In der Mitte der 1950er Jahre begann die Zuwanderung durch Arbeitsmigranten in Deutschland. Seitdem sind Jahr für Jahr mehr Migranten unterschiedlichster Herkunft zugezogen; mit der Entscheidung auf Dauer zu bleiben. Doch diese Tatsache sollte sich als nicht ganz einfach zu lösende Aufgabe darstellen. [...] Hierbei kommt der Schule als Erziehungs- und Sozialisationsinstanz eine besondere Rolle zu. Sie ist ein Ort, an dem sich die Pluralität der Einwanderungsgesellschaften in besonderer Form widerspiegelt. „Als wichtige Sozialisationsinstitutionen wirken Schulen bei der Vermittlung von Normen und Werten mit, die eine Basis für den sozialen Zusammenhalt bilden.“ [...] Die Aufgabe der interkulturellen Bildung besteht darin, Kinder und Jugendliche auf ein Leben in einer multikulturellen Gesellschaft vorzubereiten. Zudem müssen Fremdenfeindlichkeit und Vorurteile gegenüber Migranten abgebaut werden. Die Integration von Migranten stellt also eine große Herausforderung dar, sowohl für die Migranten selbst, als auch für die autochthone Bevölkerung.
Zu Beginn der Arbeit soll ein Überblick über die Heterogenität in Deutschland und Migration gegeben werden. Bevor ich verschiedene Typologien der Migration vorstelle, gebe ich eine Definition von „Migration“. Den nächsten Teil werde ich mit einer Definition von „Interkultureller Bildung“ beginnen, um im Anschluss auf die sechs Ansätze der Pluralität einzugehen. Abschließen möchte ich dieses Kapitel mit dem Entwurf einer Bildung zum Pluralismus. Im letzten Teil schreibe ich über die Kultusministerkonferenz und deren Empfehlung zur Interkulturellen Bildung und Erziehung. Hier werden die Ziele erläutert und deren Umsetzung, sowie die inhaltlichen Schwerpunkte im Unterricht. Ebenso soll der Mikrozensus 2005 des Konsortiums Bildungsberichterstattung näher beleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Gesellschaftliche Heterogenität in Deutschland
A) Migration in Deutschland
B) Typologien der Migration
III. Die interkulturelle Idee in der Bildungstheorie
A) Definition „Interkulturelle Bildung“
B) Sechs Ansätze der Pluralität
C) Entwurf einer Bildung zum Pluralismus
IV. Die interkulturelle Idee in der Bildungspolitik
A) Die Kultusministerkonferenz
B) Konsortium Bildungsberichterstattung (2006)
V. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Herausforderungen und Chancen, die durch gesellschaftliche Heterogenität und Migration für das deutsche Bildungssystem entstehen. Dabei wird analysiert, wie interkulturelle Bildungskonzepte als pädagogische Antwort auf eine pluralistische Gesellschaft implementiert werden können, um allen Schülern – unabhängig von ihrer Herkunft – gleiche Bildungschancen zu ermöglichen.
- Analyse der historischen Entwicklung von Migration in Deutschland.
- Darstellung theoretischer Ansätze zur interkulturellen Bildung und Pluralität.
- Untersuchung bildungspolitischer Strategien und Empfehlungen, insbesondere durch die Kultusministerkonferenz.
- Evaluation des Bildungsstandes von Migranten auf Basis des Mikrozensus 2005 durch das Konsortium Bildungsberichterstattung.
- Diskussion über die Rolle der Schule als Ort der Integration und Vermittlung interkultureller Kompetenz.
Auszug aus dem Buch
Definition „Interkulturelle Bildung“
„Interkulturelle Bildung ist eine pädagogische Option, die in einer eher breiten Definition etwa folgende Elemente einschließt: Es geht im weitesten Sinne darum, sprachliche und soziokulturelle Vielfalt in der Bildung organisatorisch, inhaltlich und methodisch anzuerkennen sowie unterschiedliche kulturell geprägte Inhalte und Perspektiven zur Geltung zu bringen, miteinander zu vergleichen, in Beziehung zu setzen und gegebenenfalls kritisch zu betrachten. Kulturen und Sprachen von nationalen oder zugewanderten Minderheiten können je nach Zusammensetzung der Bevölkerung daran beteiligt sein.“8
Die Globalisierung und Heterogenisierung muss als Veränderung der Lebensbedingungen betrachtet werden. Es gibt drei Achsen der soziokulturellen und sprachlichen Pluralität. Zum einen prägen Migrationsbewegungen die meisten Gesellschaften, das heißt die soziokulturelle und sprachliche Vielfalt macht sich physisch bemerkbar. Dann kommt hinzu, dass einige Länder offiziell viersprachig und multikulturell sind. Um nur einige zu nennen: Schweiz, Belgien und Spanien. Für die Europäische Kommission ist der Erwerb mehrerer Sprachen eine der Prioritäten einer zukunftsgerichteten allgemeinen Bildung in der Wissensgesellschaft. Die dritte Achse bezieht sich auf die Forderung nach sprachlichen und kulturellen Kompetenzen in der internationalisierten und transnationalen Arbeitswelt. Territoriale und sprachliche Mobilität werden zur Realität und auch erforderlich.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der Zuwanderung in Deutschland seit den 1950er Jahren ein und definiert die Schule als zentrale Instanz für die Integration in einer pluralistischen Gesellschaft.
II. Gesellschaftliche Heterogenität in Deutschland: Hier wird Migration als multifaktorielles Phänomen analysiert, wobei verschiedene Wanderungstypologien und die aktuelle statistische Erfassung von Menschen mit Migrationshintergrund beleuchtet werden.
III. Die interkulturelle Idee in der Bildungstheorie: Das Kapitel definiert den Begriff der interkulturellen Bildung und stellt theoretische Ansätze zur Pluralität sowie einen Entwurf für eine Bildung zum Pluralismus vor.
IV. Die interkulturelle Idee in der Bildungspolitik: Hier werden die bildungspolitischen Leitlinien der Kultusministerkonferenz und die Analyseergebnisse des Konsortiums Bildungsberichterstattung zur Situation von Migranten im Bildungssystem dargestellt.
V. Schlussbetrachtung: Das Kapitel zieht Bilanz über den Wandel von der Ausländerpädagogik zur interkulturellen Bildung und betont die Notwendigkeit, interkulturelle Bildung als dauerhafte Querschnittsaufgabe in der Politik und Schule zu verankern.
Schlüsselwörter
Interkulturelle Bildung, Migration, Heterogenität, Schulerfolg, Pluralismus, Bildungsberichterstattung, Kultusministerkonferenz, Bildungsbenachteiligung, Integration, Interkulturelle Kompetenz, Mikrozensus, Sprachbildung, Diversität, Schulentwicklung, Zuwanderung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen und politischen Reaktion des deutschen Bildungssystems auf die Zuwanderung und die daraus resultierende kulturelle Vielfalt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Migration, den theoretischen Konzepten interkultureller Bildung, den bildungspolitischen Empfehlungen der KMK und der statistischen Analyse der Bildungssituation von Migranten.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie interkulturelle Bildung helfen kann, die vorhandene Vielfalt der Gesellschaft als Chance zu nutzen und allen Lernenden eine erfolgreiche Teilhabe am Bildungssystem zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Autorin nutzt eine Literaturanalyse theoretischer Ansätze sowie eine Auswertung empirischer Berichte, insbesondere des indikatorengestützten Berichts des Konsortiums Bildungsberichterstattung von 2006.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung (Heterogenität und Migration) sowie die Anwendungsebene, bestehend aus pädagogischen Konzepten und bildungspolitischen Vorgaben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Interkulturelle Bildung, Integration, Migrationshintergrund und Pluralität bestimmt.
Wie unterscheidet sich das Migrationskonzept vom bisherigen Ausländerkonzept?
Das Migrationskonzept ermöglicht eine deutlich präzisere Erfassung der Bevölkerung durch die Einbeziehung von Einbürgerungen und des Migrationshintergrunds der Eltern, was zu einer deutlich höheren statistischen Migrantenzahl führt.
Welche Rolle spielt die Schule bei der Lösung interkultureller Konflikte?
Die Schule dient als Schauplatz, an dem durch den Umgang mit Gleichaltrigen verschiedener Überzeugungen Diskursfähigkeit geübt werden kann, um Konflikte friedlich und auf Basis gemeinsamer Regeln zu lösen.
Welchen Stellenwert nimmt die Lehrerausbildung laut der Autorin ein?
Die Autorin betont, dass Lehrer oft überfordert sind und daher eine gezielte Auseinandersetzung mit dem Thema interkulturelle Bildung bereits in der universitären Ausbildung sowie durch regelmäßige Fortbildungen obligatorisch sein sollte.
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- Stephanie Schrön (Author), 2009, Interkulturelle Bildung und das Konsortium Bildungsberichterstattung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177981