Einfluss des Faktors Motivation auf die Mathematikleistungen deutscher Schüler/innen im Vergleich zu norwegischen Schüler/innen

Quantiative Methode - Empirie


Hausarbeit, 2010

33 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herleitung der Fragestellung und Hypothesen

3. Modalitäten der Datenerhebung
3.1 Stichprobe
3.2 Methode

4. Operationalisierung der Variablen

5. Darstellung der Ergebnisse

6. Interpretation

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Die inzwischen in der breiten Öffentlichkeit bekannten PISA-Studien und deren Ergebnisse wurden zu drei Zeitpunkten erhoben: 2000, 2003 und 2006 mit jeweils einem Schwerpunkt. Die zweite PISA-Studie im Jahr 2003 legte den Schwerpunkt auf Mathematik. Die Ergebnisse der Mathematikleistungen deutscher Schü- ler/innen wurden in der Öffentlichkeit und in Fachkreisen intensiv diskutiert. PISA ist eine internationale Schulleistungsstudie der OECD-Mitgliedsländer, die Schüler/innen am Ende der Pflichtschulzeit (im Alter von meist 15 Jahren) im Hinblick auf Kenntnisse und Fertigkeiten, die zu einer Teilhabe an einer Wissens- gesellschaft unerlässlich sind, untersucht.

Deutschland liegt in der Untersuchung der Mathematikkompetenz 2003 im Durchschnitt aller OECD Staaten (Prenzel et. al., 2004). Im Vergleich dazu liegt Norwegen knapp unter dem OECD Durchschnitt.

Die grundlegenden Kenntnisse von Mathematik werden im Alltag vorausgesetzt und ohne diese ist ein Leben in einer Wissensgesellschaft nicht denkbar. In fast al- len Berufen wird man mit der Voraussetzung von Mathematik-Grundkenntnissen konfrontiert. Die zentrale Bedeutung von Naturwissenschaften, Mathematik und Technologien in den modernen Gesellschaften machen gute bis sehr gute mathe- matische Kompetenzen unumgänglich. Gleichzeitig ist gerade das Fach Mathema- tik oft mit starken Lernschwierigkeiten auf Schülerseite verbunden (Krauthausen, 2006). Die nur im Durchschnitt liegenden Ergebnisse von deutschen Schülern ha- ben viele Fragen nach Verbesserung dieser Ergebnisse hervor gerufen.

Diese Arbeit beleuchtet eine mögliche Ursache für die aktuellen Ergebnisse der PISA-Studie aus dem Jahr 2003, nämlich den Faktor der Lernmotivation und der selbst- und fachbezogenen Kognitionen auf die Mathematikleistung. Aus for- schungsökonomischen Gründen wird dabei jeweils nur ein Schülermerkmal unter- sucht. Im Bereich der Lernmotivation „Interesse und Freude“ und „Selbstkonzept im Bezug auf Mathematik“ für die selbst- und fachbezogenen Kognitionen. Die Analyse wird auf Grundlage der PISA-Daten aus 2003 erhoben und der damit verbundenen Auswertung „Lernen für die Welt von morgen“ (OECD, 2004).

2. Herleitung der Fragestellung und Hypothesen

„Die meisten Motivationstheorien gehen davon aus, dass eine günstige Motivation effektivere Lernstrategien nach sich zieht. Daher ist es für Lerner erstrebenswert, zuerst solch eine günstige Motivation zu aktivieren (Mandl, Friedrich, 2006, S. 223).“ Damit wird die Bedeutung von Motivation für Lernverhalten und damit Leistungserfolg verdeutlicht. Die OECD spricht in der PISA-Studie den mathema- tischen Kompetenzen eine umfassende Schlüsselstellung für die Teilhabe an Kul- tur und individueller und gesellschaftlicher Entwicklung zu (Prenzel et. al, 2004, S. 47). Mathematik ist ein Kommunikationsmittel und dient der Strukturierung und Erklärung von Phänomenen. PISA nennt die zu erwerbende Kompetenz „Mathematical Literacy“ und definiert dies als „die Fähigkeit einer Person, die Rolle zu erkennen und zu verstehen, die Mathematik in der Welt spielt, fundierte mathematische Urteile abzugeben und Mathematik in einer Weise zu verwenden, die den Anforderungen des Lebens dieser Person als konstruktivem, engagiertem und reflektiertem Bürger entspricht (OECD, 2003, S. 24, zit. Nach Prenzel et. al, 2004, S. 47-48).“ Desto wichtiger ist es nach Voraussetzungen zu forschen, die ei- ne hohe Mathematikkompetenz fördern.

Es wird davon ausgegangen, dass der Lernerfolg in Mathematik in Abhängigkeit zur Motivation für Mathematik steht. Weiter wird eine positive Einstellung und ein daraus resultierendes positives Selbstkonzept zum Fach Mathematik auch Einfluss auf die Mathematikleistung ausüben. So bestehen zwischen Motivation und Leis- tungen und Selbstkonzept und Leistungen starke Wechselbeziehungen. Schüler/innen mit Interesse und Freude am Fach Mathematik erleben positive Leistungsergebnisse und daraus resultiert ein positives Selbstkonzept zum Fach Mathematik. Aus diesem Grund ist bei Leistungsschwäche die Motivation und das Selbstkonzept zum Fach Mathematik zu beachten und zu verbessern. Die heutige Forschung geht von einem Zusammenhang und einer Wechselwirkung von Selbstvertrauen und Motivation im Bezug auf das Lernverhalten, sowie die Kompetenzentwicklung aus (Prenzel et. al, 2004, S, 196).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zusammenhänge zwischen Schülermerkmalen und Leistung (nach Prenzel et. al, 2004, S. 196)

Abbildung 1 zeigt die Wechselwirkung und Beeinflussung von Interesse und Freude, sowie Selbstvertrauen auf Lernstrategien und Lernerfolg. Im positiven Fall von Selbstvertrauen und positivem Selbstkonzept, werden Interesse und Freude für das Lernen gefördert und damit kreative und effiziente Lernstrategien, die zu Lernerfolg führen. Der Lernerfolg fördert wiederum das Selbstvertrauen. Im Fall von mangelndem Selbstvertrauen und geringem Selbstkonzept findet das Lernen mit Desinteresse und Langeweile statt, welches zu oberflächlichen und ineffizien- ten Lernstrategien führt und damit zu Misserfolg. Der Misserfolg verstärkt wiede- rum das mangelnde Selbstvertrauen. Der Nachweis dieses Kreislaufes kann an- hand der PISA-Daten aus 2003 nicht nachgewiesen werden, doch können einfache Vergleiche erhoben werden, die zumindest Hinweise auf Zusammenhänge zwi- schen Motivation und Selbstkonzept einerseits und Leistung andererseits aufzei- gen.

Daraus ergibt sich die Forschungsfrage der vorliegenden Arbeit:

Welchen Einfluss haben Interesse und Freude und Selbstkonzept in Bezug auf Mathematik auf die Mathematikleistungen 15 jähriger Schüler/innen in Deutschland im Vergleich zu Norwegen?

Im Rahmen der Arbeit wird für den Faktor Motivation in Mathematik das bereits erwähnte Schülermerkmal „Interesse und Freude“ und für den Faktor selbst- und fachbezogene Kognitionen das Schülermerkmal „Selbstkonzept in Bezug auf Mathematik“ untersucht. Es wird davon ausgegangen, dass ein hohes Interesse und Freude an Mathematik sich positiv auf die Leistung auswirkt. Daraus ergibt sich die 1. Hypothese:

Je stärker die Schüler/innen interessiert an Mathematik sind und sich auf das Fach freuen, desto höher ist der Grad an Mathematikleistungen.

Wie bereits dargestellt ist das Interesse an einem Fach mit durch hohes Selbstvertrauen verursacht. Innerhalb der PISA-Studie wurde das Selbstkonzept untersucht. Da der Bereich Selbstvertrauen nur im Sinne des Selbstkonzepts erhoben wurde, werden diese Daten näher beleuchtet.

So wird davon ausgegangen, dass sich ein positives Selbstkonzept im Bezug auf Mathematik positiv auf die Mathematikleistungen auswirkt. Daraus ergibt sich die

2. Hypothese:

Je höher Schüler/innen ihr Selbstkonzept in Bezug auf Mathematik angeben, umso höher ist der Grad an Mathematikleistungen.

Um noch weitere Hinweise innerhalb der PISA-Studie zur Unterstützung der Annahme der Wechselwirkungen zwischen Lernvoraussetzungen und Leistungen zu finden, wird demnach der Einfluss des Selbstkonzepts auf das Interesse an Mathematik untersucht. Daher lautet die 3. Hypothese:

Je positiver Schüler/innen ihr Selbstkonzept in Bezug auf Mathematik angegeben, umso stärker ist das Interesse und die Freude an dem Fach Mathematik und damit auch der Grad an Mathematikleistungen höher.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3. Modalitäten der Datenerhebung

Zur Überprüfung der genannten Hypothesen wird eine Sekundäranalyse der PISAStudie 2003 vorgenommen. PISA steht für „Programme for International Student Assessment“ und wurde von der OECD zu drei Erhebungszeitpunkten durchgeführt. Die Sekundäranalyse bezieht sich ausschließlich auf den Erhebungszeit- punkt von 2003. Im Vordergrund der Studie steht die Überprüfung von Fähigkeiten, Kenntnissen und Fertigkeiten von Jugendlichen im Alter von 15 Jahren zum Ende der Pflichtschulzeit (OECD, 2004, S. 20f). PISA 2003 wurde in 41 Ländern mit dem Schwerpunkt Mathematik durchgeführt.

3.1 Stichprobe

Die genaue Definition der Schüler/innen ist: 15jährige und drei volle Monate bis 16jährige und zwei volle Monate alt (OECD, 2004, S. 368ff). Es konnten bis zu 5% pro Land von der Zielpopulation ausgeschlossen werden. Die Stichprobe um- fasste in Deutschland 4.660 Schüler/innen, das entspricht einem Prozentsatz von 0.96 auf den gesamten Schüleranteil. In Norwegen nahmen 4.064 Schüler/innen teil, was einem Prozentsatz von 0.99 auf den gesamten Schüleranteil entspricht. Es wurde nach einem zweistufig geschichteten Stichprobenkonzept verfahren. In der ersten Stufe wurden Schulen, an denen 15jährige unterrichtet wurden ausgewählt. Auf der zweiten Stufe wurden Schülerstichproben innerhalb der jeweiligen Schu- len gezogen. An den ausgewählten Schulen gab es eine Mindestbeteiligung von 85%.

3.2 Methode

Von der methodischen Umsetzung ist festzuhalten, dass die teilnehmenden Schü- ler/innen jeweils zwei Stunden für die Lösung von Papier- und Bleistift-Aufgaben zur Verfügung hatten. Fragen mit eigener Antwortformulierung wurden mit Mul- tiple-Choice-Aufgaben kombiniert. Aufgaben wurden in Testeinheiten zusammen- gefasst, die auf geschriebenen Texten oder Graphiken aufbauten, dabei wurde auf den Bezug zum wirklichen Leben geachtet. Die Testdauer betrug insgesamt sechs- einhalb Stunden, wovon dreieinhalb Stunden auf Mathematik fielen (OECD, 2004, S. 25f). Die Sekundäranalyse wird mit Hilfe des Statistikprogramms PASW Version 18 durchgeführt.

4. Operationalisierung der Variablen

Die Forschungsfrage beinhaltet die beiden unabhängigen Variablen „Interesse und Freude“ sowie „Selbstkonzept“ in der Auswirkung auf die abhängige Variable „Mathematikleistung“. In der dritten Hypothese besteht die Ausnahme, dass auch „Interesse und Freude“ zur abhängigen Variablen wird.

UV: Interesse und Freude1

Die Variable „Interesse und Freude“ wird unter Motivation in Mathematik in der PISA-Studie angeordnet. Die Leitfrage ist „Wie denkst du über Mathematik?“, die mit vier Items abgefragt wird. Die Items sind Aussagesätze von „Ich mag Bücher über Mathematik“ bis „Mich interessiert das, was ich in Mathematik lerne“. Die Schüler/innen bewerten die Items mit einer Skala von vier Antwortmöglichkeiten, die codiert wurden (1-4): stimmt ganz genau, stimmt eher, stimmt eher nicht, stimmt überhaupt nicht. Die Items haben eine gute interne Konsistenz bei Cronbachs Alpha 0.904 von N 8206 (Deutschland und Norwegen). Positive Werte weisen auf höheres Interesse und Freude an Mathematik hin. In Tabelle 3.1 kann eine 94,1% Gültigkeit der Daten auf die Gesamtmenge N festgestellt werden. Der deutsche Wert entspricht dem Durchschnittswert der OECD-Indexskala und Norwegen liegt leicht darunter (OECD, 2004, S. 134).

UV: Selbstkonzept2

Die Variable „Selbstkonzept in Bezug auf Mathematik“ wird unter selbst- und fachbezogene Kognitionen in Mathematik in der PISA-Studie angeordnet. Die Leitfrage ist „Wie fühlst du dich beim Lernen in Mathematik?“, die mit fünf Items abgefragt wird. Die Items sind Aussagesätze von „Ich bin einfach nicht gut in Ma- thematik“ bis „Im Mathematikunterricht verstehe ich sogar die schwierigsten Auf- gaben“. Die Schüler/innen bewerten die Items mit einer Skala von vier Antwort- möglichkeiten, die codiert wurden (1-4): stimmt ganz genau, stimmt eher, stimmt eher nicht, stimmt überhaupt nicht. Die Items haben eine gute interne Konsistenz bei Cronbachs Alpha 0.912 von N 8054 (Deutschland und Norwegen). Positive Werte weisen auf ein besseres Selbstkonzept in Bezug auf Mathematik hin. In Ta- belle 2.1 wird darauf hingewiesen, dass vier Items recodiert werden mussten, um Analysen zu bilden. In Tabelle 3.2 kann eine 92,3% Gültigkeit der Daten auf die Gesamtmenge N festgestellt werden.

In Bezug auf den Durchschnitt der OECD-Indexskala für dieses Merkmal liegt Deutschland leicht darüber und Norwegen leicht darunter (OECD, 2004, S. 151).

AV: Mathematikleistung

PISA 2003 definiert die Mathematik als „die Fähigkeit einer Person, die Rolle zu erkennen und zu verstehen, die Mathematik in der Welt spielt, fundierte mathema- tische Urteile abzugeben und sich auf eine Weise mit der Mathematik zu befassen, die den Anforderungen des gegenwärtigen und künftigen Lebens als konstrukti- vem, engagiertem und reflektierendem Bürger entspricht (Prenzel et. al., 2004, S. 20).“ Es geht demnach um keine Überprüfung von Curricula, sondern inwieweit Schüler/innen mathematische Kenntnisse und Kompetenzen zur erfolgreichen Lö- sung von Problemen aktivieren (OECD, 2004, S. 41ff). Dies wird anhand von ma- thematischen Inhalten, erforderlichen Prozessen und den Situationen, in denen sich die Probleme stellen, gemessen. Die vier Inhaltsbereiche beinhalten: Raum und Form, Veränderung und Beziehung, quantitatives Denken und Unsicherheit. Die Prozesse werden in drei Kompetenzniveaus eingeteilt: Reproduktion, Verbindun- gen und Reflexion. Weiter wird nach folgenden Situationen unterschieden: persön- lich, ausbildungs- und berufsbezogen, gesellschaftlich und wissenschaftlich. Die mathematische Grundbildung wurde in sechs Kompetenzstufen eingeordnet, dabei entsprechen die zwei unteren einem geringeren Schwierigkeitsgrad, die Stufen drei und vier einem mittleren Schwierigkeitsgrad und die beiden höchsten einem hohen Schwierigkeitsgrad. Der OECD-Mittelwert der Mathematikleistung in der Gesamt- skala bezogen auf die erreichte Punktzahl liegt bei 500 von insgesamt 700 Punk- ten, Deutschland liegt knapp über dem Durchschnitt bei 503 und Norwegen leicht unter dem Durchschnitt bei 495 Punkten (OECD, 2004, S. 104.406).

[...]


1 Siehe Anhang Tabelle 1.1-1.5 (N=Deutschland+Norwegen) Ute Halbritter Seite 7

2 Siehe Tabelle 2.1-2.5 (N=Deutschland+Norwegen) Ute Halbritter Seite 8

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Einfluss des Faktors Motivation auf die Mathematikleistungen deutscher Schüler/innen im Vergleich zu norwegischen Schüler/innen
Untertitel
Quantiative Methode - Empirie
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Empirische Bildungsforschung
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
33
Katalognummer
V178118
ISBN (eBook)
9783656002666
ISBN (Buch)
9783656002741
Dateigröße
1050 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emperie, Pisa, Statistik, quantitativ, Modul 2A
Arbeit zitieren
Ute Halbritter (Autor), 2010, Einfluss des Faktors Motivation auf die Mathematikleistungen deutscher Schüler/innen im Vergleich zu norwegischen Schüler/innen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178118

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