Selbstgesteuertes Lernen und emotionale Intelligenz

Welche Bedeutung haben selbstgesteuertes Lernen und emotionale Intelligenz für Coaching- und Moderationsprozesse?


Hausarbeit, 2011

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Selbstgesteuertes Lernen
2.1 Definition „Selbstgesteuertes Lernen“
2.2 Selbstgesteuertes Lernen im Coachingprozess
2.3 Selbstgesteuertes Lernen im Moderationsprozess

3 Emotionale Intelligenz
3.1 Definition „Emotionale Intelligenz“
3.2 Emotionale Intelligenz im Coachingprozess
3.3 Emotionale Intelligenz im Moderationsprozess

4 Praxisbeispiel
4.1 Beschreibung des Szenarios
4.2 Aspekte des selbstgesteuerten Lernens
4.3 Aspekte der emotionalen Intelligenz
4.4 Fazit des Praxisbeispiels

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Bedeutung von selbstgesteuertem Lernen und emotionaler Intelligenz für den Coaching- und Moderationsprozess wird im Folgenden hergeleitet durch das Herausstellen spezifischer Merkmale des selbstgesteuerten Lernens und der emotionalen Intelligenz. An dieser Stelle werden von der Autorin die Merkmale bewusst selektiert. Die umfangreiche wissenschaftliche Literatur zu diesen Elementen gäbe das Fundament für viele weitere Merkmale. Eine Fokussierung ist aufgrund des angestrebten Umfanges der Arbeit unerlässlich.

In einem nächsten Schritt werden Coaching- und Moderationsprozesse im Allgemeinen unter der Perspektive der herausgestellten Merkmale analysiert.

Das selbstgesteuerte Lernen wird betrachtet als Lernprozess des Coachees und der Teilnehmer einer Moderation. Die emotionale Intelligenz wird angenommen als Kompetenz-Grundlage des Coachs und des Moderators.

Im letzten Kapitel wird als praktisches Beispiel eine real durchgeführte Moderation analysiert mit dem Fokus auf die Umsetzung von selbstgesteuertem Lernen und den Anforderungen an die emotionale Kompetenz des Moderators in dieser Situation.

2 Selbstgesteuertes Lernen

2.1 Definition „Selbstgesteuertes Lernen“

Das Thema „Selbstgesteuertes Lernen“ (im englischen Sprachraum self-directed learning oder self-planed learning) , wird seit den 1980er Jahren in der Literatur der Bildungswissenschaften stärker behandelt. Die Ursprünge werden in der kognitionstheoretischen Orientierung in der Psychologie um 1970 gesehen, wobei der Lerner hier als aktiv, selbstreflexiv und dem eigenen Lernen gegenüber verantwortungsbewusst gesehen wird (vgl. Kilius, 2007, S. 3). Dass die Forderung nach Selbststeuerung und Selbst­verantwortung in der klassischen Pädagogik allerdings nicht neu ist, zeigt ein Zitat Hugo Gaudigs (1860-1923), der in seinem Werk „Freie geistige Schularbeit in Theorie u. Praxis, 1922“ Selbsttätigkeit u.a. in der Zielsetzung, in der Ordnung des Arbeitsvorganges, bei Entscheidungen an kritischen Punkten und bei der Kontrolle des Arbeitsganges für den freitätigen Schüler fordert (vgl. Kilius, 2007, S. 3).

Die heutige Bedeutung des selbstgesteuerten Lernens – vor allem in der Erwachsenenbildung – ist zu sehen vor dem Hintergrund der Technologie­entwicklung, der ansteigenden Geschwindigkeit von Veränderungszyklen in der Wirtschaft und der daraus resultierenden Anforderung an den Menschen. Vor allem besteht die Anforderung an den berufstätigen Menschen, sein Wissen aktuell zu halten und somit einen lebenslangen Lernprozess aktiv zu gestalten.

Eine einheitliche Definition von selbstgesteuertem Lernen gibt es nicht, im Grundsatz sind sich die Definitionen allerdings sehr ähnlich. Nach Weinert beeinflusst der Lernende die wesentlichen Entscheidungen „ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt“ (Weinert, 1982, S. 102). Für Deitering ist der Mensch beim selbstgesteuerten Lernen der „Initiator und Organisator seines eigenen Lernprozesses“ (Deitering, 1995, S. 11). (Kilius, 2007). Konrad und Traub definieren selbstgesteuertes Lernen als „eine Lernform, bei der der Lernende abhängig von der Art der Lernmotivation selbstbestimmt Steuerungsmaßnahmen (meta-)kognitiver, volitionaler oder verhaltensmäßiger Art ergreift und den Fortgang des Lernprozesses selbst (metakognitiv) überwacht, reguliert und bewertet“ (Konrad & Traub, 1999, S. 13).

Im Gegensatz zur Selbststeuerung ist die Fremdsteuerung

- der Lehrer (Dozent, Trainer, Moderator, Coach),
- die eingesetzten Medien (z.B. Webinar, Buch), die einen Lernprozess oder die Lerninhalte anbieten sowie
- Anweisungen.

Fremdsteuerung sind „diejenigen Einflüsse, die von außen auf den Lerner und die Gestaltung seines Lernens einwirken“ (Konrad & Traub, 1999, S. 11). Der selbststeuernde Lerner entscheidet allerdings, inwieweit er diese Angebote und Einflüsse für seine Wissenserweiterung nutzt. Aus dieser Überlegung heraus ergibt sich, dass es weder eine Reinform der vollkommenen Fremdsteuerung, noch eine Reinform der vollkommenen Selbststeuerung gibt. Der Lernprozess ist als Kombination aus Selbststeuerung (freie Wahl der Methode) und Fremdsteuerung (Angebot bzw. Aufbereitung des Lerninhaltes) in variablen Anteilen zu sehen.

Verbreitet in der Literatur ist die Unterteilung von selbstgesteuertem Lernen in drei Komponenten[1] :

- motivationale Komponente,
- kognitive Komponente,
- metakognitive Komponente.

Die motivationale Komponente steuert durch die persönlichen Bedürfnisse und Interessen des Lerners die Lerninhalte, allerdings auch durch negative oder positive Emotionen den Lernprozess und Lernerfolg. „So konnte bestätigt werden, dass insbesondere sorgenvolle Gedanken, wie die Angst vor drohenden Konsequenzen bei Misserfolg (…), die Aufmerksamkeit vom Lerngegenstand ablenken und so den Lernprozess beeinträchtigen“ (Tümer, 2007, S. 13).

Die kognitive Komponente berücksichtigt das individuelle inhaltliche Vorwissen sowie die vom Lerner gewählte Lernstrategie.

Die metakognitive Komponente verantwortet das Planen, Überwachen und Evaluieren des Lernprozesses durch den Lerner (vgl. Tümer, 2007, S. 14).

2.2 Selbstgesteuertes Lernen im Coachingprozess

Im Coaching (hier wird konkret das Business-Coaching betrachtet) kann von folgender Ausgangssituation ausgegangen werden:

Der Coachee wählt Coaching als Weiterbildungsmaßnahme ( kognitive Komponente ). Dies geschieht entweder komplett eigeninitiativ oder aktiv, dadurch dass ihm Coaching z.B. vom Vorgesetzten oder Arbeitgeber angeboten oder empfohlen wurde. Das heißt im Sinne des selbstgesteuerten Lernens ist der Lerner hier der Initiator[2].

Für das Coaching bringt der Coachee seine Themen, Fragestellungen bzw. Problemstellungen mit ( motivationale Komponente ). Er bestimmt folglich den Inhalt des Coachings und somit den Inhalt der Lerneinheit.

Im Coachingprozess nimmt der Coachee eine aktive Rolle ein. Der Coach als Fremdsteuerer macht dem Coachee Prozess- und Methodenangebote. Welche dieser Methoden der Coachee für seine Lösungsfindung annimmt und in welcher Geschwindigkeit eine Lösung erarbeitet wird, liegt wieder in der Steuerung des Coachees. In dieser Phase ist es besonders wichtig, dass der Coach darauf achtet, welche Signale der Coachee aussendet, um die idealen Rahmenbedingungen (Räumlichkeiten, Umfeld, Arbeitsmaterialien), Methoden (Fragestellung, nonverbale Methoden), Intensität und Geschwindigkeit anzubieten, um den Coachee in seinem Lernprozess optimal zu fördern.

Bei Abschluss einer Coaching-Einheit wird durch das Feedback der Prozess durch den Coachee beurteilt ( metakognitive Komponente ). Der Coachee legt fest, wann und ob er mit der Bearbeitung fortfahren möchte. Der Coach als Fremdsteuerer übernimmt lediglich die Rolle des Vorschlagenden oder Empfehlenden.

Die Aufgabe des Coachs im gesamten Coaching besteht also darin, das selbstgesteuerte Lernen des Coachees optimal zu unterstützen und zu fördern, um damit die Erlangung nachhaltigen Wissens beim Lerner zu ermöglichen. Die Ermutigung zum selbstgesteuerten Lernen erreicht ein Coach neben vielen Methoden, Arbeitsmitteln und Rahmenbedingungen auch durch die Achtung gegenüber dem Coachee (vgl. Graeßner, 2010, S. 22). In dieser Achtung drückt der Coach aus, dass er an die Kompetenz des Coachees glaubt, die Lösung selbst zu erarbeiten, sein Lernen selbst zu organisieren und somit den Erfolg des Lernprozesses zu sichern. Diese verbal oder nonverbal kommunizierte Achtung ermutigt den Coachee, die genannten Kompetenzen einzusetzen.

2.3 Selbstgesteuertes Lernen im Moderationsprozess

Moderierte Workshops in Unternehmen haben meistens das Ziel, Wissen gemeinsam zu erarbeiten, Planungen oder Maßnahmenpläne für definierte Themen gemeinsam zu erstellen, Strategien aufzustellen oder von Erfahrungen zu partizipieren. Gemeinsam ist den genannten Zielen, dass das gemeinsame Wissen der Teilnehmer vergrößert werden soll. Der Moderator hat die Aufgabe, dafür den Beteiligten die geeigneten Tools an die Hand zu geben und durch den Prozess zu leiten.

[...]


[1] Nachzulesen lt. Tümer, 2007 in Brunstein und Spörer (2006): Selbstgesteuertes Lernen. Artelt (2000): Strategisches Lernen. Friedrich und Mandl (1997): Analyse und Förderung selbstgesteuerten Lernens. Konrad und Traub (1999): Selbstgesteuertes Lernen in Theorie und Praxis.

[2] Anmerkung: Die Situation, dass ein Mitarbeiter gegen seine Überzeugung zu einem Coaching geschickt wird, soll an dieser Stelle nicht betrachtet werden, da es sich um eine unvorteilhafte Situation für Coach und Coachee handelt und ein Coachingprozess im eigentlichen Sinne, sollte der Coachee diese ablehnende Haltung beibehalten, nicht stattfinden kann.

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Details

Titel
Selbstgesteuertes Lernen und emotionale Intelligenz
Untertitel
Welche Bedeutung haben selbstgesteuertes Lernen und emotionale Intelligenz für Coaching- und Moderationsprozesse?
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
23
Katalognummer
V178294
ISBN (eBook)
9783656002604
ISBN (Buch)
9783656002222
Dateigröße
525 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionale Kompetenz, Selbstgesteuertes Lernen, Coaching, Business Coaching, Moderation, Stakeholder eines Moderationsprozesses
Arbeit zitieren
Melanie Harps-Pötter (Autor), 2011, Selbstgesteuertes Lernen und emotionale Intelligenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/178294

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