Die Groß- und Kleinschreibung gehört zu den grundlegenden, zugleich aber häufig fehleranfälligen Bereichen des deutschen Rechtschreibunterrichts. Welche Möglichkeiten gibt es, Schülerinnen und Schülern die entsprechenden Regeln verständlich und nachhaltig zu vermitteln?
Diese Arbeit stellt den traditionellen wortartbezogenen Ansatz dem syntaxorientierten Ansatz gegenüber und untersucht, welche didaktischen Möglichkeiten sich daraus für den Unterricht in der Grundschule ergeben. Neben den Vorgaben des amtlichen Regelwerks und des Niedersächsischen Kerncurriculums werden konkrete Umsetzungsvorschläge für den syntaxorientierten Rechtschreibunterricht vorgestellt. Ergänzend wird im Rahmen einer Schulbuchanalyse untersucht, wie die Vermittlung der Groß- und Kleinschreibung in Unterrichtsmaterialien umgesetzt wird.
Die Arbeit bietet damit sowohl einen theoretischen Überblick über unterschiedliche Vermittlungsansätze als auch konkrete Anregungen für die Gestaltung des Rechtschreibunterrichts in der Grundschule.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Amtliches Regelwerk
2.2 Niedersächsisches Kerncurriculum für die Grundschule
3. Didaktik der Groß- und Kleinschreibung
3.1 Der traditionelle wortartbezogene Ansatz
3.2 Der syntaxorientierte Ansatz
3.3 Didaktische Umsetzungsvorschläge für den syntaktischen Ansatz
4. Schulbuchanalyse
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, den traditionellen wortartbezogenen und den syntaxorientierten Ansatz zur Vermittlung der Groß- und Kleinschreibung aus fachdidaktischer und linguistischer Perspektive zu untersuchen und zu vergleichen, um zu bewerten, welche Methode sich für den Deutschunterricht in der Grundschule besser eignet.
- Analyse der Vorgaben des Amtlichen Regelwerks und des Niedersächsischen Kerncurriculums
- Kritische Betrachtung des traditionellen wortartbezogenen Ansatzes und seiner semantischen Definitionsversuche
- Erarbeitung des syntaxorientierten Ansatzes mit Fokus auf Nominalgruppenkerne und Attribuierbarkeit
- Untersuchung konkreter didaktischer Umsetzungsvorschläge wie Treppengedichte und Erweiterungsproben
- Überprüfung der Vermittlungsansätze anhand einer exemplarischen Schulbuchanalyse gängiger Lehrwerke
Auszug aus dem Buch
Der syntaxorientierte Ansatz
Folgender Beispielsatz veranschaulicht die Problematik des wortartbezogenen Ansatzes sehr gut: Das Schöne am Faulenzen ist das Nichtstun. Hier kommt kein einziges Substantiv vor, dennoch werden mehrere Wörter großgeschrieben, denn sie fungieren als nominale Satzglieder. Zwar ist das Wort Faulenzen isoliert betrachtet ein Verb, doch steht es in dem Beispielsatz als Kern einer Nominalgruppe im Dativ Singular und wird dementsprechend großgeschrieben.
Um den SuS die Zusammenhänge verständlich zu machen, muss ihnen zunächst der Unterschied zwischen einer Form, also der Wortart, und einer Funktion, also z.B. dem Kern einer Nominalgruppe, vermittelt werden. Die Groß- und Kleinschreibung muss somit immer auf der Ebene des Satzes entschieden werden, und eben nicht auf lexikalischer Ebene.
Aus linguistischer Sicht ist aus diesen Gründen ein syntaxorientierter Ansatz deutlich sinnvoller. Da im Deutschen wie beschrieben der Kern einer Nominalgruppe großgeschrieben wird, können semantisch-lexikale Eigenschaften im Prinzip vollkommen ausgeklammert werden. Demnach ist es gleichgültig, ob „man es anfassen kann“ oder ob „man es tun kann“ – die Wortart ist irrelevant.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Problematik der satzinternen Groß- und Kleinschreibung als Hauptfehlerquelle ein und formuliert das Ziel, den wortartbezogenen und den syntaxorientierten Ansatz zu vergleichen.
2. Theoretischer Hintergrund: Es werden die Vorgaben des Amtlichen Regelwerks sowie des Niedersächsischen Kerncurriculums bezüglich der Groß- und Kleinschreibung und der syntaktischen Analyse beleuchtet.
3. Didaktik der Groß- und Kleinschreibung: Dieses Hauptkapitel analysiert den traditionellen wortartbezogenen Ansatz, stellt den syntaxorientierten Ansatz gegenüber und zeigt konkrete didaktische Umsetzungsmöglichkeiten auf.
4. Schulbuchanalyse: Anhand von ausgewählten Lehrwerken wie „Pusteblume“ und „ABC der Tiere“ wird untersucht, wie die Groß- und Kleinschreibung in der Praxis eingeführt wird.
5. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei ein großer Verbesserungsbedarf in Schulbüchern festgestellt und ein stärkerer Rückgriff auf syntaxorientierte Methoden gefordert wird.
Schlüsselwörter
Groß- und Kleinschreibung, syntaxorientierter Ansatz, wortartbezogener Ansatz, Nominalgruppe, Nominalgruppenkern, Attribuierbarkeit, Fachdidaktik, Schulbuchanalyse, Deutschunterricht, Grundschule, Orthografie, Sprachbetrachtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Vermittlung und dem Erwerb der satzinternen Groß- und Kleinschreibung im Deutschunterricht der Grundschule und vergleicht dabei zwei grundlegende didaktische Ansätze.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themenfelder umfassen die linguistischen Grundlagen der Orthografie, den Vergleich zwischen Wortart- und Satzebene, curriculare Vorgaben, didaktische Methoden wie Treppengedichte sowie eine empirisch motivierte Schulbuchanalyse.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aus fachdidaktischer Perspektive zu beleuchten, warum der traditionelle wortartbezogene Ansatz an seine Grenzen stößt und warum der syntaxorientierte Ansatz für die Vermittlung der Großschreibung besser geeignet ist.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden in der Arbeit angewendet?
Neben einer theoretischen Fundierung anhand sprachwissenschaftlicher und didaktischer Literatur wird eine qualitative Schulbuchanalyse durchgeführt, um gängige Lehrwerke auf ihre methodische Umsetzung hin zu überprüfen.
Welche Inhalte werden im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden das Amtliche Regelwerk und das Kerncurriculum analysiert, die Schwächen des wortartbezogenen Ansatzes aufgezeigt, der syntaxorientierte Ansatz mit seinen Erweiterungsproben hergeleitet und zwei konkrete Schulbücher evaluiert.
Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Groß- und Kleinschreibung, syntaxorientierter Ansatz, nominale Gruppe, Attribuierbarkeit, Schulbuchanalyse und Fachdidaktik.
Welche konkrete Problematik wird beim traditionellen Ansatz festgestellt?
Der traditionelle Ansatz versucht, grammatische Kategorien wie Substantive über semantische Merkmale („Dingwörter“, „Anfassbares“) zu definieren, was syntaktische Phänomene wie die satzinterne Großschreibung nicht hinreichend erklären kann und bei Schülern zu Verwirrung führt.
Wie funktioniert der syntaxorientierte Ansatz zur Großschreibung im Satz?
Beim syntaxorientierten Ansatz wird nicht die Wortart betrachtet, sondern die Funktion im Satz: Der Kern jeder expandierbaren nominalen Gruppe wird großgeschrieben, was mithilfe der Attribuierbarkeit (z.B. durch Treppengedichte) überprüft werden kann.
Welches Fazit ziehen die analysierten Schulbücher in Bezug auf den Ansatz?
Die Untersuchung zeigt, dass gängige Lehrwerke wie „Pusteblume“ oder „ABC der Tiere“ überwiegend auf den wortartbezogenen Ansatz setzen und den wichtigen Bezug zur Syntax sowie zur Attribuierbarkeit weitgehend ausblenden.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2021, Wie unterscheidet sich der syntaxorientierte Ansatz vom wortartbezogenen Ansatz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1778712