Geschäftsprozessmodellierung stellt ein wichtiges Thema, sowohl im Bereich der Entwicklung betrieblicher Anwendungssysteme, als auch des Business Process Reengineering und der Geschäftsprozessoptimierung dar. Daraus folgt der Bedarf nach Fachkräften, die in diesem Bereich entsprechende Kompetenzen und Fähigkeiten besitzen. Daher soll untersucht werden, wie eine Konzeption einer virtuellen Lernumgebung zur Erlangung dieser Kompetenzen aussehen kann. Dabei wird als Lerngegenstand die Modellierungssprache der ereignisgesteuerten Prozesskette (EPK) betrachtet, da diese in der Praxis weit verbreitet ist (FETTKE 2009, 561).
Bei der Konzeption des Kurses werden folgende drei Leitfragen betrachtet:
• Welche Inhalte sollen in einem Anfängerkurs vermittelt werden?
• Wie kann der Kurs aufgebaut sein?
• Wie kann das Thema der Geschäftsprozessmodellierung in einer virtuellen Lernumgebung didaktisch aufbereitet werden?
Die Konzeption eines E-Learning Kurses ist in einen größeren Entwicklungs-prozess eingebunden. Dieser beinhaltet eine Analyse der Anforderungen, Pla-nung, Entwicklung sowie Einsatz und Evaluation (ISSING 1997). Im Rahmen der Konzeption werden dabei nur die Aspekte der Analyse und Planung betrachtet. Das Konzept soll allgemein gehalten sein, sodass es sich auf verschiedene Lernumgebungen und Bildungssituationen anwenden lässt. Dementsprechend Erfolgt keine Erstellung konkreter Lerninhalte und Übungsaufgaben, sondern Empfehlungen, welche Inhalte im Kurs thematisiert werden können.
Um einen Überblick über den fachlichen Teil der Konzeption zu gewinnen, wird in Kapitel 0 ein Einblick in die Grundlagen der Geschäftsprozessmodellierung mit EPKs gegeben. In Kapitel 3 wird die Erstellung der Konzeption anhand einer Schrittfolge dargelegt, die aus der Zielgruppenanalyse, der Inhaltsanalyse, dem Didaktischen Design und dem Betreuungskonzept besteht. Zur Abrundung der Konzeption werden in Kapitel 4 mögliche Inhalte und Aufbau der einzelnen Module des Kurses dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
2 Grundlagen der Modellierung mit EPKs
2.1 Definition der Geschäftsprozessmodellierung
2.2 Die ereignisgesteuerte Prozesskette ARIS
2.2.1 Einordnung der EPK in ARIS
2.2.2 Modellierungssprache und -regeln
2.2.3 Vorgehensmodell zur EPK-Modellierung
3 Konzeption des Kurses zur Geschäftsprozessmodellierung
3.1 Schritte bei der Konzeption Multimedialer Lernumgebungen
3.2 Analyse der Zielgruppe
3.3 Analyse der Lerninhalte und Lehrziele
3.3.1 Erstellung von Lerninhalten
3.3.2 Zuordnung von Lehrzielen zu den Lerninhalten
3.4 Festlegung der didaktischen Struktur
3.5 Betreuungskonzept
4 Aufbau der Module
4.1 Modul 1: Einführung in die Geschäftsprozessmodellierung
4.2 Modul 2: Funktionen und Ereignisse
4.3 Modul 3: Organisationseinheit, Informationsobjekte und der Prozesswegweiser
4.4 Modul 4: Modellierungswerkzeuge
4.5 Modul 5: Konnektoren
4.6 Modul 6: Komplexe Modellierung
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwickelt eine didaktische Konzeption für einen E-Learning-Kurs zur Einführung in die Geschäftsprozessmodellierung mittels ereignisgesteuerter Prozessketten (EPK), um Lernenden die notwendigen Kompetenzen für diesen Fachbereich zu vermitteln.
- Grundlagen der Geschäftsprozessmodellierung und der EPK-Sprachregeln.
- Analyse von Zielgruppen und Definition kognitiver Lehrziele.
- Gestaltung einer didaktischen Struktur basierend auf dem Cognitive Apprenticeship-Ansatz.
- Entwicklung eines modularen Kursaufbaus mit integriertem Betreuungskonzept.
- Praxisnahe Anwendung durch Modellierungsszenarien und Werkzeugunterstützung.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition der Geschäftsprozessmodellierung
Ein Prozess bezeichnet eine zeitliche Folge von Aktivitäten und ist inhaltlich abgeschlossen (BECKER 2010). Ein Geschäftsprozess ist ein Prozess, der auf die Bearbeitung eines betriebswirtschaftlichen Zieles ausgerichtet ist (RUMP 1999, 19). Da ein Geschäftsprozess ein Bündel von Aktivitäten beschreibt, findet ein Wechsel der Sichtweisen von einer Funktionsorientierten Betrachtung einzelner Abteilungen hin zu einer ganzheitlichen Betrachtung unternehmerischer Aktivitäten statt (STAUD 2006, 9).
Im Folgenden wird der Begriff der Modellierung beleuchtet. Ein Modell ist die strukturtreue Abbildung der Realität (FERSTL & SINZ 2008, 22). Für die Abbildung der Realität, die auch als Objektsystem bezeichnet wird, wird eine Modellierungssprache genutzt, die aus Komponenten und Regeln besteht, die angeben wie die Komponenten untereinander in Beziehung gesetzt werden können (WAND & WEBER 2002, 364). Im Fall der Geschäftsprozessmodellierung bilden die Geschäftsprozesse eines Unternehmens das Objektsystem. Das Geschäftsprozessmodell ist die Abbildung dieses Objektsystems.
Bei der weitergehenden Betrachtung wird von einem konstruktivistischen Modellierungsverständnis ausgegangen. Dieses geht davon aus, dass der Modellierer die Realität subjektiv wahrnimmt und auf Grundlage dieser Wahrnehmung und seiner Interpretation der Realität das Modell erstellt (FERSTL & SINZ 2008, 129).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Einleitung in die Bedeutung der Geschäftsprozessmodellierung und Definition der Leitfragen für die didaktische Konzeption.
2 Grundlagen der Modellierung mit EPKs: Theoretische Fundierung der Begriffe Prozess und Modell sowie Einführung in die Elemente der ereignisgesteuerten Prozesskette (EPK) und zugehörige Vorgehensmodelle.
3 Konzeption des Kurses zur Geschäftsprozessmodellierung: Darstellung des methodischen Vorgehens bei der Kursgestaltung, unterteilt in Zielgruppen-, Inhaltsanalyse, didaktisches Design und Betreuung.
4 Aufbau der Module: Detaillierte Beschreibung der sechs Kursmodule, von der Einführung über spezifische EPK-Elemente bis hin zu komplexen Modellierungsaufgaben.
5 Zusammenfassung: Reflexion über die entwickelte Konzeption und den Einsatz des Cognitive Apprenticeship-Ansatzes sowie Ausblick auf die Eignung von E-Learning im Vergleich zum Präsenzlernen.
Schlüsselwörter
Geschäftsprozessmodellierung, EPK, E-Learning, Didaktik, Modellierungssprache, Cognitive Apprenticeship, Prozesswegweiser, Organisationseinheit, Informationsobjekte, Betreuungskonzept, Lernzieltaxonomie, ARIS, Prozessorientierung, Lernumgebung, Modellierungsregeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der didaktischen Konzeption eines virtuellen E-Learning-Kurses, der Studierenden und Auszubildenden die Grundlagen der Geschäftsprozessmodellierung mit ereignisgesteuerten Prozessketten (EPK) vermittelt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der EPK, die Strukturierung von Lerninhalten, das didaktische Design unter Einbeziehung von Modulen und ein fundiertes Betreuungskonzept für die Lernenden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein E-Learning-Kurs aufgebaut sein muss, um Lernenden sowohl das theoretische Wissen über EPK-Elemente als auch die praktische Fähigkeit zur Modellierung betrieblicher Prozesse zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse zur Modellierungspraxis und auf didaktische Modelle zur Konzeption multimedialer Lernumgebungen, insbesondere den Ansatz des Cognitive Apprenticeship.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Einführung die Schritte der Kurskonzeption dargelegt und die inhaltliche Strukturierung in sechs aufeinander aufbauende Lernmodule detailliert beschrieben.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Geschäftsprozessmodellierung, EPK, didaktisches Design, Modulaufbau und das Modell des Cognitive Apprenticeship.
Warum wird für den Kurs der Ansatz des Cognitive Apprenticeship gewählt?
Dieser Ansatz eignet sich besonders für kognitiv-prozedurales Lernen, da er durch Phasen wie Modeling und Coaching den Lernenden schrittweise von der geführten Übung zur eigenständigen komplexen Modellierung führt.
Welche Rolle spielt der Tutor in diesem E-Learning-Kurs?
Der Tutor übernimmt eine fachliche und technische Betreuungsfunktion, unterstützt insbesondere in der Gruppenphase bei komplexen Modellierungsaufgaben und dient als Ansprechpartner für Rückfragen.
- Citar trabajo
- Robert Pollack (Autor), 2011, Didaktische Konzeption eines E-Learning Kurses zur Geschäftsprozessmodellierung mit ereignisgesteuerten Prozessketten (EPK), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177832