Interkulturelle bzw. multikulturelle Kommunikation und interkulturelle Kompetenz sind längst alltägliche Begriffe geworden. Jedoch werden damit meist Geschäftsleute assoziiert, die einen Auftrag im Ausland zu erledigen haben, oder Menschen, die beruflich im Inland mit Menschen aus anderen Ländern treten. Interkulturelle Kommunikation wird dabei aus einer Perspektive betrachtet, aus der sie vor allem nur deswegen für das Arbeitsleben der Menschen relevant ist, da dieses aufgrund der weltweiten Öffnung der Märkte mit interkulturellen Kontakten und Auslandsaufenthalten verbunden ist bzw. viele Angehörige anderer Länder ins Inland immigrieren. Dies jedoch stellt eine unzulässige Reduktion der Inhalte und Ziele interkultureller Kommunikation dar und verliert die Reichweite des Erwerbs interkultureller Kompetenz für das alltägliche Leben eines jeden aus den Augen.
In dieser Arbeit wird herausgearbeitet, dass durch das Lernen interkultureller Kompetenz eine Interaktionsfähigkeit und Weltsicht erlangt wird, die auf sämtliche Kontexte und Situationen im Leben anwendbar ist. Denn interkulturelle Kompetenz ermöglicht erfolgreiche Kommunikation, durch welche konfliktträchtige Missverständnisse und destruktive Konflikte vermieden werden können, lehrt zudem allgemein wichtige soziale Kompetenzen sowie einen konstruktiven Umgang mit Konflikten und hilft Vorurteile und rassistische Neigungen abzubauen.
Abgesehen davon, dass fast jeder Mensch in den meisten Industrienationen tagtäglich mit Angehörigen anderer ethnischer oder nationaler Kulturen interagiert, ist der Erwerb interkultureller Kompetenz generell für alle Menschen sinnvoll, unabhängig davon, ob die Interaktionspartner international sind oder kulturelle Unterschiede anderer, z.B. gesellschaftlicher oder individueller Art, aufweisen und welche Möglichkeiten des Erwerbs existieren. Es soll gezeigt werden, dass der Erwerb interkultureller Kompetenz oder zumindest ein Einblick in die Weltsicht der interkulturellen Kommunikation nicht nur bezüglich national oder ethnisch bedingter Kulturunterschiede und daraus in der Interaktion entstehenden Missverständnissen und Konflikten, sondern auch für das Zusammenleben von Menschen der gleichen (National-)Kultur von großer Wichtigkeit ist.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Inwiefern ist der Erwerb interkultureller Kompetenz für alle Menschen sinnvoll und möglich?
2.1 Relevanz interkultureller Kompetenz für das alltägliche Leben
2.1.1 Interkulturalität und Kultur im engeren und weiteren Sinn
2.1.2 Interkulturelle Kompetenz
2.1.3 Personenbezogene Bedingungen interkulturellen Lernens
2.2 Bedeutung interkultureller Kompetenz am Beispiel der Konfliktfähigkeit
2.2.1 Konflikte
2.2.2 Mediation
2.2.3 Rassismus
2.3 Erwerb interkultureller Kompetenz
2.3.1 Modellhafter Erwerb interkultureller Kompetenz
2.3.2 Interkulturelle Trainings
2.3.3 Universität
2.3.4 Schule
2.3.5 Bücher
2.3.6 Fazit zu den Möglichkeiten des Erwerbs interkultureller Kompetenz
3 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern der Erwerb interkultureller Kompetenz für alle Menschen sinnvoll und möglich ist, wobei die zentrale Forschungsfrage auf die Übertragbarkeit dieser Kompetenzen vom professionellen internationalen Kontext auf das alltägliche Zusammenleben innerhalb einer Nationalkultur zielt.
- Relevanz und Definition interkultureller Kompetenz im Alltag
- Bedeutung interkultureller Fähigkeiten für ein konstruktives Konfliktverhalten
- Analyse von Möglichkeiten des interkulturellen Lernens (Trainings, Schule, Studium)
- Theoretische Begründung der interkulturellen Sensibilisierung zur Rassismusprävention
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Konflikte
Generell hat ein Konflikt stets einen sichtbaren Anteil, den Sachteil, und einen weit größeren, unsichtbaren Teil, den Hintergrund des Konflikts, der neben Interessen und Bedürfnissen, Gefühlen, Beziehungs- und intrapersonalen Problemen auch Werte, Missverständnisse und Kommunikationsprobleme, Informationen, Perspektiven und strukturelle Bedingungen umfasst. Hier wird bereits die Ähnlichkeit zum Eisbergmodell von Kultur, die ebenso sichtbare und unsichtbare Aspekte hat, deutlich. (Mayer; Boness 2004, 20ff.) Die Vertrautheit damit, dass große Teile einer Angelegenheit objektiv und ohne Innenperspektive nicht zu erkennen sind, hilft interkulturellen Lernern, diese Erkenntnis auch auf andere Bereiche neben der Kultur zu übertragen.
Ob Konflikte als belastend oder Chance zu Veränderungen wahrgenommen werden, variiert je nach Kontext, Situation und Verwendungsweise des Terminus. Eine mögliche Definition ist, dass Konflikte „[…] gesellschaftliche und zwischenstaatliche antagonistische Konstellationen noch unterhalb der manifest gewaltsamen Schwelle […]“ (Schwerdtfeger 2001, 101) sind. Bei Konflikttheorien mit entwicklungs- oder sozialpsychologischen Ansatz werden Konflikte meist als notwendiger Bestandteil der Entwicklung des Menschen angesehen (Nothhafft 2004, 91) und auch ansonsten gelten Konflikte häufig als Prozesse, welche die Entwicklung und Veränderung einer Gesellschaft und des Individuums fördern, wohingegen ihre Abwesenheit als Zeichen der Unterdrückung und Stabilisierung ungerechter Konstellationen gedeutet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung stellt die These auf, dass interkulturelle Kompetenz über den beruflichen Kontext hinaus für das alltägliche Leben jedes Menschen relevant ist und zur Konfliktvermeidung beiträgt.
2 Inwiefern ist der Erwerb interkultureller Kompetenz für alle Menschen sinnvoll und möglich?: Dieses Kapitel untersucht die allgemeine Anwendbarkeit interkultureller Kompetenz sowie deren positiven Einfluss auf Konfliktfähigkeit, Rassismusprävention und verschiedene Lernmöglichkeiten.
3 Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Erwerb interkultureller Kompetenz für die Lebensqualität und ein friedlicheres Zusammenleben essenziell ist, wenngleich der Zugang zum Erwerb dieser Fähigkeiten derzeit noch ungleich verteilt ist.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Kommunikation, Interkulturelle Kompetenz, Konfliktfähigkeit, Mediation, Kultur, Rassismus, Interkulturelles Lernen, Soziale Kompetenz, Wahrnehmung, Perspektivwechsel, Globalisierung, Interaktion, Antirassistische Erziehung, Lernmodelle, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die Relevanz interkultureller Kompetenz für den Alltag, losgelöst von einer rein beruflichen oder rein internationalen Perspektive.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Kultur und Kompetenz, der Anwendung dieser Kompetenzen in Konfliktsituationen, Ansätzen gegen Rassismus sowie verschiedenen Wegen des interkulturellen Lernens.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, dass interkulturelle Kompetenz für alle Menschen sinnvoll ist und sich die für den internationalen Austausch entwickelten Konzepte erfolgreich auf das alltägliche Zusammenleben übertragen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Aufarbeitung verschiedener Erwerbsmodelle und Erziehungsansätze basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsbestimmung, die Bedeutung der Kompetenz für die Konfliktlösung und -mediation sowie eine detaillierte Untersuchung von Lernorten wie Trainings, Universitäten, Schulen und Fachliteratur.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Interkulturelle Kommunikation, Konfliktfähigkeit, Mediation, interkulturelles Lernen und Kompetenzerwerb sind die prägenden Begriffe.
Wie unterscheidet sich interkulturelle Mediation von allgemeiner Mediation?
Interkulturelle Mediation berücksichtigt spezifisch die divergierenden kulturellen Wertorientierungen der Konfliktparteien, die eine größere Sensibilität des Mediators erfordern.
Warum ist das "Eisbergmodell" für diese Arbeit so wichtig?
Das Modell verdeutlicht, dass Konflikte meist auf unsichtbaren Ebenen wie Werten und impliziten Erwartungen basieren, was die Notwendigkeit interkultureller Kompetenz zur Erschließung dieser Ebenen begründet.
Welche Rolle spielt die Schule beim Erwerb interkultureller Kompetenz?
Die Schule wird als ein theoretisch optimaler Ort für interkulturelles Lernen betrachtet, da sie alle Altersgruppen erreicht, auch wenn die praktische Umsetzung oft komplex ist.
- Citar trabajo
- M. A. Maria Gruber (Autor), 2007, Interkulturelle Kompetenz für alle - Zum Nutzen interkultureller Kompetenz im Alltag am Beispiel des Konfliktverhaltens und Möglichkeiten, interkulturelle Kompetenz zu erwerben, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177622