Jugendkriminalität in Deutschland ist allgegenwärtig. Sie ist vor allem in den Medien und öffentlichen Diskussionen ein Dauerthema. Die Bevölkerung hat den Eindruck, dass insbesondere Jugendgewalt immer stärker und immer intensiver wird. Wie aber Jugendkriminalität entsteht und statistisch erfasst wird, ist fast ausschließlich Fachkräften bekannt.
Die vorliegende Hausarbeit befasst sich mit Jugendkriminalität in Deutschland. Ich habe sie in drei Themenschwerpunkte gegliedert. Zunächst gehe ich kurz auf die Entwicklung des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) ein und erläutere aufgrund entwicklungspsychologischer Erkenntnisse die heute in ihr verankerten Sanktionen für junge Menschen wie beispielsweise Erziehungsmaßregeln. Anschließend benenne ich Aspekte der Jugendkriminalität und bestätige diese anhand der multiperspektivischen Duisburger Verlaufsstudie „Kriminalität in der modernen Stadt“. Als nächstes gehe ich auf die Methode „Erlebnispädagogik“ als sozialpädagogische Interventionsmaßnahme für delinquente Jugendliche ein und erläutere nach einem kurzen Abriss der historischen Entwicklung die Relevanz dieser Methode. Aus Platzgründen beschränke ich mich hierbei auf den Vorläufer der Erlebnispädagogik sowie die Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Abschließend werde ich in einem Fazit die gewonnenen Ergebnisse reflektieren sowie Überlegungen darlegen, inwiefern diese für meine zukünftige Arbeit als Sozialarbeiterin essentiell sein könnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erziehungsstrafrecht: Das JGG und seine Ziele
3. Jugendkriminalität
3.1 Aspekte der Jugendkriminalität
3.2 Duisburger Verlaufsstudie: Jugendkriminalität in der modernen Stadt
3.2.1 Altersverlauf der Jugendkriminalität
3.2.2 Alkohol- und Drogenkonsum
3.2.3 Problembelastung und Gewalt
3.2.4 Migration und Kriminalität
3.2.5 Gewaltdarstellung in den Medien und tatsächliche Gewalt
3.2.6 Schule als Tatort und Präventionsraum
3.2.7 Wohnort und Delinquenz
3.2.8 Jugendmilieus
3.2.9 Soziale Werteorientierungen
3.2.10 Ausblick der Verlaufsstudie
4. Interventionsmaßnahme bei Jugenddelinquenz: Erlebnispädagogik
4.1 Entwicklung der Erlebnispädagogik
4.2 Merkmale und Methoden der Erlebnispädagogik
4.3 Erlebnis als Therapie
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Ursachen von Jugendkriminalität in Deutschland und evaluiert die Erlebnispädagogik als wirksame sozialpädagogische Interventionsmethode, um delinquentes Verhalten zu bearbeiten und soziale Kompetenzen junger Menschen zu fördern.
- Grundlagen des Erziehungsstrafrechts und das Jugendgerichtsgesetz (JGG)
- Analyse der Jugendkriminalität anhand der Duisburger Verlaufsstudie
- Einflussfaktoren wie Migration, Medienkonsum und soziale Milieus
- Geschichte, Merkmale und therapeutische Potenziale der Erlebnispädagogik
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Altersverlauf der Jugendkriminalität
Wie bereits erwähnt, ist delinquentes Verhalten bei Jugendlichen ubiquitär. 84% der Duisburger Jungen und 69% der Mädchen begingen zwischen ihrem dreizehnten und achtzehnten Lebensjahr leichte Delikte, bei Gewaltdelikten waren es 61% der Jungen und 37% der Mädchen. Zum Ende des Kindesalters findet zumeist eine Spontanremission statt. Nicht bekannt ist, ob der plötzliche Rückgang der Delinquenz aufgrund präventiver oder repressiver Maßnahmen wie Weisungen nach dem JGG erreicht wurde.
Alle Probanden der Panelstudie „Jugendkriminalität in der modernen Stadt“ können in sechs Klassen eingeteilt werden:
Demnach zeigen knapp die Hälfte der jungen Menschen kein straffälliges Verhalten, gefolgt von Geringdelinquenten mit 19%. Als persistenter Intensivtäter werden vor allem Gewalt- und Sachbeschädigungen bezeichnet (9%). Mit dem vierzehnten Lebensjahr steigen diese Delikte stark an, sinken jedoch ab dem fünfzehnten Lebensjahr wieder, was die Spontanremission bestätigt. Die im Jugendalter Delinquenten zeigen bis zum fünfzehnten Lebensjahr vermehrte Taten, die allerdings ab dem siebzehnten Lebensjahr zurück gehen (13%). Jedoch gehören dieser Klasse auch vermehrt Frühauffällige um die dreizehn Jahre an, von denen ausgegangen wird, dass diese ins mittlere Erwachsenenalter dauerhaft delinquentes Verhalten zeigen, also den größten Teil aller Gesamtdelikte begehen. Bei den Frühen Abbrechern (4%) fällt die Delikthäufigkeit bereits ab dem fünfzehnten Lebensjahr auf das Niveau der Nichtdelinquenten, während die Späten Starter (5%) vom fünfzehnten bis siebzehnten Lebensjahr überdurchschnittlich Delikte begehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Jugendkriminalität ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Arbeit.
2. Erziehungsstrafrecht: Das JGG und seine Ziele: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen des Jugendgerichtsgesetzes und dessen erzieherischen Auftrag zur Rückfallvermeidung.
3. Jugendkriminalität: Hier werden die theoretischen und empirischen Aspekte delinquenten Verhaltens behandelt, insbesondere durch die Auswertung der Duisburger Verlaufsstudie.
4. Interventionsmaßnahme bei Jugenddelinquenz: Erlebnispädagogik: Das Kapitel stellt die historische Entwicklung sowie die praktischen Methoden der Erlebnispädagogik und deren therapeutische Wirksamkeit dar.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Institutionen zur Prävention von Delinquenz.
Schlüsselwörter
Jugendkriminalität, Jugendgerichtsgesetz, JGG, Erlebnispädagogik, Delinquenz, Duisburger Verlaufsstudie, Erziehung, Soziale Kompetenzen, Prävention, Resozialisierung, Jugenddelinquenz, Sozialpädagogik, Erziehungsstrafrecht, Jugendhilfe, Identitätsentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Jugendkriminalität in Deutschland, ihren Ursachen und den Möglichkeiten, durch sozialpädagogische Ansätze wie die Erlebnispädagogik darauf zu reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind das Jugendstrafrecht (JGG), die empirische Erforschung von Delinquenzverläufen bei Jugendlichen und die Anwendung erlebnispädagogischer Methoden als Interventionsmaßnahme.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Erziehung und pädagogische Maßnahmen dazu beitragen können, delinquentes Verhalten zu reduzieren und die verantwortliche Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse sowie die kritische Auswertung empirischer Befunde, insbesondere der Duisburger Verlaufsstudie „Jugendkriminalität in der modernen Stadt“.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Darstellung des Jugendstrafrechts, eine umfangreiche Analyse verschiedener Einflussfaktoren auf Jugendkriminalität und eine tiefgehende Untersuchung der Erlebnispädagogik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Jugendkriminalität, JGG, Erlebnispädagogik, Resozialisierung und Delinquenz charakterisiert.
Welche Rolle spielt die Duisburger Verlaufsstudie für die Argumentation des Autors?
Die Studie dient als empirisches Fundament, um zu belegen, dass delinquentes Verhalten im Jugendalter häufig ein vorübergehendes Phänomen ist und stark von sozialen Milieus sowie persönlichen Bindungen abhängt.
Warum wird die Erlebnispädagogik als „Grenzsituationstherapie“ bezeichnet?
Sie wird so genannt, da die Teilnehmer in erlebnispädagogischen Settings an ihre psychischen und physischen Grenzen geführt werden, was laut Autor zur Aktivierung bisher verborgener Ressourcen und zur Persönlichkeitsentwicklung beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Christina Stiehl (Autor:in), 2011, Jugendgerichtsgesetz, Jugendkriminalität und Resozialisierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177847