Wie lässt sich Schillers Konzept des Erhabenen mit der Romantik verbinden? Die Bachelorarbeit untersucht Joseph von Eichendorffs Novelle Das Marmorbild als romantische Aktualisierung von Schillers Erhabenheitskonzeption. Im Mittelpunkt stehen das Spannungsverhältnis zwischen Mensch und Natur, die Grenzen der Vernunft sowie die Bedeutung von Religion und Glauben für die menschliche Selbstbehauptung. Anhand von Schillers ästhetischer Theorie und zentralen Positionen der Früh- und Spätromantik wird herausgearbeitet, wie Eichendorff die vernunftgeleitete Autonomie des Menschen in einen religiösen Kontext überführt. Die Arbeit zeigt literarische Kontinuitäten und Umdeutungen zwischen Klassik und Romantik auf und eröffnet damit eine neue Perspektive auf das Verhältnis von Erhabenheit, Natur und Transzendenz.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Schillers Konzept des Erhabenen
2.1 Die Behauptung gegenüber den Bedrohungen der Natur
2.2 Das Scheitern des Erhabenen
3. Schillers und Eichendorffs Verhältnis zur Religion im Kontext der Erhabenheitsdebatte
3.1 Schillers Kritik an der Religion
3.2 Eichendorffs Religiosität
4. Die Frühromantik zwischen Kontinuität und Transformation
5. Der Einfluss der Natur in Eichendorffs Das Marmorbild
6. Eichendorffs Aktualisierung der Erhabenheit
7. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Abschlussarbeit untersucht, inwiefern Joseph von Eichendorff in seiner Novelle „Das Marmorbild“ (1819) eine romantische Aktualisierung von Friedrich Schillers klassizistisch geprägter Erhabenheitskonzeption vorgenommen hat, indem sie die Unterschiede zwischen rationaler Vernunftautonomie und glaubensorientierter Selbstbehauptung analysiert.
- Schillers Konzept des Erhabenen im theoretischen Kontext von Naturbedrohung und Vernunftautonomie
- Vergleich des Religionsverständnisses von Schiller und Eichendorff
- Die Frühromantik als Übergangsphase zwischen Kontinuität und Transformation (Wackenroder, Novalis)
- Der Einfluss der Natur und personifizierter Figuren in Eichendorffs „Das Marmorbild“
- Eichendorffs Aktualisierung des Erhabenen durch göttliche Hinwendung und den katholischen Glauben
Auszug aus dem Buch
2. Schillers Konzept des Erhabenen
Um die spätere Analyse von Eichendorffs romantischer Erhabenheitsprogrammatik angemessen einordnen zu können, erscheint es zunächst erforderlich, die von Schiller erarbeitete Erhabenheitskonzeption, die als grundlegendes Vergleichsobjekt herangezogen wird, näher zu erläutern. Bedeutend für Schillers Überlegungen zur Erhabenheit sind seine Anknüpfungen an Kants Schriften zur Ästhetik, die er unter anderem in seinem Werk „Kritik der Urteilskraft“ verschriftlicht hat. Kant, der sich im Verlauf des Werkes mit dem Begriff des Erhabenen und dessen Verhältnis gegenüber dem Schönen auseinandersetzt, versteht den Begriff as Ausdruck für die notwendige Überlegenheit des Menschen gegenüber der Natur. Das Erhabene symbolisiert für Kant dabei die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen und soll einen ergänzenden Kontrast zum Schönen darstellen, das alleine die Harmonie zwischen dem Erkenntnisvermögen des Individuums und der Natur benennt.
Dabei werden jedoch lediglich die Gefühle einer „Beförderung des Lebens“ dargestellt und unterscheiden sich hierdurch grundlegend von der Erhabenheit, die aufgrund ihrer Zuschreibung für eine „augenblicklichen Hemmung der Lebenskräfte“ mit einer größeren Ernsthaftigkeit verbunden ist. Nur durch das Erhabene ist es für ein menschliches Subjekt somit möglich, die Gefahren, die von der Natur ausgehen zu erkennen und sich schlussendlich gegen diese zu behaupten.
Auch für Schiller kann eine schreckliche und zerrissene Welt ebenfalls nicht nur durch das Schöne, sondern insbesondere durch das Erhabene beschrieben werden, da dieses aufkommende Konflikte und Schreckenssituationen durch die Natur nicht verdrängt, sondern in einer neuen ästhetischen Kategorie zusammenfasst. Während Kant jedoch auf eine affektlose und geradezu apathische Reaktion der Vernunft plädiert, da sie „zugleich das Wohlgefallen der reinen Vernunft auf ihrer Seite hat.“, widerspricht Schiller dieser Annahme vehement. Er argumentiert: „Die schöne Seele muß sich also im Affekt in eine erhabene verwandeln […]“. Obwohl Schiller mit seiner Erhabenheitskonzeption äußerlich an ein bereits bestehendes Konzept angeschlossen hat, unterscheiden sich die beiden Abhandlungen dennoch in ihren endgültigen Bestrebungen; insbesondere im Umgang mit den Gefahren die von der Natur ausgehen. Im Folgenden soll für eine bessere Einordnung daher Schillers Begriff des Erhabenen näher beschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor, ob Eichendorffs Novelle „Das Marmorbild“ als romantische Aktualisierung von Schillers klassizistischem Erhabenen begriffen werden kann.
2. Schillers Konzept des Erhabenen: Dieses Kapitel erläutert Schillers auf Kant basierende Theorie der Vernunftautonomie, das Theoretisch- und Praktischerhabene sowie das mögliche Scheitern des Subjekts.
3. Schillers und Eichendorffs Verhältnis zur Religion im Kontext der Erhabenheitsdebatte: Es wird analysiert, wie Schiller sich vom kirchlichen Christentum zugunsten der Vernunft löste, während Eichendorffs Weltanschauung auf einem tiefen Katholizismus basierte.
4. Die Frühromantik zwischen Kontinuität und Transformation: Anhand von Werken Wackenroders und Novalis' wird aufgezeigt, wie die Frühromantik als Übergangsphase den Absolutheitsanspruch der Vernunft relativierte und Kunst sowie Natur als Offenbarungsräume des Göttlichen interpretierte.
5. Der Einfluss der Natur in Eichendorffs Das Marmorbild: Der Hauptteil untersucht die Doppelrolle der Natur und personifizierter Figuren wie Venus, Donati und Fortunato und deren destruktiven oder schützenden Einfluss auf den Protagonisten Florio.
6. Eichendorffs Aktualisierung der Erhabenheit: Das Kapitel arbeitet heraus, dass Florios Selbstbehauptung nicht auf reiner Vernunft beruht, sondern durch die Rettung über eine externe, göttliche Instanz (Fortunato/Glaube) ermöglicht wird.
7. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Eichendorffs Konzept zwar auf Schiller aufbaut, aber die autonome Vernunft durch eine harmonische Abhängigkeit vom göttlichen Glauben ersetzt.
Schlüsselwörter
Erhabenheit, Friedrich Schiller, Joseph von Eichendorff, Das Marmorbild, Romantik, Vernunftautonomie, Naturverständnis, Religion, Katholizismus, Frühromantik, Novalis, Subjektbehauptung, Ästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Schillers klassizistischer Erhabenheitskonzeption und Eichendorffs romantischer Novelle „Das Marmorbild“ im Hinblick auf die Selbstbehauptung des Menschen gegenüber der Natur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Kernbereichen gehören die Ästhetik des Erhabenen, das Natur- und Kunstverständnis der Klassik und Frühromantik sowie die unterschiedlichen philosophischen und religiösen Positionen zu Vernunft und Glaube.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage lautet, ob Eichendorff mit seiner Novelle „Das Marmorbild“ eine romantische Aktualisierung des schillerschen Erhabenen vorgenommen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein textanalytischer und literaturhistorischer Vergleich durchgeführt, der theoretische Schriften (Kant, Schiller) mit literarischen Texten (Eichendorff, Wackenroder, Novalis) verschränkt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil beleuchtet Schillers Erhabenheitstheorie, die religionsphilosophischen Hintergründe beider Autoren, frühromantische Strömungen als Übergangsphase sowie eine detaillierte Figurenerzählung und Raumanalyse von Eichendorffs „Das Marmorbild“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Erhabenheit, Schiller, Eichendorff, Romantik, Vernunftautonomie, Religion, Natur und Subjektbehauptung.
Welche konkrete Funktion nimmt der Sänger Fortunato in Eichendorffs „Das Marmorbild“ ein?
Fortunato fungiert als schützende Instanz und symbolischer Ersatz für den ordnenden Verstand, indem er den Protagonisten Florio durch seine Lieder immer wieder aus der dämonischen Umklammerung der Venus in die gottgeschaffene Wirklichkeit zurückholt.
Warum scheitert die klassische Vernunftautonomie nach Schillers Maßstäben im Verhalten von Florio?
Florio erliegt den sinnlichen Verlockungen und der unkontrollierten Phantasie, anstatt sich durch moralische Stärke und reine Vernunft über die Bedrohungen der Natur zu erheben, wodurch er in eine existenzielle Abhängigkeit gerät.
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- Anonym (Autor), 2026, Erhabenheit im Umbruch. Eichendorffs "Das Marmorbild" als romantische Aktualisierung von Schillers Erhabenheitskonzeption, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1782791