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Schillers "Wilhelm Tell" - Ein Gegenmodell zur Französischen Revolution?

Título: Schillers "Wilhelm Tell" - Ein Gegenmodell zur Französischen Revolution?

Trabajo , 2010 , 27 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Franziska Eichhorn (Autor)

Filología alemana - Literatura alemana moderna
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Schillers Drama „Wilhelm Tell“, das er 1804 erst nach vielen Unterbrechungen abschließen konnte, stellte das letzte von ihm vollendete Schauspiel dar. Kein anderes Werk der klassischen Periode hat eine ähnliche Nachwirkung erfahren wie Schillers Drama über den Schweizer Nationalhelden. Es diente als ein Vorbild sowohl für die studentischen Patrioten im Krieg gegen die napoleonische Fremdherrschaft als auch für die Demokraten des Vormärzes. Wie im „Wallenstein“ und „Der Jungfrau von Orleans“ wendete sich der Historiker Schiller auch hier wieder einem historischen Thema zu. Mit dem „Wilhelm Tell“ knüpft er unter dem Eindruck der gewaltsamen Ereignisse in Frankreich direkt an die zeitgenössischen Diskurse an, ob und unter welchen Umständen revolutionäres Handeln als gerechtfertigt angesehen werden kann.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit soll die Frage stehen, inwieweit sich Bezüge zwischen Schillers Drama und der Französischen Revolution herstellen lassen und wo Unterschiede auftreten. Dabei möchte ich auch darauf eingehen, bis zu welchem Grad die anderen revolutionären Ereignisse wie zum Beispiel in den Niederlanden und speziell in der Schweiz im „Tell“ verarbeitet wurden. Im Vordergrund soll dabei stehen, wie Schiller zur damals aktuellen und von den revolutionären Ereignissen untrennbaren Diskussion über das Widerstandsrecht Stellung genommen hat. Weiterhin möchte ich auf die Position Schillers gegenüber Revolutionen und die Verarbeitung zeitgenössischer theoretischer Auseinandersetzungen eingehen.
Ich schildere zunächst die Entstehung des Dramas und dessen zeitgenössische Bezüge. In einer Analyse der Rütli-Szene möchte ich darstellen, wie Schiller in dieser konkreten Szene Bezüge zur Französischen Revolution und der Debatte um das Widerstandsrecht hergestellt hat. Im nächsten Schritt möchte ich auf die Problematik des Tyrannenmordes eingehen, welche gerade vor dem Hintergrund der Hinrichtung Ludwig XVI. während der Französischen Revolution aktuell war. Abschließend soll erläutert werden, wie sich Schiller selbst in seinen theoretischen Schriften mit den revolutionären Ereignissen Ende des 18. Jahrhunderts auseinandergesetzt und Bezug auf andere theoretische Schriften seiner Zeit genommen hat.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entstehung des Dramas und die zeitgenössischen Bezüge

3. Die Rütliszene

3.1 Die Formierung des Widerstands

3.2 Der Gründungsmythos

3.3 Ein Plädoyer für den aktiven Protest

3.4 Die Ziele der Verschwörung

3.5 Die Folgen des Bundes

4. Das Problem des Tyrannenmords und dessen Bezüge zur Französischen Revolution

5. „Wilhelm Tell“ - Schillers Antwort auf die Französische Revolution?

5.1 Verarbeitung der revolutionären Ereignisse im Drama

5.2 Schillers theoretische Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution

5.3 Bezüge des „Tell“ zu zeitgenössischen theoretischen Schriften

5.4 Schillers „Tell“ als Gegenmodell zur Französischen Revolution?

6. Schlusswort

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit das Drama „Wilhelm Tell“ als künstlerische Auseinandersetzung mit der Französischen Revolution betrachtet werden kann und wo Schiller bewusste Abgrenzungen zu diesem historischen Ereignis vornimmt. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Mittelpunkt, unter welchen Bedingungen nach Schiller revolutionäres Handeln als moralisch legitimiert angesehen werden kann und wie er dabei das Widerstandsrecht gegenüber der Radikalität der jakobinischen Revolutionspraxis positioniert.

  • Bezüge zwischen „Wilhelm Tell“ und der Französischen Revolution
  • Die moralische Legitimation des Widerstandsrechts
  • Schillers Position zur Gewaltanwendung in politischen Umbrüchen
  • Rezeption zeitgenössischer politischer Schriften (Burke, Kant, Erhard)
  • Die Funktion der idyllischen Landschaft und des Gründungsmythos

Auszug aus dem Buch

3.3 Ein Plädoyer für den aktiven Protest

Die Erzählung Stauffachers vom Gründungsmythos mündet in ein im Geiste des Naturrechts begründetes Plädoyer für den aktiven Protest:

„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht | wenn der Gedrückte nirgends Recht kann finden, | Wenn unerträglich wird die Last – greift er | Hinauf getrosten Muts in den Himmel, | Und holt herunter seine ewgen Rechte, | Die droben hangen unveräußerlich | und unzerbrechlich wie die Sterne selbst - | der alte Urzustand der Natur kehrt wieder, | wo Mensch dem Menschen gegenübersteht […].“

Der gegenseitig verpflichtende Herrschaftsvertrag zwischen Volk und Kaiser wird durch die Worte Stauffachers aufgekündigt und führt in einen moralisch aufgewerteten Naturzustand zurück, in dem den Schweizern die Freiheit zur Selbstbestimmung gegeben ist. Der Rückgang in den alten Naturzustand ist aber auch an den Konflikt zwischen häuslicher und politischer Ebene geknüpft: Um die häusliche Sphäre, die durch die Vögte wiederholt verletzt worden ist, zu verteidigen, müssen sich die Schweizer selbst zu politischen Akteuren erklären. „Sie müssen in den Raum der Macht eintreten mit dem alleinigen Ziel, sich ihm zu verwehren.“ Stauffacher legt die Bedingungen für einen moralisch legitimierten Widerstand dar: Die Erniedrigung des Freien zum Knecht, die Bedrohung des Eigentums und das Verwehren des Anspruchs auf Rechtssicherheit bilden die Grenze der legalen Rechtsausübung des Kaisers. Unter dem Begriff der „ew'gen Rechte“ formuliert Stauffacher in seinem Plädoyer exemplarisch genau jene Menschenrechte, die im Kanon der Geschichte der Menschenrechte immer wieder eine Rolle gespielt haben und als unveräußerliche natürliche Rechte des Menschen gelten: Leben, Freiheit, Eigentum. Genau diese Rechte sind durch die Vögte wiederholt angegriffen worden.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des „Wilhelm Tell“ als Schillers letztes vollendetes Drama ein und skizziert das Untersuchungsziel: die Analyse der Bezüge zur Französischen Revolution und der moralischen Legitimation des Widerstandes.

2. Die Entstehung des Dramas und die zeitgenössischen Bezüge: Das Kapitel erläutert die Entstehungsgeschichte des Stoffes und verortet das Drama als hochaktuelles Zeitstück im Kontext der napoleonischen Zerschlagung der Helvetischen Republik.

3. Die Rütliszene: In dieser detaillierten Analyse der Kernszene wird die Formierung des Widerstands als moralisch begründeter Akt innerhalb eines naturbestimmten Rechtsrahmens dargestellt.

4. Das Problem des Tyrannenmords und dessen Bezüge zur Französischen Revolution: Dieses Kapitel untersucht die Trennung der Figur Tell vom organisierten Bund sowie die Reflexion über den Tyrannenmord in Abgrenzung zur juristisch fragwürdigen Hinrichtung Ludwigs XVI.

5. „Wilhelm Tell“ - Schillers Antwort auf die Französische Revolution?: Der Hauptteil stellt die verschiedenen Ebenen von Schillers Auseinandersetzung dar, von der Verarbeitung historischer Vorbilder über theoretische Schriften bis hin zum bewussten Entwurf eines Gegenmodells.

6. Schlusswort: Das Fazit resümiert, dass Schiller den „Tell“ als ästhetisch-politisches Gegenmodell konzipiert hat, das Gewaltfreiheit und die Rückkehr zu einer moralischen Ordnung der Radikalität einer gewaltsamen Umwälzung vorzieht.

Schlüsselwörter

Friedrich Schiller, Wilhelm Tell, Französische Revolution, Widerstandsrecht, Naturrecht, Rütliszene, Tyrannenmord, Eidgenossen, Humanität, Vernunftstaat, Politische Theorie, Ästhetische Erziehung, Souveränität, Ständegesellschaft, Idealisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Schillers Drama „Wilhelm Tell“ im Hinblick auf seine explizite und implizite Auseinandersetzung mit den Ereignissen und der politischen Philosophie der Französischen Revolution.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen das Widerstandsrecht gegen Tyrannei, die moralische Legitimation von Gewalt, die Funktion von Mythen in der Politik sowie das Spannungsverhältnis zwischen Naturzustand und Vernunftstaat.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Schiller durch die Konstruktion der Schweizer Eidgenossen ein Gegenmodell zum Verlauf der Französischen Revolution entwirft, das politische Freiheit mit moralischer Reife und Gewaltverzicht verbindet.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer tiefgehenden Textanalyse des Dramas unter Einbeziehung von Schillers theoretischen Schriften (insbesondere den „Ästhetischen Briefen“) sowie der zeitgenössischen politischen Debatten um 1800.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Rütliszene, die Problematik des Tyrannenmords durch Tell im Vergleich zu realen historischen Ereignissen und die Einordnung des Dramas in den zeitgenössischen Diskurs der politischen Theorie.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Widerstandsrecht“, „moralische Legitimation“, „Gegenmodell“, „Jakobiner-Kritik“ und „Naturrecht“ charakterisiert.

Warum spielt die Rütliszene eine so zentrale Rolle für die Argumentation des Autors?

Die Rütliszene dient als Demonstration, wie ein legitimer Widerstand formiert werden muss, der sich auf alte Rechte und ein moralisches Bündnis stützt, anstatt in ein anarchisches Chaos zu verfallen.

Inwiefern distanziert sich Schiller im Drama von den „jakobinischen Hitzköpfen“?

Schiller zeigt durch die besonnene Planung der Eidgenossen, dass Widerstand dann legitim ist, wenn er auf die Verteidigung der menschlichen Freiheit und Würde abzielt, während er die bloße Gewaltanwendung und Rachegelüste der Jakobiner ablehnt.

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Detalles

Título
Schillers "Wilhelm Tell" - Ein Gegenmodell zur Französischen Revolution?
Universidad
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Germanistische Literaturwissenschaft)
Calificación
1,3
Autor
Franziska Eichhorn (Autor)
Año de publicación
2010
Páginas
27
No. de catálogo
V177915
ISBN (Ebook)
9783640998142
ISBN (Libro)
9783640998357
Idioma
Alemán
Etiqueta
Wilhelm Tell Rütliszene Rütlischwur Tyrannenmord Rütlibund Schiller Französische Revolution Rütliverschwörung Eidgenossen Schweizer Revolution Revolutionsbegriff Gessler Apfelschuss Apfelschussszene Königsmörder Antoine de Saint-Just Rütli Girondisten Herrschaftsvertrag Jakobiner Morisson Schweizer Republik Schweizer Eidgenossenschaft Eidgenossenschaft
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Franziska Eichhorn (Autor), 2010, Schillers "Wilhelm Tell" - Ein Gegenmodell zur Französischen Revolution?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177915
Leer eBook
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