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Prophetie und Passion am Mosesbrunnen von Claus Sluter

Eine ikonographische und ikonologische Analyse des Mosesbrunnen der Großen Kreuzanlage von Champmol

Titre: Prophetie und Passion am Mosesbrunnen von Claus Sluter

Dossier / Travail , 2022 , 15 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Anonym (Auteur)

Art / Sciences de l'art / Histoire de l'art
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Résumé Extrait Résumé des informations

Der sogenannte Mosesbrunnen in Dijon stellt die kunsthistorische Analyse vor ein grundlegendes Problem: Das heute sichtbare Werk ist ein Fragment, dessen geläufiger Name eine einzelne Figur hervorhebt. Erhalten blieb vor allem der mit sechs alttestamentlichen Gestalten und Engeln besetzte Unterbau eines Kreuzmonuments. Die verlorene obere Zone gehört jedoch zu seinem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang. Die Stadt Dijon bezeichnet die Anlage deshalb auch mit ihrem historischen Namen Grande Croix und datiert ihre Ausführung in die Jahre 1395 bis 1405 (Ville de Dijon 2023). Bereits die Benennung beeinflusst somit, welche Fragen an das Werk gestellt werden.

Die Untersuchung fragt, wie Körper, Attribute und Schrift das Leiden Christi vergegenwärtigen und welche Bedeutung diese Vergegenwärtigung innerhalb der Kartause von Champmol gewinnt. Die leitende These lautet: Das Monument verband die christliche Auslegung alttestamentlicher Texte mit einer räumlich und körperlich erfahrbaren Anleitung zur Betrachtung der Passion. In diesem Zusammenhang konnte zugleich das Gedächtnis des fürstlichen Stifters verankert werden. Die bildliche Darstellung und ihr historischer Gebrauch lassen sich deshalb nur in ihrem Verhältnis zueinander erklären.
Dazu werden zunächst Entstehung, Erhaltungszustand und methodische Voraussetzungen geklärt. Anschließend folgt eine Beschreibung des erhaltenen Figurenbestandes. Die ikonographische Analyse untersucht die Identität der Gestalten und den Bezug ihrer Schriftbänder zur Passion. Die ikonologische Interpretation fragt nach der Funktion des Programms für monastische Betrachtung und fürstliche Erinnerung. Ein abschließender Abschnitt prüft die Grenzen solcher Deutungen anhand der jüngeren Forschung.

Die Grundlage bilden publizierte Werkfotografien, wissenschaftliche Aufsätze und institutionelle Objektinformationen. Eine besondere Rolle spielen Susie Nashs Untersuchungen von 2005, 2006 und 2008 sowie ihre erneute Interpretation von 2024. Dabei ist zwischen einer dokumentierten Werkangabe und einer historischen Deutung zu unterscheiden. Auch eine überzeugende Rekonstruktion ersetzt den verlorenen Gegenstand nicht. Die Analyse behauptet weder eine Autopsie des Monuments noch eine eigenständige Auswertung der burgundischen Rechnungsarchive. [...]

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung und Fragestellung

2 Methode und historischer Kontext

3 Werkgestalt und Erhaltungszustand

4 Die Propheten und ihre Schriftbänder

5 Typologie und räumliche Verknüpfung

6 Engel und kartäusische Passionsbetrachtung

7 Stiftergedächtnis und Grenzen der Deutung

8 Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Das Hauptziel dieser wissenschaftlichen Arbeit besteht darin, den Mosesbrunnen von Claus Sluter in Dijon durch eine ikonographische und ikonologische Analyse der Großen Kreuzanlage von Champmol umfassend zu untersuchen und dabei aufzuzeigen, wie das Monument die christliche Auslegung alttestamentlicher Texte mit einer räumlich und körperlich erfahrenen Anleitung zur Passionsbetrachtung verband.

  • Ikonographische und ikonologische Untersuchung des erhaltenen Figurenbestandes
  • Analyse der alttestamentlichen Propheten und ihrer Schriftbänder in Relation zur Passionsikonographie
  • Bedeutung der Engelzone und deren Einbettung in die kartäusische Frömmigkeit und Gebetspraxis
  • Rolle des Stiftergedächtnisses und des historischen Kontextes des Hauses Valois
  • Methodische Reflexion über Erhaltungszustand, Fragmentierung und die Grenzen historischer Deutung

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung und Fragestellung

Der sogenannte Mosesbrunnen in Dijon stellt die kunsthistorische Analyse vor ein grundlegendes Problem: Das heute sichtbare Werk ist ein Fragment, dessen geläufiger Name eine einzelne Figur hervorhebt. Erhalten blieb vor allem der mit sechs alttestamentlichen Gestalten und Engel besetzte Unterbau eines Kreuzmonuments. Die verlorene obere Zone gehört jedoch zu ihrem ursprünglichen Bedeutungszusammenhang. Die Stadt Dijon bezeichnet die Anlage auch mit ihrem historischen Namen Grande Croix und datiert ihre Ausführung in die Jahre 1395 bis 1405 (Ville de Dijon 2023). Bereits die Benennung beeinflusst somit, welche Fragen an das Werk gestellt werden.

Die Untersuchung fragt, wie Körper, Attribute und Schrift das Leiden Christi vergegenwärtigen und welche Bedeutung diese Vergegenwärtigung innerhalb der Kartause von Champmol gewinnt. Die leitende These lautet: Das Monument verband die christliche Auslegung alttestamentlicher Texte mit einer räumlich und körperlich erfahrenen Anleitung zur Betrachtung der Passion. In diesem Zusammenhang konnte zugleich das Gedächtnis des fürstlichen Stifters verankert werden. Die bildliche Darstellung und ihr historischer Gebrauch lassen sich deshalb nur in ihrem Verhältnis zueinander erklären.

Dazu werden zunächst Entstehung, Erhaltungszustand und methodische Voraussetzungen geklärt. Anschließend folgt eine Beschreibung des erhaltenen Figurenbestandest. Die ikonographische Analyse untersucht die Identität der Gestalten und den Bezug ihrer Schriftbänder zur Passion. Die ikonologische Interpretation fragt nach der Funktion des Programms für monastische Betrachtung und fürstliche Erinnerung. Ein abschließender Abschnitt prüft die Grenzen solcher Deutungen anhand der jüngeren Forschung.

Die Grundlage bilden publizierte Werkfotografien, wissenschaftliche Aufsätze und institutionelle Objektinformationen. Eine besondere Rolle spielen Susie Nashs Untersuchungen von 2005, 2006 und 2008 sowie ihre erneute Interpretation von 2024. Dabei ist zwischen einer dokumentierten Werkangabe und einer historischen Deutung zu unterscheiden. Auch eine überzeugende Rekonstruktion ersetzt den verlorenen Gegenstand nicht. Die Analyse behauptet weder eine Autopsie des Monuments noch eine eigenständige Auswertung der burgundischen Rechnungsarchive. Ihre Aussagen zum ursprünglichen Zustand bleiben dort abgestuft, wo die Überlieferung unterschiedliche Schlüsse zulässt. Gerade diese Unterscheidung ermöglicht es, die Bedeutung des Werkes zu diskutieren, ohne den erhaltenen Unterbau als vollständige und unmittelbar lesbare Einheit vorauszusetzen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung und Fragestellung: Das Kapitel führt in das Kunstwerk als Fragment ein, formuliert die zentrale Fragestellung zur Vergegenwärtigung des Leidens Christi und skizziert die methodische Grundlage sowie die herangezogene Forschungsliteratur.

2 Methode und historischer Kontext: Es wird der methodische Rahmen nach Erwin Panofsky erläutert und der historische Hintergrund des burgundischen Herrschaftskomplexes sowie der Kartause von Champmol beleuchtet.

3 Werkgestalt und Erhaltungszustand: Der Abschnitt analysiert den sechseckigen Unterbau, die architektonische Gliederung sowie die gravierenden Folgen des fehlenden Kreuzes für die heutige Wahrnehmung des Monuments.

4 Die Propheten und ihre Schriftbänder: Die einzelnen Prophetenfiguren (Moses, David, Jeremia, Zacharias, Daniel und Jesaja) und deren spezifische Schriftbänder werden hinsichtlich ihres christologischen Programms und ihrer theologischen Bezüge untersucht.

5 Typologie und räumliche Verknüpfung: Das Kapitel beleuchtet das Verhältnis von alttestamentlicher Typologie und der räumlichen Anordnung der Figuren, welche dem Betrachter verschiedene Blickwinkel und Beziehungen eröffnet.

6 Engel und kartäusische Passionsbetrachtung: Hier wird die vermittelnde Engelzone analysiert und aufgezeigt, wie das Werk in die klösterliche Gebets- und Messpraxis der Kartäuser eingebunden war.

7 Stiftergedächtnis und Grenzen der Deutung: Es wird diskutiert, inwiefern das Monument als Erinnerungsträger für den Herzog fungierte und wo die methodischen Grenzen historischer und chronologischer Rekonstruktionen liegen.

8 Schluss: Das Schlusskapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und betont die Bedeutung des Werkes als ein auf Betrachtung angelegtes Ensemble aus Form, Text und historischem Ort.

Schlüsselwörter

Mosesbrunnen, Claus Sluter, Champmol, Ikonographie, Ikonologie, Kunstgeschichte, Skulptur, Mittelalter, Burgund, Passionsdarstellung, Propheten, Kartäuser, Stiftergedächtnis, Relief, Plastik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit widmet sich einer kunsthistorischen Analyse des Mosesbrunnens von Claus Sluter in Dijon und untersucht das fragmentarisch erhaltene Monument als komplexe Verbindung von Skulptur, Theologie und Frömmigkeit.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Werkgestalt und der Erhaltungszustand des Unterbaus, die ikonographische Bedeutung der Propheten und ihrer Schriftbänder, die räumliche Verknüpfung der Figuren sowie der Kontext der kartäusischen Passionsbetrachtung.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Es wird gefragt, wie Körper, Attribute und Schrift das Leiden Christi vergegenwärtigen und auf welche Weise das Monument alttestamentliche Texte mit einer körperlich erfahrenen Passionsbetrachtung und dem Stiftergedächtnis verknüpfte.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Untersuchung stützt sich methodisch auf Panofskys Unterscheidung zwischen vorikonographischer Beschreibung, ikonographischer Identifizierung und ikonologischer Interpretation sowie auf den Abgleich mit jüngeren quellenbasierten Forschungen.

Was wird im Hauptteil der Publikation behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des historischen Kontextes, die detaillierte Betrachtung des architektonischen und figürlichen Bestandes, die Untersuchung der Prophetengestalten und Schriftbänder, die Engelzone sowie das Stiftergedächtnis.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Zu den prägenden Begriffen gehören Mosesbrunnen, Claus Sluter, Champmol, Ikonographie, Passionsbetrachtung, Typologie und kartöusischer Kontext.

Welche Rolle spielt der heutige, veränderte Zustand des Kunstwerks für die Analyse?

Da das obere Kreuz und Teile der Anlage verloren sind, wird hervorgehoben, dass eine historische Analyse die heutige Konzentration auf den Unterbau bewusst relativieren und die fehlende Zone als Teil des Untersuchungsgegenstands mitdenken muss.

Wie wird die Funktion der Schriftbänder der Propheten interpretiert?

Die Schriftbänder sind keine neutralen Beifschriften, sondern lenken in ihrer spezifischen Auswahl und räumlichen Anordnung die Auslegung der alttestamentlichen Gestalten auf das Leiden Christi und bilden ein geschlossenes christologisches Programm.

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Résumé des informations

Titre
Prophetie und Passion am Mosesbrunnen von Claus Sluter
Sous-titre
Eine ikonographische und ikonologische Analyse des Mosesbrunnen der Großen Kreuzanlage von Champmol
Note
1,7
Auteur
Anonym (Auteur)
Année de publication
2022
Pages
15
N° de catalogue
V1779853
ISBN (PDF)
9783389209561
Langue
allemand
mots-clé
prophetie passion mosesbrunnen claus sluter eine analyse großen kreuzanlage champmol
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Anonym (Auteur), 2022, Prophetie und Passion am Mosesbrunnen von Claus Sluter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1779853
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