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Storrers Modell der Situationsvalenz

Title: Storrers Modell der Situationsvalenz

Seminar Paper , 2000 , 24 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Oliver Uschmann (Author)

German Studies - Linguistics
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Summary Excerpt Details

"Man kann so das Verb mit einem Atom vergleichen, an dem Häkchen angebracht sind, so daß es – je nach der Anzahl der Häkchen – eine wechselnde Zahl von Aktanten an sich ziehen und in Abhängigkeit halten kann. Die Anzahl der Häkchen, die ein Verb aufweist, und dementsprechend die Anzahl der Aktanten, die es regieren kann, ergibt das, was man die Valenz des Verbs nennt." (Tesniere)

Mit diesem Bild begann 1959 eine bedeutende linguistische Strömung, die bis heute als eine der einflussreichsten grammatischen Theorien gilt. Zwar sprach bereits Bühler 1934 prophetisch von "Wahlverwandschaften" und "Leerstellen", die jedes Wort um sich eröffne, doch der Siegeszug der Valenztheorie begann erst mit Tesnieres Metapher. Zahlreiche Fragen eröffneten sich. Welche Verben verteilen welche Rollen? Wann ist eine Ergänzung fakultativ und wann obligatorisch? Wo liegt die Grenze zwischen manchen fakultativen Ergänzungen und Angaben? Wie ist das Verhältnis von Valenzpotenz und Valenzrealisierung? Unzählige Theorien betraten den wissenschaftlichen Kampfplatz, bis nur noch ein unentwirrbares Knäuel zu sehen war. Dann trat 1992 die eine Theorie auf den Plan, die das Knäuel entwirrte und Linguisten weltweit aufhorchen ließ. "Ein theoretisch-methodisches Meisterstück" jubelte Vilmos Agel und er jubelte mit Recht. Angelika Storrers Modell der "Situationsvalenz" brachte den Durchbruch.

Die vorliegende Arbeit stellt dieses Modell vor und illustriert es mit vielen Beispielen, so dass der abstrakte Stoff fassbar und verständlich wird. Sie bleibt terminologisch bei der Begrifflichkeit Storrers, arbeitet aber mit einer bildlichen, leicht zugänglichen Sprache. Sie ordnet Storrers Modell im Kontext der konkurrierenden Theorien ein und wagt schließlich einen Blick über den Tellerrand: Hat diese Theorie etwa auch Gemeinsamkeiten mit großen sprachphilosophischen Fragen? Ist sie mehr als "nur" perfektes Handwerk? Warum führt der Weg von ihr mühelos zu Humboldt und Chomsky? Eine Kür, die das Wirken der Sprachtheorien im Allgemeinen zum Schluss hin sichtbar macht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundüberlegungen des Modells

3 Die „statische Modellkomponente : Die valenzrelevanten Parameter“ (s. ebd.:260-273)

3.1 Wissensbezogene Parameter (s. ebd.:261-267)

3.1.1 „GS / S (Gesetzesbereich des Sprechers)“ (s. ebd.:265-266)

3.1.2 „GS / H / S (Der Gesetzesbereich des Hörers aus Sprechersicht)“ (s. ebd.:266-267)

3.1.3 „INF / S (Informationsstand des Sprechers)“ (s. ebd.:263-264)

3.1.4 „INF / H / S (Der Informationsstand des Hörers aus Sprechersicht)“ (s. ebd.:264-265)

3.2 „Situationsbezogene Parameter“ (s. ebd.: 267-273)

3.2.1 „t-p/U: Raum-Zeitliche Koordination der Äußerung“ (s. ebd.:269-270)

3.2.2 „Sit-Typ(Sit): Situationstyp der Äußerungssituation“ (s. ebd.:270-271)

3.2.3 „AM / (t/U): Momentaner Aufmerksamkeitsbereich“ (s. ebd.: 271-272)

3.2.4 „INT (t/U) / S : Momentane Interessenlage des Sprechers“ (s. ebd.: 272-273)

4 „Dynamische Modellkomponente : Das Zusammenspiel der Parameter“ (s. ebd.: 273-292)

4.1 „Schritt 1 : Situationsangemessene Rollenwahl“ (s. ebd.:274-281)

4.1.1 „Sprecherwissens-Filter“ (s. ebd.:277)

4.1.2 „Hörerwissens-Filter“ (s. ebd.:277-278)

4.1.3 „Relevanz-Filter“ (s. ebd.:278)

4.1.4 „Situations-Filter“ (s. ebd.:278)

4.1.5 „Gesetzeswissen-Filter“ (s. ebd.:278-279)

4.1.6 „Interessens-Filter“ (s. ebd.:279)

4.1.7 Das Ende der Filterstrecke

4.2 „Schritt 2 : Wahl eines valenzgeeigneten Verbs“ (s. ebd.:281-292)

4.2.1 Die „Frames“ – Basis für das „Pattern-Matching“

4.2.1.1 „Pattern-Matching 1“ (s. ebd.:289-291)

4.2.1.2 „Pattern-Matching 2“ (s. ebd.:291-292)

4.2.2 Die endgültig gewählten Verben

5 Zusammenfassung

6 Die Bedeutung des Modells für die Valenztheorie

7 Der geistige Charakter des Modells der Situationsvalenz

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Modell der „Situationsvalenz“ von Angelika Storrer detailliert vorzustellen und zusammenzufassen. Dabei wird untersucht, wie Sprecher in Abhängigkeit von der konkreten Kommunikationssituation und ihrem individuellen Wissensstand entscheiden, welche Verben und Ergänzungen in einer Äußerung realisiert werden.

  • Vorstellung und Illustration der statischen Modellkomponente (Parameter)
  • Analyse des dynamischen Prozesses der Rollenwahl mittels Filterstrecken
  • Erklärung des „Pattern-Matching“-Verfahrens zur Wahl eines valenzgeeigneten Verbs
  • Diskussion der Bedeutung des Modells für die linguistische Valenztheorie
  • Betrachtung des geistigen Charakters des Modells in Bezug auf Sprachphilosophie

Auszug aus dem Buch

4.2 „Schritt 2 : Wahl eines valenzgeeigneten Verbs“ (s. ebd.:281-292)

Nachdem nun die realisierbaren Rollen ihren Weg durch den Filter-Parcours geschafft haben, muss der Sprecher auch noch ein passendes Verb finden, welches eben diese Rollen an sich binden kann. Dazu benötigt er gewisse Vorkenntnisse. Storrer führt hierbei vier Arten auf, in denen deutsche Verben „in Opposition“ (ebd.:281) zueinander stehen können, wobei wir nur „Opposition 3“ (s. ebd.:283) und „Opposition 4“ (s. ebd.:284-286) erwähnen wollen, da diese zu den notwendigen Vorkenntnissen des Sprechers bei der Wahl des passenden Verbs gehören.

Die dritte Opposition betrifft dabei die „Perspektive“ (ebd.:283) des Verbs. Es geht dabei um die Fähigkeit des Verbs, eine Rolle zu realisieren, die nicht jedes Verb hat. Je nach Verb tritt die Rolle in ein anderes perspektivisches Licht. Das Verbpaar „anrufen“ und „telefonieren“ stellt ein solches Oppositionspaar dar. Anrufen bindet z.B. notwendigerweise ein Akkusativobjekt an sich.

(13) Klaus ruft Peter an.

Das Verb „telefonieren“ dagegen steht dazu in Opposition, da es die Rolle des Angerufenen als Akkusativobjekt nicht realisieren kann. Eine Äusserung wie

(14) *Klaus telefoniert Peter

ist nicht möglich.

So können also semantisch ähnliche Verben ihre Rollen in ganz andere Perspektiven stellen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Valenztheorie ein und stellt Angelika Storrers Modell der „Situationsvalenz“ als richtungsweisenden Ansatz vor.

2 Grundüberlegungen des Modells: Es wird erläutert, wie Storrers Modell die Valenz als dynamisch und situationsabhängig definiert, gesteuert durch statische Parameter.

3 Die „statische Modellkomponente : Die valenzrelevanten Parameter“ (s. ebd.:260-273): Dieser Teil katalogisiert die wissens- und situationsbezogenen Parameter, die den Entscheidungsspielraum für Äußerungen bilden.

4 „Dynamische Modellkomponente : Das Zusammenspiel der Parameter“ (s. ebd.: 273-292): Die Kapitel beschreiben den Prozess, wie Rollen durch Filter laufen und schließlich mittels „Pattern-Matching“ die passenden Verben ausgewählt werden.

5 Zusammenfassung: Eine kurze Rekapitulation der Funktionsweise des Modells, bestehend aus statischer Komponente und dynamischem Filter- bzw. Matching-Prozess.

6 Die Bedeutung des Modells für die Valenztheorie: Es wird diskutiert, warum das Modell eine funktionale Betrachtungsweise erfordert und bestehende Konventionen wie die Unterscheidung von obligatorischen und fakultativen Ergänzungen hinterfragt.

7 Der geistige Charakter des Modells der Situationsvalenz: Eine philosophische Einordnung, die das Modell mit Humboldts Sprachauffassung und Chomskys wissenschaftlichem Ansatz vergleicht.

8 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Einschätzung zur langfristigen Bedeutung des Modells für die Linguistik und künftige Valenzlexika.

Schlüsselwörter

Situationsvalenz, Valenztheorie, Sprachwissenschaft, Verbvalenz, Situationsrollen, Parameter, Kommunikation, Pattern-Matching, Performanz, Sprachgemeinschaft, Weltansicht, Angelika Storrer, Linguistik, Syntax, Dependenzgrammatik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt Angelika Storrers Modell der „Situationsvalenz“, welches erklärt, wie Verben und ihre Ergänzungen in Abhängigkeit von der konkreten Kommunikationssituation gewählt werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die statischen Komponenten (Wissens- und Situationsparameter), der dynamische Prozess der Rollenauswahl durch Filter sowie die Verbwahl durch Pattern-Matching.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, das komplexe Modell von Storrer in eigenen Worten zusammenzufassen, mit Beispielen zu illustrieren und dessen Bedeutung für die moderne Valenztheorie zu evaluieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit verwendet eine referierende und interpretierende Methode, die auf den linguistischen Grundlagen der Dependenzgrammatik und funktionalen Sprachtheorien basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die statischen Parameter, die dynamische Filterstrecke für Rollen sowie die Mechanismen der Verbwahl mittels Frames und Pattern-Matching.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Schlüsselwörter sind unter anderem Situationsvalenz, Valenztheorie, Kommunikation, Rollenwahl, Pattern-Matching, Parameter und Sprachgemeinschaft.

Warum ist das Modell laut der Arbeit „theoretisch-methodisch“ bedeutsam?

Es stellt klassische valenztheoretische Unterscheidungen wie die zwischen obligatorischen und fakultativen Ergänzungen infrage und plädiert für eine Einbettung der Valenz in eine funktionale Sprachtheorie.

Inwiefern zieht die Arbeit eine Parallele zu Wilhelm von Humboldt?

Die Arbeit vergleicht Storrers Sicht auf die Sprache als Tätigkeit in der Kommunikation mit Humboldts Konzept der Sprache als „Energeia“, die sich in der sozialen Interaktion ständig neu bildet.

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Details

Title
Storrers Modell der Situationsvalenz
College
Ruhr-University of Bochum  (Germanistisches Institut)
Course
Proseminar germanistische Linguistik
Grade
1,0
Author
Oliver Uschmann (Author)
Publication Year
2000
Pages
24
Catalog Number
V17825
ISBN (eBook)
9783638222990
ISBN (Book)
9783638815949
Language
German
Tags
Storrers Modell Situationsvalenz Proseminar Linguistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Oliver Uschmann (Author), 2000, Storrers Modell der Situationsvalenz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/17825
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