Varietäten des russischen Substandards in einsprachigen Wörterbüchern


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hauptteil

III. Zusammenfassung

IV. Literaturliste

I. Einleitung

In meiner Hausarbeit werde ich mich mit den Varietäten des Substandards des Russischen und mit substandardlichen Wörterbüchern beschäftigen. Um über Varietäten und Substandard sprechen zu können, möchte ich erstmal klären, was diese Begriffe aus der sprachwissenschaftlichen Sicht bedeuten. Man kann davon ausgehen, wenn man von Substandard in der Sprache spricht, muß es auch einen Standard geben.

Standard

Haß-Zumkehr spricht in ihrem Buch Deutsche Wörterbücher von einer Leitvarietät.

„Die linguistische Bezeichnung Leitvarietät und Standard(sprache) stehen für das, was Sprachteilhaber heutzutage meist „Hochdeutsch“ nennen, womit sie zugleich eine Bewertung im Sinne von „hochwertig“ vollziehen, die den linguistischen Benennungen fehlen. Letztere beziehen sich auf diejenige „Sprache in der Sprache“ Deutsch (=auf diejenige Varietät des Deutschen), die zu einem gegebenen Zeitpunkt allgemein als Vorbildlich anerkannt ist und auf die sich die Fragen nach richtig und falsch beziehen. Die Leitvarietät vor allem die der Gegenwart wird allgemein Standardsprache genannt, ... Standardsprache muß keineswegs mit Nationalsprache zusammenfallen; die Humanisten schufen eine europaweite Standardform des Lateins, auch Religionen haben einen ihrem Komunikationsbereich entsprechenden Standard (Kirchenslavisch, das biblische und Mischna-Hebräische im Unterschied zum Jiddischen und zum Iwrit) geschaffen.“ (Haß-Zumkehr, S. 336)

In der sprachwissenschaftlichen Literatur, die sich mit dem Russischen beschäftigt, spricht man von Standard und man versteht darunter die kodifizierte Literatursprache.

Substandard

Nach dem ich jetzt denn Begriff Standard erläutert haben, würde ich gerne klären, was man unter Subtandard versteht. Doris Marszk definiert Substandard folgendermaßen:

„Substandard: Mit diesem Begriff soll hier alles zusammengefaßt werden, was eine Sprache aus der Perspektive des Standards an Abweichungen, Normverletzungen, Obszönitäten, Chiffrierungen und Tabuisierungen zu bieten hat. Es geht um das Falsche, das Respektlose, das Schamlose, das Geheime, das Verbotene in der Sprache. Dabei kann es sich um einzelne Wörter handeln, um Redewendungen oder um Satzkonstruktionen“. (Marszk, S. 614 )

Varietät

Substandard weist mehrere Varietäten auf. Substandard ist der Oberbegriff zu Varietät. Der Begriff Varietät ist jedoch nicht nur auf Substandard bezogen. Sein Vorteil ist, daß er neutral ist, das heißt, durch seine Verwendung vermeidet man negative Konnotationen wie „schlecht“, „niedrig“ oder „primitiv“. Es ist wichtig, um die sprachlichen Erscheinungen vorzustellen, die durch unterschiedliche Umstände bedingt sind. Es können soziale Schichten sein, aber auch das Geschlecht, die sexuelle Orientierung oder das Alter. Varietäten von Substandard einer Standardsprache sind nur bedingt vergleichbar mit Varietäten von einer anderen Standardsprache. Wie der Substandard beschaffen ist, hängt von der gesellschaftlichen und sozialen Situation ab, in der die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft leben.

Die Geschichte der Substandardforschung in Rußland bzw. der Sowjetunion

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Geschichte der Substandardforschung in Rußland bzw. der Sowjetunion. Es hilft uns den heutigen Forschungstand auf dem Gebiet der Substandards zu verstehen. Diesen Teil meiner Hausarbeit würde ich gerne mit einem Zitat von Marszk beginnen. Sie hat sehr treffend die ganze Geschichte der russischen Substandardforschung erfaßt:

„Zunächst hat sich die russische Sprachwissenschaft kaum um den Substandard gekümmert. Dann – in sowjetischer Zeit – wollte sie, aber sie sollte eigentlich nicht so recht. Schließlich durfte sie nicht mehr. Und als nach Jahren ein Neuanfang gewagt werden konnte, waren die Brücken zum Anfang abgebrochen. – Dies ist in kürzester Form die Geschichte der russischen/ sowjetischen Substandardforschung.“ (Marszk, S. 617)

Das vorrevolutionäre Rußland

Im vorrevolutionären Rußland beschäftigte man sich mit Sprachwissenschaft ohne soziologische Perspektive. Fragen der Sprachkultur und Norm wurden nicht als wissenschaftliches Objekt angesehen. Trotzdem stammen aus dieser Zeit interessante Sammlungen von substandardlichen Wörtern. Autoren waren vor allem Polizeibeamte, die aus beruflichen Gründen Interesse an der Gaunersprache (im heutigem Russisch „fenja“) hatten. Das Interesse galt auch der Sprache der Hausierer und Wanderkrämer.

Eines der bekanntesten und umfangreichsten Wörterbücher dieser polizeilichen Lexikographen war der Slovar` vorovskogo i arestanskogo jazyka von V. M. Popov 1912 (wiedergedruckt in Horbatsch 1978)

Zu den wenigen Sprachwissenschaftlern, die sich mit sozialen Dialekten beschäftigt haben, gehörte der Lexikograph V. I. Dal´. Außerdem noch Baudoin de Courtenay, er bearbeitete die dritte Auflage des Tolkovij slovar´ zivogo velikoruskogo jazyka von Dal´ 1903. Er nahm in dieses Wörterbuch Mat-Wörter auf und versah sie auch mit Erläuterung von deren Bedeutung.

Im Nachdruck in 1956, Moskau, fehlten diese Lemmata wieder und seine Bearbeitung wurde auch nicht erwähnt.

Ende der 20er Anfang der 30er Jahre

Ende der 20er Anfang der 30er Jahre gab es eine kurze Phase, in der sich die Linguisten der Sowjetunion intensiv mit substandardlichen Varietäten beschäftigt haben. Das marxistische Umdenken in den Geistes- und Gesellschaftswissenschaften, brachte mit sich, daß Sozialität und Sprache ins Blickfeld gerückt worden sind. Zu den wichtigen Sprachwissenschaftlern, die sich mit diesem Thema beschäftigt haben, gehörten E. D. Polivanov, R. O. Šor, G. O. Vinokur, V. N. Volosinov und B. A. Larin

Doch das Interesse am sozialen Charakter der Sprache, wurde auch vom Leben selbst geweckt. Es gab viele Obdachlose und Verwahrloste die Kontakt zu Dieben, Prostituierten u. s. w hatten und durch welche Elemente der Gaunersprache in die Standardsprache eingedrungen sind. Aus dieser Zeit stammen Arbeiten zur Gaunersprache, zu Berufsjargons und zum städtischen Substandard. Zum führenden Linguisten auf diesem Gebiet gehörte Larin. Er trat für systematische Erforschung der städtischen Sprache mit Hilfe von Feldforschung und Statistik ein.

Doch die Erforschung war nicht unproblematisch. Einerseits wurden diese Erkenntnisse erforderlich, andererseits war der Fakt, daß es Gaunersprache oder Bettlerjargon gab, ein Beweis dafür, daß es diese sozialen Schichten gab.

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Varietäten des russischen Substandards in einsprachigen Wörterbüchern
Hochschule
Universität zu Köln  (Slavisches Institut)
Veranstaltung
Russische Lexikologie und Lexikographie (unter fachdidaktischem Aspekt)
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V178157
ISBN (eBook)
9783640999415
ISBN (Buch)
9783640999545
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Substandard, Russisch, Lexikografie, Soziolinguistik
Arbeit zitieren
M.A. Petra Belková-Kiesau (Autor), 2007, Varietäten des russischen Substandards in einsprachigen Wörterbüchern , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178157

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