Hispaniola: Über den internen Zusammenhang von Naturschutz und sozioökonomischen Bedingungen in den Staaten Haiti und Dominikanische Republik


Hausarbeit, 2011

26 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1. Relevanz des Themas und Thesen der Hausarbeit
1.2. Vorgehen

2. GEMEINSAMKEITEN UND UNTERSCHIEDE ZWISCHEN HAITI UND DER DOMINIKANISCHEN REPUBLIK
2.1. Geografie und Klima
2.2. Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung
2.3. Ertrag des Kapitels für das weitere methodische Vorgehen

3. EINFLUSS DES UMWELTBEWUSSTSEINS UND DER UMWELTPOLITIK AUF DIE SOZIOÖKONOMISCHE ENTWICKLUNG AUF HISPANIOLA
3.1. Hispaniola unter kolonialer Herrschaft (17. bis 18. Jahrhundert)
3.1.1. Ausprägung der unabhängigen Variablen ‚Umweltpolitik‘
3.1.2. Ökologische Folgen und sozioökonomische Kosten der kolonialen Umweltpolitik
3.2. Hispaniola und die Jahrzehnte der Diktatur (20. Jahrhundert)
3.2.1. Ausprägung der unabhängigen Variablen ‚Umweltpolitik‘
3.2.2. Ökologische und sozioökonomische Folgen der Umweltpolitik während der Diktaturen

4. RESUMEE

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

1.1.Relevanz des Themas und Thesen der Hausarbeit

Seit dem folgenschweren Erdbeben im Januar 2010 mit mehr als 200.000 Toten steht Haiti im Rampenlicht der Weltbühne. Zuletzt machte der Inselstaat durch den Ausbruch der Cholera-Epidemie, einen schleppenden Wiederaufbau und demokra- tisch fragwürdige Wahlen von sich reden. Angesichts der Umweltkatastrophen, von denen Haiti regelmäßig heimgesucht wird, entsteht schnell der Eindruck einer schicksalhaften Abwärtsspirale; dass Haiti und die Dominikanische Republik auf einer Insel liegen gerät angesichts der unterschiedlichen Entwicklungspfade in den Hintergrund. Während Haiti mit existenzieller Armut, Seuchen und Unterentwick- lung zu kämpfen hat, kann die Dominikanische Republik auf eine florierende Wirt- schaft, und insbesondere einen boomenden Tourismussektor, blicken.

Nicht nur die ökonomischen Unterschiede sind augenfällig: Das Satellitenbild der Insel Hispaniola, auf welcher sich Haiti und die Dominikanische Republik befinden, lässt die Grenze zwischen den beiden Staaten auch ohne ihre Einzeichnung erken- nen. Während die haitianische Seite weitgehend grau und karg erscheint, ist der dominikanische Teil vornehmlich grün. Inwiefern besteht ein Zusammenhang zwi- schen ökologischen und ökonomischen Umständen beider Länder, und inwieweit sind die ökologischen Unterschiede auf geografische und klimatische Gegebenhei- ten zurückzuführen, inwieweit sind sie anthropogener Natur? Wie kommt es, dass die ehemals reichste europäische Kolonie Haiti zu einem der ärmsten Länder der Welt wurde, während der lange Zeit weniger autonome und ärmere Nachbar auf eine boomende Wirtschaft verweisen kann? Welche Einflussfaktoren lassen sich ausmachen für die konträre Entwicklung? Dieser Frage soll die Hausarbeit nachge- hen.

Die These der Hausarbeit lautet: Die strukturelle und konsequente Umweltzerstö- rung in Haiti durch die Kolonialmacht Frankreich und die Bereicherungsdiktatur Duvaliers stellt eine plausible Begründungsfigur für die heute tiefgreifenden Unter- schiede zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik dar. Sollte die gravie rende Prosperitätsdivergenz zwischen Dominikanischer Republik und Haiti auf den Umgang mit der Umwelt zurückzuführen sein, ist dies für heutige Entscheidungen in der Umweltpolitik überaus relevant - nicht nur auf Hispaniola.

Die Problemfrage der Hausarbeit lautet:

Inwiefern beeinflussten der Umgang mit der Natur bzw. die Umweltpolitik die soziale undökonomische Entwicklung von Hispaniola?

1.2.Vorgehen

Die Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Einfluss der Umweltpolitik bzw. des Um- weltbewusstseins auf die ökologische, soziale und ökonomische Entwicklung Hispaniolas; unterschieden wird zwischen den beiden Inselstaaten Haiti und Domi- nikanische Republik; es wird ein interner Zusammenhang zwischen der histori- schen und dem aktuellen Umweltumgang und den heutigen Aussichten beider Staa- ten behauptet. Hispaniola verweist im Folgenden auf die Gesamtheit der Insel. Haiti bezeichnet in der Hausarbeit den westlichen, ehemals französischen Teil und Domi- nikanische Republik den östlichen, ehemals spanischen Teil von Hispaniola - ohne Rücksicht auf abweichende Bezeichnungen vor der Unabhängigkeit beider Länder.

Methodisch folgt die Hausarbeit einem most similar cases design. Ein solches Design untersucht Fallbeispiele, die einander „hinsichtlich aller zu kontrollierenden Dritt- variablen möglichst ähnlich sind, während sie hinsichtlich der kritischen unabhän- gigen Variablen möglichst unähnlich sein und gleichzeitig über die abhängige Vari- able streuen sollen.“ (J. Behnke; N. Behnke; Baur 2006, S. 69) Haiti und die Domini- kanische Republik liegen auf der bergigen Insel Hispaniola, die ursprünglich recht stark bewaldet war; das Klima auf Hispaniola ist auf der gesamten Insel ganzjährig weitgehend ausgeglichen. Bei der Beleuchtung der Geschichte beider Staaten wer- den eklatante Parallelen sichtbar: Beide Länder blicken auf eine koloniale Vergan- genheit zurück und unterstanden im 20. Jahrhundert jeweils einer etwa dreißigjäh- rigen Diktatur. Diskrepanzen hinsichtlich der abhängigen Variablen (Umweltpolitik) können aus diesem Grund auf Unterschiede in der unabhängigen Variablen (sozio-ökonomischer Entwicklungsstand) zurückgeführt werden (für eine detaillierte Be- gründung des methodischen Vorgehens siehe Kapitel 2.3.).

Die unabhängige Variable der Hausarbeit ist Umweltpolitik (Umweltbewusstsein) und stellt einen Sammelbegriff für Handlungen oder ausbleibende Handlungen der politischen Entscheidungsträger dar, welche die Zerstörung der Umwelt beeinflus- sen.1 Der Begriff Umwelt umfasst hierbei hauptsächlich die Böden und Vegetation der Insel; Luft- und Wasserverschmutzung, sowie makroökologische Zerstörung (z.B. Klimawandel) bleiben dabei außen vor. Informationen über die Ausprägung der unabhängigen Variablen, der Umweltpolitik, wurden vornehmlich der angege- benen Literatur entnommen und zusätzlich durch Daten des Environmental Perfor- mance Index unterfüttert. Die abhängige Variable der Untersuchung ist sozioökono- mischer Entwicklungsstand und wurde anhand der aufgeführten Literatur und des Human Development Index gemessen, der als anerkannter Indikator für die soziale und ökonomische Lage eines Landes gelten kann.

Im Kapitel ‚Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Haiti und der Dominika- nischen Republik‘ werden Verwandtschaften und Divergenzen der beiden Länder näher beschrieben. Im darauf folgenden Kapitel ‚Einfluss des Umweltbewusstseins und der Umweltpolitik auf die sozioökonomische Entwicklung auf Hispaniola‘ be- schäftigt sich die Hausarbeit mit der Bearbeitung der Forschungsfrage. Für die Un- tersuchung des Einflusses der unabhängigen Variablen Umweltpolitik auf die ab- hängige Variable sozioökonomischer Entwicklungsstand werden zwei Geschichtspe- rioden betrachtet, in denen sich die Umweltpolitik in den beiden Staaten stark un- terschied: Zunächst die Phase zwischen Ende des 17. und Ende des 18. Jahrhun- derts, als der westliche Teil der Insel unter französischer und der östliche Teil unter spanischer Kolonialherrschaft stand, und anschließend die Periode der Diktaturen auf Hispaniola im 20. Jahrhundert, als Trujillo in der Dominikanischen Republik und die Duvalier-Dynastie in Haiti für jeweils etwa dreißig Jahre das politische Geschehen bestimmten.

In der Hausarbeit geht es ausdrücklich nicht um die Erörterung der aktuellen Situa- tion in Haiti. Vielmehr wird versucht, die konsequente Umweltzerstörung in Haiti für heutige Probleme verantwortlich zu machen; dass Umweltkatastrophen in Haiti ungleich dramatischer ausfallen als in der Dominikanischen Republik, stellt der These nach eine logische Konsequenz aus dem explorativen Umgang mit der Natur dar.

2. Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik

2.1.Geografie und Klima

Haiti und die Dominikanische Republik ähneln einander geografisch sehr. Beide Inselstaaten teilen sich die gleiche Insel Hispaniola. Die Karibikinsel ist außeror- dentlich bergig und verfügt nur über wenige kultivierbare Flächen (vgl. Blu- me 1968, S. 31). Die Insel ist etwa so groß wie Irland und damit die zweitgrößte In- sel der Karibik. Im Osten der Insel befindet sich die Dominikanische Republik, die etwa zwei Drittel der Insel einnimmt und von Haiti durch einen Gebirgsgürtel ge- trennt ist (vgl. Logan 1968, S. 3). Die für die Dominikanische Republik charakteristi- schen Küstenebenen sind im westlichen haitianischen Teil kaum zu finden, da dort ein Großteil des Landes vom Hochgebirge eingenommen wird. Nur knapp ein Drittel des haitianischen Bodens verfügt über geringere Hangneigungen als 10% (vgl. Non- nenmann 1981, S. 142). Da Haiti bergiger als der Nachbarstaat Dominikanische Re- publik ist, eignen sich nur knapp 25% der Fläche des Landes für die landwirtschaft- liche Nutzung; in der Dominikanischen Republik können drei Fünftel des Landes kultiviert werden (vgl. Logan 1968, S. 6; vgl. Barrios; Suter 1995, S. 381). Hispaniola ist heute geostrategisch weitgehend marginalisiert und verfügt über keine nen- nenswerten Bodenschätze (vgl. Gliech 2008, S. 269).

Haiti und die Dominikanische Republik zeichnen sich durch ganzjährig ausgegliche- ne Temperaturen aus, durch das bergige Relief weist die Insel jedoch eine starke klimatische Differenzierung auf (vgl. Blume 1968, S. 32). Im östlichen Teil der Insel, in dem die Dominikanische Republik liegt, sind die Ebenen weiter und fruchtbarer, die Niederschlagsmengen höher. Der haitianische Teil der Insel ist vergleichsweise trocken, da der Gebirgsgürtel, der West- von Ostteil trennt, die Wolken weitgehend im östlichen Teil der Insel bindet (vgl. Diamond 2006, S. 420f). Die Verteilung der Niederschlagsmengen im westlichen, haitianischen Teil sind ungünstig: In den schwerzugänglichen, für die Landwirtschaft überwiegend ungeeigneten Gebirgsre- gionen sind die Niederschlagsmengen groß, während die Ebenen häufig langanhal- tenden Dürren ausgesetzt sind (vgl. Nonnenmann 1981, S. 143). In den Wintermo- naten wird die Insel zum Teil von heftigen Hurrikans heimgesucht; starke Unwetter sind ebenfalls keine Seltenheit (vgl. Barrios; Suter 1995, S. 381). Die Folgen der Unwetter und Wirbelstürme sind üblicherweise im haitianischen Teil der Insel nachhaltiger spürbar und verheerender als im Osten Hispaniolas (vgl. Gliech 2008, S. 269).

Ursprünglich war Hispaniola eine stark bewaldete Insel: Die europäischen Entde- cker und ersten Siedler waren neben der bergigen Landschaft vom Überfluss an wertvollem Holz und den üppigen Wäldern fasziniert (vgl. Diamond 2006, S. 409). Von der ehemals vielfältigen Natur ist heute insbesondere in Haiti nicht mehr viel zu finden: Drei Prozent des haitianischen Bodens ist heute noch von Wäldern be- deckt. In der schon zum Zeitpunkt der Entdeckung Hispaniolas bewaldeteren Domi- nikanischen Republik wurden die Wälder ebenfalls dezimiert; die bewaldete Fläche umfasst aber dennoch noch immer etwa 23%. In Haiti wurden Schätzungen zufolge insgesamt etwa neun Zehntel der Wälder durch Abholzung und unsachgemäße Be- wirtschaftung zerstört; in der Dominikanischen Republik sind es hingegen nur etwa 40% (vgl. Bundesministerium für wirtschaftliche Entwicklung u. Zusammenar- beit 2009). Nonnenmann stellt fest, dass „der Kontrast, der sich beim Flug über His- paniola zwischen den weithin bewaldeten Hängen der Gebirge in der Dominikani- schen Republik und den abgeholzten kahlen Hängen im haitianischen Inselteil ergibt“ (Nonnenmann 1981, S. 144), unübersehbar sei. Dementsprechend rangiert Haiti auf dem Environmental Performance Index nur auf dem 154. Platz von 163 ge- listeten Ländern, während sich die Dominikanische Republik auf Platz 36 befindet (vgl. EPI 2010).2

2.2.Geschichte und wirtschaftliche Entwicklung

Mit der Entdeckung der Insel Hispaniola, die das heutige Haiti und die Dominikani- sche Republik beheimatet, durch Christopher Kolumbus im Jahr 1492, begann die Unterwerfung und Ausrottung der einheimischen indianischen Bevölkerung. Die rasche Dezimierung der Bevölkerung wurde bereits früh von den spanischen Kolo- nialherren durch deportierte afrikanische Sklaven kompensiert (vgl. Bar- rios; Suter 1995, S. 385).

[...]


1 Die Argumentation der Hausarbeit basiert auf der ipsativen Handlungstheorie, die „von ‚außen‘ auferlegte Handlungsspielräume […] kaum thematisiert. Berücksichtigt werden […] lediglich Be- schränkungen von Handlungsmöglichkeiten auf Grund persönlicher Defizite, wie z.B. Begabungs- mängel.“ (Tanner; Foppa 1996) Zur Bekämpfung von Umweltzerstörung bedarf es der Theorie zufol- ge zuerst und allein der Anerkennung des Umweltumgangs als problemhaft. Andernfalls ist eine umweltverantwortliche Handlungsoption nicht im ipsativen Handlungsspielraum der Person exis- tent (vgl. Tanner; Foppa 1996, S. 247).

2 Der Environmental Performance Index setzt sich aus 16 Indikatoren zusammen, die Dynamik und derzeitigen Zustand des Ökosystems eines Landes messen sollen.

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Details

Titel
Hispaniola: Über den internen Zusammenhang von Naturschutz und sozioökonomischen Bedingungen in den Staaten Haiti und Dominikanische Republik
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft)
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
26
Katalognummer
V177765
ISBN (eBook)
9783640996162
ISBN (Buch)
9783640996599
Dateigröße
491 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hispaniola, Dominikanische Republik, Haiti, sozioökonomische Entwicklung, Einfluss von Umweltpolitik auf Entwicklung, Naturschutz, Vergleichende Politikwissenschaft
Arbeit zitieren
Jonas Markgraf (Autor), 2011, Hispaniola: Über den internen Zusammenhang von Naturschutz und sozioökonomischen Bedingungen in den Staaten Haiti und Dominikanische Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177765

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