Jugurthas Aufstieg zum Alleinherrscher über Numidien


Seminararbeit, 2003

24 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historische Fakten des Krieges mit Jugurtha

3. Gaius Sallustius Crispus

4. Jugurthas Aufstieg zum Alleinherrscher (Die Vorgeschichte des Krieges)
4.1 Numidien nach der Zerstörung Karthagos
4.2 Jugurtha
4.3 Micipsas Ängste
4.4 Die Rede Micipsas
4.5 Bruderzwist

5. Der Krieg mit Jugurtha bei Sallust (Ein Ausblick)
5.1 Bestechung des Calpurnius und des Scaurus
5.2 Frieden mit Aulus
5.3 Metellus
5.4 Marius und das Ende des Krieges

6. Schlusswort

7. Lateinische Zitate

8. Quellen

1. Einleitung

In dieser Arbeit beschäftige ich mich mit der historischen Monographie Bellum Iugurthinum des römischen Autors Gaius Sallustius Crispus, in der er den Krieg der Römer mit dem Numiderfürsten Jugurtha beschreibt.

Sallust benutzt die Figur des Jugurtha und die mit ihm eng verbundene Geschichte, um in seinem Werk, wie auch schon in De Coniuratione Catilinae (Die Verschwörung des Catilina), den "Niedergang" des römischen Staates zu kritisieren, der seiner Meinung nach mit dem Fall Karthagos begonnen hatte. "Sed ubi labore atque iustitia res publica crevit, reges magni bello domiti, nationes ferae et populi ingentes vi subacti, Carthago, aemula imperi Romani, ab stirpe interiit, cuncta maria terraeque patebant, saevire fortuna ac miscere omnia coepit.qui labores pericula, dubias atque asperas res facile toleraverant, iis otium divitiaeque, optanda alias, oneri miseriaeque fuere" (1)1, klagt er in Kapitel 10 des Catilina. Nachdem das Römische Reich durch Unterwerfung großer Königreiche beträchtlich gewachsen war und sein Heer sich im Kampfe bewährt hatte, stand es plötzlich ohne großen Gegner da. Seine Nobilität gewöhnte sich einen ausschweifenden Lebenswandel an und schwelgte in den erworbenen Reichtümern. In Jug. 4, 92 urteilt Sallust über den Sittenverfall folgendermaßen: "me civitatis morum piget taedetque" (2).

Sallust versteht es, auf sehr gekonnte Weise die historischen Fakten des Krieges mit seiner Prämisse von der "Verdorbenheit der römischen Nobilität" zu verbinden. Auch wenn er dabei nicht immer objektiv bleibt, ist sein Werk eines der wichtigsten der sogenannten "senatorischen Geschichtsschreibung"3. Die von ihm geschilderten Verhältnisse in Rom zu Zeiten der späten Republik lassen schon deren späteren völligen Zusammenbruch erahnen. Seine offensichtlich pessimistische Beurteilung der Tugendhaftigkeit der von ihm beschriebenen historischen Persönlichkeiten lässt sich auch aus den wenigen Angaben zu seinem eigenen Leben erklären.

Sallust Schilderung über den Aufstieg Jugurthas zum Alleinherrscher über Numidien bildet den Hauptschwerpunkt meiner Arbeit. Zum besseren Verständnis möchte ich zuerst die Fakten über den Krieg mit Jugurtha darlegen, sowie kurz auf Sallusts Leben und Wirken eingehen. Abschließend werde ich noch einen kleinen Ausblick auf die Geschehnisse während des Krieges geben, so wie Sallust sie schildert.

2. Historische Fakten des Krieges mit Jugurtha

Im Zweiten Punischen Krieg (218 - 2014 ) schlossen die Römer ein Freundschaftsbündnis mit Masinissa, dem späteren König von ganz Numidien5. Micipsa, dessen Nachfolger, schickte Jugurtha, den Sohn seines Bruders Mastanabal, im Jahre 134 nach Numantia in Spanien, als Anführer eines Hilfskontingents für die Römer. Er adoptierte Jugurtha 115 und bestimmte, dass seine beiden leiblichen Söhne Adherbal und Hiempsal nach seinem Tode gemeinsam mit diesem Numidien regieren sollten. Als er dann gestorben war, entbrannte jedoch ein heftiger Streit über die Herrschaft in Numidien, der zu einer Dreiteilung des Reiches führte. Jugurtha ließ 117 Hiempsal heimlich ermorden und strebte die Alleinherrschaft an. Arg von Jugurtha bedrängt sah sich Adherbal gezwungen, nach Rom zu flüchten und ein Eingreifen der Großmacht zu erbitten. Der Senat erwirkte daraufhin 116 die Zweiteilung Numidiens.

Doch Jugurtha ging weiterhin gegen seinen Bruder vor, griff dessen Hauptstadt Cirta an und nahm sie ein. Nach seinem Sieg ließ er Adherbal sowie viele Männer aus der Stadt, darunter auch viele italische Kaufleute, töten. Daraufhin erklärte Rom dem Numiderfürsten im Jahre 111 den Krieg.

Der Konsul Lucius Calpurnius Bestia wurde als Feldherr nach Afrika geschickt. Nach anfänglichen siegreichen Kämpfen schloss er mit Jugurtha einen für diesen vorteilhaften Friedensvertrag.

Erst in den Jahren 109 und 108 konnte der neue Konsul Quintus Caecilius Metellus im Krieg gegen Jugurtha Erfolge feiern und das römische Ansehen in der Welt wiederherstellen. Allerdings gelang auch ihm es nicht, ihn zu besiegen und damit Numidien zu befrieden. Später ging Gaius Marius als neu gewählter Konsul nach Numidien (107 - 105), und sein Heer schaffte es, Jugurtha entscheidend zu schlagen. Dieser hatte sich mit Bocchus, dem König von Mauretanien, im Kampf gegen die Römer verbündet. Bocchus verriet ihn jedoch und Jugurtha wurde nach Rom gebracht, wo im Jahre 104 nach dem Triumphzug seine Hinrichtung stattfand.

Daraufhin fiel der westliche Teil des Reiches an Bocchus, und der östliche ging an Gauda, einen Halbbruder Jugurthas.

Erst nach dem Bürgerkrieg von 49 - 46 v. Chr., in dem sich Gaius Julius Cäsar und Gnäus Pompeius gegenüberstanden, wurde Numidien römisch und bekam den Namen Africa Nova (Neuafrika). Sallust, der im Bürgerkrieg auf Cäsars Seite gestanden hatte, wurde erster Statthalter der neuen Provinz, was auch sein Interesse für den Jugurtha-Stoff erklären dürfte.

3. Gaius Sallustius Crispus (86 - 35 v. Chr.)

Sallust wurde in Armiternum geboren, einem kleinen Städtchen im Sabinerland, 90 km von Rom entfernt. In seiner Kindheit erlebte er den 1. Bürgerkrieg zwischen Marius und Sulla, die darauf folgende Diktatur Sullas und auch die friedlosen Jahre nach dessen Tod.

Er stammte aus einer begüterten plebejischen Familie, die ihm eine gute literarische Bildung sowie eine Ausbildung in Rhetorik und Geschichte ermöglichte.

Als junger Mann wandte er sich später der Ämterlaufbahn zu. Er war ein homo novus, das heißt der erste seiner Familie, der in den Senat aufgenommen wurde. Im Jahre 606 hatten sich Cäsar, Pompeius und Crassus zum ersten Triumvirat (Drei-Männerherrschaft) zusammen- geschlossen. Unter ihrer Herrschaft wurde Sallust im Jahre 54 Quästor7 und somit automatisch Mitglied des Senats. Zwei Jahre später war er bereits Volkstribun.

Sallust gehörte zu den überzeugten Anhänger Cäsars und der Popularen (Volkspartei), sowie zu den entschiedenen Gegnern der Optimaten (der nobilitas). Er unterstützte Cäsar und seine Idee einer Ein-Mann-Demokratie.

Wegen dieser politischen Gesinnung wurde er im Jahre 50 aus dem Senat ausgeschlossen, offiziell aus dem Grunde, weil er vor Jahren eine Affäre mit der Frau des Patriziers Milo hatte und man ihm somit "anstößiges Betragen" zur Last legte.

Als im Jahre 48 der Bürgerkrieg entschieden war und Cäsar Alleinherrscher wurde, kam Sallust durch dessen Intervention als Quästor wieder in den Senat. Als Statthalter und proconsul cum imperium der neu geschaffenen Provinz Africa Nova (das frühere Numidien) erhielt er fast unbegrenzte Macht. Wie schon viele vor ihm, nutzte Sallust seine Position aus und bereicherte sich persönlich sehr, weshalb er 45 bei seiner Rückkehr nach Italien wegen Ausbeutung seiner Provinzen angeklagt wurde, obgleich es zu keinem Prozess kam.

Er leistete sich eine Villa in Tibur (Tivoli) und eine weiträumige Gartenanlage im Norden Roms (die berühmten horti Sallustiani). Nach dem Tode Cäsars zog Sallust sich endgültig aus dem politischen Leben zurück und beschäftigte sich mit Geschichte. Natürlich hätte er durch die Unterstützung der Cäsarianer wieder in die Politik zurückkehren können, doch verabscheute er zutiefst die von ihnen erlassenen Proskriptionen.

Im Proömium (cap. 3) des Catilina schreibt Sallust: "Pulchrum est bene facere rei publicae, etiam bene dicere haud absurdum est" (3). Wenn auch Sallust dem Staate nicht mehr mit Taten dienen wollte oder konnte, so wollte er ihm doch mit dem dienen, was er über ihn sagte oder schrieb.

"Gnadenlos legt er in seinen Werken die Unfähigkeit und den Egoismus der Nobilität bloß, der geschlossenen Clique der Konsulsfamilien, die die Belange Roms hinter ihren persönlichen Gewinn stellten. Die nobiles wollten mit allen Mitteln die höchste Staatsmacht innerhalb ihres eingeschworenen Kreises halten ... Nicht wegen eines Namens oder eines Stammbaums verdient ein Politiker das Recht auf die höchste Staatsmacht, sondern wegen seiner persönlichen Qualitäten und seinen Verdiensten gegenüber der res publica." (Leopold Winkelmans).

Sallust griff sich einzelne Abschnitte der römischen Geschichte heraus und verfasste Monographien über das, was er selbst erlebt hatte (wie zum Beispiel die Verschwörung des Catilina), oder was kurz vor seiner Geburt passiert war (wie der Krieg mit Jugurtha). Er entwickelte einen höchst originellen, eigenwilligen Stil. Dieser ist kurz und prägnant und zeichnet sich durch die Fülle an bewusst gewählten archaischen Formen aus, womit Sallust die "goldenen Vorzeiten" auch sprachlich rühmen wollte. Der Autor verstand es, seinen Text kunstvoll rhetorisch zu gestalten, wohl ein Verdienst seiner hervorragenden Ausbildung. Auch liebte er es, kurze Sentenzen zu bilden und in seine Texte einzuflechten. Von den griechischen Autoren hat Thukydides Sallusts Werke am meisten beeinflusst. Er übernahm nicht nur die Kürze und die archaischen Formen des Geschichtsschreibers, sondern auch die Technik, durch eingestreute stilisierte Reden und Briefe die Hauptpersonen eingehender zu charakterisieren und ihre Beweggründe nachvollziehbar zu machen. Thukydides schrieb sein Meisterwerk über den Peloponnesischen Krieg, an dem er selbst teilgenommen hatte, wobei er sich vor allem auf seine eigenen Erfahrungen und auf Augenzeugenberichte stützte. "Seine chronologische Schilderung der Ereignisse, die in einem straffen, präzisen Stil gehalten ist, wird immer wieder von Exkursen, Reflexionen oder stilisierten Reden unterbrochen, die er historischen Persönlichkeiten zur näheren Charakterisierung in den Mund legt." (Microsoft Encarta)

An sich gibt es nur wenige historische Quellen über den von Sallust beschriebenen Krieg. Koestermann meint in seiner Einleitung (S. 10), dass die Werke, die der Autor zur Verfügung hatte, nahezu allesamt verschollen sind. Desweiteren kritisiert er Sallusts Vorarbeiten (S. 12): "Sein Quellenstudium ging kaum sonderlich in die Tiefe, überdies trat er mit vorgefassten Meinungen, die er sich in seiner Gedankenarbeit gebildet hatte, an sein Werk heran." Bei seinen Zeitgenossen stieß Sallust nur auf wenig Gegenliebe, zu augenscheinlich war der Gegensatz zwischen seiner oratio seria atque severa8 und seinem früheren eher ausschweifenden Lebenswandel. "[Jedoch spricht nichts] dagegen, dass die schweren politischen Erschütterungen, die auch ihn aus der Bahn geworfen hatten, zu einer inneren Umkehr geführt ... haben." (Koestermann, S. 11). Der Autor hat wohl all seine trüben Lebenserfahrungen in seinen Werken verarbeitet, viel Pessimismus und seine Abneigung gegen die Aristokratie treten deutlich hervor. Kurt von Fritz führt diese Abneigung auf Sallusts gescheiterte politische Bemühungen zurück: "Das tiefe Ressentiment eines Mannes, dessen glühendste Hoffnungen und Ambitionen vereitelt worden sind, ist völlig ausreichend, um seine Angriffe auf eine Gruppe oder Partei zu erklären, die er für diese Zerstörung seiner Hoffnungen verantwortlich macht." Erich Koestermann findet es bedauerlich, dass der Autor sich nicht eingehender mit der offensichtlich großartigen und vielschichtigen Persönlichkeit des Jugurtha beschäftigt hat, da er um so mehr bemüht war, die Ränkespiele der Aristokraten in Rom darzustellen.

Letztendlich trug Sallust aber mit seiner Prämisse vom "Untergang" des römischen Staates dazu bei, dass sich seine beiden Monographien, De coniuratione Catilinae und Bellum Iugurthinum, bis in unsere Zeit vollständig erhalten haben. Denn gerade die mittelalterlichen Kirchenväter fanden darin ihre pessimistische Auffassung des dem inneren Verfall ausgelieferten heidnischen Staates bestätigt.

[...]


1 Die Übersetzungen finden sich am Ende meiner Arbeit im Abschnitt "7. Lateinische Zitate"

2 Jug. 4, 9 = Bellum Iugurthinum, Kapitel 4, Abschnitt 9 (Kennzeichnung der Textstellen, wie sie Erich Koestermann verwendet)

3 viele Senatoren widmeten sich nach ihrem Ausscheiden aus dem politisch aktiven Leben, meist im fortgeschrittenen Alter, der Geschichtsschreibung

4 jeweils: vor Christi Geburt

5 Numidien ist ein fruchtbares Gebiet im heutigen Ostalgerien. Masinissa gründete den Staat in den Jahren 149 / 148

6 jeweils: vor Christi Geburt

7 Schatzmeister, Finanzbeamter, unterste Stufe höherer Beamter 3

8 eine "objektive, ernsthafte" Beschreibung 5

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Jugurthas Aufstieg zum Alleinherrscher über Numidien
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Klassische Philologie)
Note
1.0
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V178147
ISBN (eBook)
9783640999316
ISBN (Buch)
9783640999194
Dateigröße
477 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bellum Iugurthinum, Sallust, Latein, Geschichte
Arbeit zitieren
Patrick Roesler (Autor), 2003, Jugurthas Aufstieg zum Alleinherrscher über Numidien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178147

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