Eine Unterrichtssequenz zum Thema „Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen“ im Ausbildungsberuf Bürokaufmann/Bürokauffrau

Planung, Durchführung, Auswertung


Examensarbeit, 2005
50 Seiten, Note: Ohne Benotung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

2. Wissenschaftliche Analyse des Themas „Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen“
2.1 Die Wahl von Standorten
2.2 Die Bestimmung der Absatzwege
2.2.1 Die akquisitorische Bedeutung der Absatzwege
2.2.1.1 Grundprobleme der Absatzwegeentscheidung
2.2.1.2 Unterscheidung von ein- und mehrstufigen Absatzwegen
2.2.2 Die Leistungsträger der Distribution
2.2.2.1 Die Verkaufs- und Vertriebsorganisation der Unternehmung
2.2.2.2 Der Handel
2.2.2.2.1 Der Großhandel
2.2.2.2.2 Der Einzelhandel
2.2.2.3 Die Marktveranstaltungen
2.2.2.4 Electronic Commerce
2.3 Rechtliche Grenzen der Distributionspolitik
2.4 Besonderheiten der Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen

3. Analyse der Unterrichtsmethode
3.1 Bedeutung, Begriff und Merkmale der Leittextmethode
3.2 Die Phasen beim Einsatz eines Leittextes

4. Planung der Unterrichtseinheit
4.1 Beschreibung und Analyse des Bedingungsfeldes
4.1.1 Klassensituation
4.1.2 Analyse der Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler
4.1.3 Lehrer-Schüler-Situation
4.1.4 Analyse der Kompetenzen der Lehrkraft
4.2 Didaktisch-methodische Konzeption
4.2.1 Analyse der curricularen Vorgaben
4.2.2 Auswahl- und Reduktionsentscheidungen
4.2.3 Anzustrebende Kompetenzen/Lernziele
4.2.4 Gestaltung der Verlaufsstruktur des Lernprozesses

5. Durchführung der Unterrichtssequenz
5.1 Erste und zweite Stunde
5.2 Dritte Stunde
5.3 Vierte Stunde
5.4 Fünfte und sechste Stunde

6. Auswertung der Unterrichtssequenz
6.1 Analyse des Unterrichtsverlaufs
6.1.1 Erste und zweite Stunde
6.1.2 Dritte Stunde
6.1.3 Vierte Stunde
6.1.4 Fünfte und sechste Stunde
6.2 Auswertung der Schülerbefragung

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Mit dem Thema „Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen“ ist die Problemstellung verbunden, wie bei einem Unternehmen mittlerer Größe (10 bis 500 Mitarbeiter, Umsatz von 1 bis 50 Millionen Euro)[1] die Ware zum Kunden gelangt. Diese Problemstellung ist von existen­tieller Bedeutung für jedes mittelständische Unternehmen, das Konsum- oder Investi­tionsgüter herstellt, da der Verkauf von Waren nur mit Hilfe eines Distributionssystems möglich ist. Wenn dieses Distributionssystem nicht leistungsfähig genug ist, um eine bestimmte Mindestmenge an Waren zu verkaufen, wird ein mittelständisches Unternehmen früher oder später Konkurs erleiden, da seine Waren keine Abnehmer finden. Die Distribu­tionspolitik ist daher von existentieller Bedeutung für jedes mittelständische Unternehmen.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Vor diesem skizzierten Hintergrund ist es das Ziel dieser Arbeit, eine Unterrichtssequenz zum Thema „Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen“ zu planen, durchzuführen und auszu­werten. Das Thema dieser Unterrichtssequenz wird den Lernenden am Beispiel des Vertriebes von Staubsaugern des fiktiven mittelständischen Haushaltsgeräteherstellers Sauberblitz nahe gebracht. Die Leittextmethode dient hierzu als Unterrichtsmethode.

Der Arbeit liegt dabei folgender Aufbau zugrunde: Nach der Einleitung im ersten Kapitel behan­delt das zweite Kapitel die wissenschaftliche Analyse des Themas „Distributionspolitik mittelstän­discher Unternehmen“. Im dritten Kapitel wird die Leittextmethode analysiert. Das vierte Kapitel beschreibt die Planung der Unterrichtseinheit. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem tatsäch­lichen Unterrichtsverlauf bei der Durch­führung der Unterrichtssequenz. Im sechsten Kapitel wird die Auswertung der durchgeführten Unterrichtssequenz aus meiner subjektiven Sicht erfolgen. Die Ergeb­nisse der Schülerbefragung dienen dabei als sinnvolle und nötige Ergänzung. Im siebten Kapitel wird ein Fazit zu der Arbeit gezogen.

2. Wissenschaftliche Analyse des Themas „Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen“

Die Distributionspolitik ist eine Funktion der Betriebswirtschaft und regelt innerhalb des Marketings die Steuerung der Vertriebsaktivitäten nach Zielvorgaben.[2] Die Distributionspolitik zählt neben der Produkt-, Preis- und Kommunikationspolitik zum absatzpolitischen Instrumentarium eines Unterneh­mens.[3]

Folgende Ziele werden mit der Distributionspolitik verfolgt:[4]

- Umsatz, Marktanteil
- Ubiquität, Distributionsgrad
- Vertriebskostensenkung
- Beeinflussung der Handelsspanne
- Image der Mitglieder der Absatzkette
- Kooperationsbereitschaft der Absatzorgane
- Aufbaudauer und Flexibilität des Marktkanalsystems

2.1 Die Wahl von Standorten

Grundlegendes Ziel der Distributionspolitik ist die Herstellung einer ausreichenden Verfügbarkeit der angebotenen Leistungen des Unternehmens im Markt (Ubiquität). Die Verfügbarkeit kann nur dann erreicht werden, wenn einerseits entsprechende Letztverkaufsstellen das Produkt führen und wenn andererseits diese Letztverkaufsstellen mit dem die Leistungen bereitstellenden Unternehmen durch Kommunikations- und Transportwege verbunden sind.[5]

Bei Standortentscheidungen ist neben allgemeinen Standortfaktoren vor allem den Transport-, Ent- und Umladekosten besonderes Gewicht beizumessen. Hier muss eine optimale Kombination zur Lösung von simultanen Standort-, Transport- und Lagerhaltungsproblemen gefunden werden.[6]

Ein weiterer sehr wichtiger Indikator für die Güte eines Standortes ist die im Einzugsgebiet verfügbare Kaufkraft. Die Größe des Einzugsgebietes eines Handelsunternehmens hängt im Wesentlichen von der Art der Ware, der Attraktivität des Angebots und der Lage der Konkurrenz- bzw. sonstigen Dienst­leistungsbetriebe ab. Die Ware bestimmt in sofern das Einzugsgebiet, als sie entscheidet, wie häufig Einkäufe in der Regel erfolgen. Die Einkaufsfrequenz ist bei Lebensmitteln, insbesondere Frischwaren sehr hoch, so dass meist nur kurze Wege in Kauf genommen werden, während die Käufer bei Gebrauchsgütern (z. B. Möbeln oder Elektrogeräten) mit Einkaufsfrequenzen von oft mehreren Jahren eher auch lange Anfahrten akzeptieren.[7]

2.2 Die Bestimmung der Absatzwege

2.2.1 Die akquisitorische Bedeutung der Absatzwege

2.2.1.1 Grundprobleme der Absatzwegeentscheidung

Mit der Wahl der Absatzwege wird festlegt, welche Abnehmerkreise über welche Zwischenstufen zu versorgen sind. Für die meisten Produkte kommen mehrere Alternativen in Frage. Die Entscheidung für einen bestimmten Weg beeinflusst neben den Kosten und Erlösen in der Regel auch das Image von Produkt und Hersteller. Die Wahl der Absatzwege gehört zu den strategischen Entscheidungen einer Unternehmung, also zu jenen Entscheidungen, die auf lange Sicht getroffen werden. Ein Wechsel ist in der Regel kurzfristig nicht möglich. Es bedarf geraumer Zeit, bis eine Umstellung vollzogen ist. Überdies sind Veränderungen nicht ungefährlich. Besonders deswegen, weil Präferenzen der Abneh­mer für einen Lieferanten oft an die Person bestimmter Mitarbeiter oder Mittelsmänner gebunden sind. Das bedeutet, dass dadurch der Handlungsspielraum auch bei den anderen absatzpolitischen Instru­menten bis zu einem gewissen Grad eingeengt wird, da die meisten Absatzwege (z. B. Massendistri­bution oder Absatz über hoch qualifizierte Fachgeschäfte) ein bestimmtes preispolitisches oder werbe­politisches Verhalten zur Folge haben und beispielsweise auch den Service determinieren.[8]

2.2.1.2 Unterscheidung von ein- und mehrstufigen Absatzwegen

An die Träger des Bedarfs (Verbraucher, Verwender, Weiterverarbeiter oder Investoren) kann die Ware direkt oder indirekt weitergeleitet (abgesetzt) werden. Wie viele Handelsstufen und damit Handelsbetriebe im Einzelfall in die Distributionsstufe eingeschaltet werden (Zentralgroßhandel, Großhandel und Einzelhandel), ist für die Unterscheidung zwischen direktem und indirektem Absatz unerheblich. Allerdings wird der Begriff des direktem Absatzes oft in einer hiervon abweichenden Weise benutzt, was darauf zurück zu führen ist, dass sich jeder Anbieter den Anschein geben möchte, direkt, sprich: preisgünstig, abzusetzen.[9]

Direkter Absatz ist Absatz über Distributionsorgane/-helfer, die kein Eigentum an der Ware erwerben und somit kein Absatzrisiko (Verkauf, Verderb) tragen. Indirekter Absatz ist dagegen Absatz über selbständige Distributionsorgane, die in der Regel das Eigentum an der Ware erwerben und das Absatzrisiko (Verkauf, Verderb) tragen.[10]

2.2.2 Die Leistungsträger der Distribution

2.2.2.1 Die Verkaufs- und Vertriebsorganisation der Unternehmung

Die Gewinnung und die organisatorische Abwicklung von Aufträgen sind seit alters her der Verkaufsabteilung übertragen, wobei diese die Beziehungen zu den Kunden meistens über Handels­reisende oder Handelsvertreter pflegt. Die genannten Aufgaben umfassen dabei nur den Verkauf im engeren Sinne, während sich die Geschäftsleitung die fundamentalen Entscheidungen beispielsweise über die zu bearbeitenden Märkte bzw. Kundengruppen und die anzubietenden Produkte vorbehält. Diese eher historische Form der reinen Verkaufsabteilung verliert allerdings zu Gunsten einer mit mehr Aufgaben, Verantwortung und Einfluss versehenen Marketing-Abteilung immer mehr an Bedeutung.[11]

Der Verkauf durch Mitglieder der Geschäftsleitung ist im Investitionsgütersektor, in der Beklei­dungsindustrie und bei solchen Zulieferern anzutreffen, die sich auf Deckung des Bedarfs durch wenige Großabnehmer eingestellt haben. Er ist dort möglich bzw. üblich, wo an eine begrenzte, über­schaubare Anzahl von Kunden abgesetzt wird. Oft unterstützt die Geschäftsleitung aber auch jene Unterneh­mensorgane (z.B. Handelsreisende), die permanent mit der Akquisition von Aufträgen und anderen einschlägigen Aufgaben befasst sind. Anknüpfungspunkte sind dabei üblicherweise die über­ragende Bedeutung eines Kunden oder die ungewöhnliche Größe eines in Aussicht stehenden Auftrags.[12]

Handlungsreisende sind ständig aufgrund ihres Dienstvertrags damit beauftragt, für ihre Dienstherren Geschäfte zu vermitteln oder abzuschließen. Sie sind Angestellte und sind nicht selbständig. Hand­lungsreisende erhalten neben einem Grundgehalt Provision und Spesen. Der Reisende hat die Abschlussvollmacht. Eine Bestätigung durch den Vertretenen ist nicht nötig. Die Vollmacht kann ihm allerdings durch ausdrückliche Erklärung der Geschäftsleitung genommen werden. Dies kann beispielsweise durch den folgenden Vermerk auf dem Bestellformularen erfolgen: „Die durch den Reisenden vermittelten Geschäfte bedürfen der Bestätigung durch die Geschäftsleitung“.[13]

Handelsvertreter sind selbständige Gewerbetreibende, die ständig damit betraut sind, im Namen und für Rechnung eines anderen Unternehmens Geschäfte zu vermitteln oder abzuschließen. Im ersten Fall liegt eine Vermittlungs-, im zweiten Fall eine Abschlussvertretung vor. Erfordert das Unternehmen eines Handelsvertreters nach Art und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb, dann ist der Handelsvertreter ein Kaufmann. Im Vertretungsvertrag (auch Agentur­vertrag genannt) wird der Umfang der Vertretungsmacht geregelt. Der Vertretungsvertrag wird in der Regel auf unbestimmte Zeit abgeschlossen und durch Kündigung gelöst. Der Vertretungsvertrag ist somit nicht auf die Vornahme eines einzelnen Rechtsgeschäftes angelegt, sondern auf Dauer ausge­richtet[14].

Dabei verfügen Handelsvertreter über folgende Rechte:[15]

- Recht auf Provision

Provisionsarten:

- Abschlussprovision
- Delkredereprovision
- Inkassoprovision

- Recht auf Überlassung von Unterlagen

- Recht auf Ausgleich

Handelsvertreter haben außerdem folgende Pflichten:[16]

- Sorgfaltspflicht
- Benachrichtigungspflicht
- Bemühungspflicht
- Wettbewerbsverbot

Eine Reihe großer Unternehmen betreibt eigene Verkaufsniederlassungen (z. B. Unternehmen der Investitions­güterindustrie, der Chemischen und Pharmazeutischen Industrie sowie des Handels mit Grundstoffen und Walzwerkserzeugnissen), um den Abnehmern im In- und Ausland nahe zu sein. Diese Verkaufs­niederlassungen können Kunden bei großen Projekten intensiv beraten, für Kundendienstleistungen rasch zur Verfügung stehen oder die unverzügliche Belieferung der Abnehmer aus nahe gelegenen Lagern (z. B. mit Pharmazeutika) sicherstellen. Der Grad der wirtschaftlichen Selbständigkeit dieser Niederlassungen, also die Weisungsgebundenheit bzw. Entscheidungsfreiheit ihrer Leiter ist ebenso wie die Rechtsform sehr verschieden geregelt. Mitunter finden sich im selben Unternehmen verschie­dene Lösungen nebeneinander.[17]

2.2.2.2 Der Handel
2.2.2.2.1 Der Großhandel

Großhandel im funktionellen Sinne ist die wirtschaftliche Tätigkeit des Umsatzes (Beschaffung und Absatz) von Handelswaren und sonstigen Leistungen an Wiederverkäufer, Weiterverarbeiter, gewerb­liche Verwender oder Großverbraucher.[18]

Großhandel im institutionellen Sinne – auch als Großhandelsunternehmen, Großhandelsbetrieb oder Großhandlung bezeichnet – umfasst jene Institutionen, deren wirtschaftliche Tätigkeit ausschließlich oder überwiegend dem Großhandel im funktionellen Sinne zuzurechnen ist. Großhandel wird auch in zentralen Verbundgruppen betrieben.[19]

Der Großhandel kann primär beschaffungs- oder absatzorientiert sein. Der sammelnde, kollektierende oder Aufkaufgroßhandel bezieht die Waren in kleinen Mengen, z.B. von einer Vielzahl landwirt­schaftlicher Erzeuger. Die Beschaffung ist in diesen Fällen häufig schwieriger als der Absatz. Der verteilende, distribuierende oder Absatzgroßhandel konzentriert sich dagegen auf die Suche und Pflege von Absatzbeziehungen. Doch impliziert dies keineswegs, dass er die Beschaffungsaufgabe vernachlässigt. Denn von günstigen Einkaufsbedingungen hängt der Absatzerfolg in hohem Grade ab, wenngleich den Betrieben auch andere absatzpolitische Instrumente als der Preis zur Verfügung stehen.[20]

Der Großhandel erfüllt folgende Aufgaben:[21]

- Raumüberbrückung (Transport): Der Großhändler nimmt – zusammen mit dem Einzelhan­del – dem Hersteller die Aufgabe ab, die Waren an den Endverbraucher abzusetzen. Er bringt die betreffende Ware unmittelbar an den Wohnort des Verbrauchers und überbrückt damit die die räumliche Entfernung zwischen Hersteller und Konsument.

- Zeitüberbrückung (Lagerhaltung): Um ständig verkaufsbereit zu sein, muss der Händler bestimmte Warenmengen vorrätig haben. Die ständige Vorratshaltung macht es möglich, dass jeder Bedarf der Kunden jederzeit gedeckt werden kann, insbesondere bei Waren, deren Herstellung und Verwendung zeitlich nicht übereinstimmen.

- Preisausgleich: Die Raumüberbrückungsfunktion ist auch mit der Preisausgleichsfunktion verbunden. In der Regel sind am Herstellungsort einer Ware deren Preise niedrig, weil das Angebot dort hoch ist. In anderen Regionen, wo das Angebot des betreffenden Gutes knapper ausfällt, ist der Preis relativ hoch.

- Absatzfinanzierung: Von Kreditfunktion des Handels spricht man, wenn der Handelsbetrieb z. B. Anzahlungen leistet, eigenen Kunden Zahlungsziele gewährt oder ihnen Kredite vermit­telt, um seinen Umsatz zu steigern. Diese Maßnahmen helfen dem Kunden, die Zeit zwischen Kauf und Zahlung zu überbrücken.

- Mengenausgleich (Mengenumgruppierung): Zwischen der Produktionsmenge einer Ware und Verbrauchsmenge bestehen meist erhebliche Unterschiede. Die Industrie beispielsweise stellt ihre Produkte aus Kostengründen in großen Mengen her. Die Endverbraucher hingegen benötigen nur kleine Mengen. Der Handel sorgt hier für einen Ausgleich, indem er die Bedarfsmengen produktionsgerecht zusammenfasst und große Mengen kauft, die er in kleinen Mengen an seine Kunden abgibt.

- Sortimentsbildung: Aus den vielfältigen Angeboten der Lieferanten wählt der Händler für seine Kunden die entsprechenden Artikel aus und stellt ein bedarfsgerechtes Angebot zusam­men. Die Kunden finden daher im Handel eine Vielzahl von Waren, die sich nach Art und Güte unterscheiden. Er führt aber auch gleiche Waren verschiedener Hersteller. Die Kunden haben die Möglichkeit, die Angebote zu vergleichen und zu prüfen.

- Qualitätsausgleich (Warenmanipulation): Häufig ist es der Handel, der die Waren erst bedarfsgerecht auf den Markt bringt. Dies geschieht, indem er bestimmte Waren

- mischt, z. B. Bonbons, Tabak, Tee,
- sortiert, z. B. Eier, Obst, Gemüse, Kartoffeln,
- veredelt, z.B. Lagerung von Obst und Wein bis zur Reife.

- Kundendienst (Serviceleistungen): Der Kundendienst macht häufig den Verkauf einer Ware erst möglich. Hierzu gehören z. B. Installation, Wartung, Reparatur, Umtausch und Zustellung.

Betriebstypen des Großhandels sind:[22]

- Sortimentsgroßhandlungen
- Spezialgroßhandlungen
- Cash-and-carry-Großhandel
- Rack Jobber (Regalgroßhändler)
- Food Broker (Service Merchandiser)
- Produktionsverbindungsgroßhandel
- Werkshandelsunternehmen

2.2.2.2.2 Der Einzelhandel

Einzelhandel im funktionellen Sinne ist die wirtschaftliche Tätigkeit des Umsatzes (Beschaffung und Absatz) von Handelswaren und sonstigen Leistungen an Letztverbraucher.[23]

Einzelhandel im institutionellen Sinne – auch als Einzelhandelsunternehmen, Einzelhandelsbetrieb oder Einzelhandlung bezeichnet – umfasst jene Institutionen, deren wirtschaftliche Tätigkeit ausschließlich oder überwiegend dem Einzelhandel im funktionellen Sinne zuzurechnen ist.[24]

Der Einzelhandel erfüllt wie der Großhandel die Aufgaben Raumüberbrückung, Zeitüberbrückung, Sortimentsbildung, Mengenausgleich, Kundendienst und mitunter auch Absatzfinanzierung. Dazu kommt die Aufgabe der Kundenberatung. Hier vergrößert der Einzelhandelsbetrieb durch persönliche Beratung die Marktübersicht, die dem Kunden bei der Vielzahl der angebotenen Waren fehlt. Dadurch erleichtert er ihm die Kaufentscheidung.[25]

Betriebstypen des Einzelhandels sind:[26]

- Handwerkshandel
- Fachgeschäft
- Spezialgeschäft
- Boutique
- Gemischtwarengeschäft
- Warenhaus
- Gemeinschaftswarenhaus
- Kaufhaus
- Verbrauchermarkt
- Selbstbedienungswarenhaus
- Supermarkt
- Convenience Store
- Drugstore
- Discounter
- Versandhandel

2.2.2.3 Die Marktveranstaltungen

Marktveranstaltungen verkörpern eine zeitliche und örtliche Konzentration von Angebot und Nach­frage. Unternehmen können sich allerdings nicht allein auf diese Veranstaltungen stützen, um die Kontinuität des Absatzes und der Beschaffung zu sichern. Sie müssen noch zahlreiche andere Maßnahmen ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen, denn die meisten Marktveranstaltungen finden nur in großen zeitlichen Abständen statt. Oft ist nur die Teilnahme eines begrenzten Personen- oder Firmenkreises an diesen Veranstaltungen erlaubt.[27]

Hierbei sind folgende Marktveranstaltungen zu unterscheiden:[28]

- Messe: Zeitlich begrenzte, im Allgemeinen regelmäßig wiederkehrende Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Ausstellern das wesentliche Angebot eines oder mehrerer Wirtschafts­zweige ausstellt und überwiegend nach Mustern an gewerbliche Wiederverkäufer, gewerb­liche Verbraucher oder Großabnehmer vertreibt. Der Veranstalter kann in beschränktem Umfang an einzelnen Tagen während bestimmter Öffnungszeiten Letztverbraucher zum Kauf zulassen.
- Ausstellung: Zeitlich begrenzte Veranstaltung, auf der eine Vielzahl von Ausstellern ein reprä­sentatives Angebot eines oder mehrerer Wirtschaftszweige oder Wirtschaftgebiete ausstellt und vertreibt oder über dieses Angebot zum Zweck der Absatzförderung informiert.
- Auktion (Versteigerung): Einmalige oder periodische Marktveranstaltungen, bei denen die am Auktionsort selbst oder in dessen Nähe besichtigungsfähig untergebrachten Waren in öffentlichen Bieteverfahren an den Meistbietenden verkauft werden.
- Börse: Markteinrichtungen, die in zeitlicher und örtlicher Konzentration Käufer und Verkäu­fer zusammenführen, wobei vertretbare Waren gehandelt werden.

2.2.2.4 Electronic Commerce

Electronic Commerce (Kurzbenennung: E-Commerce; Synonyme: E-Business, Cyber-Business), sind sämtliche betrieblichen Aktivitäten und Verfahren, die unter Einsatz integrierter elektronischer Medien – insbesondere im Bereich Absatz – zur Optimierung der Wertschöpfungskette beitragen. Innerhalb eines Unternehmens sind die großen Politikbereiche Beschaffung, Produktion und Absatz zu integrie­ren, so dass Medienbrüche (Beispiele: fehlender Übergang zwischen SAP und Internet) Zug um Zug überwunden werden. Der Electronic Commerce steht antonym zum Offline-Business.[29]

Wesentliche Elemente von E-Commerce sind:[30]

- Effiziente Abwicklung von Geschäftsprozessen über elektronische Medien
- Digitales Management von Geschäftsbeziehungen (Pre-Sales, Sales, After-Sales)
- Vertrieb über das Internet

[...]


[1] http://www.schaeffer-poeschel.de/download/leseproben/3-7910-1950-3.pdf, 30.1.2005.

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Distributionspolitik, 5.2.2005.

[3] Vgl. Tietz, B. : Der Handelsbetrieb, 2. Auflage, München 1993, S. 483.

[4] Treis, B. : Marketing, Göttingen 1994, S. 95.

[5] Vgl. Böcker, F. : Marketing, 4. Auflage, Stuttgart 1991, S. 321.

[6] Vgl. Meffert, H. : Grundlagen der Absatzpolitik, 7. Auflage, Wiesbaden 1989, S. 439.

[7] Vgl. Nieschlag, R. / Dichtl, E. / Hörschgen, H. : Marketing, 16. Auflage, Berlin 1990, S. 375.

[8] Vgl. Ebd.,, S. 378 f.

[9] Vgl. Ebd.,, S. 380.

[10] Vgl. Treis, B. : Handelsmarketing, Göttingen 1995, S. 101 ff.

[11] Vgl. Nieschlag, R. / Dichtl, E. / Hörschgen, H. : Marketing, 16. Auflage, Berlin 1990, S. 384.

[12] Vgl. Ebd., S. 384.

[13] Vgl. Bizer, E. / Nolden, R.-G. : Betriebswirtschaftlehre für Bürokaufleute und Kauf­leute für Bürokommunika­tion, 5. Auflage, Troisdorf 2002.

[14] Vgl. Hartmann, G. / Härter, F. : Allgemeine Wirtschaftslehre für kaufmännische Auszubildende, 34. Auflage, Rinteln 2003, S. 171 f.

[15] Vgl. Heinemeier, H. / Limpke, P. / Jecht, H. : Spezielle BWL des Groß- und Außenhandels, 3. Auflage, Darmstadt 2003, S. 432.

[16] Ebd., S.432.

[17] Vgl. Nieschlag, R. / Dichtl, E. / Hörschgen, H. : Marketing, 16. Auflage, Berlin 1990, S. 387.

[18] Tietz, B. : Der Handelsbetrieb, 2. Auflage, München 1993, S. 26.

[19] Ebd., S.27.

[20] Vgl. Nieschlag, R. / Dichtl, E. / Hörschgen, H. : Marketing, 16. Auflage, Berlin 1990, S. 389.

[21] Vgl. Heinemeier, H. / Limpke, P. / Jecht, H. : Spezielle BWL des Groß- und Außenhandels, 3. Auflage, Darmstadt 2003, S. 22 ff.

[22] Vgl. Tietz, B. : Der Handelsbetrieb, 2. Auflage, München 1993, S. 30.

[23] Ebd., S. 27.

[24] Ebd., S. 27.

[25] Vgl. Heinemeier, H. / Limpke, P. / Jecht, H. : Wirtschaftslehre für Kaufleute im Einzelhandel, 8. Auflage, Darmstadt 2003, S. 59 f.

[26] Vgl. Tietz, B. : Der Handelsbetrieb, 2. Auflage, München 1993, S. 30 ff.

[27] Vgl. Nieschlag, R. / Dichtl, E. / Hörschgen, H. : Marketing, 16. Auflage, Berlin 1990, S. 415.

[28] Vgl. Treis, B. : Institutionen- und Funktionenlehre des Handels, Göttingen 1994, S. 9 f.

[29] Geers, W., Beckermann, S., Maiß, J. : Informationsverarbeitung, Troisdorf 2001, S. 369.

[30] Vgl. Ebd., S. 370.

Ende der Leseprobe aus 50 Seiten

Details

Titel
Eine Unterrichtssequenz zum Thema „Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen“ im Ausbildungsberuf Bürokaufmann/Bürokauffrau
Untertitel
Planung, Durchführung, Auswertung
Hochschule
Studienseminar für das Lehramt an berufsbildenden Schulen Hannover
Veranstaltung
Wirtschaft & Verwaltung
Note
Ohne Benotung
Autor
Jahr
2005
Seiten
50
Katalognummer
V177985
ISBN (eBook)
9783656017677
ISBN (Buch)
9783656017622
Dateigröße
608 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Distributionspolitik, Wirtschaft, Unterrichtsentwurf, Handel, Einzelhandel, Großhandel, Absatz, Absatzwege, Standorte, Electronic Commerce, Unterrichtssequenz
Arbeit zitieren
Diplom-Kaufmann Torsten Hauschild (Autor), 2005, Eine Unterrichtssequenz zum Thema „Distributionspolitik mittelständischer Unternehmen“ im Ausbildungsberuf Bürokaufmann/Bürokauffrau, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/177985

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