Diese Arbeit behandelt die Identitätstheorien nach Mead und Goffman und arbeitet ihre Bedeutung für heute pädagogische Aufgabenfelder heraus.
Inhaltsverzeichnis
1. Der symbolische Interaktionismus
2. Die Identitätstheorie nach Georg Herbert Mead
2.1. Vom Kind zum gesellschaftlich moralischen Wesen
2.2. Von der Geste zur Sprache
2.3. Die Identität bei Mead
3. Die Identitätstheorie nach Erving Goffman
3.1. Die Rolle und die Darstellungen
3.2. Die Ensemble-Darstellung
3.3. Funktionen der Vorder- und Hinterbühnen und ihrer Geheimnisse
3.4. Kommunikation
4. Kritik und Stellenwert
4.1. Fazit der Mead´schen Identitätstheorie
4.2. Fazit der Goffman´schen Identitätstheorie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Entstehung und Aufrechterhaltung von Identität im gesellschaftlichen Kontext durch die theoretischen Ansätze von George Herbert Mead und Erving Goffman, wobei insbesondere die Mechanismen der Interaktion und Rollengestaltung analysiert werden.
- Symbolischer Interaktionismus als soziologischer Analyseansatz
- Identitätsentwicklung nach G.H. Mead (Self, Ich/ICH)
- Dramaturgische Identitätstheorie nach E. Goffman (Rolle, Fassade, Bühne)
- Kritische Reflexion der Theorien hinsichtlich moderner Gesellschaftsstrukturen
Auszug aus dem Buch
3.1. Die Rolle und die Darstellungen
Eine Darstellung umfasst die Gesamttätigkeit eines bestimmten Teilnehmers an einer bestimmten Situation, die dazu dient andere Teilnehmer zu beeinflussen. Der Darsteller unterliegt dabei einem vorherbestimmten Handlungsmuster, dem seiner Rolle, welches sich während einer Darstellung entfaltet und auch zu anderen Gelegenheiten dargestellt werden kann. Die soziale Rolle ist dabei mit Rechten und Pflichten verbunden und mit dem jeweiligen Status des Darstellers verknüpft. Eine Rolle umfasst demnach mehrere Teilrollen, die vom Darsteller bei verschiedenen Gelegenheiten vor gleichem oder gleichartigem Publikum dargestellt werden können. Je öfter die gleiche Rolle vor dem gleichem Publikum gespielt wird, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Sozialbeziehungen. Ist der Darsteller selbst von seiner Rolle überzeugt, so ist er „aufrichtig“ und seine Rolle wird zur Realität. Ist er jedoch nicht selbst von seiner Rolle überzeugt, so wird er von seiner eigenen Rolle getäuscht. Diesen Darsteller beschreibt Goffman als zynisch (Goffman, 1969). Die Rolle einer Person ist also immer auch Darstellung dessen was sie sein möchte und nicht ausschließlich die reine Anwendung erlernter, beobachteter Verhaltensweisen, wie sie Mead beschrieb. Jedoch versuchen die Darsteller ihr Selbst gegenüber dem Publikum zu isolieren. Sie schaffen sich eine Fassade, welche damit immer Bestandteil der Darstellung eines jeden Einzelnen wird. Die Fassade dient dem Publikum, in ihrer allgemeinen, vorbestimmten Art, zur Bestimmung der Situation. Sie umfasst ein standardisiertes Ausdrucksrepertoire das bewusst oder unbewusst angewendet wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der symbolische Interaktionismus: Einführung in den sozialwissenschaftlichen Ansatz, der menschliches Verhalten als Ergebnis von Interaktionen und symbolgesteuerten Kommunikationsprozessen betrachtet.
2. Die Identitätstheorie nach Georg Herbert Mead: Analyse der Identitätsentwicklung bei Mead, die auf der Internalisierung gesellschaftlicher Haltungen und der Entstehung des "Self" aus dem Dialog von Ich und ICH beruht.
3. Die Identitätstheorie nach Erving Goffman: Erläuterung des dramaturgischen Modells, in dem Identität als kontrollierte Inszenierung von Rollen auf Vorder- und Hinterbühnen verstanden wird.
4. Kritik und Stellenwert: Kritische Auseinandersetzung mit beiden Theorien und Diskussion ihrer Relevanz für das Verständnis von Identitätskonstruktionen in der heutigen postmodernen Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Symbolischer Interaktionismus, Identität, George Herbert Mead, Erving Goffman, Rolle, Soziale Fassade, Interaktion, Bewusstsein, Rollendistanz, Gesellschaft, Sozialisation, Dramaturgie, Kommunikation, Postmoderne, Identitätskonstruktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt soziologische Theorien zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Identität aus der Perspektive von G.H. Mead und E. Goffman.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Felder sind die symbolische Interaktion, die Rollentheorie, der dramaturgische Ansatz der Selbstdarstellung und die Kritik an diesen Modellen in der Spätmoderne.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Darlegung und kritische Analyse der Identitätstheorien von Mead und Goffman sowie die Einordnung ihrer Bedeutung für die soziologische und pädagogische Praxis.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf der Auswertung und Gegenüberstellung klassischer soziologischer Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Meads Modell der Identitätsbildung durch Sprache und Interaktion sowie Goffmans Theatermetaphorik und seine Konzepte von Bühne, Fassade und Ensembles detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Identität, Interaktion, Rolle, Selbstdarstellung, Symbolik und Sozialisation geprägt.
Was unterscheidet das "ICH" vom "Ich" bei Mead?
Das "ICH" speichert internalisierte gesellschaftliche Haltungen, während das "Ich" die spontane, reflexive Reaktion des Individuums auf diese Haltungen darstellt.
Wie unterscheidet Goffman zwischen Vorder- und Hinterbühne?
Die Vorderbühne ist der Ort der öffentlichen Inszenierung und Normbefolgung, während die Hinterbühne ein Rückzugsraum ist, in dem die Fassade abgelegt werden kann.
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- Anja Koßurok (Author), 2010, Identitätstheorien nach G.H. Mead und E. Goffman, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178186