In ihrer historischen Laufbahn hat die Soziale Arbeit eine Progression von der karitativen Armenfürsorge bis hin zu einer angewandten Wissenschaftsdisziplin erfahren. Heute ist sie ein impliziter Teil des deutschen Wohlfahrtstaats und wird durch sozialpolitische Prozesse bestimmt und gesteuert. Durch eine Vielzahl von Bezugsdisziplinen können unterschiedliche Zugänge zu heterogenen Problemlagen unserer immer komplexeren Gesellschaftsformen geschaffen werden. So modifizieren sich auch die Arten des Helfens, angepasst an die sich wandelnden Aushandlungsprozesse der Gesellschaft und deren gültigen Normen. Eine Aufgabe der Sozialen Arbeit ist es, sich an die zeitgenössischen Werte und Normen zu orientieren und diese im Sinne geltender sozial-politischer Interessen zu vertreten und zu bewahren. Um eine soziale Ordnung zu erhalten, bedarf es einer Instrumentalisierung jener Instanzen, welche es vermögen unerwünschtes Verhalten zu verhindern und zu normalisieren. Dies kann durch niederschwellige Intervention und durch regressive Methoden, wie bspw. der Sanktionierung, erfolgen. Der Normalisierungsauftrag der Soziale Arbeit kann kritisch betrachtet werden und steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der Ausübung sozialer Kontrolle.
Diese Arbeit soll einen kurzen Überblick zu dem Thema der Sozialen Kontrolle und der daraus resultierenden Relevanz für die Soziale Arbeit bieten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die Soziale Arbeit – Eine Gegenstandsbestimmung
2. Soziale Kontrolle – Hilfe und Kontrolle
3. Normalisierungsauftrag der Sozialen Arbeit
Fazit
Zielsetzung und Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, einen fundierten Überblick über den Themenkomplex der sozialen Kontrolle und der daraus resultierenden Relevanz für die professionelle Soziale Arbeit zu geben. Dabei wird untersucht, in welchem Spannungsverhältnis die wohlfahrtsstaatlichen Angebote zwischen helfender Unterstützung und staatlicher beziehungsweise institutioneller Kontrolle stehen.
- Historische Entwicklung und Gegenstandsbestimmung der Sozialen Arbeit im Wohlfahrtsstaat
- Die unauflösliche Paradoxie von Hilfe und sozialer Kontrolle in der Praxisfelder
- Kriminologische und gouvernementale Perspektiven auf Normen, Abweichung und Sanktionierung
- Der spezifische Normalisierungsauftrag der Sozialen Arbeit und seine gesellschaftlichen Implikationen
- Ethische Fragestellungen und Machtverhältnisse in Zwangskontexten
Auszug aus dem Buch
2. Soziale Kontrolle – Hilfe und Kontrolle
Übereinstimmende Bausteine eines Konzepts sozialer Kontrolle sind trotz einer fehlenden allgemeinen Definition identifizierbar. „Die Intention vom sozialen Handeln, welche auf die Konformität der Gesellschaftsmitglieder zielt, die Internalisierung von Normen und Werten durch Erziehung und Sozialisierung, sowie die externe Sanktionierung bei abweichendem Verhalten“ (Flössner 2015. S.1447). Dem Auftrag der Sozialen Arbeit kommt eine bedeutsame Rolle zu, betrachtet man beispielsweise Arbeitsfelder, denen ein Schutzauftrag zugrunde liegt. Die Hilfe und Kontrolle ist in ihrer Gleichzeitigkeit ein konstitutives Merkmal eines sozialstaatlichen Auftrags und wird als ein unauflösliches Paradox identifiziert. Staatliche Kontrollinteressen bedürfen Instanzen für deren Umsetzung, was im Hinblick auf Kontrolle im aktivierenden Sozialstaat einem Bedeutungsgewinn für die Soziale Arbeit entspricht“ (ebd.,S.1482).
In der Kriminologie wird das Thema der sozialen Kontrolle weniger ambivalent diskutiert und kann deutlich als eine Instanz für das Bewahren einer sozialen Ordnung kategorisiert werden. So registrieren Hess und Scheerer: „Den Handlungen, die als Risiken für die soziale Ordnung wahrgenommen werden, begegnen jene Kräfte, die an der Ordnung interessiert sind, mit Maßnahmen der sozialen Kontrolle“ (1997, S.7). Zu diesen Maßnahmen werden zu präventiven Zwecken unerwünschte Verhaltensweisen typisiert und handhabbar gemacht, sodass gefährdete Interessen im Strafrecht zu Rechtsgütern avancieren. (vgl., ebd. S7). Um einen Maßstab gewünschter sozialer Ordnung zu erhalten, müssen gesellschaftliche Aushandlungsprozesse stattfinden. Besteht ein allgemeiner Konsens dessen, was als allgemeingültige normative Vorstellungen gilt, so müssen Abweichungen davon sanktionierbar sein. Diese Aushandlungsprozesse unterliegen einem kontinuierlichen Prozess der Anpassung strafrechtlicher Sanktionen an die Vielfalt gesellschaftlicher Veränderungen (vgl. Meier 2015, S 457). Laut Meier kann die Sozialkontrolle in zwei Formen erfolgen, der formellen und der informellen. Letztere zeichnet sich durch Reaktionen wie Tätigwerden von Polizei oder Justiz aus, welche der Zielsetzung der Vorbeugung und Unterdrückung devianter Verhaltensweisen nachgehen, die das gesellschaftliche Zusammenleben in besonderer Weise beeinträchtigen. Informelle Sozialkontrolle hingegen, bezieht sich auf Reaktionen von Bezugsgruppen wie Familie (vgl. Meier.2015, S.2). Beide Formen tragen zur Herstellung sozialer Ordnung bei und dienen der sozialen Kontrolle. Diese ist ein effektives Instrument zur Wiederherstellung und Sicherung einer gestörten sozialen Ordnung und wird durch den Gesetzgeber unter Berücksichtigung der wandelnden Gesellschaft unablässig angepasst (vgl. ebd., S.457).
Das Recht als Instrument der Sozialkontrolle kommt eine besondere Bedeutung zu, da es am stärksten formalisiert ist und über Mittel und Möglichkeiten sozialer Sanktionierung verfügt
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Progression der Sozialen Arbeit hin zu einer angewandten Wissenschaftsdisziplin und führt in das zentrale Thema der sozialen Kontrolle sowie den damit verbundenen Normalisierungsauftrag ein.
1. Die Soziale Arbeit – Eine Gegenstandsbestimmung: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Werdegang und die verschiedenen theoretischen Bedeutungen der Sozialen Arbeit im Kontext des modernen Wohlfahrtsstaates und gesetzlicher Rahmenbedingungen.
2. Soziale Kontrolle – Hilfe und Kontrolle: Der Abschnitt analysiert das unauflösliche Paradox von helfender Unterstützung und sozialer Kontrolle, differenziert nach formellen und informellen Kontrollmechanismen und beleuchtet ethische Fragen in Zwangskontexten.
3. Normalisierungsauftrag der Sozialen Arbeit: Hier wird der gesellschaftliche Erwartungsdruck an die Soziale Arbeit zur Durchsetzung von Normen, den Umgang mit Devianz sowie die gouvernementale und strukturell-funktionale Perspektive auf Subjektivierung und Normalisierung untersucht.
Fazit: Das Fazit fasst die Ambivalenzen des doppelten Mandats zwischen Hilfe und Kontrolle zusammen und betont die Notwendigkeit einer kritischen Positionierung der Sozialen Arbeit in politischen Diskursen.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Soziale Kontrolle, Normalisierungsauftrag, Hilfe und Kontrolle, Dopplektes Mandat, Devianz, Normalisierung, Subjektivierung, Wohlfahrtsstaat, Sanktionierung, Zwangskontexte, Kriminologie, Soziale Ordnung, Machtverhältnisse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das fundamentale Spannungsverhältnis zwischen Hilfe und sozialer Kontrolle innerhalb der professionellen Sozialen Arbeit sowie den damit verbundenen gesellschaftlichen Normalisierungsauftrag.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den Kernbereichen gehören die Gegenstandsbestimmung der Sozialen Arbeit, die Mechanismen formeller und informeller sozialer Kontrolle, kriminologische und gouvernementale Ansätze zur Normdurchsetzung sowie ethische Fragen in Zwangskontexten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, einen prägnanten Überblick über die Verknüpfung von sozialer Kontrolle und sozialpädagogischem Handeln zu geben und die Relevanz dieser Ambivalenzen für die Praxis der Sozialen Arbeit herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und theoriebasierte Hausarbeit, die auf etablierten fachwissenschaftlichen Konzepten aus Soziologie, Kriminologie und Sozialpädagogik (u.a. von Foucault, Meier, Heß und Scheerer) aufbaut.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestimmung des Gegenstands der Sozialen Arbeit, die genaue Analyse des Kontrollkonzepts im Spannungsfeld von Hilfe und Sanktion sowie die Untersuchung des Normalisierungsauftrags und machtvoller Subjektivierungsprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Soziale Kontrolle, Normalisierungsauftrag, Hilfe und Kontrolle, doppeltes Mandat, Devianz, Subjektivierung, Wohlfahrtsstaat und Zwangskontexte.
Wie bewertet die Autorin das Verhältnis von staatlichem Auftrag und professioneller Autonomie?
Die Autorin stellt heraus, dass die Soziale Arbeit durch ihre Einbettung in staatliche und institutionelle Strukturen oft in einen Zwiespalt gerät, wodurch das Ziel, Menschen zu Autonomie zu befähigen, gleichzeitig durch Kontroll- und Normierungsprozesse begrenzt wird.
Welche Rolle spielen Michel Foucaults Überlegungen in dieser Arbeit?
Foucaults Machtanalysen und der Begriff der gouvernementalen Praxis dienen dazu, die Rolle der Sozialen Arbeit als Teil von Sicherheitsdispositiven und objektivierenden beziehungsweise subjektivierenden Verfahren im Kontext sozialer Normen zu reflektieren.
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- Yuko Nishino (Author), 2020, Soziale Kontrolle und Normalisierung in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1779775