Kontexte und Erkenntnisgrundlagen der Pflege: Betriebliche Gesundheitsförderung


Seminararbeit, 2007

15 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Gesundheitsbegriff – Definitionen, Sichtweisen und Verständnisse

3. Einflussfaktoren auf die Gesundheit

4. Gesundheitsförderung im Setting Arbeitsplatz und Betrieb
4.1 Beziehung zwischen Arbeit und Gesundheit
4.2 Nutzen einer Gesundheitsförderung für Unternehmen
4.3 Gesetzliche Grundlagen
4.4 Beauftragte für Gesundheitsbelange
4.5 Ansätze und Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung

Literaturverzeichnis:

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit dient der Vorbereitung meiner Fachprüfung im Modul „Kontexte und Erkenntnisgrundlagen der Pflege – Gesundheit, Krankheit, Behinderung und Altern“.

Schwerpunkt der Abhandlung ist die betriebliche Gesundheitsförderung. Zum Einstieg in die Thematik erfolgt zunächst eine Bestandsaufnahme des Gesundheitsbegriffes. Verschiedene Definitionen und Sichtweisen werden vorgestellt. Im Anschluss daran werden unterschiedliche Einflussfaktoren auf die Gesundheit erläutert. Die gesundheitliche Chancenungleichheit in der Gesellschaft findet hierbei besondere Beachtung, da diese einen engen Zusammenhang zur Morbidität und Mortalität aufweist.

Nachfolgend wird der Arbeitsplatz bzw. der Betrieb als ein wichtiges Setting für eine Gesundheitsförderung vorgestellt. Die Beziehung zwischen Arbeit und Gesundheit soll verdeutlicht und gesetzliche Grundlagen dazu dargelegt werden. Ebenso werden Wege für eine betriebliche Gesundheitsförderung aufgezeigt und deren Nutzen für Unternehmen und Mitarbeiter beschrieben.

2. Der Gesundheitsbegriff – Definitionen, Sichtweisen und Verständnisse

Erste wichtige Voraussetzung um Gesundheit zu fördern, ist die Klärung dessen, was unter Gesundheit verstanden wird. Neben medizinisch-wissenschaftlichen Erklärungen existieren eine Reihe von sozialwissenschaftlichen Beschreibungen. Hinzu kommt das sogenannte „Laienverständnis von Gesundheit“, welches im Laufe der Sozialisation geprägt wird. Zweifelsohne müssen Gesundheitsförderer und Klienten die Sichtweise des anderen kennen, bevor sie sinnvoll zusammen arbeiten können. Im Folgenden werden verschiedene Perspektiven und Verständnisse von Gesundheit dargestellt.

Gesundheit wird im Alltag sowohl positiv als auch negativ interpretiert. Eine positive Interpretation liefert die heute immer noch weit verbreitete Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht nur die Abwesenheit von Krankheit und Gebrechen“ (WHO, 1946).

Im Gegensatz dazu herrscht die vielfach dominierende biomedizinische Sichtweise von Gesundheit vor. Demnach wird Gesundheit als Abwesenheit von Krankheit verstanden. Der Körper wird als eine Maschine gesehen, in dem alle Teile unabhängig voneinander beachtet und behandelt werden können. Demnach ist ein Mensch krank, wenn eine nachweisbare Fehlfunktion im Körper festgestellt wird.

Beide Definitionen erscheinen unzulänglich. Kritik an der ersten sind hauptsächlich die Beschreibung von Gesundheit als Zustand, ebenso wie die Formulierung des „vollständigen“ Wohlbefindens, wodurch der Definition eine utopische Ausrichtung vorgeworfen wird (vgl. Baumgarten 2005). Die biomedizinische Sichtweise hingegen lässt soziale und umweltrelevante Dimensionen der Gesundheit außer Acht. Hinzu kommt ihr Fokus auf Funktionsstörungen und Pathologie, was medizinisches Personal eher auf Erkrankungen als auf Gesundheit reagieren lässt (vgl. Naidoo und Wills 2000).

Der statischen Perspektive entgegen steht das Gesundheits-Krankheits-Kontinuum, dass u.a. in Antonovsky`s Salutogenese Konzept (1979) Eingang findet. Die Dichotomie zwischen Krankheit und Gesundheit wird dadurch abgelöst, dass sich jeder Mensch auf einem Kontinuum bewegt. Je nachdem welche Richtung eingeschlagen wird, nähert er sich einem der beiden Endpunkte Gesundheit und Krankheit.

Zweifelsohne sind soziale und umweltrelevante Faktoren wichtige Determinanten der Gesundheit. Indizien dafür finden sich zum Beispiel im „Black Report“, der Anfang der achtziger Jahre veröffentlicht wurde. Die Studie einer englischen Arbeitsgruppe konnte einen Zusammenhang zwischen der Erkrankungs- bzw. Sterberate und der sozialen Schichtzugehörigkeit belegen.

Unter „Laienkonzepte“ versteht man „allgemein verbreitete Sichtweisen von Gesundheit, die über Generationen als Teil des gemeinsamen kulturellen Erbes weiter gegeben wurden. (…) Unterschiedliche Gesellschaften oder Gruppen haben unterschiedliche Vorstellungen darüber, was gemeinhin unter Gesundheit zu verstehen ist.“ (Naidoo & Wills S. 6, 2000)

Viele Forscher haben unterschiedliche Laienkonzepte der Bevölkerung untersucht. Einige wichtige Forschungsergebnisse seien an dieser Stelle kurz zusammengefasst.

- Untere soziale Schichten vertreten eher funktionale, negative Definitionen von Gesundheit, bei denen es darum geht, den Alltag zu bewältigen und nicht krank zu sein
- Mittlere und höhere Schichten definieren Gesundheit positiver mit Lebensfreude
- Jüngere Leute verstehen Gesundheit als körperliche Fitness, Energie und Stärke
- Ältere haben überwiegend ein ganzheitliches Gesundheitsverständnis, das sich durch innere Stärke und Integrität ausdrückt
- Die vorherrschende Sichtweise der Männer über Gesundheit ist eher positiv in Verbindung mit Fitness
- Frauen haben eine negative Perspektive, nämlich nicht krank zu sein, um den Alltag bewältigen zu können

(vgl. Baumgarten und Joenssen 2005; Naidoo & Wills 2000).

Im Jahr 1984 legte die WHO eine überarbeitete Definition von Gesundheit vor.

„Gesundheit ist das Ausmaß, in dem Einzelne oder Gruppen in der Lage sind, einerseits ihre Wünsche und Hoffnungen zu verwirklichen und ihre Bedürfnisse zu befriedigen, andererseits aber auch ihre Umwelt meistern oder zu verändern können. In diesem Sinne ist Gesundheit als ein wesentlicher Bestandteil des alltäglichen Lebens zu verstehen und nicht als vorrangiges Lebensziel. Gesundheit ist ein positives Konzept, das die Bedeutung sozialer und individueller Ressourcen der Menschen ebenso betont wie deren körperliche Leistungsfähigkeit (WHO 1984).“

Positiv an dieser Definition ist, dass Gesundheit sowohl als Produkt der Gesellschaft als auch als Produkt des Einzelnen gesehen wird. Ebenso wird sie als Bestandteil des Alltags definiert und ist folglich allgegenwärtig. Hinzu kommen die Betonung des positiven und dynamischen Charakters und die Einbindung von individuellen und körperlichen Ressourcen.

Kritisch anzumerken ist jedoch, dass Gesundheitsförderer nach dieser breit angelegten Definition es vermutlich schwierig haben, Prioritäten für ihre praktische Arbeit zu setzen.

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass kein allgemeingültiges Konzept, bzw. keine einheitliche Definition über Gesundheit existiert. Menschen interpretieren Gesundheit je nach sozialer Stellung, Kultur, Alter und Geschlecht unterschiedlich. Bleibt zwar die biomedizinische Sichtweise, vor allem in den Gesundheitsberufen, nach wie vor dominierend, so findet die Bedeutung sozialer Faktoren und umweltbedingter Dimensionen zunehmend mehr Anerkennung.

3. Einflussfaktoren auf die Gesundheit

Viele verschiedene Faktoren nehmen Einfluss auf die Gesundheit, wie die soziale Schichtzugehörigkeit, die Wohnverhältnisse, die Geschlechtszugehörigkeit und die soziale Bindung. Fakt ist, dass gesundheitliche Chancenungleichheiten existieren, welche maßgeblich die strukturellen Ungleichheiten in der Gesellschaft widerspiegeln.

Auf den wichtigen Zusammenhang zwischen Arbeit und Gesundheit wird im Teil vier, im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, näher eingegangen. Der Vollständigkeit halber soll an dieser Stelle kurz erwähnt sein, dass der Gesundheitszustand eines Menschen auch von körperlichen Faktoren wie Alter, Ernährung, Bewegung etc. abhängig ist, die an dieser Stelle jedoch nicht weiter betrachtet werden.

Soziale Schichtzugehörigkeit

Unter sozialen Schichten versteht man Gruppen von Personen, die sich aufgrund von Bildung, Einkommen und beruflichem Status miteinander vergleichen lassen (vgl. Schwartz 1998).

Der „Black Report“ und der Bericht „The Health Divide“ (Whitehead 1988) stellten signifikante Unterschiede zwischen den einzelnen Sozialschichten fest. Die Sterblichkeit im Erwerbsalter variiert schichtenspezifisch. Je ungünstiger der sozioökonomische Status, desto höher die Sterblichkeit. Privilegierte Schichten sind im Gegensatz zu Menschen mit niedriger Bildung eindeutig gesünder. Gekürzt nach Mielck (2005) ist dies begründet in:

1. Unterschiede in den gesundheitlichen Belastungen

Ärmere Menschen sind im Bereich Arbeits- und Wohnwelt stärkeren Belastungen ausgesetzt, die sich direkt auf den Gesundheitszustand der Betroffenen auswirken:

-schwere körperliche Arbeit
-Umgebungseinflüsse wie Lärm, Kälte, Schmutz
-schlechtere Wohnverhältnisse

2. Unterschiede in den Bewältigungsressourcen

-geringere Bildung, dadurch z.B. weniger Informationen über präventive Verhaltens- weisen
-Kinder erfahren weniger Gesundheitserziehung, finden weniger positive Vorbilder
-finanzielle Barrieren

3. Unterschiede in der gesundheitlichen Versorgung

-Erreichbarkeit der Gesundheitseinrichtungen
-Informationsvermittlung ist „mittelschichtorientiert“ (Fachsprache)
-mangelnde Gesundheitsversorgung für „Randgruppen“

4. Unterschiede im Gesundheits- und Krankheitsverhalten

-Symptomverdrängung
-schlechte Ernährung aufgrund geringerer finanzieller Mittel und „Frustessen“
-Rauchen

Diese Gründe summiert bedingen eine gesundheitliche Chancenungleichheit, die sich in der Mortalität und Morbidität widerspiegelt. Der Einfluss der Medizin auf die Reduzierung der Sterberaten ist im Gegenzusatz zu diesen Ursachen eher gering. Es konnte belegt werden, dass Gesundheitsdienste nur 17% zur Erhöhung der Lebenserwartung im 20. Jahrhundert beigetragen haben. Ebenso leisten Impfungen nur einen geringen Beitrag zur Senkung der Sterbefälle (vgl. Tarlov 1996, Wilkinson 1996, Naidoo & Wills 2000).

Wohnverhältnisse

Wohnungen, die kalt und feucht sind, haben einen schlechten Einfluss auf den Gesundheitszustand. Vor allem Kinder leiden häufig an Atemwegserkrankungen. Ärmere Menschen leben oft auf engstem Raum mit einer Vielzahl von anderen Personen zusammen. Die daraus resultierenden Folgen sind mehr Stress und eine erhöhte Infektionsgefahr.

[...]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Kontexte und Erkenntnisgrundlagen der Pflege: Betriebliche Gesundheitsförderung
Hochschule
Evangelische Hochschule Rheinland-Westfalen-Lippe
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V177949
ISBN (eBook)
9783640998463
ISBN (Buch)
9783656927464
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kontexte, erkenntnisgrundlagen, pflege, betriebliche, gesundheitsförderung
Arbeit zitieren
Stefanie Dupont (Autor), 2007, Kontexte und Erkenntnisgrundlagen der Pflege: Betriebliche Gesundheitsförderung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177949

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