Nachdem Agrarsoziologen und Ökonomen in den USA bei der Analyse der
wirtschaftlichen Situation von Familien auf deren Abhängigkeit von zentralen Ereignissen stießen, wurde die dynamische Sichtweise der Familie Ende des 19. Jahrhunderts erstmalig von dem Ökonomen Rowntree in einer empirischen Studie über Armut in einer englischen Kleinstadt eingebracht.
Dieser hatte in seinen Untersuchungen das Ziel, den Zusammenhang von Veränderungen der ökonomischen Lage von Familien mit dem Zusammenfall bestimmter familärer Ereignisse zu erklären und konstruierte zu diesem Zweck ein erstes Verlaufsdiagramm.
Inhaltsverzeichnis
1 Die Entstehung der dynamischen Sichtweise von Familie
1.1 Rowntree
1.2 Glick
2 Die Vorzüge des Familienzykluskonzepts
3 Nachteile und Kritikpunkte des Modells
3.1 Keine historische Verwendung
3.2 Normativität
3.3 Mangelnde Präzision
4 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht das wissenschaftliche Konzept des Familienzyklus, dessen historische Entstehung sowie dessen Relevanz und Anwendungsgrenzen in der modernen Familiensoziologie. Das Ziel ist es, die dynamische Sichtweise auf Familienentwicklungen zu erläutern und kritisch zu hinterfragen, inwieweit das Modell heutige Lebensformen abbilden kann.
- Historische Wurzeln des Konzepts (Rowntree und Glick)
- Die verschiedenen Phasen der Familienentwicklung
- Methodische Vorzüge und theoretische Grundideen
- Kritikpunkte wie Normativität und mangelnde historische Anwendbarkeit
- Fortschritte in der Datenanalyse und Familienforschung
Auszug aus dem Buch
3 Nachteile und Kritikpunkte des Modells
3.1 Keine historische Verwendung
Das Modell geht von gegenwärtigen Verhaltensmustern aus und kann nicht auf historisch frühere Phasen angewandt werden, da z.B. aufgrund der Vollausnutzung der weiblichen Fruchtbarkeitsphase zur Arbeitskraftreproduktion, der hohen Kindersterblichkeit oder der erneuten Heirat von Witwen kein synchrones Durchlaufen gleichartiger Sozialisationsphasen zustande kommt (vgl. Lauterbach/Lange 2004, S. 34f).
Paul Glick hat selbst festgestellt, dass die letzten Zyklusphasen ab dem Auszug des ersten Kindes aufgrund früherer Sterblichkeit noch am Ende des 19. Jh. von nur geringer Dauer waren, wenn überhaupt vorhanden (vgl. Diekmann 1993, S.9).
Im Umkehrschluss lässt sich aber durchaus feststellen, dass die Aktualität des Konzeptes auch zum Vorteil desselbigen gereicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Die Entstehung der dynamischen Sichtweise von Familie: Dieses Kapitel erläutert die Ursprünge des Familienzyklusmodells durch Rowntree und die Erweiterungen durch Paul C. Glick.
2 Die Vorzüge des Familienzykluskonzepts: Hier werden die wissenschaftlichen Vorteile und die Grundideen des Modells als Instrument für die Analyse von Familienentwicklungen dargestellt.
3 Nachteile und Kritikpunkte des Modells: Dieses Kapitel kritisiert die mangelnde historische Anwendbarkeit, die normativen Einschränkungen auf Kernfamilien und methodische Präzisionsprobleme.
4 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Würdigung des Konzepts als wichtige Errungenschaft, die durch ihre Kritikpunkte die Entwicklung interdisziplinärer Forschungsansätze maßgeblich angestoßen hat.
Schlüsselwörter
Familienzyklus, Familiensoziologie, Familienentwicklung, Phasenmodell, Rowntree, Glick, Kernfamilie, Demografie, Sozialisationsphasen, Lebensverlaufsforschung, Familienereignisse, Kohortendaten, Familienpolitik, Familienforschung, Dynamische Familienbetrachtung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Konzept des Familienzyklus als soziologisches Modell, das Familienentwicklung als dynamischen Prozess beschreibt.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Themen umfassen die historische Entstehung, die theoretischen Vorzüge für die Forschung sowie die kritische Reflexion des Modells hinsichtlich seiner Anwendbarkeit auf moderne Lebensformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist eine fundierte Darstellung des Familienzykluskonzepts und die kritische Auseinandersetzung mit dessen Stärken und Schwächen innerhalb der Sozialwissenschaften.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf einer Literaturanalyse bestehender soziologischer Forschungsergebnisse und demographischer Modelle basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entstehungsgeschichte, der Vorteile des Konzepts sowie eine ausführliche kritische Betrachtung von Nachteilen wie Normativität und methodischer Präzision.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Familienzyklus, Familiensoziologie, Phasenmodell, Familienentwicklung und Lebensverlaufsforschung.
Wie unterscheidet Glick die Familienphasen?
Paul C. Glick unterteilt den Zyklus in 7 Phasen, die durch zentrale Ereignisse wie Heirat, Geburt oder Auszug der Kinder sowie den Tod der Ehepartner definiert sind.
Warum wird das Konzept als normativ kritisiert?
Die Kritik beruht darauf, dass das Modell primär auf die Kernfamilie ausgerichtet ist und andere Lebensformen wie Patchwork-Familien oder Alleinerziehende vernachlässigt.
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- BA Soziale Arbeit L. Lauprecht (Author), 2007, Das Konzept des Familienzyklus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178109