Mikroversicherungen

Nachfrageorientierung als Erfolgsfaktor


Seminararbeit, 2011

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Management Summary

Darstellungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Vom Tsunami zur Mikroversicherung

2. Vom Risiko zur Nachfrage
2.1 Lebensumstände und Risiken armer Menschen
2.2 Bisherige Risikomanagementstrategien und Versicherungslösungen
2.3 Ansprüche der Nachfrage an Versicherungslösungen

3. Von der Nachfrage zum Angebot
3.1 Bedarfsgerechte Produktlösungen
3.2 Angebotsbereitstellung durch Versicherer
3.2.1 Eignung von kommerziellen und nicht-kommerziellen Versicherern
3.2.2 Lösungsansatz

4 Mikroversicherung als Resultat von Angebot und Nachfrage
4.1 Definition und Merkmale der Mikroversicherung
4.2 Nutzen der Mikroversicherung
4.2.1 Nutzen für die Nachfrager
4.2.2 Nutzen für die Anbieter

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Darstellungsverzeichnis

Darst. 1: Die durch den Tsunami am 26.12.2004 betroffenen Länder

Darst. 2: Einkommenspyramide in Entwicklungsländern

Darst. 3: Risikoklassifizierung dem Ursprung nach

Darst. 4: Risikoklassifizierung nach Schadenhöhe und Eintrittswahrscheinlichkeit

Darst. 5: Risikoauswirkungen auf das Vermögen einkommensschwacher Menschen

Darst. 6: Die drei strategischen Ansätze des Risikomanagements

Darst. 7: Kriterien, die das Vertrauen zum Anbieter bedingen

Darst. 8: Kriterien, die eine angemessene Prämie bedingen

Darst. 9: Priorisierte Risiken in ausgewählten Ländern

Darst. 10: Präferenzkriterien zur Entscheidung für einen Anbieter

Darst. 11: Das Partner-Träger-Modell

Darst. 12: Ausgewählte Besonderheiten von Mikroversicherungen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Management Summary

Am 26.12.2004 nahm ein Tsunami rund 230.000 Menschen das Leben. Mindestens 1,5 Millionen Menschen wurden obdachlos. Trotzdem verbuchten die Versicherer kaum Verluste. Der Grund: Viele der Betroffenen konnten sich keine Versicherung leisten. Einige Anbieter von Versicherungslösungen sind nun bereits in den Markt vorgedrungen, doch deckt sich das Angebot in vielen Fällen nicht mit den Wünschen der Versicherungsinteressenten.

Daher wurde im Rahmen dieser Arbeit untersucht, wie Versicherungslösungen für einkommensschwache Menschen nachfrageorientiert angeboten werden können. Hierzu wurde ein Kriterienkatalog erstellt, der die Bedürfnisse der potentiellen Kun- den zusammenfasst. An Hand dieser Kriterien wurde im zweiten Schritt geprüft, ob sich eher kommerzielle oder nicht-kommerzielle Versicherer als kundenorientierte Anbieter eignen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Jedoch erfüllten beide Anbieter, wenn auch nicht-kommerzielle Anbieter von den Nachfragern präferiert werden, nicht alle Voraussetzungen. Das Partner-Träger- Modell stellt eine geeignete Lösung für dieses Problem dar. Hierbei arbeiten professionelle Versicherer mit kundennahen Anbietern zusammen, um so ihre Schwächen mit den jeweiligen Stärken des Kooperationspartners auszugleichen.

Mit Hilfe der Mikroversicherung haben nun rund 2,6 Mrd. Menschen weltweit Zugang zu Versicherungslösungen, die es ihnen ermöglichen, eigenverantwortlich für ihre Zukunft vorzusorgen.

Lernfragen:

1. Erläutern Sie, welche Risikomanagementstrategien einkommensschwacher Men- schen zu Verfügung stehen und wo sich die Versicherungslösung einordnet.
2. Stellen sie kommerzielle und nicht-kommerzielle Versicherer hinsichtlich ihrer Eignung als nachfrageorientierte Anbieter für das Niedrigpreissegment gegen- über.
3. Erläutern Sie die Funktionsweise des Partner-Träger-Modells. Welche Bedeutung hat dieses Modell für die Kundenorientierung?
4. Welche Vorteile haben Mikroversicherung für Anbieter und Nachfrager. Nennen Sie je drei Beispiele.

Literaturhinweise:

Churchill, Craig (Hrsg.)
Protecting the poor- A microinsurance compendium. Genf. 2006.

Kalar, Amit
Mikroversicherung-Risikoschutz für 4 Milliarden Menschen.
in: sigma Nr. 6/2010 Swiss Re (Hrsg.). Zürich, 2010.

Loewe, Markus
Soziale Sicherung, informeller Sektor und das Potenzial von Kleinstversicherungen.
Baden-Baden.2009.

1. Vom Tsunami zur Mikroversicherung

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2004 ereignete sich ein Erdbeben in der Nähe Su- matras. Der daraus resultierende Tsunami war eine der größten Naturkatastrophen der Geschichte. Darstellung 1 zeigt, dass vor allem Entwicklungsländer betroffen wa- ren. 230.000 Menschen starben. Mindestens 1,5 Millionen Menschen wurden ob- dachlos.1

Darst. 1: Die durch den Tsunami am 26.12.2004 betroffenen Länder2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch die hohe Opferzahl gingen die Versicherer von großen Verlusten aus. Doch stellte die Allianz beispielsweise nach einigen Wochen fest, „dass die größte Natur- katastrophe der letzten 100 Jahre .. keine ... Niederschläge auf der Bilanz … fand.“3 Der Grund dafür war schnell gefunden: Der Großteil der Betroffenen hatte zu wenig Geld, um sich eine Versicherung zu leisten. Die Allianz ergriff darauf die ersten Initia- tiven und bezeichnete den Tsunami als „Ursprungsmoment der Mikroversicherun- gen“4 in ihrem Unternehmen.5

Dieser Fall stellt leider keine Ausnahme dar. In Entwicklungsländern6 sind die Ein- kommen gering, dadurch ist es kaum möglich, das Absicherungsbedürfnis ausrei- chend zu befriedigen. Einige Anbieter von Versicherungslösungen sind in diesen Markt schon vorgedrungen, doch deckt sich das Angebot in vielen Fällen nicht mit den Anforderungen der Versicherungsinteressenten.7

Deshalb wird im Rahmen dieser Arbeit untersucht, wie Versicherungslösungen für einkommensschwache Menschen nachfrageorientiert angeboten werden können. Anhand des erarbeiteten Kriterienkatalog wird im 3. Kapitel geprüft inwieweit kom- merzielle und nicht-kommerzielle Anbieter die Anforderungen erfüllen und welcher von den potentiellen Versicherungskunden präferiert wird. Sollte sich kein geeigneter Anbieter finden, wird nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Auf Basis der Ergebnisse soll im 4. Kapitel schließlich eine Definition herausgearbeitet werden, die die Mikro- versicherung als nachfrageorientierte Versicherungslösung beschreibt.

2. Vom Risiko zur Nachfrage

Da die Anforderungen der Versicherungsinteressenten an Versicherungslösungen und somit die Nachfrage stark von den Lebensumstände, Risiken und Risikomana- gementstrategien in Entwicklungsländern abhängen, werden diese im Folgenden näher betrachtet.8

2.1 Lebensumstände und Risiken armer Menschen

Bevor der Zusammenhang zwischen den Lebensumständen und den Risiken einkommensschwacher Menschen erläutert wird, muss zunächst definiert werden, wer als einkommensschwach gilt.

Darstellung 2 zeigt vereinfacht die für diese Arbeit relevanten Einkommensschichten. Unvermögend ist eine Person demnach, wenn sie weniger als 4 US-Dollar pro Tag verdient. Darunter zählen weltweit 4 Mrd. Menschen. Bei einer aktuellen Gesamtbevölkerung von 6,8 Mrd. Menschen (Stand März 2011) sind demnach ca. 59% der Erdbevölkerung finanzschwach.9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Darst. 2: Einkommenspyramide in Entwicklungsländern10

Menschen mit einem geringen Einkommen sind häufiger und stärker von Risiken be- troffen als nicht einkommensschwache Menschen. Begründet liegt dies in ihren Le- bensumständen. Die drei einflussreichsten Faktoren werden im Folgenden genauer betrachtet:11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Lebensraum: Häufig leben die schwächsten Glieder der Gesellschaft in ländlichen Regionen mit schlecht ausgebauter Infrastruktur. Fahrten in die Stadt und zum nächsten Krankenhaus dauern sehr lange und sind beschwerlich. Ihre Hütten befin- den sich in der Nähe von Flüssen, See oder Küstenzonen, um die Wasserversor- gung zugewähren. Schwellenländer sind zudem häufiger von Naturkatastrophen und dem Klimawandel bedroht. Zudem brechen durch den demographische Wandel und die Abwanderung vieler Menschen immer mehr soziale Dorfgemeinschaften zusam- men.12

2. Arbeitsumst ä nde: Viele finanzschwache Menschen sind im informellen Sektor oder der Landwirtschaft beschäftigt. Unter informell Beschäftigte versteht man „Arbeit- nehmer mit befristeten oder mündlichen Vertrag bzw. ohne jeden Vertrag“13 sowie „kleine Selbstständige ohne registrierten Betrieb“14. Gemeinsam ist allen ein unregelmäßiges Einkommen und unzureichender Arbe]itsschutz, der häufig zu Unfällen führt. Während formell Erwerbstätige in den meisten Ländern sozialversichert sind und besserverdienende Unternehmer sich selbst versichern können, genießen informell Beschäftigte keinen sozialen Schutz.15

3. Bildung: Das Analphabetentum ist weit verbreitet, da Schulen (wenn überhaupt) nur wenige Jahre besucht werden. Oft wird die Arbeitskraft der Kinder benötigt, um ausreichend Nahrung zur Verfügung zu haben oder finanzielle Einschnitte auszugleichen. Folglich können viele Menschen nicht einmal ihren Namen schreiben, geschweige denn Warnhinweise oder Sicherheitsvorschriften lesen.16

Diese Lebensumstände bedingen eine Vielzahl von Risiken. Darstellung 3 ordnet sie ihrem Ursprung zu. Weiterhin wird zwischen drei Ebenen unterschieden. Die Mikroebene bezieht sich immer nur auf einen einzelnen Menschen, die Mesoebene auf eine Menschengruppe und die Makroebene auf eine ganze Gesellschaft.17

Darst. 3: Risikoklassifizierung dem Ursprung nach18

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten19

[...]


1 Vgl. n-tv (Hrsg.). [Tsunami 2004, 2009].

2 Vgl. UNICEF (Hrsg.). [Tsunami 2004, 2007].

3 Anthony, Michael. [Mikroversicherungen, 2010].

4 Anthony, Michael. [Mikroversicherungen, 2010].

5 Vgl. Anthony, Michael. [Mikroversicherungen, 2010].

6 Die Begriffe Schwellenland und Entwicklungsland werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

7 Vgl. BMZ (Hrsg.). [Mikroversicherungen, 2009] S.4-5 und Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.144-154.

8 Vgl. Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.135-138.

9 Vgl. Statista. [Weltbevölkerung, 2011] und Kalar, Amit. [Mikroversicherung, 2010] S.11.

10 Vgl. Kalar, Amit. [Mikroversicherung, 2010] S. 11. stark modifiziert.

11 Vgl. BMZ (Hrsg.). [Mikroversicherungen, 2009] S.6 und Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.21.

12 Vgl. BMZ (Hrsg.). [Mikroversicherungen, 2009] S.4 und 6.

13 Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.17.

14 Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.17.

15 Vgl. Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.17 und BMZ (Hrsg.). [Mikroversicherungen, 2009] S.4, 6.

16 Vgl. BMZ (Hrsg.). [Mikroversicherungen, 2009] S.6.

17 Vgl. Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S.22 und 24.

18 Vgl. Loewe, Markus. [Kleinstversicherungen, 2009] S. 25. Leicht modifiziert.

19 Unter einem Staatsstreich ist in diesem Zusammenhang ein Putsch bzw. eine politische Revolte zu verstehen.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Mikroversicherungen
Untertitel
Nachfrageorientierung als Erfolgsfaktor
Hochschule
Hochschule Coburg (FH)
Veranstaltung
Aktuelle Aspekte der Versicherungswirtschaft
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
27
Katalognummer
V177849
ISBN (eBook)
9783640997312
ISBN (Buch)
9783640997039
Dateigröße
710 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Versicherungswirtschaft, Internationalisierung, Mikro, Kundenorientierung, Mikrokredit, Risikotransfer
Arbeit zitieren
Sabrina Schmidt (Autor), 2011, Mikroversicherungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177849

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