Dawkins Einfluss auf die Anthropologie

Die Theorie des egoistischen Gens nach Richard Dawkins und deren Konsequenzen für die Anthropologie


Hausarbeit, 2011
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen der Genetik

3 Weltbilder der Antike bis zur Neuzeit
3.1 Typenlehre
3.2 Populationstheorie nach Darwin
3.3 Darwinismus
3.4 Finalismus
3.5 Anthropologische Betrachtung

4 Die Evolution
4.1 Natürliche Selektion
4.2 Arterhaltung
4.3 Individuum und Familienselektion
4.4 Replikatoren

5 Gene
5.1 Der Organismus als Vehikel
5.2 Genschrott

6 Auswirkungen auf die Anthropologie
6.1 Darwin
6.2 Dawkins
6.3 Fazit Das neue Selbstverständnis

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Lebewesen sind die komplexesten Dinge, die es auf unserem Planeten gibt. Der vielschichtige Aufbau und die unzähligen Interaktionsmöglichkeiten mit ihrer Umwelt grenzen sie deutlich von den unbelebten Dingen ab.

Der Mensch unterteilt seit der Antike Lebewesen in verschiedene Klassen, Arten und Gruppen. So unterschieden Demokrit und Aristoteles zwischen blutführenden und blutlosen Tieren, großen Tiergruppen sowie dem Menschen als eigene Art (Jahn, Krauße, Löther, Querner, Schmidt, & Senglaub, 2000, S. 59f). Bis in die Neuzeit folgten noch viele theoretische Konzeptionen, bis schließlich im 20. Jh. die neue, interdisziplinäre Genetik entwickelt wurde. Durch die Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNA in den 1950er Jahren gelang der wichtige Schritt von der klassischen zur Molekular-Genetik.

Die Molekular-Genetik hilft uns nicht nur zu verstehen, woher der Mensch entwicklungsgeschichtlich stammt, sie führt auch zu neuen Blickwinkeln bei grundlegenden Fragen.

Die zentrale Frage der Anthropologie lautet „Was ist der Mensch?“. Es gibt viele Ansätze diese Frage zu klären, eine der interessantesten ist die Theorie über das „Egoistische Gen“ von Richard Dawkins. Sie beschreibt eine konsequente Fortführung des Darwinismus, indem sie die aktuellen Erkenntnisse der Genetik mit einbezieht.

In meiner Hausarbeit werde ich zunächst die Grundlagen der Evolution und der Genetik erläutern. Danach werde ich die Verknüpfung von Darwinismus und Anthropologie beleuchten und schließlich will ich die Frage klären, welche Auswirkung die „Egoistische-Gen-Theorie“ von Richard Dawkins auf die Frage nach dem Sein und dem Selbstverständnis des Menschen hat.

2 Grundlagen der Genetik

Basis eines jeden Lebewesens ist die Zelle. In ihrem Zellkern befinden sich die Chromosomen, bestehend aus DNA. Einzelne Molekülabschnitte der DNA werden Gene genannt, sie enthalten die Erbinformationen.

DNA-Moleküle haben die Fähigkeit sich zu replizieren, von der befruchteten Eizelle billionenfach bis zum fertigen Lebewesen. Außerdem beeinflussen Gene, einzeln oder im Verbund, den Aufbau und die Steuerung des Lebewesens. Dies geschieht, indem die codierte Information der DNA in einem mechanischen Verfahren in den Aufbau-Code von Proteinen transcodiert wird. Proteine wiederum haben direkte Kontrolle über chemische Prozesse innerhalb der Zellen. Dieser Ablauf ist nicht umkehrbar. Eine Vererbung erworbener Eigenschaften ist nicht möglich. So kann weder Wissen, noch der Verlust eines Körperteils durch Vererbung an die nächste Generation weitergegeben werden. Dies stellt ein „Zentrales Dogma“ der Molekularbiologie dar. Es statuiert, dass der Fluss der Information immer von der DNA zum Protein verläuft, der umgekehrte Weg ist ausgeschlossen (Jahn, Krauße, Löther, Querner, Schmidt, & Senglaub, 2000, S. 655).

3 Weltbilder der Antike bis zur Neuzeit

3.1 Typenlehre

Vorherrschende Weltanschauung war, bereits ab der Antike, die Typenlehre, auch häufig „Essentialismus [lat. essentia = Wesen(heit), zu: esse = →sein, existieren]“ (Bibliographisches Institut GmbH, 2011) genannt. Diese basiert auf der Annahme, alle Lebewesen seien in feste, unveränderliche Klassen unterteilt. Die jeweilige Wesensform ist hier statisch und streng von allen anderen Wesensformen abgegrenzt. Variationen innerhalb einer Klasse galten als zufällig und unerheblich. Dies entsprach auch dem christlichen Weltbild. Jedes lebendige Tier war ein Nachkommen des Ur-Paares seiner Gattung, von Gott erschaffen und diesem Ur-Paar exakt entsprechend. Allerdings waren nicht nur Christen von der Richtigkeit dieser Theorie überzeugt, auch agnostische[1]Philosophen sprachen von der sogenannten „natürlichen Art“ (vgl. Mayr, 2005).

3.2 Populationstheorie nach Darwin

Darwin brach mit der Typenlehre und vertrat die Meinung, dass es sich nicht um starre Klassen von Lebewesen handele, sondern um variable Populationen. Innerhalb dieser Population ist jedes Lebewesen einzigartig und verschieden zu allen anderen.

Dieser völlig neue Ansatz kam den meisten Forschern entgegen, da er die enorme Vielfalt auch innerhalb einer Population am besten erklären konnte (vgl. Mayr, 2005).

3.3 Darwinismus

Der Darwinismus basiert auf fünf großen Evolutionstheorien. Zum einen die grundlegende Evolutionstheorie also die Veränderlichkeit der Arten. Außerdem eine gemeinsame Abstammung aller Lebewesen (auch des Menschen), also die Evolution mittels Verzweigung. Durch eine allmähliche Anpassung an die natürlichen Gegebenheiten der Umwelt erfolgt eine Umstrukturierung der Populationen. Der sogenannte Gradualismus, auch scheinbar sprunghafte oder diskontinuierliche Veränderungen basieren auf einem graduellen Umbau der Population. Die Vermehrung der Arten und damit die Entstehung der biologischen Vielfalt. Und schließlich die Variation, sie ist der zentrale Punkt und unverzichtbare Voraussetzung des Darwinismus. Sie bedeutet, dass alle Mitglieder einer Population sich zwar ähneln, man jedoch bei näherer Betrachtung Unterschiede feststellen kann. Sie unterscheiden sich zum Beispiel äußerlich in Größe, Proportion und Musterung, aber auch in schwerer zu durchschauenden Merkmalen wie Kreislaufregulation und Verhalten. Jedes Lebewesen ist einzigartig. Diese Einzigartigkeit macht die natürliche Selektion erst möglich (Mayr, 2005).

3.4 Finalismus

Im Widerspruch zu Darwins Lehren stand der sogenannte Finalismus. Hier wurde das Streben des Lebendigen zu immer größerer Perfektion postuliert. Diese innere Kraft wurde von Darwin stets abgelehnt. Er ging von einer Natur aus, die rein physikalisch, ungelenkt und ohne Richtung war (vgl. Mayr, 2005).

[...]


[1]Agnostiker: Die Frage nach der Existenz Gottes ist nicht zu klären

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Dawkins Einfluss auf die Anthropologie
Untertitel
Die Theorie des egoistischen Gens nach Richard Dawkins und deren Konsequenzen für die Anthropologie
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,7
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V178029
ISBN (eBook)
9783640998609
ISBN (Buch)
9783640998838
Dateigröße
474 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anthropologie, Evolution, Richard, Dawkins, Mayr, Jared, Diamond, Entwicklung, Affe, Schimpanse, Erbgut, DNA, Verantwortung, Gott, Schöpfung, Gen, Gene, egoistisch, egoistische, Einfluss, Lebewesen, Genetik, genetisch, Darwinismus, Typenlehre, Population, Arterhaltung, Selektion, Replikator, Organismus, Genschrott, Selbstbild, Revolution, Mitgefühl, Moral, Biologie
Arbeit zitieren
Matthias Schindel (Autor), 2011, Dawkins Einfluss auf die Anthropologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178029

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