen besitzt. Dabei wird vorwiegend mit Belegen aus dem Primärtext gearbeitet.

2 Inhalt, Begriffsklärung und Problematik der Interpretation

2.1 Kurze Inhaltsangabe des Werks

Die Protagonistin des Buchs ist die Andalusierin Aldonza, die nach dem Tod ihres Vaters mit ihrer Mutter von Córdoba in den Süden Spaniens zieht - “[…] muerto su padre, fue necesario que acompañase a su madre fuera de su natural, y ésta fue la causa que supo y vido munchas cibdades, villas y lugares d’España […]“ (Delicado 20034, 175) – und dort unter anderem in Granada, Jerez und Carmona verweilt. Nachdem auch ihre Mutter gestorben ist, gelangt Aldonza nach Sevilla, wo sie eine Verwandte hat. Dort kommt sie mit dem italienischen Kaufmann Diomedes zusammen und sie reisen gemeinsam viel umher. Aufgrund ihrer natürlichen Schönheit wird Aldonzas Name in Lozana geändert. Als Diomedes` Vater seinen Sohn zu sich nach Italien bittet, schicken sie ihre Kinder schon voraus. Diomedes verabschiedet sich in Marseille von Lozana und verspricht ihr, sie nach seiner Rückkehr in Spanien zu heiraten: “[…] yo vaya otra vez en España, y allí me entiendo casar con vos […]“ (a.a.O.: 185f.). Sein Vater jedoch lässt Diomedes vor dessen Abreise aus Frankreich einsperren, da er ihn mit einer anderen Frau zu verheiraten plant. Lozana wird entführt und soll im Meer ertränkt werden, aber der mitleidige Bootsmann setzt sie an Land aus. Von dort aus gelangt sie durch den Verkauf ihres einzigen verbliebenen Besitzes, eines Rings, nach Rom:

“[…] fue llevado en prision a instancia de su padre, y ella, madona Lozana, fue despojada

en camisa, que no salvo sino un anillo en la boca […] vendió su anillo, y con él fue hasta

que entró en Roma.“ (a.a.O.: 186f.).

Der größte Teil des Werks umfasst episodenhafte Schilderungen vorwiegend in Dialogform darüber, wie sich Lozana in Rom als Prostituierte, später auch als Kupplerin und gewitzte Ge-

schäftsfrau ihren Lebensunterhalt verdient. Lozana lernt bald nach ihrer Ankunft in Rom den jungen Mann Rampín kennen, der ihr ständiger Geliebter wird und mit dem sie sich später vor dem Sacco di Roma, der Plünderung Roms, auf die Insel Lipari absetzt, wo sie ihren Namen in La Vellida ändert: “Vamos […] al ínsula Lipari con nuestros pares, y mudaréme yo el nombre, y diréme la Vellida […]“ (Delicado 20034 , 481).

Außerdem wird der Text mit diversen vor- und nachgestellten Ausführungen Delicados ergänzt, die mit ihren Widersprüchlichkeiten ein zwiespältiges Licht auf die Intention des Autors und von ihm erwünschte Rezeption des Textes durch den Leser wirft (vgl. 2.3 Interpretatorische Schwierigkeiten).

2.2 Erläuterung des Begriffs (Renaissance-)Humanismus

Unter Renaissance versteht man die Epoche von Mitte des 14. bis Mitte des 16. Jahrhunderts (Brockhaus 19988, s.v. `Renaissance`), wohingegen Humanismus allgemein als Geisteshaltung betrachtet wird, die Humanität anstrebt und in nahezu allen Geschichtsepochen anzutreffen ist (a.a.O.: s.v. `Humanismus`). Beide sind aufgrund ihres anfänglich zeitgleichen Auftretens und der gegenseitigen Beeinflussung untrennbar miteinander verwoben, wodurch ihre Merkmale nur schwer voneinander abzugrenzen sind, zumal auch Einflüsse anderer philosophischer Ansichten nahezu unmerklich einfließen. Daher werden anschließend in zwei Unterpunkten sowohl die Renaissance als Entstehungs- und primäre Rezeptionszeit des Werkes als auch die geistige Bewegung des Humanismus kurz in ihren Grundzügen erläutert.

2.2.1 Renaissance

Der Architekt, Maler und Künstlerbiograph Giorgio Vasari prägte das italienische Wort rinascita (Helferich 20025, 117). In diese Zeit der rinascita fällt der Beginn bzw. Fortschritt naturwissenschaftlichen Denkens und Forschens sowie die Entwicklung eines neuen Natur- und Lebensgefühls, insbesondere durch die Lösung von mittelalterlichen Kirchenvorstellungen. Dieses neue Lebensgefühl mit wachsendem Vertrauen auf Persönlichkeit und Individualität sowie stärkerer Orientierung am Diesseits (statt am Jenseits) und an der Antike finden besonders Ausdruck in Italiens bildender Kunst, z.B. in der Portraitmalerei, die die Einzigartigkeit des Einzelnen unterstreicht, und in der Entwicklung der Zentralperspektive (Brockhaus 19988, s.v. `Renaissance`). Der Künstler tritt von nun an mehr als Individuum und Persönlichkeit auf.

Von Bedeutung ist in der Kunst die Rückkehr zur Nachahmung der Natur (Helferich 20025). Rückkehr meint hierbei allerdings weniger eine Wiederholung als vielmehr eine „[…] produktive Einholung der Antike ins Bewusstsein der Gegenwart.“ (a.a.O.: 118). Zudem gilt die Renaissance als ein gegensätzlicher Knotenpunkt zwischen mittelalterlicher und moderner Kultur. Dies erkennt man laut Helferich am Gegenüber von Naturalwirtschaft und beginnendem, industriellem Kapitalismus, wodurch neue wirtschaftliche Grundlagen und das individuelle Leistungsprinzip entstehen. In Bezug auf Geographie, Naturwissenschaft, Technik und Kunst wird die Renaissance als Zeitalter der Entdeckungen gesehen (Helferich 20025). Carpe diem, die Mentalität, die dazu aufruft, jeden Tag und die Zeit zu nutzen und das Beste aus ihr zu machen, bevor es zu spät ist, erfährt einen Aufschwung, so dass sich zunehmend Lebenslust und Genuss am Leben entfalten (a.a.O.). Von besonderem Gewicht ist die Würde des Menschen, die bereits Francesco Petrarca hervorgehoben hatte – und Pico della Mirandola, ein Vertreter des Florentiner Platonismus, legt Gott folgende, hier ins Deutsche übertragene Worte in den Mund:

„Du sollst deine Natur ohne Beschränkung nach freien Ermessen, dem ich dich überlas-

sen habe, selbst bestimmen. Ich habe dich in die Weltmitte gestellt […] damit du dich

frei, aus eigener Macht, selbst modellierend und bearbeitend zu der von dir gewollten

Form ausbilden kannst […] du kannst, wenn du es willst, in die Höhe, ins Göttliche

wiedergeboren werden!“ (a.a.O.: 119ff.).

Die Betonung liegt klar auf der geistigen Freiheit, der Würde des Menschen und seiner Stellung in der Weltmitte (a.a.O.), womit das Selbstbewusstsein des Menschen als Gestalter seines Lebens und der Welt gefördert wird. Der nach Erasmus von Rotterdam benannte Erasmianismus fordert zudem einen Anspruch auf eigenständige Urteilsbildung, Selbstverantwortlichkeit bezüglich religiöser und gesellschaftlicher Fragen und äußert Kritik an der Kirche (a.a.O.). Als Ideal gelten Bildung und Weltbürgertum sowie friedliche Erneuerung (a.a.O.), was auf Gewaltfreiheit und Toleranz verweist. Außerdem lassen sich zwischen den drei Hauptströmungen Humanismus, Aristotelismus und Platonismus zur Zeit der Renaissance trotz ihrer teils scheinbar auseinanderklaffenden Ansichten synthetische Verbindungen erkennen (a.a.O.).

2.2.2 Humanismus

Welches Verständnis von Humanismus liegt dieser Arbeit zugrunde?

Das Wort umanista bezeichnete ursprünglich einen Studenten oder Lehrer der humanistischen Fächer Dichtkunst, Moralphilosophie, Grammatik, Rhetorik und Geschichte, wohingegen der Begriff Humanismus erst 1808 von Immanuel Niethammer im Sinne eines Unterrichtsprogrammes geprägt wurde, das im Gegensatz zum praktisch-naturwissenschaftlichen Gebiet stehen sollte (a.a.O.). Beiden Humanismus-Verständnissen gemeinsam sind Sprache und Geschichte als wichtige Komponenten des Menschen (a.a.O.).

Unter dem Begriff Humanität subsumiert man die Betonung der menschlichen Kräfte im Gegensatz zu den Instinkten der Tiere, die Beherrschung der Leidenschaften durch den Geist sowie Hilfsbereitschaft, Toleranz, Einfühlungsvermögen und Verständnis gegenüber den Mitmenschen (Brockhaus 19988, s.v. `Humanität`). Die Geburtstunde des Humanismus wird ähnlich wie die der Renaissance auf das 14. Jahrhundert in Italien mit Dante Alighieri, F. Pertrarca und G.F. Poggio Bracciolini geschätzt (a.a.O.: s.v. `Humanismus`). Auch weitere italienische Künstler, Literaten und Philosophen übernahmen die Idee einer „[…] Wiedergeburt der antiken Kunst und Moral […]“ (Helferich 20025, 117), z.B. Boccaccio. Es handelt sich also um eine Geistesbewegung, die das Studium der Antike und eine allumfassende Bildung des Menschen anstrebt (Brockhaus 19988, s.v. `Humanismus`).

2.3 Interpretatorische Schwierigkeiten

Delicados Werk entstand zu der Zeit und damit unter Einfluss des Renaissance-Humanismus. Abgesehen davon, dass aufgrund von Veränderungen der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Prägung der Rezipienten heute die Gefahr besteht, den Text anders zu interpretieren als es der Autor zur Zeit seines Erscheinens intendierte und als es bei den Lesern jener Zeit der Fall war, gibt es weitere Probleme der Interpretation.

Interessant ist, dass Delicado gleich zu Beginn seines Werkes im Argumento en el cual se contienen todas las particularidades que ha de haber en la presente obra zunächst selbstbewusst schreibt, sein Werk dürfe auf keinen Fall geändert werden – “Protesta el autor que ninguno quite ni anada palabra, ni razón, ni lenguaje […]“ (Delicado 20034, 171) – und sich damit auf das humanismus-typische Streben nach Vollkommenheit des Künstlers bezieht. Doch am Ende, in der Epístola del autor, behauptet der Autor das Gegenteil, bittet um Veränderungen und Verbesserungen und wertet sein Werk als reinen Zeitvertreib ab: “Ruego a quien tomare este retrato que lo enmiende antes que vaya en público, porque yo lo escrebí para enmendallo por poder dar solacio y placer a letores y audientes […]“ (a.a.O.: 492). Zwar erinnert letztere Aussage an einen Bescheidenheitstopos, ist aber zugleich ein Hinweis darauf, dass Delicados Werk mit Vorsicht zu genießen ist, da es voller Widersprüche steckt und sich hinter seinen Worten oft etwas anderes verbirgt, als es oberflächlich betrachtet den Anschein hat.

2.3.1 Uneindeutigkeit

Wie da Costa Fontes bemerkt, kodierten Autoren zur Zeit Delicados häufig ihre Texte der persönlichen Sicherheit halber, z.B. aufgrund der Inquisition und Zensur, doch keine Interpretation kann je als sicher und bewiesen gelten (da Costa Fontes 2005). So schreibt er:

“Rojas uses metaphor, irony, parody, and allegory […] Delicado understood this aspect

of Celestina quite well and set out to surpass it […] he also encoded is message, allowing

himself some room for deniabiltiy.“ (a.a.O.: x).

Beispielhaft dafür soll zunächst die Rezeption des Inhalts betrachtet werden. Die Interpretationen schwanken zwischen einer wirklichkeitsabbildenden Auffassung und einer Doppeldeutigkeit der Worte. Die Interpretation des Werkes als naturgetreue Wirklichkeitsspiegelung – “[…] graphic, uncompromisingly „true“ portrayal of a world of prostitution and a corrupt Rome, in a detached, „documentary“, almost photographic or cinematic manner […]“ (da Costa Fontes 2005, 175) – steht einer Auffassung gegenüber, die La Lozana Andaluza fern jedes realistischen Werks sieht und rein allegorisch versteht (a.a.O.). So kann das viele Herumreisen und Segeln als Teil einer traditionellen Allegorie für Geschlechtsverkehr interpretiert werden, wobei Lozana als an der Syphilis leidende, an den Rand der Gesellschaft gedrängte conversa gezeichnet wird und zugleich eine Inkarnisation und Repräsentation Roms darstellt (a.a.O.). Sexuelle Anspielungen können lediglich ein allegorisches Mittel sein, den Umgang mit Exil widerzugeben (a.a.O.).

Ebenso weichen die Auffassungen des Werkes in Bezug auf die Moral voneinander ab. So kann man die prophetischen Warnungen vor dem Sacco di Roma als Strafe für unmoralischen Lebenswandel verstehen, wodurch das Werk moralisieren und belehren soll (a.a.O.), z.B. Damiani vertritt diese Ansicht (Damiani 1974). Andererseits steckt der Text voll sexueller Aktivitäten und weltlicher Vergnügen, die Protagonistin kann sich vor dem Sacco di Roma friedlich zur Ruhe setzen und eine Bestrafung für Lozana bleibt aus, weshalb das Werk ebenso gut rein pornographisch und unmoralisch wirken kann (da Costa Fontes 2005).

Diese Uneinigkeiten der Interpretation sowie Widersprüche im Werk selbst führen zu allgemeinen, interpretatorischen Schwierigkeiten. Unter anderem liegt dies an einigen Stilmitteln, die bereits den klassischen Autoren der griechisch-römischen Antike bekannt waren. Höchstwahrscheinlich verwendete Delicado einige dieser Stilmittel, womit er den renaissance-humanistischen Rückbezug auf die Antike zumindest schriftstellerisch erfüllt. Zudem konnte er dadurch seine Aussagen verschleiern und somit Inquisition und Zensur umgehen.

2.3.2 Metapher, Hyperbel, Ironie, Sarkasmus, Parodie und Karikatur

Laut da Costa Fontes zeichnet Delicado mit seinem allegorischen Portrait eine Karikatur und arbeitet mit Übertreibungen (a.a.O.). Metapher, Hyperbel, Ironie, Sarkasmus, Parodie und Karikatur als wichtige Stilmittel sollen daher kurz erläutert werden.

Metaphorik liegt vor, wenn aufgrund von Ähnlichkeiten der Eigenschaften, Verwendung, Funktion oder äußeren Gestalt ein Ausdruck auf einen anderen übertragen wird (von Wilpert 19695, s.v. `Metapher`). Mit Hyperbel ist eine Übertreibung gemeint, die teils komische und ironische oder auch ernstgemeinte Effekte hervorruft (a.a.O.: s.v. `Hyperbel`).

Unter Ironie versteht man eine

„[…] Lächerlichmachung unter dem Schein der Ernsthaftigkeit, der Billigung oder gar des Lobes, die in Wirklichkeit das Gegenteil des Gesagten meint […] und sich zum Spott der gegnerischen Wertmaßstäbe bedient […]“ (von Wilpert 19695, s.v. `Ironie`).

Sarkasmus ist „[…] beißender Hohn und Spott, höchster Grad bitterer Ironie […]“ (a.a.O.: s.v. `Sarkasmus`). Mit Parodie wird im weitesten Sinn ein Gegengesang bezeichnet, der nicht nur andere literarische Werke, sondern auch die Gesellschaft einer bestimmten Zeit, hier des Renaissance-Humanismus, verzerrt und übertrieben, teils mit Spott nachzuzeichnen versucht, dabei Kritik äußert und zugleich komisch wirkt (a.a.O.: s.v. `Parodie`). Nimmt man etwa die Rückbesinnung auf die antike Welt als Merkmal des Humanismus, so könnte man bereits die Parodie an sich als humanistisches Merkmal auffassen, da die Parodie in der Antike bereits z.B. durch Platon und dessen Parodien auf den Stil einiger Oratoren und Dichter etabliert war – Gigantomachia von Hipponax und Hegemon, die als Vorreiter der parodierenden Literatur gelten, können als noch frühere Beispiele dafür gelten (a.a.O.). Die Karikatur ist eine Art Zerrbild, das bestimmte Charakterzüge überbetont, dadurch komisch oder satirisch wirkt, zugleich aber auch kritisch Schwächen oder Misstände auf politischer, sozialer oder moralischer Ebene aufdeckt (a.a.O.: s.v. `Karikatur`).

3 Untersuchung (renaissance-)humanistischer Merkmale in Francisco Delicados La Lozana Andaluza

Trotz der unter 2.3 Interpretatorische Schwierigkeiten angesprochenen interpretatorischen Problematik sollen im Anschluss ausgewählte renaissance-humanistische Merkmale besonders an der Person des Autors und der Protagonistin Lozana herausgearbeitet werden. Folgende renaissance-humanistischen Aspekte werden untersucht:

Wirklichkeitsabbildung und im Zuge dessen auch Abbildung geschichtlicher Daten, das humanistische Bildungsideal, zu welchem u. a. Reisen gehört, Individualismus, in Zusammenhang damit Selbstbewusstsein des Menschen als Gestalter seines Lebens, Selbstverantwortlichkeit und Würde des Menschen, zunehmend selbstständiges Denken und Ablösung von mittelalterlichen Kirchenvorstellungen, das Ideal von Toleranz und Gewaltfreiheit, die Ablösung der Naturalwirtschaft durch ein individualistischeres Leistungsprinzip, Geschäftstüchtigkeit und zunehmende Selbstbestimmung bezüglich Moral, Religion und Gesellschaft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Untersuchung (renaissance-)humanistischer Merkmale in Francisco Delicados "La Lozana Andaluza"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
29
Katalognummer
V177620
ISBN (eBook)
9783640994052
ISBN (Buch)
9783640995400
Dateigröße
482 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Literaturwissenschaft, Renaissance, Humanismus, Erotische Literatur, Erotik, Frauen, Emanzipation, Francisco Delicado, La Lozana Andaluza
Arbeit zitieren
M. A. Maria Gruber (Autor), 2007, Untersuchung (renaissance-)humanistischer Merkmale in Francisco Delicados "La Lozana Andaluza", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177620

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