„Wie übersetze ich richtig?“ Auf den ersten Blick kann die Antwort einfach sein: Dasselbe sagen, aber in einer anderen Sprache. Sie aber reicht nicht mehr aus, wenn man anfängt die ersten Texte zu übersetzen. Jeder Text birgt andere Anforderungen und andere Übersetzungsprobleme.
Eine ähnliche Frage stellt sich auch Katharina Reiß im Artikel „Der Texttyp als Ansatzpunkt für die Lösung von Übersetzungsproblemen“. Die Frage lautet: „Wie soll, wie darf, wie kann, wie muss man übersetzen? […] Jahrzehntelang hieß die Antwort auf diese Frage: So genau wie möglich, so frei wie nötig.“ Diese Antwort, so Reiß, ist eher eine Faustregel, und das auch noch eine, die sich in der Praxis nicht umsetzen lässt.
Eine mögliche Antwort sieht Reiß darin, dass jede Textsorte eigene Ansprüche an Übersetzung stellt. So wird beispielsweise ein Buchtitel nicht wörtlich übersetzt, sondern werbewirksam und die ersten Bibelübersetzungen hatten die Aufgabe zu missionieren, deswegen mussten sie die jeweilige soziokulturelle Umwelt der Zielsprache berücksichtigen. Für jede Textsorte eine eigene Textmethode zu entwickeln betrachtet Reiß als nicht durchführbar. Deshalb wählt sie eine der Textsorte übergeordnete Einheit – den Texttyp. Einem Texttyp kann man eine Übersetzungsmethode zuordnen, weil diese Einheit kleiner und überschaubarer ist. (Reiß 1973)
Ziel dieser Arbeit ist es darzulegen, dass sich die übersetzungsbezogene Texttypologie von Katharina Reiß auf die Sprachenpaare Slowakisch-Deutsch, Russisch-Deutsch anwenden lässt. Als Grundlage für die Untersuchung diente vorrangig die Monografie „Texttyp und Übersetzungsmethode. Der operative Text (1993)“ (Reiß 1993) und „Grundlegung einer allgemeinen Translationstheorie. (1984)“ (Reiß und Vermeer 1984)
Die Notwendigkeit, die Anwendbarkeit dieser Typologie auf die slavischen Sprachen zu untersuchen, ergibt sich daraus, dass sich die slovakische, tschechische und russische Übersetzungswissenschaft bisher vorrangig mit der Übersetzungstheorie von literarischen Texten beschäftigt hat. Auf den Bedarf einer Übersetzungstheorie der Fachtexte beziehungsweise der nicht-literarischen Texte im Bereich der Slovakistik verweist unter anderem Edita Gromová in ihrem Artikel „Teória a didaktika prekladu odborných textov“, der die Anthologie „Antologie teorie odborného překladu“ einleitet (Gromová a Hrdlička 2003).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die übersetzungsrelevante Texttypologie von K. Reis
2.1 Texttypen
2.2 Übersetzungsmethoden
2.3 Klassifizierung von Texten
3 Textanalyse
4 Anwendung der Texttypologie von K. Reiß auf das Beispiel Gebrauchsanleitung
5 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der übersetzungsbezogenen Texttypologie von Katharina Reiß auf die Sprachenpaare Slowakisch-Deutsch und Russisch-Deutsch. Im Zentrum steht dabei die Analyse einer technischen Gebrauchsanleitung, um zu prüfen, inwiefern die theoretischen Ansätze von Reiß, ergänzt durch die slawische Stilistik (insbesondere Mistrík und Miko), für die Lösung praktischer Übersetzungsprobleme bei nicht-literarischen Fachtexten geeignet sind.
- Theoretische Fundierung der Texttypologie nach Katharina Reiß
- Vergleichende Analyse slawischer Konzepte der Texttypologie und Funktionalstile
- Praktische Untersuchung einer Gebrauchsanleitung (Grundig DAVIO 55)
- Terminologische und pragmatische Analyse von Übersetzungsfehlern und -strategien
- Überprüfung der Anwendbarkeit des Lasswell-Modells für didaktische Zwecke
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
„Wie übersetze ich richtig?“ Auf den ersten Blick kann die Antwort einfach sein: Dasselbe sagen, aber in einer anderen Sprache. Sie aber reicht nicht mehr aus, wenn man anfängt die ersten Texte zu übersetzen. Jeder Text birgt andere Anforderungen und andere Übersetzungsprobleme.
Eine ähnliche Frage stellt sich auch Katharina Reiß im Artikel „Der Texttyp als Ansatzpunkt für die Lösung von Übersetzungsproblemen“. Die Frage lautet: „Wie soll, wie darf, wie kann, wie muss man übersetzen? […] Jahrzehntelang hieß die Antwort auf diese Frage: So genau wie möglich, so frei wie nötig.“ Diese Antwort, so Reiß, ist eher eine Faustregel, und das auch noch eine, die sich in der Praxis nicht umsetzen lässt.
Eine mögliche Antwort sieht Reiß darin, dass jede Textsorte eigene Ansprüche an Übersetzung stellt. So wird beispielsweise ein Buchtitel nicht wörtlich übersetzt, sondern werbewirksam und die ersten Bibelübersetzungen hatten die Aufgabe zu missionieren, deswegen mussten sie die jeweilige soziokulturelle Umwelt der Zielsprache berücksichtigen. Für jede Textsorte eine eigene Textmethode zu entwickeln betrachtet Reiß als nicht durchführbar. Deshalb wählt sie eine der Textsorte übergeordnete Einheit – den Texttyp. Einem Texttyp kann man eine Übersetzungsmethode zuordnen, weil diese Einheit kleiner und überschaubarer ist. (Reiß 1973)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Problemstellung des richtigen Übersetzens und Vorstellung der Reiß’schen Texttypologie als theoretischer Ausgangspunkt.
2 Die übersetzungsrelevante Texttypologie von K. Reis: Detaillierte Darstellung der vier Texttypen nach Reiß sowie Vergleich mit slawischen Ansätzen der Stilistik.
3 Textanalyse: Erörterung der methodischen Grundlagen für eine übersetzungsrelevante Textanalyse unter Einbeziehung von Pragmatik und Semantik.
4 Anwendung der Texttypologie von K. Reiß auf das Beispiel Gebrauchsanleitung: Praktische Anwendung der erarbeiteten Theorien auf eine konkrete Bedienungsanleitung und Untersuchung der Zielsprachen.
5 Zusammenfassung: Synthese der Untersuchungsergebnisse und Fazit zur Eignung der Texttypologien für die Übersetzungspraxis.
Schlüsselwörter
Texttypologie, Übersetzungsmethode, Katharina Reiß, Sachtexte, Fachtexte, Gebrauchsanleitung, slawische Übersetzungswissenschaft, Funktionalstile, Textanalyse, Zielkultur, Ausgangskultur, Terminologie, pragmatische Übersetzung, Bedienungsanleitung, Sprachvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Magisterarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die von Katharina Reiß entwickelte Texttypologie effektiv auf die Sprachenpaare Slowakisch-Deutsch und Russisch-Deutsch übertragen und in der Praxis für Fachtexte genutzt werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit verknüpft theoretische Ansätze der deutschen Übersetzungswissenschaft mit spezifischen Konzepten der slawischen Stilistik, um eine Brücke zwischen Theorie und der praktischen Übersetzung von Gebrauchsanleitungen zu schlagen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass die Reiß’sche Typologie hilft, Übersetzungsprobleme in Sachtexten systematisch zu lösen und die notwendigen Übersetzungsmethoden präziser zu bestimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine kombinierte Methode aus theoretischer Literaturanalyse und einer praxisorientierten Textanalyse nach dem erweiterten Lasswell-Modell und funktionalistischen Ansätzen (Nord/Mistrík) verwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Texttypen, eine Analyse slawischer stilistischer Ansätze und eine praktische Fallstudie anhand der Bedienungsanleitung eines Grundig-Fernsehgeräts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Texttypologie, Übersetzungsmethode, Fachtextübersetzung, Gebrauchsanleitung und Funktionalstile.
Warum ist die Analyse von Gebrauchsanleitungen für die Forschung wichtig?
Gebrauchsanleitungen sind typische Sachtexte, bei denen die exakte Vermittlung technischer Informationen oberste Priorität hat, was sie zu einem idealen Untersuchungsobjekt für die Anwendbarkeit von Übersetzungsmethoden macht.
Wie bewertet die Autorin die Anwendbarkeit der Texttypologie in der Lehre?
Die Typologie wird als sehr hilfreich für Studierende eingestuft, da sie durch eine intuitive Einordnung von Texten hilft, Übersetzungsprobleme schneller zu identifizieren und lösungsorientiert anzugehen.
- Arbeit zitieren
- Petra Belková-Kiesau (Autor:in), 2010, Zur Anwendbarkeit der Texttypologie von Katharina Reiß auf die Sprachenpaare Slovakisch-Deutsch und Russisch-Deutsch bei Übersetzungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178155