Interkulturelle Kompetenz für alle - Zum Nutzen interkultureller Kompetenz im Alltag am Beispiel des Konfliktverhaltens und Möglichkeiten, interkulturelle Kompetenz zu erwerben


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
25 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Inwiefern ist der Erwerb interkultureller Kompetenz für alle Menschen sinnvoll und möglich?
2.1 Relevanz interkultureller Kompetenz für das alltägliche Leben
2.1.1 Interkulturalität und Kultur im engeren und weiteren Sinn
2.1.2 Interkulturelle Kompetenz
2.1.3 Personenbezogene Bedingungen interkulturellen Lernens
2.2 Bedeutung interkultureller Kompetenz am Beispiel der Konfliktfähigkeit
2.2.1 Konflikte
2.2.2 Mediation
2.2.3 Rassismus
2.3 Erwerb interkultureller Kompetenz
2.3.1 Modellhafter Erwerb interkultureller Kompetenz
2.3.2 Interkulturelle Trainings
2.3.3 Universität
2.3.4 Schule
2.3.5 Bücher
2.3.6 Fazit zu den Möglichkeiten des Erwerbs interkultureller Kompetenz

3 Fazit

Literatur

1 Einleitung

Interkulturelle bzw. multikulturelle Kommunikation und interkulturelle Kompetenz sind längst alltägliche Begriffe geworden. Jedoch werden damit meist Geschäftsleute assoziiert, die einen Auftrag im Ausland zu erledigen haben, oder Menschen, die beruflich im Inland mit Menschen aus anderen Ländern treten. Interkulturelle Kommunikation wird dabei aus einer Perspektive betrachtet, aus der sie vor allem nur deswegen für das Arbeitsleben der Menschen relevant ist, da dieses aufgrund der weltweiten Öffnung der Märkte mit interkulturellen Kontakten und Auslandsaufenthalten verbunden ist bzw. viele Angehörige anderer Länder ins Inland immigrieren. Dies jedoch stellt eine unzulässige Reduktion der Inhalte und Ziele interkultureller Kommunikation dar und verliert die Reichweite des Erwerbs interkultureller Kompetenz für das alltägliche Leben eines jeden aus den Augen.

In dieser Arbeit möchte ich hervorheben, dass durch das Lernen interkultureller Kompetenz eine Interaktionsfähigkeit und Weltsicht erlangt wird, die auf sämtliche Kontexte und Situationen im Leben anwendbar ist. Denn interkulturelle Kompetenz ermöglicht erfolgreiche Kommunikation, durch welche konfliktträchtige Missverständnisse und destruktive Konflikte vermieden werden können, lehrt zudem allgemein wichtige soziale Kompetenzen sowie einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und hilft Vorurteile und rassistische Neigungen abzubauen.

Abgesehen davon, dass sowieso fast jeder Mensch in den meisten Industrienationen tagtäglich mit Angehörigen anderer ethnischer oder nationaler Kulturen interagiert- ist der Erwerb interkultureller Kompetenz generell für alle Menschen sinnvoll, unabhängig davon, ob die Interaktionspartner international sind oder kulturelle Unterschiede anderer, z.B. gesellschaftlicher oder individueller Art, aufweisen und welche Möglichkeiten des Erwerbs existieren. Es soll also gezeigt werden, dass der Erwerb interkultureller Kompetenz oder zumindest ein Einblick in die Weltsicht der interkulturellen Kommunikation nicht nur bezüglich national oder ethnisch bedingter Kulturunterschiede und daraus in der Interaktion entstehenden Missverständnissen und Konflikten, sondern auch für das Zusammenleben von Menschen der gleichen Nationalkultur von großer Wichtigkeit ist.

Im Folgenden werde ich zunächst anhand des interkulturellen Kulturbegriffs zeigen, dass interkulturelle Interaktion alle Menschen anspricht, dann die Ziele und Inhalte interkultureller Kompetenz kurz beschreiben, dabei an deren Allgemeingültigkeit für soziales Zusammenleben und die Lernfähigkeit eines jeden Menschen erinnern und anschließend mit Beispielen aus dem Bereich der Konfliktfähigkeit den konkreten, allgemeinen Nutzen interkultureller

Kompetenz untermauern. Daraufhin werde ich die Übertragbarkeit eines Erwerbsmodells interkultureller Kompetenz von nationalkulturellen Interaktionen auf solche innerhalb einer Nationalkultur aufweisen und schließlich die bekanntesten Möglichkeiten des Erwerbs interkultureller Kompetenz und deren Zugänglichkeit bzw. Hürden behandeln.

2 Inwiefern ist der Erwerb interkultureller Kompetenz für alle Menschen sinnvoll und möglich?

2.1 Relevanz interkultureller Kompetenz für das alltägliche Leben

Die in der Lehre der interkulturellen Kommunikation angelegten Ansätze liefern Hinweise darauf, dass durchgängig alle Menschen vom Erwerb interkultureller Kommunikation angesprochen sind, zu diesem Lernen auch fähig sind und dass Kultur und Fremdheit durchaus nicht nur mit Ausland zu assoziieren ist, sondern interkulturelle Kompetenz für alle Menschen relevant ist.

2.1.1 Interkulturalität und Kultur im engeren und weiteren Sinn

Nicht nur in den Medien, im beruflichen und universitären Umfeld, sondern auch im alltäglichen Leben der Menschen tauchen Schlagwörter wie Interkulturalität oder Kultur seit einigen Jahren in den verschiedensten Bedeutungen auf.

2.1.1.1 Interkulturalität

In der vorliegenden Arbeit wird interkulturelle Kommunikation gleichbedeutend mit interkultureller Interaktion verwendet (Maletzke 1996, 37), da beide verbale, nonverbale und paraverbale Aspekte umfassen. Interkulturelles bzw. multikulturelles Lernen wird als ein Prozess verstanden, der zu interkultureller/multikultureller Kompetenz führt. Hauptsächlich beschäftigt sich die interkulturelle Kommunikation weniger mit den sichtbaren Anteilen einer Kultur, etwa Brauchtümern, Kleidung oder Essen, sondern vielmehr mit den nicht-sichtbaren Aspekten, die Denk- und Verhaltensweisen, Wertehierarchien, spezifische Verwendung sprachlicher Mittel, Erwartungen sowie gesellschaftlich bedingtes Weltwissen umfassen. (Redder/Rehbein 1987, 20) Unter dem Begriff der Interkulturalität subsumieren sich daher alle Beziehungen, „[…] in denen die Beteiligten nicht ausschließlich auf ihre eigenen Kodes, Konventionen, Einstellungen und Verhaltensformen zurückgreifen, sondern in denen andere Kodes, Konventionen, Einstellungen und Alltagsverhaltensweisen erfahren werden. Dabei werden diese als fremd erlebt und/oder definiert. Interkulturell sind daher alle jene Beziehungen, in denen Eigenheit und Fremdheit, Identität und Andersartigkeit, Familiarität und Bedrohung, Normalität und Neues zentral Verhalten, Einstellung, Gefühle und Verstehen bestimmen.“ (Bruck 1994, 345)

2.1.1.2 Kultur im engeren und weiteren Sinn

Bereits hier wird die Offenheit des weiten Terminus Interkulturalität deutlich, der wörtlich übersetzt zunächst lediglich auf etwas verweist, das zwischen Kulturen stattfindet. Zwar mag auf den ersten Blick die Nationalkultur als überragend scheinen, da sie eine politische Einheit darstellt und die Mitglieder somit zumindest eine dominante Landessprache, das Bildungssystem, politische System, für das Land typische Produkte, gemeinsame Massenmedien etc. teilen (Hofstede 2001, 14f), wodurch sie schon während ihrer Enkulturation geprägt werden. Auf diese Interaktion zwischen Mitgliedern verschiedener Länder und Sprachen, auch Kulturverständnis im weiteren Sinn genannt, wird vorwiegend bei interkulturellen Trainings das Augenmerk gelegt. (Redder/Rehbein 1987, 18)

Verdeckte, nationalkulturelle Unterschiede und Verhaltensmuster wie z.B. der unterschiedliche Verlauf einer Freundschaftsentwicklung in den USA im Vergleich zu Deutschland (Moosmüller 1993, 260f) sollen hier auch keinesfalls geleugnet werden, jedoch lassen sich ebenfalls innerhalb einer Nation diverse kulturelle Gruppen ausmachen. So sind Unterschiede nach Region, sprachlicher Zugehörigkeit, Bildungsgrad und Arbeitsplatz sowie Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern, sozialen Klassen, Generationen etc. erkennbar. (Hofstede 2001, 12) Bezüglich dieser Art des Verständnisses von Kultur spricht man auch von interkultureller Kommunikation im engeren Sinn, d.h. man referiert auf die interkulturelle Kommunikation zwischen Personen, die der gleichen Nation angehören und eine gemeinsame Sprache sprechen. (Redder/Rehbein 1987, 18) Diese Sichtweise von Kultur regt dazu an, die verschiedenen sozialen oder religiösen, Alters- oder Interessengruppen innerhalb einer „Gesellschaft“ ernst zunehmen und Kommunikationsprobleme in diesem Bereich den Interaktionsschwierigkeiten im nationalkulturellen Bereich nicht einfach unterzuordnen. Ebenso wie im Bereich der interkulturellen Kommunikation im weiteren Sinn ergeben sich bei der interkulturellen Kommunikation im engeren Sinn zwischen den Angehörigen verschiedener Subgruppen sowie zwischen den Individuen derselben Subgruppe einer Gesellschaft Missverständnisse und Misserfolge, da auf unterschiedliche Selbstverständlichkeiten zurückgegriffen wird und jeder eine bestimmte, implizite Erwartungsstruktur an den anderen hat. Die Explizierung von Unterschieden und der Entwurf eines neuen, gemeinsamen Handlungssystems sind daher auch in diesem letztgenannten Kontext sinnvoll. (ebd.) Zwar ist das nationale oder zumindest nach ethnischen Gruppen eingeteilte Kulturverständnis sehr verbreitet, z.B. bei den Kulturdimensionen, welchen die Länder bei Hofstede[1] zugeordnet werden, doch sollen im Folgenden stets die kulturellen Untergruppen einer Gesellschaft und individuellen Unterschiede innerhalb scheinbar homogener Gruppen im Hinterkopf behalten werden. Besonders da wir uns im Zeitalter der Globalisierung und weltweit verbreiteter Medien befinden, wachsen Gleichaltrige inzwischen häufig unter erstaunlich ähnlichen Einflüssen auf, wie z.B. die weltweite Verbreitung von MTV und dessen weltweit einheitliches Schönheitsideal beweisen. Dabei werden auch globale Einflüsse zu Teilen jeder einzelnen (National-)Kultur, die immerhin als das stabilisierende Fundament eines Volkes oder einer Gruppe gilt. (Diel 2000, 222) Parallel dazu führt die momentan sehr rasche Veränderung der Lebensbedingungen etwa in kommunikationstechnischer Hinsicht u. a. durch das Internet dazu, dass sich innerhalb eines Landes immer größere Differenzen ergeben zwischen Menschen, die mit neueren Entwicklungen Schritt halten und jenen, die dies nicht tun. (Cushner 1994, 115)

2.1.2 Interkulturelle Kompetenz

Als Ziel interkulturellen Lernens versteht man unter interkultureller Kompetenz die Fähigkeit, sich auf affektiver, kognitiver und verhaltensbezogener Dimension interkulturell erfolgreich und angemessen verhalten zu können, dabei die dem Verhalten zugrunde liegende Logik zu verstehen und auch gefühlsmäßig und psychisch mit sich in Einklang zu sein. (Bolten 2000, 67ff) Laut Bolten gehört zur Kompetenz auf affektiver Ebene z.B. das Einüben und Aneignen von Ambiguitäts- und Frustrationstoleranz sowie die Fähigkeit zur Stressbewältigung und Komplexitätsreduktion, Selbstvertrauen, Flexibilität, Empathie, Rollendistanz, Vorurteilsfreiheit, Offenheit, Toleranz, geringer Ethnozentrismus (bzw. im nicht-ethnischen Kulturverständnis eventuell: Egozentrismus), Akzeptanz und Respekt gegenüber anderen Kulturen sowie interkulturelle Lernbereitschaft. Auf kognitiver Ebene kommen Verständnis des Kulturbegriffs in Hinblick auf Muster des Denkens, der Wahrnehmung, Einstellungen und Verhaltens- und Handlungsweisen sowie fremd- und eigenkulturelle Handlungszusammenhänge, Kulturunterschiede der Interaktanten und Metakommunikationsfähigkeit hinzu. Auf verhaltensbezogener Ebene soll außer Kommunikationsfähigkeit und sozialer Kompetenz- im Sinne des Vermögens, Beziehungen und Vertrauen zu kulturell fremden Kommunikationspartner aufzubauen- auch Kommunikationsbereitschaft gelernt werden bzw. schon vorhanden sein. Ergänzend zur interkulturellen Kompetenz als Kern sind natürlich noch weitere Kompetenzen in bestimmten Bereichen erforderlich: So sollten für eine erfolgreiche Interaktion z.B. im Bereich internationalen Management-Handelns zudem Fachkompetenz, strategische und individuelle Kompetenz vorhanden sein. (Bolten 2000, 68ff) Bezogen auf die tägliche Kommunikation ist eine Anzahl ebendieser Fähigkeiten ausschlaggebend für Konfliktfähigkeit, fehlt jedoch vielen Interaktionspartnern und dieses Fehlen kann zu Missverständnissen oder Unverständnis, Frust, Streit und unnötigen, destruktiven Konflikten führen. (Fisher; Brown 1994, 25ff)

Fasst man ins Auge, dass es überall Menschen gibt, die von der Mehrheitskultur abweichen- laut Bennett so genannte „Devianten“- und zwischen ihnen mehr oder weniger ausgeprägte individuelle Unterschiede existieren (Bennett 1998, 6), so erkennt man die allgemeine Notwendigkeit des Erwerbs interkultureller Kompetenz auch für die Interaktion innerhalb einer Nationalkultur. Auf die Spitze getrieben kann man jeden einzelnen Menschen als die Gesamtvertretung einer einigartigen Kultur betrachten, da kein anderer haargenau dieselben Einstellungen, Werte, Erwartungen und ähnliches teilt. Es soll hier nicht bestritten werden, dass innerhalb einer Nationalkultur die Wahrscheinlichkeit, dass die implizite Erwartungen und Annahmen sowie die kulturellen Hintergründe der Individuen tendenziell eher einander gleichen und miteinander vereinbar sind und weniger vermeidbare Missverständnisse auftreten, höher ist als zwischen Individuen verschiedener Nationalkulturen. Trotzdem möchte ich betonen, dass auch der Blick auf die Vielfalt und damit auf das Konfliktpotential innerhalb der Nationalkulturen seine Berechtigung hat.

[...]


[1] Hofstede, Geert (2001) Lokales Denken, globales Handeln. Interkulturelle Zusammenarbeit und globales Management. München: Deutscher Taschenbuch Verlag (2., durchgesehene Auflage)

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Kompetenz für alle - Zum Nutzen interkultureller Kompetenz im Alltag am Beispiel des Konfliktverhaltens und Möglichkeiten, interkulturelle Kompetenz zu erwerben
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Veranstaltung
Interkulturelles Lernen
Note
3,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V177622
ISBN (eBook)
9783640994076
ISBN (Buch)
9783640995424
Dateigröße
446 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelle Kommunikation, Konfliktverhalten, Soziale Kompetenzen, Interkulturalität, Kulturbegriff, Interkulturelles Lernen, Interkulturelle Kompetenz
Arbeit zitieren
M. A. Maria Gruber (Autor), 2007, Interkulturelle Kompetenz für alle - Zum Nutzen interkultureller Kompetenz im Alltag am Beispiel des Konfliktverhaltens und Möglichkeiten, interkulturelle Kompetenz zu erwerben, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177622

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