Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Robert K. Mertons Anomietheorie und der Anwendbarkeit seiner Theorie am Beispiel der Serie Peaky Blinders, Staffel 1, Episode 1 „Geschenk des Teufels“.
Mertons Anomietheorie war jahrzehntelang eine führende kriminologische Theorie ätiologischer Herkunft. In Anlehnung an Durkheims Überlegungen zu Anomie, erweiterte Merton den anomischen Begriff durch die Einbeziehung sozialstruktureller Wirklichkeiten. Obwohl heute einige Annahmen kritisiert werden und Mertons Theorie nicht mehr zeitgemäß erscheint, bleibt seine Theorie eine spannende Überlegung.
Grundlage dieser Arbeit ist es, die Anwendbarkeit Mertons Theorie an fiktiven, filmischen Charakteren, zu prüfen. Dabei erhebe ich keineswegs den Anspruch, eine filmsoziologische Analyse zu fertigen. Ich beziehe mich für dieses Vorhaben auf die erste Episode der Serie, um den Rahmen einzugrenzen. Die Serie handelt von der Geschichte einer kriminellen Familie im Birmingham um 1919. Da es sich um eine fiktive Geschichte handelt und auch nicht von der Situation amerikanischer Gesellschaft ausgegangen werden kann, wird kein genauer Bezug zum Aufbau der dargestellten Gesellschaft genommen.
Zunächst soll Mertons Theorie dargestellt werden. Ein wichtiger Bestandteil dieser, sind die unterschiedlichen Anpassungstypen auf Druck. Nach einer kurzen Einführung der Handlung von Episode 1 „Geschenk des Teufels“, soll versucht werden, diese Typen in der Episode wiederzufinden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Die Anomietheorie
1.1 Mertons Theorie zu abweichendes Verhalten
1.2 Anomiedruck
1.3 Typen der Anpassung
2 Die Serie Peaky Blinders
2.1 Die Handlung - Die Episode "Geschenk des Teufels"
2.2 Historischer Kontext
2.3 Mertons Theorie als Analyse der Charaktere
3 Fazit
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Anomietheorie von Robert K. Merton anhand der fiktiven Charaktere aus der ersten Episode der Fernsehserie „Peaky Blinders“ zu überprüfen und anzuwenden.
- Darstellung von Robert K. Mertons Anomietheorie und abweichendem Verhalten
- Erläuterung des Anomiedrucks und der verschiedenen Typen der Anpassung
- Einführung in die Handlung und den historischen Kontext der Serie Peaky Blinders
- Analyse zentraler Charaktere (wie Thomas Shelby, Freddie Thorne und Chester Campbell) anhand der Anpassungstypen
- Untersuchung des Verhältnisses zwischen organisierter Kriminalität und gesellschaftlichen Normen
Auszug aus dem Buch
1 Die Anomietheorie
Die Anomietheorie von Robert K. Merton (1910 - 2003) etablierte sich in den 1950er Jahren als forschungsleitende Theorie soziologischer und kriminologischer Theorien zu abweichenden Verhalten und konnte über Jahrzehnte lang diesen Rang halten. Sie ist dem ätiologischen Paradigma zuzuordnen, welches die Ursachen für Kriminalität aufzudecken versucht. Devianz wird objektivistisch aus Strukturbedingungen als abzuleitendes Problem verstanden. Anknüpfend an Durkheims Überlegungen, dass das Auftreten von Devianz eine Wendung von Anomie im Sinne einer Norm- oder Regellosigkeit ist, modifizierte Merton diese Annahme mit dem Versuch, eine sozialstrukturelle Erklärung für den Zustand der Anomie zu liefern (Peuckert 2006, S.135f). Die Kriminalstatistik schien für Merton unzweifelhafter Beleg für die hohe Kriminalitätsbelastung der unteren Schichten zu sein. Um dem sozialstrukturellen Erklärungsmuster entsprechen zu können, bezog er die kulturelle und die soziale Struktur in seine Analyse mit ein (ebd., S.136).
Merton beobachtete in der amerikanischen Gesellschaft disparate Devianzarten, welche sich abhängig des Sozialmilieus unterschiedlich darstellen ließen. Kulturelle Strukturen einer Gesellschaft definierten sich nach ihm, in legitime und anerkannte Faktoren, welche den Rahmen einer sozialen Ordnung abzeichneten. So ließen sich Individuen verorten und das Phänomen der Anomie betrachten. Zu diesen Strukturen zählten die kulturell festgelegten ‚Ziele‘, sowie die als legitim betrachteten ‚Mittel‘ zur Erreichung der definierten Ziele (vgl. Endreß 2017. S.118).
Die Bestimmungen legitimer Mittel werden gesellschaftlich festgelegt und finden unter den Mitgliedern unterschiedlich Zustimmung. So können laut Merton unterschiedliche Typen sozialer Verhaltenskontrollen unterschieden werden, welche den Mittel und Zielen unterschiedlich beipflichten (ebd.S.118). Devianzarten finden demnach nach Merton durch kulturelle und soziale Genese ihren Ursprung (vgl. Merton 1995, S.135). Es gelten wach kulturellen Besonderheiten andere Gesetze, sowie Übereinstimmungen zu Normen, die kulturspezifisch ausgehandelt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage und das Vorhaben vor, Mertons Anomietheorie auf die Charaktere der ersten Episode von Peaky Blinders anzuwenden.
1 Die Anomietheorie: Dieses Kapitel erläutert Mertons Erklärungsansatz zu abweichendem Verhalten, das Konzept des Anomiedrucks sowie die fünf Typen der Anpassung.
2 Die Serie Peaky Blinders: Hier wird die Handlung der ersten Episode sowie der historische Hintergrund beleuchtet, bevor die Charaktere detailliert mithilfe der Anomietheorie analysiert werden.
3 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und bewertet die Eignung von Mertons Theorie als Analysetool für fiktive Filmcharaktere.
Schlüsselwörter
Anomietheorie, Robert K. Merton, Peaky Blinders, abweichendes Verhalten, Devianz, Anomiedruck, Anpassungstypen, Konformität, Innovation, Ritualismus, Rückzug, Rebellion, Kriminologie, Soziologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der klassischen Anomietheorie von Robert K. Merton anhand der Figuren und der Handlung der ersten Episode der Fernsehserie Peaky Blinders.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Soziologie des abweichenden Verhaltens, kriminologische Erklärungsansätze, gesellschaftliche Strukturen sowie die Analyse von Film- und Seriencharakteren durch wissenschaftliche Theorien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu prüfen, inwiefern Mertons Typologie der Anpassung (wie Konformität, Innovation oder Ritualismus) auf fiktive Charaktere einer kriminellen Gangsterfamilie im Birmingham des Jahres 1919 übertragen werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine filmsoziologische und textanalytische Untersuchung durchgeführt, bei der qualitative Ausschnitte und Handlungsstränge der ersten Serienepisode mit den theoretischen Konzepten von Merton abgeglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Anomietheorie (inklusive Anomiedruck und Anpassungsformen) sowie in die praktische Anwendung auf die Serie, insbesondere die Charakteranalysen von Thomas Shelby, Freddie Thorne und Chester Campbell.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Publikation?
Wichtige Schlüsselbegriffe sind Anomie, Devianz, kulturelle Ziele, institutionelle Mittel, Innovation, Ritualismus sowie der historische Kontext der Arbeiterschaft nach dem Ersten Weltkrieg.
Wie spiegelt sich der Anpassungstyp der „Innovation“ in der Figur des Thomas Shelby wider?
Thomas Shelby akzeptiert die kulturellen Ziele der Gesellschaft (wie Reichtum, Prestige und Erfolg), verwerft jedoch teilweise die legitimen Mittel und greift stattdessen auf illegale und innovative Strukturen zurück, um den sozialen Aufstieg seiner Familie zu sichern.
Welche Rolle spielt der historische Kontext in Birmingham im Jahr 1919 für das Verhalten der Figuren?
Die von Armut, Elend und den Nachwirkungen des Ersten Weltkriegs geprägte Arbeiterschaft in den Slums von Birmingham erzeugt einen hohen sozialen Druck, der illegale Handlungsweisen und Bandenstrukturen begünstigt.
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- Yuko Nishino (Autor), 2023, Die Anomietheorie von Robert K. Merton. Am Beispiel von "Peaky Blinders", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1779773