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Fichtes "Anweisung zum seligen Leben" vor dem Hintergrund von Kants praktischer Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Postulatenlehre

Título: Fichtes "Anweisung zum seligen Leben" vor dem Hintergrund von Kants praktischer Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Postulatenlehre

Tesis de Maestría , 1995 , 150 Páginas , Calificación: 1.0

Autor:in: Sigrid Eckold (Autor)

Filosofía - Filosofía de los siglos XVII y XVIII
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Die Arbeitsgrundlage des Textes ist der Anspruch, zwei großen Philosophen gerecht zu werden. Deshalb bemüht sich die Darstellung von Kants ethischer Theorie und Fichtes Religionslehre um die Nähe zum Text und versucht doch, in kritischer Distanz zu einem eigenen Standpunkt zu kommen.
Die praktische Philosophie Kants und seine Postulatenlehre ist Thema des ersten Kapitels. Sie bilden den Ausgangspunkt für Fichtes Moralbegründung in der Religionslehre. Weil Fichte darin einen anderen Weg als Kant einschlägt, wird der Lehre von den Postulaten besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Zielsetzung ihrer Darstellung ist der Versuch, eine Antwort auf die Frage zu finden, ob das Kernstück in der "Dialektik" der "Kritik der reinen Vernunft", nämlich der Begriff "des höchsten Gutes" und die Postulate "Gott", "Freiheit" und "Unsterblichkeit der Seele" nachweislich eine Inkonsequenz Kants im System der praktischen wie theoretischen Vernunft widerspiegelt.
Weil Fichtes Reflexionsniveau in der "Anweisung" den methodischen Ort seiner philosophischen Theorie impliziert und für diese die transzendentale Fragestellung Kants Bedingung ist, wird im zweiten Kapitel die Antwort Kants und Fichtes auf die Frage "Was kann ich wissen?" kurz beleuchtet. Eine Skizze ihrer Methodik in der theoretischen Philosophie soll gemeinsame Ansätze und unterschiedliche Weiterführungen andeuten, so dass die Struktur ihres transzendentalen Fragens in ihren konstitutiven Schwerpunkten ausgelotet wird.
Im Anschluss daran wird im Rekurs auf den zweiten Vortrag der Wissenschaftslehre von 1804 der methodische Weg Fichtes zum Absoluten skizziert, da Fichtes Religionslehre von 1806, "Die Anweisung zum seligen Leben" die in der Wissenschaftslehre von 1804 systematisch erarbeitete höchste Einheit von Sein und Denken zum Ausgangspunkt hat. Dieses Vorgehen soll den Boden bereiten für die dann folgende systematische Darstellung von Fichtes Relionslehre. Der Exkurs zur Wissenschaftslehre erscheint angebracht, um aus ihrer Perspektive von 1804 die "Anweisung" in den Zusammenhang von Fichtes philosophischer Konzeption zu integrieren.
Die Aufgabe, die "Anweisung" in ihrer leitmotivischen Aussage "Es ist, außer Gott, gar nichts wahrhaftig" aus dem Kontext der praktischen Philosophie Kants zu beleuchten, wird sich besonders Fichtes Antworten auf die Fragen "Was soll ich tun?" und "Was darf ich hoffen?" zuwenden, um seine Moralbegründung darzustellen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1 Die praktische Philosophie Kants als Hintergrund für Fichtes Religionslehre

1.1 Kants Anspruch an eine Moralphilosophie

1.2 Kants Pflichtbegriff

1.3 Der kategorische Imperativ

1.4 Die Korrelation von Freiheit und Sittlichkeit

1.4.1 Das Faktum der Vernunft

1.4.2 Der Mensch als Bürger zweier Welten: Die Begriffe "intelligibler" und "empirischer" Charakter

1.5 Die Postulatenlehre

1.5.1 Die Konzeption des höchsten Gutes: Ist die Einheit von Tugend und Glückseligkeit möglich?

1.5.2 Die Antinomie der praktischen Vernunft

1.5.3 Die Postulate der Unsterblichkeit der Seele und der Existenz Gottes: Garanten des höchsten Gutes?

1.5.4 Das Postulat der Freiheit

1.5.5 Schlußbetrachtung zur Postulatenlehre

Kapitel 2 Der transzendentale Fragehorizont bei Kant und Fichte

2.1 Kant und Fichte: Die Frage nach der Einheit der Erkenntnis

2.2 Synthesis und Transzendentalphilosophie

2.3 Die "Ding an sich"-Problematik

2.4 Fichtes Entwicklung der Transzendentalphilosophie

2.4.1 Fichte und Spinoza

Kapitel 3 Der transzendentale Aufbau der Religionslehre

3.1 Der Aufstieg zum Absoluten: Die "Anweisung zum seligen Leben" aus der Perspektive der Wissenschaftslehre von 1804

3.2 Das "in sich geschlossene Singulum"

3.3 Die Differenz des Absoluten zum absoluten Wissen: Das Gesetz der Projektion

3.3.1 Der Begriff der absoluten Liebe als höchstes Einheits- und Spaltungsprinzip

3.3.2 Das Gesetz der Reflexion

3.4 Das Schema der Fünffachheit

3.4.1 Der Standpunkt der Sinnlichkeit

3.4.2 Die Stufe der Legalität

3.4.3 Der Standpunkt der Moralität

3.4.4 Der Standpunkt der Religion

3.4.5 Der Standpunkt der Wissenschaft

Kapitel 4 Die Kantischen Postulate aus der Perspektive von Fichtes Religionslehre

4.1 Die Glückseligkeit "jenseits des Grabes": Die Unsterblichkeit der Seele in der Religionslehre

4.2 Freiheit als unerläßliche Bedingung der Sittlichkeit - Kants Freiheitspostulat im Lichte der Anweisung

4.3 "Es ist, außer Gott, gar nichts wahrhaftig"

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Verhältnis von Kants praktischer Philosophie und Fichtes Religionslehre, insbesondere der Anweisung zum seligen Leben (1806), und hinterfragt, ob Fichtes Kritik an Kant berechtigt ist oder ob strukturelle Gemeinsamkeiten überwiegen.

  • Kritische Auseinandersetzung mit der Kantischen Postulatenlehre.
  • Untersuchung des transzendentalen Fragehorizonts bei Kant und Fichte.
  • Analyse des transzendentalen Aufbaus der Fichteschen Religionslehre.
  • Integration der Kantischen Postulate in Fichtes Modell.
  • Dialektik von theoretischer und praktischer Vernunft in der Erkenntnistheorie.

Auszug aus dem Buch

Die Korrelation von Freiheit und Sittlichkeit

Wie sich gezeigt hat, formuliert Kants handlungstheoretische These einen analytischen Zusammenhang von Freiheit und Moral. Das moralische Gesetz existiert "als die Vorstellung des Gesetzes an sich selbst ... freilich nur im vernünftigen Wesen ... " (GMS; BA15), und nur wenn es von uns erkannt und anerkannt wird, im Sinne der "Achtung für dieses praktische Gesetz", können wir daraus auf unsere Freiheit schließen (ebd.). Deshalb ist das moralische Gesetz als Innengesetzlichkeit im Menschen der Erkenntnisgrund (ratio cognoscendi) der Freiheit, diese aber wiederum der Seinsgrund (ratio essendi) für dieses Gesetz (KpV;5). Das bedeutet, daß die Freiheit ihren Status für uns in der Anerkennung des moralischen Gesetzes gewinnt, aus der wir sie für uns erschließen.

Es bedeutet nicht, daß wir das Sittengesetz als ratio cognoscendi der Freiheit nur kennen müssen, um daraus zu folgern, daß wir frei sind: So weisen also "Freiheit und unbedingtes praktisches Gesetz ... wechselweise auf einander zurück" (KpV;53), indem der Mensch urteilt, "daß er etwas kann, darum weil er sich bewußt ist, daß er es soll, und erkennt in sich die Freiheit, die ihm sonst ohne das moralische Gesetz unbekannt geblieben wäre." (KpV;54)

Ein freies Wesen, das sich von der Vernunft leiten läßt, hat demnach im Sittengesetz, das im kategorischen Sollen seinen Ausdruck findet, ein Motiv, dieses Gesetz zu befolgen.43 Insofern sein Wille kausal aus seiner selbstgesetzgebenden Funktion bestimmt wird, ist der Mensch unabhängig von äußeren Ursachen und handelt autonom und damit frei, denn mit "der Idee der Freiheit ist nun der Begriff der Autonomie unzertrennlich verbunden (GMS;BA108). Wenn Kant diese Verknüpfung von Freiheit und Moral in der Beziehung auf moralische Handlungen aufweist, drängt sich die Frage auf, ob auch unmoralische Handlungen auf die Freiheit des Menschen zurückgeführt werden können. Sind Handlungen frei, obwohl sie der Vernunft widersprechen und deshalb unmoralisch oder nicht erlaubt sind? Kants Freiheitskonzeption impliziert nicht, daß nur Handlungen, die dem Verallgemeinerungsprinzip des Sittengesetzes entsprechen, frei sind.

Zusammenfassung der Kapitel

Die praktische Philosophie Kants als Hintergrund für Fichtes Religionslehre: Dieses Kapitel erläutert Kants Moralphilosophie, insbesondere den Pflichtbegriff, den kategorischen Imperativ und die Postulatenlehre, als Ausgangsbasis für Fichtes spätere Überlegungen.

Der transzendentale Fragehorizont bei Kant und Fichte: Hier wird die transzendentale Methode beider Philosophen verglichen, wobei Fichtes Weiterentwicklung zur Wissenschaftslehre im Vordergrund steht.

Der transzendentale Aufbau der Religionslehre: Dieser Teil analysiert Fichtes Anweisung zum seligen Leben und sein Verständnis des Absoluten als ein "in sich geschlossenes Singulum", welches sich durch Reflexion und Projektion entfaltet.

Die Kantischen Postulate aus der Perspektive von Fichtes Religionslehre: Abschließend werden die Postulate Kants (Unsterblichkeit, Existenz Gottes, Freiheit) kritisch im Lichte der Fichteschen Religionsphilosophie reflektiert.

Schlüsselwörter

Kant, Fichte, praktische Philosophie, Moralphilosophie, Postulatenlehre, Freiheit, Sittlichkeit, Wissenschaftslehre, Anweisung zum seligen Leben, kategorischer Imperativ, transzendentaler Idealismus, höchstes Gut, Unsterblichkeit, Gottesbeweis, Autonomie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophische Beziehung zwischen Immanuel Kant und Johann Gottlieb Fichte im Hinblick auf deren praktische Philosophie und Religionsauffassung.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Moralphilosophie, die transzendentale Freiheit, die Postulatenlehre sowie die Entwicklung von Fichtes Wissenschaftslehre zur Religionsphilosophie.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Fichtes Kritik an Kants Grundlagen der Moral zu analysieren und aufzuzeigen, inwieweit Fichte über Kant hinausgeht oder wo sich strukturelle Gemeinsamkeiten in ihren Systemen finden lassen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine textnahe, vergleichende philosophiegeschichtliche Methode, um die Begründungszusammenhänge bei beiden Denkern zu rekonstruieren und zu relativieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden Kants praktische Philosophie, der transzendentale Horizont, der Aufbau von Fichtes Religionslehre und die spezifische Bedeutung der Kantischen Postulate in Fichtes System detailliert diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Begriffe sind Kant, Fichte, Freiheit, Sollen, Sittlichkeit, Postulatenlehre, Wissenschaftslehre und das Absolute.

Wie bewertet die Autorin Fichtes Kritik an Kants Pflichtbegriff?

Die Autorin argumentiert, dass Fichtes Kritik an Kants Pflichtbegriff teilweise auf ähnlichen Missverständnissen beruht wie die von Schiller, und dass sie Kants systematisches Anliegen, eine Autonomie des Willens zu begründen, nicht vollständig erfasst.

Inwieweit spielt das "höchste Gut" eine Rolle für das Verständnis der Postulate?

Das höchste Gut ist für Kant der Ausgangspunkt der Postulate, da es die Einheit von Tugend und Glückseligkeit postuliert, deren Realisierung nach Kants Auffassung einen intelligiblen Urheber (Gott) und eine Fortdauer der Seele erfordert.

Warum hält Fichte die Postulate Kants in seiner Religionslehre für überflüssig?

Fichte betrachtet die Postulate als eine "synthesis post factum" und sieht in seinem eigenen Modell des Absoluten als Realgrund das Unbedingte bereits immanent, wodurch die traditionelle Form der Postulatenlehre für ihn hinfällig wird.

Final del extracto de 150 páginas  - subir

Detalles

Título
Fichtes "Anweisung zum seligen Leben" vor dem Hintergrund von Kants praktischer Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Postulatenlehre
Universidad
LMU Munich  (Phil. Fakultät)
Calificación
1.0
Autor
Sigrid Eckold (Autor)
Año de publicación
1995
Páginas
150
No. de catálogo
V177743
ISBN (Ebook)
9783640994748
ISBN (Libro)
9783640995998
Idioma
Alemán
Etiqueta
gott fichtes anweisung leben hintergrund philosophie berücksichtigung postulatenlehre ethik kants theoretische philosophie kants praktische philosophie wissenschaftslehre fichtes fichtes kosmologie fichtes ethik vergleichende arbeit kant und fichte faktum der vernunft kategorischer imperativ
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Sigrid Eckold (Autor), 1995, Fichtes "Anweisung zum seligen Leben" vor dem Hintergrund von Kants praktischer Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Postulatenlehre, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177743
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