„Sonderbar klang mir das ‚süße Mädel’; - zum ersten Mal in dieser kleinen Scene im jetzigen Sinn ausgesprochen und nun ein liter.historisches, fast culturhistorisches Schlagwort.“
Diese Tagebucheintragung Arthur Schnitzlers (1862-1931) vom 21. Dezember 1920 anlässlich einer Aufführung der „Weihnachtseinkäufe“ weist auf die Bedeutung hin, die das süße Mädel seit seiner Entstehungszeit gewonnen hat.
Die Intention dieser Arbeit ist es diesen Frauentypus der Jahrhundertwende näher und vor allem kritisch zu beleuchten. „... als Etikett und Mißverständnis ist dieses „süße Mädel“ des Arthur-Anatol bis zu seinem Tod und darüber hinaus klischeebehaftet nachgeeilt, ...“. Gerade deshalb soll nun der Versuch unternommen werden, die Entwicklung des süßen Mädels von seiner „Erschaffung“ bis heute zu verfolgen und die teilweise immer noch vorhandenen Klischeebilder aufzuzeigen, aber auch nachzuvollziehen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I Der Typus „süßes Mädel“: Ursprung und Charakteristik
1. Entstehung: Das Frauenbild in Wien um 1900
1.1 Das Frauenbild in der Literatur um 1900
1.2 „Ihr seid ja alle so typisch“: Der Typus des süßen Mädels: Fiktion oder Realität?
2. Schnitzlers Frauen(bild)
2.1 Die süßen Mädel in Schnitzlers Leben
3. Charakteristik des süßen Mädels
3.1 Sozialer Status & Beruf
3.2 Jung – Schön – Unschuldig?: Die Bedeutung von Sexualität und Jungfräulichkeit beim süßen Mädel
3.3 Das süße Mädel als Produkt männlicher Wunschvorstellung
3.4 „Göttlich, diese Dummheit“: Die scheinbare Naivität des süßen Mädels
3.5 Temperament und Gemütsverfassung
3.6 Die Schattenseite
3.7 Das Wienerische am süßen Wiener Mädel
3.8 Das Anti-süße-Mädel: Andere Frauentypen Schnitzlers im Vergleich
3.9 Zusammenfassung
II „So heißen s´mich süßes Mädel, ...“
1. „... Ob i süaß bin...“: Die süßen Mädel in Schnitzlers Dramen
1.1. Ninette in „Das Märchen“ (1891)
1.2. „Anatol“-Zyklus (1893)
1.2.1. Cora in “Das Abenteuer seines Lebens”
1.2.2. Cora in „Die Frage an das Schicksal“
1.2.3. Annie in „Abschiedssouper“
1.2.4. Annette in „Anatols Größenwahn“
1.2.5. Fritzi in „Süßes Mädel“
1.3. Mizi Schlager in „Liebelei“ (1896)
1.4. Pepi Fischer in „Freiwild“ (1898)
1.5. „Das süße Mädel“ im „Reigen“ (1900)
1.6. Liesl in „Zum großen Wurstel“ (1906)
„... oder nicht“: Die zu Unrecht als süße Mädel bezeichneten Frauenfiguren
2.1. Fanny Theren in „Das Märchen“ (1891)
2.2. Die angeblichen süßen-Mädel im „Anatol“-Zyklus (1893)
2.3. Christine in „Liebelei“ (1896)
2.4. Lolo Langhuber in „Komtesse Mizzi“ (1908)
2.5. Erna Wahl in „Das weite Land“ (1911)
2.6. Gusti Pflegner in „Im Spiel der Sommerlüfte“ (1930)
III Das süße Mädel in Theaterinszenierungen ...
1. ... zu Lebzeiten Schnitzlers
1.1. ... in Österreich
1.1.1. Das Märchen
1.1.2. Liebelei
1.1.3. Freiwild
1.1.4. Anatol
1.1.4.1. Das Abenteuer seines Lebens
1.1.4.2. Die Frage an das Schicksal
1.1.4.3. Abschiedssouper
1.1.4.4. Anatols Größenwahn
1.1.4.5. Anatol-Zyklus
1.1.5. Zum großen Wurstel
1.1.6. Reigen
1.2. ... im deutschsprachigen Ausland
1.2.1. Liebelei
1.2.2. Reigen
1.3. ... im fremdsprachigen Ausland
1.3.1. Liebelei ...
1.3.1.1. ... in den Niederlanden
1.3.1.2. ... in Schweden
1.3.1.3. ... in Japan
1.3.2. Abschiedssouper...
1.3.2.1. ... in den Niederlanden
1.3.3. Anatol ...
1.3.3.1. ... in Schweden
1.3.4. Reigen ...
1.3.4.1. ... in Ungarn
1.3.4.2. ... in Russland
1.3.3.3. ... in Frankreich
2. ... zur Zeit des politischen Umbruchs der 30er bis 50er Jahre
2.1. ...in Österreich
2.1.1. Liebelei
2.1.2. Anatol
2.2. ... im fremdsprachigen Ausland
2.2.1. Liebelei ...
2.2.1.1. in Frankreich
2.2.2. Anatol ...
2.2.2.1. ... in Schweden
2.2.2.2. ... in den USA
2.2.3. Reigen ...
2.2.3.1. ... in Schweden
3. ... in der Schnitzler-Renaissance
3.1. ...in Österreich
3.1.1. Liebelei
3.1.2. Freiwild
3.1.3. Anatol
3.1.4. Reigen
3.2. ... im deutschsprachigen Ausland
3.2.1. Liebelei
3.2.2. Reigen
3.3. ... im fremdsprachigen Ausland
3.3.1. Liebelei ...
3.3.1.1. ... in Schweden
3.3.2. Anatol ...
3.3.2.1. ... in Schweden
3.3.3. Reigen ...
3.3.3.1. ... in England
3.3.3.2. ... in Frankreich
3.3.3.3. ... in den USA
3.3.3.4. ... in Japan
4. ... zur Jahrtausendwende
4.1. ...in Österreich
4.1.1. Liebelei
4.1.2. Anatol
4.1.3. Reigen
4.2. ... im deutschsprachigen Ausland
4.2.1. Liebelei
4.2.2. Anatol
4.2.3. Reigen
4.3. ... im fremdsprachigen Ausland
4.3.1. Reigen ...
4.3.1.1. ... in Schweden
4.3.1.2. ... in den USA
IV Das süße Mädel in Verfilmungen der Dramen Schnitzlers
1. „Liebelei“-Verfilmungen
1.1. „Liebelei“: Max Ophüls (1933)
1.2. „Christine“: Pierre Gaspard-Huit (1958)
2. „Reigen“-Verfilmung
2.1.. „La Ronde“ : Max Ophüls (1950)
V Schlussfolgerung: Bedeutung der Inszenierungen und Filme
1. Örtliche Differenzen: Zur Problematik „Wiener Mädel“
2. Schnitzlers süße Mädel im Spiegel der Zeit
VI Anhang
1. Filmdaten
1.1. „Liebelei“
1.2. „Christine“
1.3. „La Ronde“
2. Inszenierungsübersicht
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, den Frauentypus des „süßen Mädels“ im Werk von Arthur Schnitzler kritisch zu beleuchten und dessen Entwicklung, kulturelle Einordnung sowie Umsetzung in verschiedenen Theaterinszenierungen und Verfilmungen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart zu untersuchen. Im Zentrum der Forschungsfrage steht, inwieweit dieses Frauenbild – oftmals als Klischee des Wiener Fin de Siècle verstanden – eine zeitlose Figur darstellt oder ob seine Funktionen an die historischen gesellschaftlichen Bedingungen der Jahrhundertwende gebunden sind.
- Analyse des Ursprungs und der soziokulturellen Verankerung des süßen Mädels in Wien um 1900
- Differenzierung des literarischen Typus gegenüber den realen Frauen aus Schnitzlers Leben
- Kritische Untersuchung der Charakteristika: Sozialer Status, Naivität vs. Intelligenz und sexuelle Funktion
- Vergleich der Inszenierungspraxis und Rezeption in Österreich, im deutschsprachigen und fremdsprachigen Ausland
- Bedeutung von Übersetzungen und kulturellen Adaptionen für das Verständnis der Figur
Auszug aus dem Buch
1. Entstehung: Das Frauenbild in Wien um 1900
Um den Typus des süßen Mädels zu begreifen, ist es zunächst notwendig das Umfeld seiner Entstehung beziehungsweise das damalige Lebensbild, was unter anderem auch das Verständnis von Gesellschaftsordnung, sozialen Regeln und moralischen Vorstellungen impliziert, darzulegen.
Schauplatz ist somit das Wien um 1900. Eine genauere Analyse der damals herrschenden Konventionen und das damit verbundene Frauenbild würde den Rahmen dieser Diplomarbeit bei weitem sprengen. Es ist aber aus den oben genannten Gründen dennoch erforderlich, zumindest ansatzweise auf die Gesellschaft dieser Zeit einzugehen.
Der wesentliche Punkt diesbezüglich ist vor allem in der damals einsetzenden Emanzipationsbewegung zu finden. Diese bringt eine völlig neue Definition der Rolle der Frau mit sich, sowohl von Seiten der Gesellschaft als auch von Seiten der Frau selbst, die ihre Identität zwischen dem neuen und alten Rollenmuster finden muss.
Hier treffen zwei Generationen aufeinander, deren Vorstellungen von Sitte und Moral sich oftmals kaum vereinbaren lassen. Dies wird auch an den Frauen aus Schnitzlers Leben deutlich.
Zusammenfassung der Kapitel
I Der Typus „süßes Mädel“: Ursprung und Charakteristik: Untersuchung der historischen und gesellschaftlichen Hintergründe in Wien um 1900 sowie der spezifischen Charakteristika dieses Frauentypus.
II „So heißen s´mich süßes Mädel, ...“: Detaillierte Analyse der süßen Mädel in Schnitzlers Dramen sowie Abgrenzung zu Frauenfiguren, die fälschlicherweise oft diesem Typus zugeordnet werden.
III Das süße Mädel in Theaterinszenierungen ...: Umfassende Aufarbeitung der Rezeptionsgeschichte von Schnitzlers Werken auf Bühnen in Österreich sowie im deutsch- und fremdsprachigen Ausland.
IV Das süße Mädel in Verfilmungen der Dramen Schnitzlers: Betrachtung der filmischen Umsetzungen von „Liebelei“ und „Reigen“ und deren Einfluss auf die Wahrnehmung des süßen Mädels.
V Schlussfolgerung: Bedeutung der Inszenierungen und Filme: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen zur Ortsgebundenheit und zeitlichen Dynamik des Frauentypus.
Schlüsselwörter
Arthur Schnitzler, süßes Mädel, Wien um 1900, Fin de Siècle, Frauenbild, Theaterinszenierung, Liebelei, Reigen, Anatol, Emanzipationsbewegung, Literaturanalyse, Aufführungsgeschichte, Geschlechterrollen, Doppelmoral, Vorstadtmädel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Analyse und Dekonstruktion des literarischen Frauentypus des „süßen Mädels“ bei Arthur Schnitzler und dessen Wirkung in der Literatur- und Theatergeschichte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit untersucht das Frauenbild in Wien um 1900, die literarische Charakteristik des süßen Mädels, die Rolle von Schnitzlers eigenen Erfahrungen sowie die Rezeption des Typus in Inszenierungen und Verfilmungen über ein Jahrhundert hinweg.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob das süße Mädel ein rein historisches, an Wien gebundenes Klischee ist oder ob es Merkmale besitzt, die in Inszenierungen bis heute aktualisiert und interpretiert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine detaillierte Textanalyse der Dramen Schnitzlers, eine Auswertung zeitgenössischer sowie moderner Sekundärliteratur und eine empirische Aufarbeitung von Aufführungsdaten und Theaterkritiken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Frauentypus, eine detaillierte Figurenanalyse in Schnitzlers Dramen, die Abgrenzung von ähnlichen Typen sowie eine breit angelegte Analyse der Inszenierungsgeschichte von der Schnitzler-Zeit bis zur Jahrtausendwende.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören: Arthur Schnitzler, süßes Mädel, Wien um 1900, Frauenbild, Theaterinszenierung, Liebelei, Reigen, Emanzipation und Literaturanalyse.
Wie unterscheidet sich Mizi Schlager von Christine Weiring in „Liebelei“?
Mizi Schlager entspricht dem typischen Modell des süßen Mädels, da sie das Spiel der leichten Liebschaft kennt und akzeptiert, während Christine durch ihr ernsthaftes Gefühlsleben eher dem Typus des „braven Mädels“ zuzuordnen ist und an den Konventionen scheitert.
Ist das süße Mädel eine unübersetzbare Figur?
Die Autorin stellt die Frage, ob der Name „süßes Mädel“ durch Begriffe wie „sweet girl“ oder „grisette“ adäquat wiedergegeben werden kann, ohne dass der spezifisch wienerische, historische Kontext und die damit verbundene soziale Schichtung verloren gehen.
- Quote paper
- Judith Huber-Wendt (Author), 2005, "Zum Erholen sind sie da." Arthur Schnitzlers Typus des süßen Mädels in Inszenierungen und Verfilmungen seiner Dramen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177641