Die regenerative Energieerzeugung hat in Deutschland in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung genommen. Diese muss in Anbetracht des fortschreitenden Klimawandels jedoch fortgesetzt werden, will Deutschland die ambitionierten Ziele der Einsparung und Vermeidung von CO2 und anderen Klimagasen bis 2050 erreichen. Die Windenergie stellt unter allen regenerativen Energien dabei die Schlüsseltechnologie dar, um diese Ziele möglichst effizient, also unter bestmöglichen Einsatz aller Ressourcen, zu erreichen.
Das Onshore-Wind Potenzial wurde dabei in den letzten 15 Jahren sehr weit ausgebaut, hier ergeben sich weitere Potenziale beim Repowering bestehender Anlagen. Die größten Perspektiven eröffnen sich im Offshore-Wind Bereich, also den der deutschen Küsten vorgelagerten Meereszonen in Nord- und Ostsee der Außenwirtschaftszone der BRD.
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Die hier vorgelegte Arbeit hat sich zum Ziel gesetzt, einen Offshore-Windpark in der Nordsee dahingehend zu analysieren, die qualitativen und quantitativen Risiken dieses Projektes aufzudecken, was diese für die fremdfinanzierenden Banken bedeuten und welche Möglichkeiten bestehen, diese auf Projektbeteiligte und Dritte umzulegen. Der Fokus dieser Master Thesis liegt dabei auf der quantitativen Analyse der Zahlungsströme, welche mittels einer Monte-Carlo Simulation vorgenommen wird.
Dazu werden in Kapitel 2 zunächst die theoretischen Grundlagen der Projektfinanzierung sowie des Risikomanagements dieser Offshore-Windprojekte erörtert.
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Daran anschließend werden im dritten Kapitel, welches den Hauptteil dieser Arbeit bildet, der zu analysierende Offshore-Windpark definiert sowie die damit einhergehenden Rahmenbedingungen festgelegt. In den weiteren Unterkapiteln wird das zugrunde liegende Cash Flow Modell ... beschrieben und das Simulationsdesign sowie die softwareseitige Realisation diskutiert.
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Das letzte und vierte Kapitel stellt eine kritische Würdigung der Risiko- und Chancenpotenziale, die sich aus der qualitativen Betrachtung von Offshore-Windprojektfinanzierungen aber auch aus der quantitativen Risikoanalyse der Cash Flow Simulation ergeben haben, nochmals dezidiert gegenüber.
Im Fazit zu dieser Master-Thesis werden die wichtigsten Kernpunkte aus den Kapiteln 2 – 4 zusammengefasst, um schlussendlich bewerten zu können, ob die Chancen oder die Risiken bei Offshore-Wind Projektfinanzierungen von Kreditinstituten überwiegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen und Risikomanagement bei Offshore-Wind Projektfinanzierungen
2.1 Charakteristische Merkmale von Projektfinanzierungen
2.1.1 Definition und Charakterisierung
2.1.2 Darstellung der beteiligten Parteien
2.1.3 Überblick und Grundzüge der Cash Flow Modellierung
2.1.4 Ablaufstruktur einer Projektfinanzierung aus Banksicht
2.2 Risikomanagement bei Offshore-Wind Projektfinanzierungen
2.2.1 Definition des Risikobegriffs
2.2.2 Prozesskette des Risikomanagements
2.2.3 Klassifizierung von Projektfinanzierungsrisiken
2.2.4 Übersicht der projektendogenen Risiken
2.2.5 Erläuterung der projektexogenen Risiken
2.2.6 Quantifizierung und Bewertung der Risiken
2.2.7 Maßnahmen zur Reduzierung und Zuteilung von Projektfinanzierungsrisiken
3 Analyse eines fiktiven Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee
3.1 Charakterisierung des Windparks
3.1.1 Festlegung der wichtigsten Standortfaktoren
3.1.2 Technische Ausstattung
3.1.3 Zeitliche und ökonomische Rahmenbedingungen
3.2 Aufbau des Cash Flow Modells
3.2.1 Konzeption und Architektur
3.2.2 Definition der Risikotreiber
3.2.3 Definition der Ergebnisvariablen
3.3 Monte-Carlo Simulation des Windpark Cash Flows
3.3.1 Zielsetzung
3.3.2 Aufbau des Simulationsdesigns und softwareseitige Realisation
3.3.3 Quantifizierung der Risikovariablen
3.3.4 Weitere Simulationsannahmen im Cash Flow Modell
3.3.5 Simulationsverfahren und -ablauf
3.4 Darstellung und Interpretation der Simulationsergebnisse
3.4.1 Kapitaldienstdeckungsrelationen
3.4.2 Liquiditätsperspektive
3.4.3 Investorenorientierte Perspektive
3.4.4 Schlussfolgerungen aus der Risiko- und Kennzahlenanalyse
4 Beurteilung sowie Management der Risiko- und Chancenpotenziale im Rahmen der Projektfinanzierung
4.1 Kritische Würdigung der Risikopotenziale
4.1.1 Exogene Faktoren
4.1.2 Endogene Faktoren
4.1.3 (Kredit-) Risiken im Cash Flow Modell
4.2 Kritische Würdigung der Chancenpotenziale
4.2.1 Exogene Faktoren
4.2.2 Endogene Faktoren
4.2.3 Monte-Carlo basierte Cash Flow Simulation
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die Projektfinanzierbarkeit und den Risikogehalt von Offshore-Windparks in der Nordsee mittels einer quantitativen Cash Flow Analyse und Monte-Carlo Simulation zu untersuchen, um Kreditinstituten eine Bewertungsgrundlage für die Kreditwürdigkeit solcher Vorhaben zu bieten.
- Grundlagen der Projektfinanzierung und des Risikomanagements
- Klassifizierung und Quantifizierung von projektspezifischen Risiken
- Aufbau und Konzeption eines realitätsnahen Cash Flow Modells
- Einsatz der Monte-Carlo Simulation zur Risikobeurteilung
- Bewertung von Risiko- und Chancenpotenzialen für Banken
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Darstellung der beteiligten Parteien
Aufgrund der Komplexität von Projektfinanzierungen sind mehrere beteiligte Parteien an dem zu erstellenden und zu finanzierenden Vorhaben beteiligt, wobei die direkte Kreditbeziehung in aller Regel nur zwischen Bank(en) und Projektgesellschaft besteht. Neben den Projektinitiatoren – auch Sponsoren genannt – sind weitere Parteien indirekt in die Projektfinanzierung eingebunden. Die nachfolgende schematische Darstellung gibt einen Überblick.
Die Sponsoren sind die Projektentwickler und häufig auch die Eigenkapitalgeber sowie die Betreiber des Vorhabens. Bei einer Vielzahl von Projektfinanzierungen treten die Lieferanten von Vorleistungen bzw. die Endprodukte als Sponsoren auf, um sich vertikal zu integrieren, indem sie ihre Absatz- oder Beschaffungsseite sichern. Bei der Finanzierung von Windparks (Onshore als auch Offshore) haben sich in Deutschland mittelständische Firmen aber auch Großkonzerne als Sponsoren etabliert. Die mittelständischen Firmen sind in aller Regel Projektgesellschaften, deren Geschäftszweck es ist erneuerbare Energieprojekte zu entwickeln, zu errichten sowie zu betreiben.
Als Fremdkapitalgeber (FK-Geber) kommen für Projektfinanzierungen in aller erster Linie Geschäftsbanken, supranationale Entwicklungsbanken sowie Exportfinanzierungsinstitute oder Leasinggesellschaften in Frage, wobei das benötigte Fremdkapital auch innerhalb eines Finanzierungskonsortiums aufgeteilt werden kann, dessen rechtliche Ausgestaltung hier jedoch nicht näher betrachtet werden soll.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit der Energiewende durch Offshore-Windenergie und die damit verbundenen Herausforderungen bei der Finanzierung durch Banken.
2 Theoretische Grundlagen und Risikomanagement bei Offshore-Wind Projektfinanzierungen: Dieses Kapitel definiert die Charakteristika von Projektfinanzierungen und erläutert die Prozesskette sowie die Klassifizierung spezifischer Risiken für Offshore-Projekte.
3 Analyse eines fiktiven Offshore-Windparks in der deutschen Nordsee: Der Hauptteil beschreibt die Erstellung eines Cash Flow Modells und die Anwendung der Monte-Carlo Simulation zur Quantifizierung von Risikofaktoren.
4 Beurteilung sowie Management der Risiko- und Chancenpotenziale im Rahmen der Projektfinanzierung: Dieses Kapitel analysiert kritisch die identifizierten Risiken und Chancen und bewertet deren Auswirkungen auf die Finanzierungsstruktur.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Bankfähigkeit von Offshore-Windpark-Projekten unter Berücksichtigung der untersuchten Szenarien.
Schlüsselwörter
Offshore-Windpark, Projektfinanzierung, Risikomanagement, Cash Flow Modellierung, Monte-Carlo Simulation, DSCR, LLCR, Eigenkapitalquote, Kreditrisiko, Energiewende, Investitionskosten, technische Verfügbarkeit, Finanzierungskonsortium, Risikoquantifizierung, Erneuerbare Energien Gesetz (EEG).
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master Thesis im Kern?
Die Arbeit analysiert die Finanzierbarkeit von Offshore-Windpark-Projekten und untersucht, wie Banken die damit verbundenen technischen und wirtschaftlichen Risiken bewerten und steuern können.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Neben den theoretischen Grundlagen der Projektfinanzierung stehen insbesondere das Risikomanagement, die Modellierung von Zahlungsströmen (Cash Flows) und die quantitative Risikoanalyse mittels Simulation im Mittelpunkt.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu schaffen, ob und unter welchen Bedingungen (z.B. Eigenkapitalanteil, Kreditlaufzeit) ein Offshore-Windprojekt für fremdkapitalgebende Banken "bankable", also finanzierungswürdig, ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Autorin verwendet eine quantitative Risikoanalyse durch ein in Excel erstelltes Cash Flow Modell, das durch die Monte-Carlo Simulation ergänzt wird, um stochastische Zusammenhänge zu erfassen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird ein fiktiver Windpark in der Nordsee definiert, die Annahmen für das Cash Flow Modell festgelegt und schließlich die Ergebnisse der Monte-Carlo Simulation für verschiedene Szenarien interpretiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Offshore-Windparks, Projektfinanzierung, Monte-Carlo Simulation, Cash Flow Analyse sowie Kennzahlen wie DSCR und LLCR.
Wie stark beeinflussen meteorologische Prognosen die Ergebnisse?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Qualität der Winddaten (Brutto-Volllaststunden) einen der kritischsten Faktoren darstellt, da sie direkt auf die Cash Flows und somit auf die Rückzahlungsfähigkeit des Projekts wirken.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Eigenkapitalquoten?
Die Analyse zeigt, dass eine solide Eigenkapitalbasis (typischerweise zwischen 40 % und 50 %) in Kombination mit angemessenen Kreditlaufzeiten entscheidend ist, um die strengen Deckungskriterien der Banken zu erfüllen.
- Arbeit zitieren
- Sören Schramm (Autor:in), 2010, Chancen und Risiken bei Projektfinanzierungen von Kreditinstituten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178202